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Königliches Spiel

Schachspiele aus der Sammlung von Dieter Stojan
Königliches Spiel

Seit seiner Entstehung, wohl im frühen 7. Jahrhundert in Indien, hat sich das Schachspiel unaufhaltsam über die ganze Welt verbreitet. Lediglich aus einem quadratischen Spielfeld und zwei Sätzen verschiedenfarbiger Spielfiguren bestehend, haben sich über die Jahrhunderte unzählige Varianten verschiedener Gestaltformen entwickelt.

Autor: Heinz Fink

I Legenden und Überlieferungen in frühen literarischen Texten aus Persien und Arabien nennen Indien als Herkunftsland des Schachspiels – mit Sicherheit belegen lässt sich das aber nicht. Erste archäologische Funde von Schachfiguren lassen sich auf das 9. Jahrhundert im damaligen Persien datieren. Von dort aus gelangte es durch die Eroberungszüge der Araber über Nordafrika nach Spanien und später nach Frankreich, England und ganz Mittel- und Nordeuropa.

Gestalterische Bandbreite
Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben sich gestaltende Handwerker mit dem Thema Schachspiel beschäftigt. Das Gestalten unterlag dabei dem jeweiligen Kulturkreis und vor allem dem herrschenden Zeitgeschmack. Dieter Stojan hat sich dem Schachspiel gleich auf zweierlei Art genähert: Als gelernter Tischler und Drechsler hat er sich auf praktische Weise mit dem Gestalten neuer Spielfiguren beschäftigt. Als passionierter Schachspieler hat er in den vergangenen 40 Jahren eine stattliche Zahl unterschiedlicher Schachspiele gesammelt.
Seine Sammlung zeigt eine Vielzahl verschiedenartiger Schachspiele, die meisten davon aus Holz, aber auch solche aus Keramik, Speckstein oder gar Elfenbein. Darunter figürliche Darstellungen, wie ein gedrechseltes und beschnitztes Spiel in Ahornholz aus dem Erzgebirge, aber auch abstrakte Spielfiguren, wie die des 1923 von Johannes Hartwig entworfenen „Bauhaus-Schachs“. Afrikanische Schachspiele mit Tier- und Menschenköpfen oder ein Spiel aus Polen mit farbenkräftiger Bemalung in Rot und Grün, das der Volkskunst zuzuordnen ist.
Spielfeld und Figuren als Einheit
„Figuren und Brett müssen für mich eine materiale Einheit bilden“, so Dieter Stojan, „darüber hinaus muss die Größe der Spielfelder zur Größe der Figuren passen, denn nur so lässt sich damit gut spielen.“ Und das war der Anstoß für das Gestalten und Sammeln! Eine besondere Herausforderung beim Entwurf seiner eigenen Schachspiele sei die Gestaltung des Springers gewesen: sollte diese Figur doch nicht „zusammengesetzt“ werden sondern, soweit möglich, gedrechselt sein.
„Fixe Idee“ als Herausforderung
Sein erstes Schachspiel drechselte Stojan 1973 nach einem Entwurf von Cornelius Sternmann aus Esche und Wengé mit einem Spielfeld aus Querholzfeldern derselben Holzarten. Der Springer besitzt hier noch einen angedeuteten Pferdekopf. In seinem zweiten, 1983 entstandenen Spiel aus Eiche und Mooreiche ist diese Figur schon weitaus abstrahierter gestaltet (siehe Seite 119 oben rechts): „Hier reicht ein ’Schnitt’ oder eine Auskerbung, um den Charakter der Figur noch eindeutig zu zeigen“, so Dieter Stojan.
Das jüngste Spiel entwarf und fertigte Stojan 2012 aus Kirschbaum und Pflaumenholz. Die figürlich abstrahierten Spielsteine sind konsequent aus den Drehformen Zylinder, Kegel und Kugel entwickelt und unterscheiden sich neben ihrer Größe vor allem durch ihre differenzierten „Hutformen“: Bauer, König, Dame, Läufer und Turm erscheinen wie kleine, wohlproportionierte Spielzeugfigurinen; die Figur des Springers bildet ein Kegel, mit zwei facettierten Flächen und einer Einkerbung – vielleicht doch die Ohren eines Pferdes?
Ein ausgefallenes Exemplar in Stojans Sammlung hat Johannes Scharfenstein, Schreinermeister aus Meschede, mit seinem – wohl in den 70er-Jahren enstandenen – Schachspiel entworfen: Allen würfelförmigen Spielsteinen aus Esche und Wengé, mit einer Kantenlänge von 5 cm, ist auf einer der sechs Flächen, der für diese Figur typische Spielzug eingraviert. Die Würfel stecken in einem mit hellem und dunklem Furnier unterlegten Rahmen. So kann das Spielfeld auch als wandelbare Plastik an der Wand hängen. Das gezeigte Spiel stellt einen autorisierten Nachbau aus der Meisterschule Ebern dar. I

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Fotostrecke zum Holzsplitter „Schachspiele“

Seit seiner Entstehung, wohl im frühen 7. Jahrhundert in Indien, hat sich das Schachspiel unaufhaltsam über die ganze Welt verbreitet. Lediglich aus einem quadratischen Spielfeld und zwei Sätzen verschiedenfarbiger Spielfiguren bestehend, haben sich über die Jahrhunderte unzählige Varianten verschiedener Gestaltformen entwickelt. Hier sehen Sie noch weitere Spiele aus der Sammlung von Dieter Stojan.
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