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Lebens(lange) Begleiter

Ein Besuch beim Schreibgerätehersteller Stefan Fink in Hamburg
Lebens(lange) Begleiter

Sie tragen solch klangvolle Namen wie „Albatros“, „Star’“und „Nachtigall’, „Milan“, „Storch“ und „Kuckuck“ und sind wahre Handschmeichler. Manche tragen sogar Federn – genauer gesagt nur eine: eine Finkfeder! Die Rede ist von den edlen Schreibgeräten des Hamburger Drechslers und Tischlers Stefan Fink. Seit 25 Jahren entwirft und fertigt er edle Schreibgeräte aus Holz.

Autor: Heinz Fink

I Keine fünf Laufminuten vom Südufer der Außenalster entfernt, im Hamburger Stadtteil St. Georg gelegen, findet sich im historischen Backsteinbau einer ehemaligen Maschinenbaufabrik das Werkstattatelier von Stefan Fink. Der 56-jährige gelernte Drechsler und Tischler und studierte Industriedesigner fertigt hier seine weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannten und geschätzten Schreibgeräte. In der fast 7 m hohen, durch große Metallsprossenfenster hell erleuchteten Werkstatt entstehen seine Füllfederhalter, Skizzier- und Druckbleistifte aus edlen Hölzern, die von Schreibenthusiasten und Sammlern in aller Welt geschätzt werden.

Hölzer aus aller Herren Länder
Das Material – sein Material – ist das Holz! Wen wunderts, wird man denken, ist er doch Drechsler und Tischler. Aber nicht Buche, Fichte und Kiefer sind seine Werkstoffe, sondern Hölzer mit solch klangvollen Namen wie Amaranth, Bubinga und Rosenholz, Grenadill, Fernambuk und Königsholz. Exotische Holzarten mit ausdrucksstarker Zeichnung, Farbe und Struktur. Aber auch „einheimische“ Holzarten wie Buchsbaum, Eibe und Olive verwandelt er in funktionale Schmuckstücke zum Schreiben. Bisweilen finden auch solch seltene Stücke wie die Hölzer des Goldregens oder des Perückenstrauches oder gar das harte, einige Tausend Jahre alte Holz einer Mooreiche den Weg in seine Werkstatt.
Die Entdeckung der Langsamkeit
Diesem wertvollen Rohstoff widmet Stefan Fink demnach auch ein besonderes Augenmerk und lässt ihm das Wichtigste angedeihen, das es gibt: Ruhe und Zeit. Schon Jahre bevor er eines seiner Schreibgeräte fertigstellt, macht er sich auf die Suche nach geeignetem Holz dafür. Gut getrocknet und rissfrei muss es sein. Und doch lässt er es nach dem Zuschnitt zu Kanteln von 20 cm Länge und etwa 20 x 20 mm Querschnitt noch einmal einige Jahre trocknen. Jedes Stück Holz, das er in seiner Werkstatt zu einem Schreibgerät verarbeitet, wird gekennzeichnet, mit Datum versehen und in ein Buch eingetragen, um seinen „Lebensweg“ vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt zu dokumentieren. Auch nach dem Bohren und Vordrehen auf der Drechselbank werden die beiden Teile eines Füllfederhalters wieder penibel verbunden, beschriftet und lagern als Rohhülsen für einige weitere Jahre auf einer Ablage über einem Heizkörper hinter einer seiner Drechselbänke.
Haben sich die Hölzer nach Jahren der Lagerung stabilisiert und schwinden nicht mehr, bringt sie der Meister auf der Drechselbank virtuos mit Röhre und Meisel in ihre endgültige Form, passt die jeweilige Präzisionsmechanik für seine Kolbenfüller, Druckbleistifte und Tintenroller ein und behandelt die Hölzer abschließend mit einer selbst hergestellten Mischung aus Ölen und Wachsen.
Handwerk und Hightech
Aber nicht nur in der Verarbeitung der Holzteile seiner Schreibgeräte setzt Stefan Fink höchste Ansprüche, auch die Qualität der Mechaniken und technischen Teile muss seinen strengen Kriterien genügen: So werden die Schreibfedern seiner Füllfederhalter in einer der letzten deutschen Federmanufakturen in Heidelberg nach seinen Angaben gefertigt und mit einem kleinen Vogel und seinem Namen versehen. Seine Kunden haben dabei die Auswahl unter verschiedenen Strichstärken und Ausführungen – bis hin zur 18-Karat-Goldfeder. Aber Stefan Fink ist nicht nur Handwerker mit Leib und Seele, sondern als studierter Industriedesigner auch Tüftler und Erfinder in Personalunion: Einige der Mechaniken seiner Stifte hat er in Zusammenarbeit mit einer Spezialfirma selbst entwickelt.
Philosophie des Schreibens
Stefan Fink lediglich als begabten Handwerker, präzisen Techniker oder ideenreichen Designer zu sehen, wird seinem Wesen nicht gerecht. Neben all diesen Eigenschaften strahlt er eine gehörige Portion innere Ruhe und Ausgeglichenheit aus. „Schreiben ist Leidenschaft“, sagt er. „Von Hand zu schreiben hat etwas Sinnliches. Es entschleunigt unser Leben und zwingt uns zum Nachdenken, weil es bei diesem Prozeß keine ,Lösch-Taste‘ gibt. Außerdem ist es ein wunderbarer Ausgleich zur flüchtigen, digitalen Kommunikation.“
Internationaler Kundenkreis
Etwa 200 Schreibgeräte verlassen nach eingehender Endkontrolle Stefan Finks kleine Werkstatt – jeder seiner Füllfederhalter wird eigenhändig von ihm eingeschrieben. Viele davon sind für Kunden in Japan gefertigt, denn dort werden seine Arbeiten hoch geschätzt.
Achtung vor dem Material, Geduld und ein hohes Selbstverständnis für die eigene Arbeit sind auch dort verbreitete Tugenden – ganz wie im Falle Stefan Finks. Übrigens: Auf die Frage hin, wie lange die Anfertigung eines seiner Schreibgeräte in etwa dauert, antwortet er kurz und prägnant und mit einem verschmitzten Lächeln: „Sieben Jahre!“ I
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