Werkstattbesuch beim Löffelmacher Gerold Heinzler. Lirum, larum, ... - BM online
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Lirum, larum, …

Werkstattbesuch beim Löffelmacher Gerold Heinzler
Lirum, larum, …

… Löffelstiel, heißt es in einem alten Volkslied, das auch Gerold Heinzler aus Pfronstetten auf der Schwäbischen Alb während der Arbeit anstimmen könnte. Denn der gelernte Tischler fertigt Kochlöffel, Rührgeräte und Salatbestecke in allen erdenklichen Formen aus heimischen Obst- und Edelhölzern.

BM-Redakteur Heinz Fink

Unter gleichmäßig sonorem Ton läuft das mit grobem Korn bestückte, sich im rhythmischen Wechsel auf und ab bewegende Band der Schleifmaschine über die Umlenkrolle. Beim Einsetzen des Werkstückes verändert sich das Geräusch in ein scharfes Zischen, das sich in der Tonhöhe je nach Größe der Angriffsfläche und Materialabnahme verändert. Mit sicherer Hand wird das Werkstück an der Rolle vorbeigeführt und die Kontur der Innenrundung ausgearbeitet, um, flux gedreht, am geraden Teil der Schleifmaschine die Außenseite in Form zu bringen. Zug um Zug nimmt der zuvor auf der Bandsäge vorgesägte Rohling aus Kirschbaum die Form eines fein geschwungenen Pfannenschabers an.

Was so einfach und behände aussieht, ist jedoch das Ergebnis jahrelanger Routine und zigtausender Kochlöffel, Pfannenschaber und anderer Küchengeräte, die Gerold Heinzler in seiner Werkstatt im schwäbischen Pfronstetten im virtuosen Umgang mit der Kantenschleifmaschine in freier Form schon entstehen lassen hat.

Der (nicht ganz einfache) Weg zum Holz

Eigentlich wollte Gerold Heinzler nach seinem Schulabschluss Koch werden, doch schreckten ihn die Arbeitszeiten ab. Eine Ausbildung zum Schreiner in einem Glaser- und Fensterbaubetrieb begeisterte ihn jedoch nicht, sodass er nach kurzer Zeit wechselte und seine Lehre in einem Möbel- und Innenausbaubetrieb fortsetzte. Schon zu dieser Zeit zog er jedes noch so kleine Stück Massivholz aus der Restekiste und rettete es, zum Spott seines Meisters und seiner Kollegen, vor dem Werkstattofen, um daraus irgendetwas Schönes zu fertigen.

Nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung war Gerold Heinzler ab 1997 als selbstständiger Subunternehmer und Monteur für verschiedene Schreinereibetriebe unterwegs. Es folgten ab 2002 Gesellentätigkeiten bei einem namhaften Zulieferer für die Caravanindustrie und einem Fertighausbauer mit angeschlossener Innenausbauabteilung.

Eine ihn seit der Kindheit beeinträchtigende, gesundheitliche Einschränkung führte dazu, dass Gerold Heinzler seinen Beruf 2012 schweren Herzens aufgeben musste und eine Umschulung zum Kaufmann bei einem Holzwerkstoffhändler begann. Doch die Büroarbeit wollte dem überzeugten Holzwurm nicht recht schmecken. Auf eine teilweise Berufsunfähigkeit und die Entscheidung zum Hausmann folgte 2014 die Gründung seines Unternehmens „Smere 72“ – bestehend aus seinem Spitznamen und seinem Geburtsdatum 1972 – und der Herstellung von Gebrauchs- und Kunstgegenständen aus Holz.

Lokale und exotische Holzspezialitäten

Seine nützlichen Gebrauchsgegenstände für Haus und Küche fertigt Gerold Heinzler in seiner kleinen, an sein Wohnhaus anschließenden Werkstatt. Seine Rohstoffquelle sind dabei die reichhaltigen Streuobstwiesen seiner schwäbischen Alb-Heimat. Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschge, aber auch Reneklode, Mirabelle, Nussbaum und Wacholder zählen dabei zu seinen bevorzugten Holzarten. Doch auch solch feine Raritäten wie Buchsbaum, Kreuzdorn oder Lebkuchen- und Honigbaum finden sich in seinem Holzlager.

Neben besagten Streuobstbeständen und neu ausgewiesenen Baugebieten sorgen auch befreundete Baumpfleger- und Landschaftsgärtner für allzeit genug Nachschub im Lager von Gerold Heinzler. Sind so 20 bis 30 Stämme zusammengekommen, lässt er diese durch einen Lohnsäger auf einem mobilen Sägewerk einsägen. Nach einer Trocknungszeit von drei bis fünf Jahren sind diese bereit zur Weiterverarbeitung.

Gekonntes Freiformen

Die wichtigsten Maschinen in der Werkstatt von Gerold Heinzler sind eine kompakte Bandsäge und eine oszillierende Kantenschleifmaschine. Nachdem die Form mithilfe einer Plexiglasschablone auf das Werkstück übertragen wurde, wird diese auf der Bandsäge ausgeschweift und in der Stärke ausgedünnt – dabei anfallende Abschnitte wandern nicht etwa in den Ofen, sondern werden für kleinere Projekte beiseite gelegt. Anschließend arbeitet Gerold Heinzler an der mit einem Band mit 40er-Körnung bestückten Kantenschleifmaschine die Form des Löffels frei Hand grob vor, ein 150er-Band dient später zur feineren Ausformung.

Der Feinschliff erfolgt an der Hobelbank mit dem Exzenterschleifer bis Körnung 180, gefolgt von vielen Arbeitsgängen per Hand bis zur Körnung 500 per Schleifvlies. Vor dem Ölen mit lebensmitteltauglichem Mohnöl werden alle Küchengeräte mehrfach gewässert und zwischengeschliffen, um eine dauerhafte Oberfläche zu erhalten, die auch im täglichen Gebrauch beständig ist.

Tausendundein Löffel …

Die Varianten an Küchenhelfern im Sortiment von Gerold Heinzler sind zahlreich. Neben Kochlöffeln für Links- und Rechtshänder, Rührstäbchen, Salatbestecken, Pfannenkratzern oder Zucker- und Gewürzlöffeln finden sich auch solch exotische Werkzeuge wie Risottorührer, Pizza- und Flammkuchenspatel und Wokbestecke. Seine Produkte verkauft Gerold Heinzler übers Jahr auf zahlreichen Kunsthandwerker- und Weihnachtsmärkten zwischen Heilbronn und Zwiefalten, die dem kommunikativen Holzhandwerker die Möglichkeit bieten, direkt mit seinen Kunden ins Gespräch zu kommen, um seine individuellen Produkte rund ums Kochen vorzustellen. Nicht selten enstehen so Ideen für neue Produkte oder er kommt auf diesem Weg zu einem weiteren Stamm edlen Obstholzes.

www.smere72.de

Hier finden Sie weitere Holzsplitter.

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