Werkstattbesuch beim Drechsler- und Schreinermeister

Rund und eckig

Der Drechsler ist fürs Runde, der Schreiner fürs Eckige zuständig – was nur bedingt stimmt. Kurt Knauber aus Weidenstetten beherrscht auf jeden Fall beides, denn er ist sowohl gelernter Drechsler als auch Schreiner und führt beide Meistertitel.

von BM-Redakteur Heinz Fink

Schon von Weitem sieht man es: Holz, Holz, überall Holz! Mächtige Stammabschnitte einer Platane, zu kräftigen, quadratischen Balken geschnittenes Eichenholz, in starke Bohlen gesägter Kirsch-, Apfel- und Nussbaum – alles sauber aufgestapelt bis unters Dach der selbst gezimmerten Unterstände. Dahinter schaut ein kleines Häuschen hervor, über die großen Fenster und Türen im Erdgeschoss deutlich als Werkstatt erkennbar. Drehschrei ist auf dem schlicht gestalteten Firmenschild zu lesen, daneben ein rechteckiges Stück Eichenholz mit drei Einschnitten, in das eine ebenfalls hölzerne Kugel eingefügt ist. Eckiges scheint hier auf Rundes zu treffen. Es ist der Hinweis auf jemanden der beides meisterlich beherrscht, das Drechsler- und das Schreinerhandwerk, die Werkstatt von Drechsler- und Schreinermeister Kurt Knauber aus Weidenstetten im Alb-Donau-Kreis.

Das kleine Haus auf der Ostalb hat eine lange Handwerksgeschichte und für Kurt Knauber eine besondere persönliche Bedeutung. Denn im ersten Stock dieses Gebäudes wurde er vor nun fast 50 Jahren geboren, direkt über der Wagnerwerkstatt seines Großvaters. Schon sein Urgroßvater arbeitete als Gestellmacher – wie der Wagner auch genannt wird – beim LKW-Hersteller Magirus-Deutz in Ulm. Kein Wunder also, dass den kleinen Kurt, der sozusagen zwischen Holz und Spänen aufwuchs, sein beruflicher Weg fast zwangsläufig zum Holz führen musste.

Doppelqualifikation

Schon während seiner Schreinerlehre nutzte Kurt Knauber die heimische Werkstatt, um erste Möbel für sich und die Familie zu bauen. Da die alten Wagnereimaschinen dafür nicht geeignet waren, wurde eine Kombimaschine angeschafft. Eine Maschine seines Großvaters jedoch hatte es ihm besonders angetan, die alte Drechselbank. Nach ersten autodidaktischen Versuchen darauf, beschloß er gleich nach bestandener Gesellenprüfung als Schreiner eine zweijährige Drechslerlehre bei der Drechslerei Weiss in Sontheim/Brenz anzuhängen.

Nach dem Zivildienst und mit zwei Gesellenbriefen in der Tasche zog es Kurt Knauber aber erst einmal in die Ferne. Als frei wandernder Geselle begab er sich auf eine zweijährige Wanderschaft durch Süddeutschland. In München arbeitete er für einige Monate bei Drechslermeister Peter Seiler, dessen Werkstatt aus den Pumuckelfilmen bekannt ist. In Augsburg und der Bodenseegegend fand er wiederum Arbeit als Schreiner und blieb nach Ende seiner Wanderzeit noch drei weitere Jahre dort.

Zurückgekehrt in die Heimat, besuchte Kurt Knauber die Meisterschule in Ulm, die er 1998 als Schreinermeister abschloß. Einem Meistervorbereitungskurs in Bad Neustadt beim Drechslerpapst Gottfried Böckelmann schloss sich die Meisterprüfung als Drechsler an. Alle notwendigen Briefe in der Tasche, stand dem Traum von der Selbstständigkeit nun nichts mehr im Wege. Mit vereinten Kräften von Familie, Verwandten und Freunden wurde die ehemalige Wagnerei des Großvaters umgebaut und so konnte 1999 die eigene Drechsler- und Schreinerwerkstatt eröffnet werde.

Leidenschaft für Massivholz

Etwas aus Holz zu machen, ist Kurt Knauber ja sozusagen schon in die Wiege gelegt worden. Seit den Kindertagen in der Werkstatt seines Großvaters ist er davon begeistert und verarbeitet heute, nach fast 20 Jahren der Selbstständigkeit, fast ausschließlich Massivholz.
Einen Großteil seines Holzvorrates von gut 50 m³ hat er selbst eingeschnitten und jährlich kommen gut 5 bis 10 m³ dazu – das Meiste davon aus der näheren Umgebung. Er fertigt daraus Schalen, Vasen, Kerzenständer, Pfeffermühlen und allerlei andere Drechslerarbeiten an. Aber auch in der Schreinerei kommt fast ausschließlich Massivholz zum Einsatz: Es entstehen individuell gestaltete Einzelmöbel und Innenausbauten aus Apfel-, Kirsch- und Nussbaum, aber auch aus Eiche, Esche, Rüster oder Ahorn – am liebsten verkernt und mit ausdrucksstarker Maserung.

Handwerkliche Synergien

Seine Kunden findet Kurt Knauber zu 60 % über Kunsthandwerkermärkte, an denen er mehrmals im Jahr teilnimmt. Dort zeigt er sich, unterstützt durch Vorführungen an der Wippdrehbank, überwiegend mit seinen Drechselarbeiten. Das macht die Leute neugierig und zieht potentielle Kunden an, die in seinen mitgebrachten Fotoalben stöbern und dadurch auch auf seine Schreinerarbeiten aufmerksam werden. Kaum ein Markt, von dem er nicht mit einer Handvoll neuen Aufträgen nach Hause kommt. „Da braucht es keine weitere kostspielige Werbung“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Was natürlich nur die halbe Wahrheit ist, denn neben einer gut gestalteten Webseite, hat er im Zuge einer Werkstatterweiterung im Jahr 2004 auch einen Ausstellungsraum im Stockwerk darüber eingerichtet. Hier kann er, umgeben von Beispielen seiner Drechsel- und Schreinerarbeiten, mit Kunden in angenehmer Atmosphäre Beratungsgespräche führen.

Wissen weitergeben

Von Beginn seiner Selbstständigkeit an hat Kurt Knauber sein Wissen engagiert an den Nachwuchs weitergegeben. Neben seiner Tätigkeit als Mitglied der Meisterprüfungskommission der Schreiner hat er in nun bald 20 Jahren fünf Schreinerlehrlinge ausgebildet, darunter zwei junge Frauen – eine davon mit Abschluss als Jahrgangsbeste, ist heute selbst als Schreinermeisterin tätig.

www.drehschrei.de