Werkstattbesuch beim Schreiner- und Drechslermeister. Spanabhebend - BM online
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Werkstattbesuch beim Schreiner- und Drechslermeister
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Drechsler und Schreiner vereint, wenn auch auf unterschiedliche Art, die Leidenschaft für das Naturmaterial Holz. So gibt es denn auch zahlreiche drechselnde Schreiner und Tischler. Wenige jedoch tragen den Meistertitel in beiden Handwerken, so wie Franz Kuffer aus dem oberbayrischen Schrobenhausen, der aktiv in beiden Holzgewerken verankert ist.

BM-Redakteur Heinz Fink

In langen, nicht enden wollenden Spänen schält sich das Material unter der messerscharfen Schneide des Werkzeuges vom langsam rotierenden Rohling. Zug um Zug höhlt die schlanke, lange Drehröhre den fällfrischen Rohling aus und vergrößert so die Vertiefung im Werkstück. Mit der Abnahme der Späne einher geht ein feiner Spritznebel aus Wasser, der bald alles benetzt – Maschine, Wände, Werkzeug und Bearbeiter. Denn der Rohling aus dem frischen Holz einer Thuja, den Schreiner- und Drechslermeister Franz Kuffer auf seiner schweren gusseisernen Geiger Drechselbank bearbeitet, stand noch bis vor wenigen Wochen in einem Garten in der Nachbarschaft. Unter den Händen des Drechslers entsteht im Nassdrehverfahren eine feine, dünnwandige Schale, die – wenn sie einmal getrocknet und oberflächenbehandelt ist – dem Nachbarn zum Kauf angeboten wird.

Früh vom Drechselvirus gepackt

In Kontakt mit Holz und der Drechslerei kam Franz Kuffer bereits im zarten Alter von zwölf Jahren, als er in der Wagnerwerkstatt seines Vaters seine ersten Werkstücke drechselte. Aufgewachsen in der Nähe von Neuburg an der Donau absolvierte er nach der Hauptschule eine Schreinerlehre in einer kleinen Möbelschreinerei am Ort, die er als Innungsbester abschloss. Er holte seinen mittleren Schulabschluss nach und besuchte das berufliche Gymnasium in Ingolstadt, denn Berufsschullehrer war damals noch sein Berufswunsch. Nach seiner Gesellenzeit in verschiedenen Betrieben besuchte Franz Kuffer ab 1988 in einem eineinhalbjährigen Vollzeitkurs die Meisterschule für Schreiner in München, die er mit seinem erstem Meisterbrief abschloss.

In den folgenden Jahren als Arbeitsvorbereiter und Projektleiter in verschiedenen Innenausbaubetrieben tätig, bildete sich Franz Kuffer in dieser Zeit stetig als Drechsler fort, indem er Kurse bei verschiedenen Drechslermeistern im süddeutschen Raum und angrenzenden Ausland besuchte. Wie es der Zufall so will, wurde 2007 während einer Verkaufsausstellung ein örtlicher Händler für Holzbearbeitungsmaschinen auf ihn und seine Arbeiten aufmerksam und fragte, ob er auch Drechselkurse geben würde. Seither gibt Franz Kuffer in den Räumen der Firma Ballas in Aichach (www.ballas-shop.de) acht bis zehn Drechselkurse für Anfänger und Fortgeschrittene, aber auch zu Sonderthemen wie „Kugeln drehen“, der Herstellung von Gewürzmühlen oder zum richtigen Schärfen der Drechselwerkzeuge.

Neue Herausforderungen

Doch die Neugier und der Weiterbildungsdrang hatte noch kein Ende, denn 2011 besuchte Franz Kuffer die Meisterschule für das Drechselhandwerk in Bad Kissingen und legte dort vor der Handwerkskammer Unterfranken die Meisterprüfung ab. Wie schon 21 Jahre zuvor beim Entwurf seines Schreinermeisterstückes, einer feingliedrige Vitrine in Rüster, suchte er auch für sein Meisterstück als Drechsler eine besondere Herausforderung und fertigte eine Wanduhr mit Datumsanzeige in europäischem Nussbaum und Blattsilber.

Ein vertikaler, formverleimter Halbzylinder nimmt dabei ein mechanisches Seilzuguhrwerk mit Pendel, Gewichten und Halbstunden-Schlagwerk auf. Eine zusätzliche, aus fünf verschiedenen Schichten aufgebaute (Erd-)Kugel darunter zeigt, per Zeitschaltuhr gesteuert und über Schrittmotoren und passende Zahnräder angetrieben, den aktuellen Wochentag, das Datum und den Monat an. Zusammen mit einem Satz detaillierter CAD-Zeichnungen, brachte Franz Kuffer sein zweites, komplexes Meisterstück eine Auszeichnung ein.

Vielseitiges Werk

Neben seiner Tätigkeit in der Arbeitsvorbereitung und Konstruktion seines Arbeitgebers B&D Beauty Design (www.friseureinrichtung-teamwork.com) in Aichach, seinen Kursen und den unterschiedlichsten Auftragsarbeiten, kann Franz Kuffer aber auch auf ein umfangreiches Werk an freien Arbeiten blicken. So entstehen in seiner heimischen Werkstatt in Schrobenhausen auf zwei altgedienten Gussdrehbänken des Ludwigshafener Herstellers Geiger zarte, dünnwandige Gefäße mit nur 2 mm Wandstärke, aber auch große, kräftig dimensionierte Schalen. Eine seiner Spezialitäten sind dabei flache, nur wenige Millimeter starke Schalen aus nassen gedrehten Hirnholzscheiben aus Eichestämmen, die sich nach dem Trocknen nahezu rissfrei verformen und so ihre drehende Herstellung nur noch erahnen lassen.

Schlanke, zylindrische Vasen, die sich nach dem Trocknen elegant krümmen und große, abenteuerlich anmutende Kugeln aus Wurzelstöcken gehören genauso zu Franz Kuffers Repertoire, wie hölzerne Urnen in verschiedenen Formen und Holzarten und natürlich auch Sonderanfertigungen jeglicher Art.

Zu seinen Lieblingshölzern zählen alle einheimischen Obsthölzer, wie Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Nussbaum, aber auch solch robuste Spezies wie Esche, Eiche oder Rüster. Dazu Spezialitäten wie Eibe und Mooreiche, aber auch feine, südländische Holzarten wie Buchsbaum und Olive finden sich in seinem reichhaltigen Holzlager. Als Holzquelle dienen ihm dabei die Obstgärten seiner Heimatregion. Allerdings hat sich Franz Kuffer aus Platzgründen derzeit einen Aufnahmestopp verordnet – mal sehen, wie lange die Zurückhaltung anhält!

www.franzkuffer.de

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