Startseite » Inspiration » Blick über den Tellerrand »

Träume aus Zedernholz

Besuch beim Kanubauer Thomas Einsiedel
Träume aus Zedernholz

Freedom, Chaa Creek oder Ranger: Klangvolle Namen, die das Herz holzliebender Paddler höherschlagen lassen. Ort ihrer Entstehung: nicht etwa Kanada oder Australien. Im mittelfränkischen Wendelstein werden die Boote von Hand gefertigt. Ein Werftbesuch beim Kanubauer Thomas Einsiedel. Lukas Drobny

I Auf der Suche nach den größten Schätzen wird man wohl kaum dort fündig werden, wo man sie am ehesten vermutet. Zumindest dann nicht, wenn es sich bei dem Objekt der Begierde um eines der Kanus handelt, die Thomas Einsiedel in seiner kleinen Werft von Hand und vor allem mit äußerster Hingabe fertigt. Vorbei an einer Tankstelle, einem Discounter für Lebensmittel und einem Autohaus gelangt man schließlich ans Ziel: einer kleinen Halle, konstruiert aus bogenförmigen Stahlträgern, gedeckt mit Wellblech. Öffnet man die schwere Stahltür, begegnet man einem Mann, der so breit grinst, wie es wohl nur einer kann, der seine Bestimmung gefunden hat.

Dabei hatte es viele Jahre nicht danach ausgesehen, als würde er sich irgendwann einmal mit dem Bau von Holzbooten befassen. Nach der Lehre als Maschinenschlosser, Dreher und Schmied und Anstellungen in verschiedenen Betrieben verdient Einsiedel seinen Lebensunterhalt mit dem Bau von Carports. Bis ihm 2002 das Buch „Canoecraft“ von Ted Moores in die Hände fällt. Es stellt die Wende dar. Ohne jemals zuvor in einem Kanu gesessen zu haben, baut er sein erstes Boot. Den sogenannten Red Bird, einen gut 5,30 m langen, bestens für raue Gewässer geeigneten Kanadier. Einsiedel ist infiziert. Er steckt all sein Können, all seinen Ehrgeiz in die neue Passion. Immer mehr wird die Zimmerei von der Bootswerft abgelöst. Immer größer wird die Palette verschiedener Modelle, die er seinen Kunden anbieten kann. Heute umfasst sein Sortiment mehr als 30 Boote. Für Anfänger sowie Profis. Für Wildwasser oder Langstrecke. Auch Kajaks und sogar Wettkampfsegler sind darunter.
Nur astfrei ist gut genug
Thomas Einsiedel ist kein stiller Arbeiter, dem man vorsichtig über die Schulter blickt. Dazu ist er viel zu begeistert von seinen Booten. Bereitwillig führt er durch seine Werft, erzählt hier und da Anekdoten und erläutert gut verständlich jeden seiner Arbeitsschritte.
Und an deren Anfang steht wie so oft das Holz. Nur astfreie Zeder, importiert aus Kanada kommt infrage. Dabei achtet er neben Qualität auch auf Herkunft aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
Die Planken bestehen aus Leisten, die genau auf 6,25 mm ausgehobelt werden und an deren Längsseiten zum einen eine konvexe, zum anderen eine konkave Form angefräst wird. Sind die Leisten sorgfältig sortiert, kommt die sogenannte Helling zum Einsatz, eine Haltevorrichtung, auf der die Spanten befestigt sind. Ihre Form und ihr Abstand zueinander bestimmen die spätere Form des Rumpfes. Das Beplanken erfolgt „von unten“ und zwar so, dass die zuvor angehobelte konvexe Seite der Leiste immer in eine konkave greift und so die Passgenauigkeit der einzelnen Leisten gewährleistet ist. Dort wo die Leisten an ihrem Ende zusammenlaufen, werden sie geschäftet. Die Folge: höhere Festigkeit und ein optischer Hingucker. Hat Einsiedel schließlich den Rumpf Stück für Stück komplett beplankt, folgt der nächste Arbeitsgang: Schleifen und Spachteln. Verschiedene Tellerschleifer oder auch nur Schleifklotz und Papier kommen hierbei zum Einsatz, und das so lange, bis der Rumpf außen und innen seine gleichmäßige und endgültige Form aufweist und außerdem jeder noch so kleine Spalt verspachtelt ist.
Viel Erfahrung und Geschick
Schließlich folgt das Laminieren mit Glasfaser. Ein riskanter Arbeitsschritt, der ein hohes Maß an Können und Erfahrung erfordert. Die richtige Temperatur von Umgebung und Gebinde, sowie die sorgfältige Vorbereitung des Trägermaterials sind nur einige der Faktoren, die zu einem optimalen Ergebnis führen. Mit Pinsel und Rolle trägt Einsiedel insgesamt drei Schichten Epoxitharz auf und sorgt so nicht nur für eine dauerhafte Verbindung zwischen Holz und Glasseidengewebe. Auch die Form des Rumpfes wird durch den chemischen Auftrag stabil und widerstandsfähig gegen Stöße bei späterer Benutzung.
Dann folgt das Anpassen und Aufkleben von innerem und äußerem Süllrand. Er bildet den Abschluss des Rumpfes nach oben hin und wird, ebenso wie Sitzbank, Vorder- bzw. Hinderdeck und Tragejoch, aus Esche gefertigt. Sind all diese Teile passgenau angebracht, macht sich Einsiedel an das Finish des Bootes. Nochmals wird der Rumpf von außen angeschliffen und lackiert, die Sitze werden mit Gurtband bespannt und eine schmale Messingleiste entlang der Kiellinie als Schutz beim Anlanden angebracht. Dann ist er fertig. Und irgendwo, sei es in der Schweiz, Frankreich, Italien, gleich ums Eck oder auch in Britisch Kolumbien, darf – wieder einmal – das Herz eines holzliebenden Kanuten höherschlagen.
Thomas Einsiedel wirft einen Blick in die Runde zu seinen kostbaren Schätzen und hat noch einmal Zeit für einen kleinen Exkurs: Wie er den C1, das Boot, mit dem Andreas Dittmer, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger im Kanadier, Welterfolge feierte, nachbaute. Und welche Augen der Freund machte, als er ihn als Hochzeitsgeschenk überreicht bekam. „Trotz Holz leichter als das Original.“ Er lacht und streicht mit seiner Hand über eines der Boote. „Das hier ist mein Leben. Ich werde nie wieder etwas anderes machen.“ Zweifel gab es daran von Anfang an nicht. I
Herstellerinformation
Herstellerinformation
BM-Wissensquiz
Herstellerinformation
BM-Titelstars: Fotogalerie
Herstellerinformation
BM auf Social Media
Herstellerinformation
Im Fokus: Materialmangel
Im Fokus: Vakuumtechnik
BM-Themenseite: Innentüren
Im Fokus: Vernetzte Werkstatt

Im Fokus: Raumakustik
_6006813.jpg
Schallmessung in der Praxis: Michael Fuchs (r.) und Simon Holzer bei raumakustischen Messungen in einem Objekt (Friseursalon Max in Wallersdorf). Foto: Barbara Kohl, Kleine Fotowerkstatt
Im Fokus: Gestaltung
Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]

BM Bestellservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de