Schwarzwälder Schreiner baut Schäferwagen als Meisterstück

Mobile Behausung

Die möglichen Themen für die Gestaltung und Anfertigung eines Meisterprüfungsprojektes sind so vielfältig wie die Tätigkeitsgebiete des Schreiners und Tischlers. Bernd Schittenhelm jedoch hat sich bei seinem Stück ein ganz besonders ausgefallenes Projekt zum Thema gemacht: Die moderne Interpretation eines klassischen Schäferwagens.

Autor: Heinz Fink

I Ursprünglich als einfache Wohn- und Schlafbehausung der Wanderschäfer gedacht, gehören sogenannte „Schäferkarren“ zu den wohl ältesten Fahrzeugen der Menschheit und sollen bereits bei halbnomadischen, neolithischen Steppenbewohnern zum Einsatz gekommen sein. Exemplare aus dem 17. Jahrhundert scheinen dabei so niedrig gewesen zu sein, dass sie nur auf Knien begangen werden konnten und lediglich zum Schlafen gedient haben.

Im Gegensatz dazu bietet Bernd Schittenhelms Schäferwagen zwar bescheidenen, aber doch etwas mehr Komfort – immerhin kann man darin stehen. „Die Idee war, einen Schäferwagen auf eine moderne Art auszubauen, um darin schlafen, essen und sich mit anderen treffen zu können“, beschreibt Bernd Schittenhelm die Idee zu seinem Meisterprüfungsprojekt. Als Fan historischer Traktoren – seine Familie besitzt etwa zehn unterschiedliche Modelle – wollte er eine passende Übernachtungsmöglichkeit wenn er an Oldtimertreffen teilnahm. Auch das vorherrschende Klischee „Schreiner ist gleich Möbelbauer“ wollte er widerlegen: Er ist der Meinung, dass das Schreinerhandwerk weit mehr Facetten umfasst.
Vor der Fertigung gab es allerdings noch einige Hürden zu nehmen: Die Meisterprüfungskommission musste von dem Projekt überzeugt, die zulässigen Vorarbeiten und das eigentliche Meisterstück bestimmt und die notwendigen Anforderungen an ein für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug geklärt werden.
Hölzerner Aufbau auf Metall-Chassis
Basis von Schittenhelms moderner Variante des Schäferwagens ist demnach auch kein Holzwagen mit eisenbeschlagenen Speichenrädern, wie die seiner historischen Vorgänger, sondern das verkehrstaugliche Sonder-Chassis eines zeitgemäßen Anhängers. Hierauf baut auf einem verschweißten Stahlrahmen die gesamte Holzkonstruktion seines Wagens auf. L-förmige Stahlrohrstützen tragen den über die Radkästen auskragenden Aufbau und bilden gleichzeitig den konstruktiven Unterbau für die beidseitigen Sitzbänke. Vor den Radkästen finden sich beidseitig Korpusse für die von innen nutzbaren Schubkästen.
Der gesamte tragende Aufbau – dieser wurde nach Genehmigung in dreiwöchiger Arbeitszeit als Vorleistung angefertigt – ist als zweischalige, gedämmte Konstruktion ausgeführt. Die rechteckigen Rahmenhölzer sind gedübelt und verschraubt und von außen zur Aussteifung mit einer Fichte-3-Schichtplatte beplankt – V-förmige Nuten erzeugen einen brettartigen Charakter. Die Wandflächen im Inneren werden durch eine halbhohe, senkrechte Brettverkleidung in geölter Kernbuche und darüber durch cremefarben lackierte MDF-Flächen gebildet. Die segmentbogenförmige Deckenuntersicht ist aus biegefähigem Topan hergestellt, das mit einem elastischen, kunststoffverstärkten Material verputzt wurde. Schittenhelm wollte damit die unterschiedlichen Oberflächenbehandlungen im Innenausbau darstellen. Der Boden des Wagens schließlich ist mit einem strapazierfähigen Vinyllaminat belegt.
Vielschichtiger Ausbau
Der gesamte Innenausbau wirkt auf den ersten Blick schlicht und rustikal, verbirgt aber einige technische Rafinessen. Im Gegensatz zu fest eingebauten Möbeln unterliegt ein solches Gefährt natürlich beträchtlichen Schwankungen: Darauf muss konstruktiv und Beschlagtechnisch Rücksicht genommen werden.
So hat Bernd Schittenhelm für das an der Stirnseite des Wagens angebrachte, abklappbare Bett und den darunter befestigten Tisch einen speziellen Beschlag entwickelt: Nach einem Holzmodell, an dem die Funktion überprüft wurde, ließ er die Endversion präzise in Edelstahl anfertigen. Diese Mechanik ermöglicht nun den Tisch bei geschlossenem Bett abzuklappen und zu nutzen. Zum Schlafen wird dieser hochgeklappt, an der Bettunterseite befestigt und das Bett heruntergeklappt. Dieses liegt auf den beidseitig integrierten, ebenfalls in geölter Kernbuche ausgeführten Sitzbänken auf. Die beiden von Hand gezinkten und auf Blum-Vollauszügen mit Selbsteinzug geführten Schubladen mit herausnehmbaren Einsätzen bieten ausreichend Stauraum für Geschirr, Besteck und anderes Zubehör. Für den sicheren Verschluss der Auszüge sorgen Push-Lock-Schlösser aus dem Caravanbereich, deren Knöpfe sich versenken lassen. In einer Eckvitrine neben der Eingangstüre finden in eigens gefertigten, konisch ausgefrästen Hängeleisten Gläser während der Fahrt sicheren Halt.
Autarker Selbstversorger
Sowohl das Innere der Vitrine als auch der gesamte Schäferwagen wird durch LED-Einbauleuchten beleuchtet. Die Stromversorgung sichern unter dem Bett eingebaute Akkus. Sie gewährleisten eine Stromversorgung für etwa 88 Stunden – das sollte für ein verlängertes Wochenende reichen! Wenn nicht, kann über eine außen am Wagen angebrachte wassergeschützte Steckdose jederzeit nachgeladen werden.
Vielseitige Handwerksleistungen
Mag das Meisterstück von Bernd Schittenhelm – der übrigens, neben seiner Bauschreinerei, in einem Schwarzwälder Holzbaubetrieb für den Bereich Messe- und Innenausbau zuständig ist – für einen Schreiner auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen, so zeigt es doch die Vielseitigkeit seines Erbauers: Selbst das verzinkte Stahlblech für das Dach und die dazugehörigen Dachrinnen des Schäferwagens, hat er in einer befreundeten Flaschnerei selbst gebogen. I

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