Toilettenhäuschen im Weinberg

Aussichtsreich

Objekt in gepflegter Halbhöhenlage mit pittoreskem Ausblick in die umgebenden Wälder und Weinberge … Was sich liest wie eine Anzeige bei Immo-Scout, beschreibt ein Schreinerprojekt der besonderen Art – ein Toilettenhäuschen in den Stuttgarter Weinbergen.

„Die Stadt zwischen Wald und Reben“. So lautete einst ein Slogan, der für die naturnahe Lage und die lange Weinbautradition der Stadt Stuttgart warb – lange bevor Feinstaub, Verkehrskollaps und ein nicht enden wollendes Bahnhofsprojekt den Ruf der baden-württembergischen Landeshauptstadt prägten. Heute betragen die Weinbauflächen gerade noch 2 % des Stadtgebietes.

In den südlich des Neckar gelegenen Weinbergen im Stuttgarter Stadtteil Rohracker scheint sich dieses Idyll noch erhalten zu haben: Rebstöcke in Steillage so weit das Auge reicht, lediglich unterbrochen durch Trockenmauern und schmale, steile Treppen – Stäffele, nennt sie der Schwabe. Hier und da mal ein verwittertes „Wengerter“-Häuschen für die notwendigen Werkzeuge und Geräte. Etwas abseits ein scheinbar ebenso altes, in die Jahre gekommenes, rechteckiges Häuschen mit schrägem Pultdach – das „stille Örtchen“ im Weinberg. Doch der Schein des Alten trügt, denn das Toilettenhäuschen ist sozusagen ein Neubau, errichtet im Frühjahr 2018 in gut zweimonatiger Bauzeit von der Schreinermeisterin und Gestalterin Kerrin Lindeke – lediglich mit Akkuschrauber, Japansäge und Muskelkraft!

Low Budget im Weinberg

Zu diesem speziellen Auftrag kam die 38-jährige Stuttgarterin, die an einer Realschule als Technik- und Kunstlehrerin arbeitet, eher zufällig. Auf ausgedehnten Spaziergängen mit ihrem Hund in den Weinbergen um Rohracker stieß sie auf das Weingut KSK Vintage Winery der beiden Jungwinzer Sebastian Schiller und Dennis Keifer, gegründet 2013 als erstes Crowdfunding-Weingut Deutschlands. Kerrin Lindeke half bei der Lese, und dabei stellte sich heraus, dass es im Weinberg dringend eines „stillen Örtchens“ bedurfte. Sie bot ihre Hilfe an und übernahm die Projektplanung und den Bau.

Da das Projekt so kostengünstig wie möglich ausfallen sollte, griff Kerrin Lindeke weitestgehend auf vorhandene Materialien zurück. Den Boden bildet eine alte Europalette, aus der sich auch die Maße des Häuschens mit 120 x 80 cm ergaben. Als Grundkonstruktion dienten Balken, die eine örtliche Zimmerei beisteuerte und die in verzinkte, ins Erdreich eingeschlagene Metallhülsen gesteckt wurden – den Abbund besorgte die Schreinermeisterin vor Ort mit der Japansäge! Die Nut- und Federbretter für die Außenhaut stammten von einer abgerissenen Hütte aus einem anderen Weinberg, die Bretter für die Dachschalung waren Reste einer anderen Baustelle und die Dachpappe steuerten Freunde bei. Die Scharniere für die Tür stammen von einem alten Wengerterhaus, den Griff und Verschluss im Inneren fertigte Kerrin Lindeke in der Werkstatt aus Multiplex. Der Griff außen auf der fachgerecht diagonal verstrebten Brettertür wurde von einer alten, ausrangierten Dachbodenklappe übernommen.

Das Herzstück des Projektes, der eigentliche „Sitzungsthron“, ist aus einem alten Rotweinfass gefertigt, das die Handwerkerin im oberen Teil mit der Stichsäge ausschnitt und in das sie eine Siebdruckplatte einpasste. Unter die Öffnung in der Platte wurde eine spezielle Camping-Biotoilette eingebaut, auf der eine handelsübliche hölzerne Klobrille befestigt wurde. Selbst die Reste des aufgeschnittenen Fasses fanden noch Verwendung: Aus Teilen fertigte Kerrin Lindeke einen Toilettenpapierhalter, und den Deckel ziert jetzt ein aus Blech geschnittenes Logo des jungen Weingutes KSK Vintage Winery. (hf)

www.ksk-vintage-winery.de

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