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Aussichtsreich

Moderne Dachaufstockung eines Stadthauses aus der Gründerzeit in Stuttgart
Aussichtsreich

Wohnraum in Großstädten ist knapp und teuer, freie Baugrundstücke sind rar – das gilt auch für Stuttgart. Auf der Suche nach einem geeigneten „Bauplatz“ wurde der Tübinger Architekt Florian Danner auf den Dächern der Stadt fündig: Er entwarf eine futuristisch anmutende Dachaufstockung, für die die Schreinerei Dubbert aus dem schwäbischen Mähringen den Innenausbau realisierte.

Autor: BM-Redakteur Heinz Fink

Wie ein zufällig gelandetes UFO sieht es aus, das Gebilde, das da so weiß dahin mäandriert zwischen den sonst üblichen Pult- und Mansardendächern des Stuttgarter Südens. Auf der Fläche des abgetragenen, weil renovierungsbedürtigen Dachstuhls eines vierstöckigen Stadthauses aus der Gründerzeit errichtete der Tübinger Architekt Florian Danner eine futuristisch anmutende, zweistöckige Dachaufstockung. Unter einer organisch fließenden, S-förmigen „Hülle“ finden dort jetzt zwei fast identische Maisonettewohnungen Platz. Die großzügige, eigens für das Bauvorhaben entwickelte Glasfassade lässt die Grenzen zwischen innen und außen verwischen und ermöglicht einen sagenhaften Ausblick über das Stadtpanorama Stuttgarts.

Um Gewicht zu sparen und die Traglast des vorhandenen Gebäudes nicht zu überschreiten, entschied sich der Architekt für eine Stahl-Holz-Konstruktion mit Leimbindern in Richtung der S-förmigen Struktur und Stahlträgern mit schlanken Stützen quer dazu. Über entsprechend geformte Unterkonstruktionen wurden sowohl innen als auch außen die runden Konturen der fließenden Wand-Decke-Dach-Konstruktion herausgearbeitet. Zur Aussteifung dient das auf den Bestand aufgesetzte, in Beton ausgeführte Treppenhaus.
Handwerkliche Herausforderungen
Doch nicht nur die Zimmerleute und Trockenbauer waren bei diesem Projekt gefordert, auch der Reutlinger Schreinermeister Jörg Dubbert und sein 4-köpfiges Team hatten die eine oder andere „schreinerische Denksportaufgabe“ zu lösen. Galt es doch, die gesamten Innenausbauten ohne sichtbare Pass- und Anschlussleisten in den Baukörper zu integrieren. Dies konnte nur gelingen, weil der Innenausbauer vor Beginn der Trockenbauarbeiten die Rahmenbedingungen festlegte: Das Dachgeschoss wurde mithilfe eines Baulasers exakt vermessen und auf der Basis dieser Messergebnisse die entsprechenden Unterkonstruktionen im Bereich der Einbauten gesetzt, an die der Trockenbauer anschließend genau anarbeiten konnte. In die entstandenen Öffnungen konnten die Einbauten so während der Montage mit minimaler Luft exakt eingefügt werden.
Offene Raumstrukturen
Die zum Wohn- und Essraum hin offene Küche ist auf allen Sichtflächen mit 6 mm starkem, weiß lackiertem Glas (Planilaque, Saint-Gobain Glass) belegt und ohne sichtbare Griffe ausgeführt – horizontale Grifffugen ermöglichen das Öffnen der Fronten. Halbhohe, in den Wandaufbau der Dachschräge eingearbeitete Schränke nehmen hinter Drehtüren den Kühl- und Gefrierschrank auf und bieten auf Fachböden ausreichend Stauraum. Die zurückgesetzte Grifffuge ist hier mittels farbveränderlicher LEDs hinterleuchtet.
Im frei im Raum stehenden Küchenblock finden, neben Backofen und Geschirrspüler, ein Müllauszug sowie reichlich Schubkästen Platz (Blum Tandembox). Das flächenbündig eingelassene Kochfeld und das Unterbau-Spülbecken sind in die Arbeitsplatte aus schwarz bedrucktem, 10 mm starkem ESG-Glas integriert. Die hinten überstehende Platte ist in diesem Bereich im Satinato-Effekt bedruckt und von unten beleuchtet. Der beidseitig geschlossene Lichtkasten nimmt auch die von außen nicht sichtbaren Halterungen für das L-förmige Thekenbrett auf.
Ein freistehendes, niedriges Sideboard grenzt den Sitzbereich mit weißem Ledersofa zum offenen Eingangsbereich hin ab und nimmt als Medienmöbel die notwendige HiFi- und Internettechnik auf. Ein raumbildender Einbau bildet den Abschluss vom Wohnraum zum Arbeitszimmer. Hinter den raumhohen, grifflos mittels Druckschnäppern zu öffnenden Drehtüren finden sich Garderobe, Stauraum und der Durchgang zum Arbeitszimmer. Umlaufende, offene Regale bieten hier reichlich Platz für Bücher. Alle Möbeloberflächen sind, gleich den ebenfalls von der Schreinerei Dubbert angefertigten Wohnungseingangs- und WC-Türen, deckend weiß lackiert. Die flächenbündig stumpf im Futter einschlagenden Türen sind mittels Tectusbändern (Simonswerk Bandtechnik) verdeckt angeschlagen.
Schwebend filigraner Aufstieg
Über 15 dünne, nur einseitig befestigte und direkt aus der Wand auskragende Stahlstufen erreicht man das zweite Dachgeschoss. Beeindruckend hier wiederum der Ausblick durch die zweiseitig verglaste Fassade – natürlich vom flächenbündig in den Boden aus weißem Estrich eingelassenen Bett aus. Einzige Möblierung hier ist ein breiter, ebenfalls sauber in die Dachschräge eingelassener Kleiderschrank. Vier grifflose, breite, etwa 1,50 m hohe Schiebetüren verschließen die dahinter liegenden Korpusse mit Fachböden, Kleiderstangen und Schubkästen. Direkt an den Schlafraum anschließend, liegen ohne weiteren räumlichen Abschluß zum Schlafraum Dusche und WC.
Von den Dachgeschossen aus hat man Zugang auf zweiseitig umlaufende Dachterrassen. Eine statische Herausforderung stellte hier die um etwa 27° nach innen geneigte Glasfassade dar. Diese sollte möglichst leicht wirken und ohne schwerfällige Rahmenkonstruktionen auskommen. Da es solche Produkte nicht gab, entwickelten Architekt, Tragwerksplaner und Fensterbauer die Konstruktion aus schlanken Stahlprofilen im Achsabstand von etwa 1,25 m einfach selbst. I

Objektbeteiligte
Architektur
Danner Yildiz Architekten
72074 Tübingen
Innenausbau
Jörg Dubbert Schreinerei
72127 Kusterdingen-Mähringen
Holzbau
Friedrich Schmid Holzbau GmbH
72070 Tübingen
Metallbau Fassade, Treppe
Detlef Doerner Holzbau
72829 Engstingen
Verglasung Fassade
Schnitzler Glaserei + Fensterbau
72070 Tübingen-Hirschau
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