Innenausbau eines Optikfachgeschäftes in Reutlingen

Durchblick

Inhabergeführte Augenoptikergeschäfte stehen heute unter großem Konkurrenzdruck durch Filialisten. Bei Wittel Optik in Reutlingen setzt man seit 1902 auf profunde Beratung und ein persönliches Verhältnis zu seinen Kunden. Das adäquate Ambiente dafür hat die Schreinerei Jörg Dubbert aus Mähringen mit der Planung und Realisierung des neuen Ladengeschäftes geschaffen.

BM-Redakteur Heinz Fink

Unternehmergeist und schwäbisches Tüftlertum ziehen sich durch die über hundertjährige Geschichte der Reutlinger Optikerfamilie Wittel. Bereits 1902 eröffnete Georg Wittel im Teilort Betzingen seine „Optische Anstalt für die Fabrikation von Zwickern und Pincenez“ – Brillen ohne Bügel, die über einen biegsamen, federnden Steg zwischen den Gläsern auf die Nase geklemmt wurden. Otto Wittel erfand bereits in den 20er-Jahren den ersten Fadenzähler mit Spiralfeder. Und auch die nachfolgenden Generationen hielten das Unternehmen sowohl in technischer als auch marketingmäßiger Hinsicht stets auf der Höhe der Zeit.

So auch Christian Wittel, der Urenkel von Georg Wittel, und seine Frau Alexandra, die ihren Betrieb heute mit der gleichen Leidenschaft wie ihre Vorgänger führen. Mit dem Umbau des Ladengeschäftes haben sie das Familienunternehmen erfolgreich ins 21. Jahrhundert geführt. Den zeitgemäßen Innenausbau dafür lieferte auf der Basis der Entwürfe der Planerin Susanne Dubbert die Schreinerei von Jörg Dubbert aus Kusterdingen-Mähringen bei Reutlingen.

Profunde Bestandsanalyse

Der Bestandsausbau des Optikergeschäftes ging zurück auf die 90er-Jahre und entsprach in Struktur und Materialität nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Verkaufsraum. Den Planungen zur Neugestaltung ging daher auch ein umfassender Analyseprozess voraus. Schreinermeister Jörg Dubbert und Planerin Susanne Dubbert erfragten zunächst Kunden- und Mitarbeiterwege, typische Arbeitsabläufe, aber auch Unternehmenswerte und Marketingkonzeption des Unternehmens. Auf der Grundlage dieser Voranalyse legten sie die Anordnung der verschiedenen Arbeitsbereiche fest. Darüber hinaus entwickelten sie ein Stimmungsbild, das die Räume den Kunden vermitteln sollten. Die Produkte sollten als wertig und qualitätvoll wahrgenommen und im Raum präsentiert werden.

Die Brille im Fokus

Zur Straße hin schließt der Laden durch eine bodentiefe Verglasung ab, die den Verkaufsraum schon von außen erlebbar macht. Beim Betreten der Räumlichkeiten gehen die Kunden direkt auf eine helle, beleuchtete Präsentationswand zu. Im Sichtbereich werden hier ausgewählte Brillenmodelle in lang gestreckten, in die Vorwand eingelassenen Vitrinen präsentiert. Durch die mittels LED-Technik hinterleuchtete Rückwand und zusätzliche Lichtleisten von vorne beleuchtet wirken die Exponate fast schwebend. Die stufenlos dimmbaren Leuchten können jederzeit der Umgebungsbeleuchtung angepasst werden. In der Fläche verschiebbare Spiegelflächen erlauben den Kunden einen ersten Blick auf ihre Auswahl. Mit Filz belegte Stehtische aus Eiche-3-Schichtplatten ergänzen die Präsentationswand und dienen für kurze, unverbindliche Beratungsgespräche.

Ebenfalls in die Wand eingelassene Korpusse unter den Vitrinen nehmen zahlreiche Tablare aus massiver Eiche auf. Diese dienen mit einer Filzeinlage bestückt zur Aufbewahrung und Präsentation von jeweils zwölf Brillenmodellen, können aber auch herausgenommen und zu den gegenüberliegenden Beratungstischen mitgenommen werden.

Feines Schmuckkästchen

Der eigentliche Beratungsbereich setzt sich durch seine nischenartige Ausführung vom übrigen Raum ab. Die reduzierte Deckenhöhe und die wohnliche Gestaltung der Wandflächen schaffen hier eine ruhigere Zone, welche ungestörte Kundengespräche ermöglicht. Ein in einer Eicheumrahmung eingefasster, tiefer gesetzter Spiegel mit innen liegender, ebenfalls individuell regulierbarer Beleuchtung bietet dem Kunden die Möglichkeit, sich direkt im Beratungsgespräch mit dem neuen Brillenmodell im Sitzen zu betrachten – den Bauherren war hier besonders die farbechte Wiedergabe der Brillenfassungen wichtig.

Eine ebenfalls in die Präsentationswand eingelassene Nische für einen Kaffeeautomaten, eine einladende Sitzbank aus Eiche und ein kompakter Kassentresen holen den Kunden in die Tiefe des Verkaufsraumes und führen ihn von dort in einen dahinterliegenden weiteren Beratungsraum mit einer großen Auswahl an Sport- und Sonnenbrillen und einem großzügigen Bereich für aufwendigere Beratungen, wie Sehtests und Augenmessungen. Auch die Optikerwerkstatt, eine Lagerfläche und der Verkauf von Kontaktlinsen, Pflegemittenl und Zubehör gliedert sich direkt an die Zone um die Kasse an.

Durch die Neugestaltung der beiden Längsseiten, die lineare Anordnung ringförmiger Leuchten an der Decke und die nahezu kantenlose Gestaltung des Übergangs von der Decke zur kurzen Seite des Raums ist es den Planern gelungen, dem rechteckigen Grundriss mehr Weite und Dynamik zu verleihen. Farblich orientiert sich die gesamte Gestaltung am Firmen-CI des Unternehmens – der ochsenblutrote Teppichboden und die Möblierung mit viel Eichenholz und schwarzen sowie anthrazitfarbenen Elementen wurden durch kleine, goldene Akzente ergänzt.

Ambitionierte Zeitplanung

Der gesamte Umbau des Optikfachgeschäftes Wittel in Reutlingen konnte nicht nur dank einer exakten, fast ein Jahr dauernden Vorplanung, sondern auch durch den straffen Einsatz von Jörg Dubbert und seinen beiden Mitarbeitern bei der Vorfertigung der Einbauten in einem engen Zeitfenster von nur zwei Wochen von der Entkernung bis zur Wiedereröffnung realisiert werden.


Objektbeteiligte

Bauherr

Wittel Optik

72764 Reutlingen

www.wittel-optik.de

Entwurf und Planung

Susanne Dubbert

Dipl.-Ing. (Innenarchitektur)

Schreinermeister Jörg Dubbert

72127 Kusterdingen-Mähringen

www.jd-schreinerei.de

Innenausbau

Jörg Dubbert Schreinerei

72127 Kusterdingen-Mähringen

www.jd-schreinerei.de

Bauarbeiten und Bauleitung

Böss Planungsgesellschaft mbH

72762 Reutlingen

www.boess-bau.de

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