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Feine Raumskulptur

Treppenanlage im norwegischen Stavanger
Feine Raumskulptur

Hinauf, hinunter, rüber und hinüber … das Auge verliert sich fast beim Betrachten der riesigen Treppenanlage im Atrium der SpareBank 1 im norwegischen Stavanger. Geplant und gebaut wurde sie allerdings mit deutschem Ingenieurs- und Handwerks-Know-how unter Leitung von Jörn Brenscheidt vom Treppenbauer Hokon aus Witten-Herbede.

BM-Redakteur Heinz Fink

Elegant schwingen sie sich hinauf in die luftigen Höhen des dreieckigen, glasüberdachten Atriums der SpareBank 1 im norwegischen Stavanger, dem derzeit mit fast 13 200 m² Nutzfläche auf sieben Etagen wohl größten Holzgebäude Europas. Die kühn geschwungenen Treppen verbinden Ebenen und Bereiche und stellen Querverbindungen zwischen den Gebäudeteilen her. Gut 600 Mitarbeiter der Bank arbeiten in dem von den beiden norwegischen Architekturbüros Helen & Hard und SAAHA entworfenen, hölzernen Geschäftsgebäude. Für die Konstruktionsplanung und Fertigung der imposanten Treppenanlage allerdings kam das Know-how aus Deutschland zum Einsatz: Der Treppenbauer Hokon, unter Leitung von Jörn Brenscheidt, zeichnet sich unterstützt durch ein Ingenieurbüro verantwortlich für die Planung, Fertigung und Bauleitung, Hasslacher Holzbauteile aus dem unterfränkischen Kleinheubach lieferte die formverleimten Leimbinder.

Unlösbares Projekt – aber nur fast!

Die Bauherren in Norwegen hatten fast eineinhalb Jahre in ganz Europa nach einem Treppenbauer zur Realisierung des komplexen Großprojektes Ausschau gehalten, ohne Erfolg. Über den Zulieferer Pollmeier gelangte die Anfrage Ende 2016 schließlich an Jörn Brenscheidt, der die Herausforderung nach kurzer Überlegung annahm. Für die Durchführung des Auftrages war allerdings eine Zulassung für die Herstellung statischer Bauteile nötig, die Hokon nicht besitzt. Man holte daher die Firma Hasslacher Holzbauteile, einen Spezialisten für Ingenieur-Holzbau aus der Nähe von Miltenberg, ins Boot. Auf der Basis der CAD-Planungen von Jörn Brenscheidt wurden in den Werkhallen von Hasslacher in Unterfranken die bis zu 22 m langen, gebogenen Leimbinder gefertigt und bearbeitet. Drei Mitarbeiter von Hokon lieferten weitere, in der eigenen Werkstatt gefertigte Bauteile zu und führten dort auch den Zusammenbau und die teilweise Vormontage der Treppen aus. Hier zeigte sich auch zum ersten Mal die schiere Größe der Treppen.

Logistische Herausforderung

Die Bauherren ließen sich davon überzeugen, dass ein werkseitiger Zusammenbau der Treppen, bei gleichzeitiger Überprüfung der Passgenauigkeit, die Montagezeiten vor Ort erheblich verkürzen könnten. Doch wie sollten über 20 m lange und bis zu 4,5 t schwere Bauteile von Süddeutschland nach Skandinavien kommen? Per Lkw und Schiff und einer Menge an Zollformalitäten.

Auf Wunsch des Kunden holte ein norwegisches Speditionsunternehmen mittels dreier Schwerlast-Lkws die ersten Treppenteile beim Holzbauer ab und transportierte diese zur Fähre nach Dänemark, um sie von dort per Schiff nach Stavanger zu bringen. Dort kam allerdings nur ein Transport an, die anderen beiden blieben wegen ungeklärter Zollformalitäten stecken – an der südschwedischen Grenze! Schweden? Zwei Fahrer hatten eigenmächtig den Landweg über Schweden gewählt, wozu ihnen allerdings die notwendigen Zollpapiere fehlten. Mit zweieinhalb Tagen Verspätung erreichten auch sie die Baustelle und die Montage konnte unter Leitung von Jörn Brenscheidt losgehen.

Durchdachte Montageplanung

Die Bauteile wurden mithilfe eines Kranes über das noch offene Dach des Atriums ins Gebäude eingebracht. Auch hier zeigte sich die Präzision, mit der Jörn Brenscheidt das Projekt plante. Mittels CAD wurde bauseits der Schwerpunkt der Treppenteile und die sich daraus ergebende Länge der Hebegurte ermittelt, um diese in die korrekte Winkelstellung für den Einbau zu bringen – die Feinjustierung in der Höhe erfolgte dabei über in das Hebezeug integrierte Ratschen. Dies zahlte sich aus, denn ein Treppenlauf war so inklusive Abladen mithilfe eines norwegischen Bautrupps innerhalb von fünf Stunden montiert – mit einer Genauigkeit von 4 mm auf gut 22 m! Zulässig gewesen wäre bei solchen Dimensionen eine Toleranz von 15 mm. Die weiteren Treppenläufe wurden in einer zweiten Charge geliefert und montiert. In einem dritten, zweiwöchigen Montageeinsatz im August 2019 wurden die Stufen und Podestbeläge aus Baubuche mit Trittkanten aus Räuchereiche und einer Oberfläche aus Hartwachs-Siegel (Remmers HWS-112) durch Mitarbeiter von Hokon eingebaut.

Digital vom Aufmaß bis zur Montage

Ohne den intensiven Einsatz von Aufmaß- und CAD/CAM-Software wäre ein solcher Auftrag nicht zu bewältigen gewesen. Für das Aufmaß vor Ort und während der Fertigung kam das Flexijet-3D-Laser-Aufmaß-System zum Einsatz. Die Basiskonstruktion der Stufen und Podestbeläge erfolgte mittels Compass-Treppenbausoftware, die Konstruktion der Leimbinderwangen und der Tragwerke wurde durch die 3D-Modelliersoftware Rhino ermöglicht. Die dort generierten Btl-Dateien wurden anschließend über einen Postprozessor von Compass (Holzbauprogramm) zu CNC-Daten für das Bearbeitungszentrum verarbeitet.

Rechtzeitige Fertigstellung

Kurz vor Weihnachten 2019 konnte das Gebäude im norwegischen Stavanger schließlich fertiggestellt und der Bauherrschaft feierlich übergeben werden. Für Jörn Brenscheidt und sein 10-köpfiges Team von Hokon Treppen ging damit sicherlich eine stressige Zeit, aber auch ein spektakulärer Auftrag erfolgreich zu Ende, mit dem er sich auf jeden Fall in die Champions-League des europäischen Treppenbaus vorgespielt hat.


Objektbeteiligte

Treppenbau

Hokon Treppen – Jörn Brenscheidt GmbH

58456 Witten-Herbede

www.hokon.de

Holzbau

Hasslacher Holzbauteile GmbH & Co. KG

63924 Kleinheubach

www.hasslacher.com

Ingenieurbüro

One to One GmbH

60329 Frankfurt am Main

www.onetoonene.net

Eingesetzte Software

www.flexijet.info

www.compass-software.de

www.rhino3D.com

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