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Gereifte Tropfen

Neugestaltung der Verkaufs- und Verkostungsräume eines Weingutes in Durbach
Gereifte Tropfen

Gute Produkte herzustellen ist heute für keinen Handwerksbetrieb mehr ausreichend – das gilt für den Tischler und Schreiner genauso wie für den Winzer. Die neu gestalteten Verkaufs- und Verkostungsräume des Weingutes Andreas Männle in Durbach sind ein gelungenes Beispiel für den zeitgemäßen Auftritt eines Traditionsbetriebes.

Autor: BM-Redakteur Heinz Fink

Bienengarten, Oelberg, Steinberg oder Kochberg – alles klangvolle Namen, die Kenner badischer Weine aufhorchen lassen. Bezeichnen sie doch alle bekannte Weinlagen rund um das malerische Dorf Durbach in der Ortenau. Der Weinbau hat in der zwischen Rheinebene und Schwarzwald gelegenen Vorbergzone eine lange Tradition, die bis auf die Zeit der Römer zurückgeht.

Eine lange Tradition hat auch das Weingut Andreas Männle in Durbach – heute von Kellermeister Alfred Männle und seinem Sohn Thomas in dritter Generation geführt –, das bereits im Jahr 1561 urkundlich erwähnt wurde. Doch Tradition und bewährte Handwerkskunst reichen heute nicht mehr aus, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Vielmehr gilt es, die Produkte, das Handeln und das Erscheinungsbild in einem eindeutigen Profil nach außen zu tragen – auch um vom Mitbewerber unterscheidbar zu bleiben.
Altes Handwerk – moderner Auftritt
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, beschloss Familie Männle im Jahr 2014 einen Anbau am bestehenden Wohn- und Winzereigebäude zu errichten. Dieser macht in einer modernen Vinothek mit angeschlossener Probierstube und dazugehörigem Fasskeller seit Frühjahr 2015 Weine von neun Rebsorten in gut 40 unterschiedlichen Ausbauvarianten geschmacklich und sinnlich erlebbar.
Den passenden innenarchitektonischen Rahmen dafür schuf Stefan Kornmeier mit seinem Planungsteam. Der 44-jährige Schreinermeister und Technische Fachwirt aus Zell am Harmersbach im Schwarzwald betreibt seit 1999 ein Planungsbüro für Innenausbau und Konstruktion. Mit seinem sechsköpfigen Team aus Schreinermeistern, Technikern und Ingenieuren ist er auf gewerblichen und privaten Innenausbau, Laden- und Messebau sowie die Produktentwicklung spezialisiert. Die Gestaltung und handwerkliche Durcharbeitung der Projekte nimmt dabei einen hohen Stellenwert ein.
Selbstbewusster Auftritt
Schon bei der Zufahrt auf das Weingut sticht der moderne, direkt an das Schwarzwaldhaus anschließende Riegel ins Auge, der sich selbstbewußt ins Tal hinausschiebt: Grob behauene Steinriemchen in fallenden Längen aus Muschelkalk, sogenannte Bossensteine, geben dem flachen, gut 28 m langen Anbau eine gestreckte, horizontale Wirkung. Das über Eck verglaste Kopfende gibt schon von Weitem Einblick in den Verkaufs- und Degustationsraum. Im Untergeschoss nimmt das steil am Hang liegende Gebäude den ebenfalls für Weinproben genutzten, großzügigen Fasskeller auf.
Auch im Verkaufsraum findet sich Muschelkalk als Wandbelag, dazu reichlich rustikal-astige Eiche und immer wieder Kupfer – alles Materialien, die direkt oder indirekt mit der Weinherstellung zu tun haben. Dieser Materialbezug war Stefan Kornmeier beim Entwurf, für den er den Wiesbadener Designer Jochen Werner ins Boot holte, besonders wichtig: Das Gestein als entscheidende Grundlage für den Charakter des Weins, die Eiche für die Fässer und den Ausbau und Kupfer als wichtige Designkomponente im CI der Kelterei.
Durchdachte Details – stimmiges Ganzes
Kernstück des Verkaufsraumes ist die etwa 11 m lange Theke, die die notwendigen Kühlschränke zur Temperierung der verschiedenen Weine aufnimmt. Der geschichtete Möbelkorpus wird durch kupferhinterlegte Fugen gegliedert und löst sich am Kopfende in einen Vitrinenteil auf. Frei im Raum stehende Sitzwürfel sowie ein vor der Fensterfront umlaufendes Board in Thekenhöhe bieten Platz zum Sitzen und Stehen, zwei fahrbare Servicemobile nehmen während der Weinverkostung Gläser und Weinflaschen auf.
Ein pfiffiges Detail haben Stefan Kornmeier und sein Team für die Präsentation der Weine und die Aufbewahrung der Weingläser entwickelt: An drei knapp raumhohen Wänden aus schwarzen MDF-Leisten lassen sich spezielle Holztablare für jeweils sechs, kopfüber am Stiel eingeklemmte Weingläser einhängen. Gegenüberliegend werden auf gewinkelten Einhängetablaren Weine der fünf vom Weingut ausgebauten Sortentypen präsentiert. In sogenannten Aromaboxen aus eigens angefertigten Glaszylindern finden sich darunter zum Geruchsvergleich typische, mit den verschiedenen Weinen assoziierte Aromen wie Vanille, Schokolade oder Früchte. Auch hauseigene Obst- und Tresterbrände und andere regionale Produkte finden hier Platz zur Präsentation.
Gemütlich moderne Probierstube
Vorbei an auf schlanken Eichestelen ausgestellten Weinflaschen, gelangt der Besucher über einen langgestreckten Flur in die großzügige und modern eingerichtete Probierstube. An großen Eichentischen auf Untergestellen aus Schwarzstahl finden hier bis zu 50 Gäste Platz. Eine umlaufende Sitzbank bietet vor Wänden aus Muschelkalk eine gemütliche und dennoch zeitgemäße Atmosphäre. Die abgehängte Decke mit umlaufender Lichtvoute und indirekter Beleuchtung ist mit einem speziellen Akustikputz versehen und nimmt die notwendige Klimatechnik auf. Als zusätzliche Akzentbeleuchtung über den Tischen dienen unten angeschnittene und innen sandgestrahlte Weinflaschen aus der eigenen Flaschenkollektion.
Im großzügigen Fasskeller des Weigutes sorgt ein ständig laufender Wasservorhang bei 13° C Raumtemperatur für eine konstante Luftfeuchte von 60 bis 80 % – dies ist notwendig, damit die Eichefässer nicht Schwinden und Wein verdunstet. In einem hinterleuchteten Regal werden hier auch die Schätze des Weingutes aufbewahrt: jahrzehntealte Flaschen früherer Jahrgänge der Kellerei.
In Anbetracht der Komplexität des Projektes und einer Fülle von Detaillösungen ist kaum zu glauben, dass der Umbau von der Baueingabe bis zur Eröffnung in nur fünf Monaten über die Bühne ging. Doch wer das Credo von Stefan Kornmeier und seinem Team kennt, „Nicht in Problemen, sondern in Lösungen denken“, den wunderts nicht. I

Objektbeteiligte
Bauherr
Weingut Andreas Männle
77770 Durbach
Entwurf
Designbites Jochen Werner
65195 Wiesbaden
Entwurf und Planung
Stefan Kornmeier
Büro für Innenausbau und Konstruktion
77736 Zell-Unterharmersbach
Innenausbau
Moser GmbH
77716 Haslach
Herbert Brosemer
Innenausbau & Möbelwerkstätte
77736 Zell am Harmersbach
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