Innenausbau einer Aussegnungshalle in Heidenheim. In Falten gelegt - BM online
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In Falten gelegt

Innenausbau einer Aussegnungshalle in Heidenheim
In Falten gelegt

Hell, frisch und freundlich zeigt sich das Innere der Aussegnungshalle auf dem Waldfriedhof in Heidenheim aus den 1950er-Jahren nach dem Umbau durch das Stuttgarter Architekturbüro kaestle&ocker. Den komplexen Innenausbau realisierte die Schreinerei Zitzmann aus dem unterfränkischen Poppenhausen.

BM-Redakteuer Heinz Fink

Friedlich liegt er da, der schlichte weiße Gebäudekomplex. Umrahmt von altem Baumbestand und klar gegliedert spricht er die Architektursprache seiner Zeit. Erbaut 1957 durch den Architekten Ludwig Gruber, wirkt die Aussegnungshalle mit angeschlossenem Aufbahrungsgebäude auf dem Heidenheimer Waldfriedhof von außen noch heute frisch und modern. Das Innere bedurfte jedoch nach mehr als 60 Jahren einer zeitgemäßen Neufassung. Im Zuge einer grundlegenden Sanierung gab das Stuttgarter Architekturbüro um Marcus Kaestle und Andreas Ocker den Innenräumen ein vollkommen neues Gesicht. Den komplexen Innenausbau übernahm die Schreinerei von Klaus Zitzmann aus Poppenhausen bei Schweinfurt.

Für die beschränkte Ausschreibung des Bauvorhabens ließen die Architekten im Auftrag des Bauherrn vorab zur besseren Vorstellung der Komplexität des Projektes von der Schreinerei Furch aus Stuttgart ein 1:1-Modell (Mock-up) eines gefalteten Wandelementes in der Größe von gut 3,0 x 2,5 m anfertigen. Den Zuschlag zur Ausführung erhielt schließlich die Schreinererei Zitzmann, die schon bei früheren Projekten mit dem Architekturbüro zusammengearbeitet hatte.

Komplexe Geometrie

Zur Verbesserung der räumlichen Qualität der Aussegnungshalle entwickelten die Architekten ein Faltwerk aus Wandverkleidungen in Weißtanne, das dem Raum, zusammen mit der nach vorne gestuft abfallenden Decke, dem mit rahmweiß gebändertem Jurakalk belegten Boden und dem großzügigen Panoramafenster zum neugeschaffenen Lichthof, eine freundliche, helle Atmosphäre gibt.

Die Unterkonstruktionen aus Elementen in Fichte-3-Schichtplatten wurden vom Innenausbauer in der Werkstatt vorgerichtet und bauseits montiert. Wegen der inhomogenen Konsistenz des Mauerwerks aus den 50er-Jahren wurden im Vorfeld, zusammen mit dem Lieferanten (Würth), eigens Klebeversuche gemacht, um die geeigneten Befestigungsmittel zu finden. Vor der Beplankung wurden auf den Unterkonstruktionen Leisten befestigt, an die der Trockenbauer exakt, nur getrennt durch eine dunkle Schattenfuge, seine Decke anschließen konnte.

Werkstatt auf der Baustelle

Der Praktiker kann sich vorstellen, dass die Beplankung der Wände mit genuteten und gefederten Brettern aus Weißtanne in vier unterschiedlichen Breiten und fallenden Längen ab 4,50 m nicht mehr mit Kappsäge und Elektrohobel zu bewältigen war. Die Lösung: Klaus Zitzmann transportierte kurzerhand eine Formatkreissäge (Martin) mit 3,80 m langem Schlitten und eine Tischfräse mit schwenkbarer Spindel auf die Baustelle, um die unterschiedlichen Gehrungs- und Schifterschnitte exakt ausführen zu können. Die Bretter wurden in der Nut verdeckt mit der Unterkonstruktion unsichtbar verschaubt. Vier Mitarbeiter der unterfränkischen Schreinerei arbeiteten fast sechs Wochen an der Fertigstellung der gut 360 m2 messenden Wandverkleidungen aus 24 mm starker, astfreier und weiß-pigmentiert vorbeschichteter Weißtanne. Beim gesamten Bauvorhaben wurden fast
10 m3 Weißtannebretter aus dem Schwarzwald verarbeitet.

Neben den gefalteten Wandverkleidungen an den beiden Längsseiten der Aussegnungshalle wurden auch die Stirnseiten um das breite Panoramafenster zum Lichthof sowie die gegenüberliegende Wand zum Eingang plastisch geformt mit Weißtanne belegt. Auf der Orgelempore umrahmt sie ein dreigliedriges Fenster und ein weiteres nach Süden gerichtetes rundes. Das runde Fenster wurde überbrettert und anschließend ein Kreis ausgefräst, um einen Holzring als Laibung einsetzen zu können.

Auch die Räume in dem an die Aussegnungshalle rechtwinkelig anschließenden Aufbahrungsgebäude wurde von Klaus Zitzmann und seinem Team ausgestattet. Zwei lange, frei an der Wand im Flur vor den Aufbahrungsräumen aufgehängte Winkel aus Weißtanne dienen hier als Sitzgelegenheiten für die Trauernden. Im bestuhlten Feierraum für die Urnenbestattung nimmt eine ebenfalls plastisch geformte Wandfläche in einer darin integrierten Nische die Urne auf. Neben den Sitzbänken aus Weißtanne und filigranen Untergestellen aus Metall und dem schlichten, kubischen Lesepult (Ambo) in der Aussegnungshalle fertigten die Innenausbauer auch sämtliche Innentüren.

Gut aufgestellt

Die Schreinerei Zitzmann wurde 1995 von Klaus Zitzmann als kleiner 3-Mann-Betrieb gegründet. Nach einem kontinuierlichen Wachstum realisieren er und sein 10-köpfiges Team in der heute 1200 m2 großen, modern ausgestatteten Werkstatt im unterfränkischen Poppenhausen Projekte für öffentliche Auftraggeber, Objekteinrichtungen für Schulen, Krippen und Kindergärten, Arztpraxen und Ladeneinrichtungen, aber auch Innenausbauten für private Kunden.


Objektbeteiligte

Architektur

kaestle&ocker Architekten BDA

70193 Stuttgart

www.kaestleocker.de

Innenausbau

Schreinerei Klaus Zitzmann

97490 Poppenhausen

www.schreinerei-zitzmann.de

Modell (1:1-Mock-up)

Furch Gestaltung + Produktion GmbH

70567 Stuttgart

www.furch.tv

Holzlieferant (Weißtanne)

Sägewerk Echtle KG
77787 Nordrach

www.echtle-holz.de

Verglasung zum Lichthof

Sky-Frame AG

8500 Frauenfeld, Schweiz

www.sky-frame.com

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