Landschaftshotel in Schweden

Leben in den Bergen

Einfach die Stille und Natur genießen – damit einen im Loft House des Landschaftshotels Bergaliv nichts ablenkt, ist das Design minimalistisch gehalten. Außen sind Kiefer- und Fichtenhölzer verarbeitet, für die Möbeleinbauten wurden Birkensperrholz und Esche verwendet.

VON Katharina Ricklefs

Ein Holzhaus in Schweden? Mal ehrlich, da entstehen vor dem inneren Auge sofort Bilder von roten Häuschen mit weiß abgesetzten Applikationen. Und natürlich sind diese in den schwedischen Wäldern häufig anzutreffen. Dass es aber auch anders geht, zeigt die Stockholmer Architektin Hanna Michelson. Im Frühjahr 2017 fertiggestellt, ist das „Loft House“ das erste von zukünftig einmal vier Holzhäusern, die zusammen das Landschaftshotel Bergaliv bilden.

Eine Familie – eine Idee

Das Landschaftshotel Bergaliv, schwedisch für Leben in den Bergen, ist quasi eine Familienproduktion. Als Staffan Michelson, der Vater von Hanna Michelson, das Grundstück an der Bergflanke des Åsberget in der Provinz Hälsingland im Südosten von Norrland erwarb, waren beide von der friedlichen Atmosphäre und dem Ausblick über das Tal tief beeindruckt. Schnell stand der Entschluss, dieses Naturerlebnis auch anderen zugänglich zu machen und die Idee von kleinen Holzhäusern als eine Art von Hotelzimmern am Berg war geboren. Es sollten einfache Unterkünfte sein, um den Fokus auf die Natur zu lenken.

Zimmer mit Aussicht

Gut zehn Meter ist das erste Loft House hoch, das Achsmaß beträgt 3,56 auf 3,89 m. Um den Eingriff in den bewaldeten Hang möglichst gering zu halten, steht die Holzkonstruktion auf Stelzen. Die vier Eckpfosten aus Kiefernleimholz von 21,5 auf 21,5 cm wurden je mit einem von außen umfassenden H-Pfostenträger aus Stahl verschraubt, die Stahlstützen mit einem Durchmesser von 4,8 cm wurden in Bohrlöcher im Felsgestein des Hanges arretiert und mit Beton vergossen. Über einen Steg nähert man sich dem Haus, das über zwei Ebenen mit jeweils 14 m² verfügt. Die untere Ebene beherbergt einen offenen Wohnraum. Die Wände sind mit 12 mm Birkensperrholzplatten beplankt, der Fußboden ist mit Tannenholzdielen belegt und die Deckenbalkenlage wurde nicht verkleidet. Blickfang in dem minimalistischen Raum ist das große Fenster, das die Landschaft zu rahmen scheint. Die Eckbank aus Eschenholz vor dem Fenster dient als Ess- und Sitzplatz. Als Bett fungieren Futonmatratzen, die wie auch die Bettdecken tagsüber zusammengerollt an der Wand hängen. In der Nische zwischen der Eckbank und der Eingangstür ist eine kleine Küchenzeile untergebracht. Die Korpusse der Unterschränke sind aus Multiplexplatten, die Fronten aus Eschenholz gefertigt. Über die markante Fuge zwischen der Arbeitsplatte und der Oberkante der Fronten lassen sich die Unterschränke öffnen. Das Loft House verfügt über keinen Wasseranschluss. Über einen im Hochschrank integrierten Tank kann Wasser gezapft werden. Die Küchenausstattung ist minimal, so gibt es keinen Herd, aber Wasserkocher, Toaster und Kaffeemaschine. In einem separaten Raum ist eine Toilette untergebracht. Dabei handelt es sich um eine Verbrennungstoilette. Die Fäkalien werden mit Gas verbrannt, es bleibt nur ein wenig Asche übrig, die man sehr einfach entsorgen kann. Wer nicht auf den Komfort einer Dusche verzichten möchte, kann ein Spa-Package zusätzlich buchen und die Einrichtungen eines im Tal gelegenen Hotels nutzen. Ein zusätzliches Plus des Loft House ist die zweite Ebene. Über eine Außentreppe betritt man die zu allen Seiten offene Etage unter dem aufgesetzten Satteldach und blickt über Baumwipfel in die Ferne.

Lokale Handwerkstechniken

Schon in der Planungsphase hat die Architektin Hanna Michelson eng mit dem ortsansässigen Bauunternehmer Anders Jonsson von
AJ Hälsinge Renovering & Bygg zusammengearbeitet, der über Erfahrungen mit den historischen Bauweisen der Region verfügt. Er empfahl das Loft House diffusionsoffen zu konstruieren, sodass die Konstruktion atmen kann. Zudem war es Hanna Michelson wichtig, dass keine Plastikmaterialen und keine giftigen Imprägnierungen verwendet wurden. Isoliert wurde daher im Rückgriff auf regionale Bauweisen mit Flachsfasern.


Die Autorin

Katharina Ricklefs schreibt als freie
Journalistin über die Themen Architektur, Design und Bauwesen. Für BM verfasst sie regelmäßig Objektberichte zu schönen bis ungewöhnlichen Innenausbauten.

www.katharinaricklefs.de


Objektbeteiligte

Homepage

www.bergaliv.se

Architektur

Hanna Michelson

11768 Stockholm, Schweden

Bauunternehmen

AJ Hälsinge Renovering & Bygg

82892 Edsbyn, Schweden