Meerbuscher Schreinermeister baut Cockpit für Flugzeugmodell

Ready for take-off

Seine Leidenschaft fürs Fliegen und die Erfahrungen beim Bau seines eigenen Flugsimulators haben Schreinermeister Markus Scholz aus dem niederrheinischen Meerbusch einen spektakulären Auftrag eingebracht – inklusive eines abenteuerlichen Montageeinsatzes in China.

BM-Redakteur Heinz Fink

„Wind Nord/Ost, Startbahn null-drei …“ so besang einst Reinhard Mey in seinem Chanson „Über den Wolken“ die Sehnsucht vom Fliegen – ein Traum, so alt wie die Menschheit. Für Schreinermeister Markus Scholz aus Meerbusch-Lank bei Düsseldorf ist dieser Traum längst Realität. Regelmäßig klettert er ins Cockpit seiner 737 und steuert von seinem Heimatort aus Ziele wie Mallorca, Nizza oder Barcelona an … Moment mal! Ein Flughafen für Linienmaschinen in einer am Niederrhein gelegenen 10 000-Seelen-Gemeinde? War der nächste internationale Flughafen nicht in Düsseldorf? Okay, um ehrlich zu sein, das Cockpit, von dem aus Markus Scholz seine ausgedehnten Flugreisen startet, liegt im Keller seines Hauses. Denn hier hat sich der passionierte Flieger ohne Pilotenschein seinen ganz persönlichen Traum erfüllt und einen Flugsimulator in Form eines vollfunktionsfähigen Cockpits, einer Boeing 737, eingebaut. Das dabei erworbene Know-how hat ihm jetzt einen nicht ganz alltäglichen Auftrag für seinen Schreinereibetrieb eingebracht.

Der Traum vom Fliegen

Schon während seiner Schulzeit baute Markus Scholz leidenschaftlich gerne Modellflugzeuge und ließ diese in die Lüfte steigen. Der Traum vom eigenen Abheben im Flugzeug ließ sich jedoch aus zeitlichen Gründen nie realisieren. Also begann er vor gut sechs Jahren mit der Planung eines eigenen Flugsimulators für den Hausgebrauch und kam so in Kontakt mit der Firma Cockpit Sonic aus dem hessischen Limeshain, welche Flugsimulatoren und Trainingseinheiten für Piloten herstellt. Von dort bezog er die notwendige Soft- und Hardware für die Ausstattung seines heimischen Flugsimulators. Das Cockpit, die Innenausstattung sowie die halbrunde Projektionswand fertigte er im Laufe von vier Jahren nach Feierabend und am Wochenende in der eigenen Werkstatt.

Über diesen Kontakt kam es im vergangenen Jahr auch zum Auftrag für den Innenausbau des Cockpits eines in russisch-chinesischer Kooperation entstehenden Flugzeuges. Das begehbare Modell im Maßstab 1:1, ein sogenanntes Mock-up, sollte auf einer im Herbst 2018 in China stattfindenden Internationalen Flugausstellung potenziellen Kunden einen Eindruck von der Ausstattung des geplanten Airliners geben – vom Fluggastraum mit erster und zweiter Klasse bis hin zum Cockpit.

Der etwa 26 m lange Rumpf des Flugzeugmodells wurde von einer spezialisierten Modellbaufirma im unterfränkischen Lichtenfels gefertigt. Auf der Basis der Entwürfe eines Hamburger Interior Design Büros fertigten Markus Scholz und sein Team die notwendigen Konstruktionszeichnungen auf Vector Works und daraus abgeleitet die CAD/CAM-Daten für die spätere Fertigung auf dem Bearbeitungszentrum (Weeke Venture 3M). Bestimmte Sonderteile wie Beschläge, Hinweiszeichen oder Getränkehalter wurden auch auf einem 3D-Drucker hergestellt.

Die Einbauten wurden aus 16 mm starkem, grundierfolienbeschichtetem MDF AW 100 gefertigt und in rohem Zustand zur Bemusterung der Details und zur Anpassung nach Lichtenfels geliefert und anschließend zur Oberflächenbehandlung wieder zurück nach Meerbusch in die Werkstatt gebracht. Dabei änderten sich auch mal kurzfristig auf Wunsch des Kunden Details oder mussten angepasst werden. So sollte sich eine Klappe in einer bestimmten Geschwindigkeit öffnen, was zahlreicher Muster bedurfte und nur über einen speziell gefertigten Gasdruckzylinder gelang.

Unterwegs in geheimer Mission

Überhaupt unterlag das Projekt höchster Geheimhaltung. So musste Markus Scholz bei Vertragsabschluss eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen und seinem Auftraggeber wöchentlich durch Fotos den Fortgang der Arbeiten dokumentieren. Selbst die Zusammensetzung des zugelieferten Lackes für die Einbauten im Cockpit waren geheim.

Nach gut einem Dreivierteljahr Planungs- und Fertigungszeit waren die Arbeiten abgeschlossen und das Mock-up des Langstrecken Airliners CR929 war bereit zur Auslieferung. Der gesamte Aufbau wurde wieder in seine Einzelteile zerlegt, sicher in Kisten verpackt und per Transportflugzeug nach Hongkong gebracht – die letzten 100 km bis in die riesigen Hallen des Zhuhai Messegeländes erfolgten per Lkw.

Doch auch die Montage vor Ort in China, zu der zwei Mitarbeiter anreisten, bot einiges an Überraschungen. Denn als die deutschen Schreiner nach aufwendigen Einreiseformalitäten auf dem Messegelände ankamen, war das mitversandte Werkzeug nicht angekommen. Es folgte mit mehrtägiger Verspätung dann doch noch und so konnte das Modell der CR929 rechtzeitig zur Eröffnung der Zhuhai Airshow im November 2018 fertiggestellt werden. Nach eineinhalb Wochen konnten die Kollegen von Markus Scholz schließlich den Rückflug in die Heimat antreten. Im Cockpit saß diesmal allerdings nicht Flugkapitän Markus Scholz und begrüßte seine Gäste …

www.schreinereischolz.de

www.cockpitsonic.de

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