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Respektvoller Umgang

Innenausbau eines Wohnhauses in Münster
Respektvoller Umgang

Am Rande der historischen Altstadt von Münster gelegen, nimmt das vom Münsteraner Büro hehnpohl architektur bda entworfene und bereits mehrfach preisgekrönte Wohnhaus in Kubatur und Materialität den umgebenden Bestand auf und spricht dennoch eine ganz eigene, zeitgemäße Formensprache – und das sowohl im Inneren als auch von außen.

BM-Redakteur Heinz Fink

Ganz selbstverständlich steht es da auf der Grundlinie zur Straße hin. In der Flucht mit den links und rechts anschließenden Stadthäusern nimmt es auf verschiedenen Ebenen die Formen seiner spitzen, giebelständigen Nachbarn und auch deren, teils mit Backstein belegten Fassaden auf. Es nutzt das Prinzip mittelalterlicher Fachwerkhäuser, in den oberen Stockwerken über den zugewiesenen Grundriss auszukragen. Doch damit schon genug der Verbeugung vor der Vergangenheit. Das vom Münsteraner Architekturbüro um Christian Pohl und Marc Hehn entworfene Wohnhaus in der Altstadt von Münster spricht eine ganz eigenständige, zeitgemäße Formensprache – und das nicht nur von außen: Rauer Sichtbeton und warmes Holz prägen das Haus im Inneren. Den reduziert gestalteten Innenausbau übernahm die Tischlerei Strotmeier aus Sassenberg-Füchtorf.

Historische Form – moderne Gestalt

Die äußere Staffelung der plastisch gestalteten Fassade setzt sich auch in der inneren Organsisation des Gebäudes fort. Hinter der, gleich dem Garagentor mit vertikalen Kupferpaneelen belegten Haustür mit schmalem, diagonalem Lichtschlitz öffnet sich der Eingangsbereich des Hauses. Dieser dient als Verteiler zur danebenliegenden Garage, zum Gästebereich und zu den Wohnräumen in den Obergeschossen. Er kann bei Bedarf durch eine in einer hölzernen Tasche verstauten, dreiflügeligen Ganzglas-Schiebetürkonstruktion abgetrennt werden. Ein daran anschließender Einbau in Eiche bildet eine Nische für die Garderobe und das WC für das dahinterliegende Gästezimmer. Hier bietet ein raumhoher, gut 5,5 m breiter Schrankeinbau reichlich Stauraum und sogar Platz für ein Wandklappbett und eine kleine Küche.

Eleganter Aufstieg

Der viertelgewendelte Treppenlauf zum Obergeschoss wird aus auf die Betontreppe aufgesetzten Faltwerkstufen in massiver Eiche gebildet, die ebenfalls vom Innenausbauer ausgeführt wurden. Eine schwarz hinterlegte, etwa 15 mm breite Schattenfuge setzt die Stufen von der Wange und den Wänden aus rau geschaltem Sichtbeton ab. Sie führt zum offenen Küchen-, Wohn- und Essbereich im ersten Stock. Ein großes, einem nach innen gezogenen Erker gleichendes Eckfenster gibt von der angeschlossenen Sitzbank aus den Blick frei auf den nahegelegenen Buddenturm, einem Teil der historischen Münsteraner Stadtbefestigung.

Den rückwärtigen Teil der offenen Küche bildet ein mit mattschwarzem Schichtstoff (Sperracolor Piton) belegter, raumhoher Einbau, der neben reichlich Stauraum hinter den grifflosen, hohen Auszugsfronten und Klappen die notwendigen Elektrogeräte wie Dampfgarer, Backofen, Geschirrspülmaschine und Kühlschrank aufnimmt. In die Front zurückgesetzt ist die Spüle in die Arbeitsplatte aus Beton eingefügt – die Nischenrückwand nimmt hier das Thema der Klinkerfassade wieder auf. Eine grifflose, in die Abwicklung flächenbündig eingefügte Tür führt zu einer kleinen Speisekammer.

Zentrum der vom Bauherren zusammen mit dem Innenausbauer entwickelten Küche ist der freistehende, gewinkelte Küchenblock, der zu beiden Seiten hin mit zahlreichen Holzschubkästen und -auszügen (Blum Movento) ausgestattet ist. Die in Eiche furnierte, gebürstete und mit Naturholzeffekt-Lack (Hesse Lignal) lackierte Außenhülle nimmt auf drei Ebenen den überkragenden Versatz der Fassade des Hauses wieder auf. Durch umlaufende, 25 mm breite Grifffugen lassen sich die grifflosen, hinterschnittenen Fronten bequem öffnen. Die 30 mm starke Arbeitsplatte aus Beton ist mit einem flächenbündig eingelassenen Induktions- sowie einem Gaskochfeld bestückt. Der an einer nicht sichtbaren Stahlunterkonstruktion an der Betondecke befestigte Dunstabzug ist von einem umlaufenden, hölzernen Regal eingefasst. Zur Wohnzimmerseite hin ist ein offenes Bücherregal in Eiche in den Kücheneinbau integriert.

Durchdachte Lichtführung

Vom ersten Stock aus führt eine, diesmal zweifach gewendelte Treppe zum, teils bis in die Dachspitze hin offenen 2. Obergeschoss. Von einem großzügigen Vorplatz erreicht man hier die Schlafräume und das Bad. Zahlreiche, in die Dachfläche integrierte Lichtschächte bringen hier reichlich Tageslicht in den als Leseplatz genutzten Raum. Ein in die Fassade eingeschnittenes Fenster bietet auch hier wiederum Ausblick zum historischen Stadtmauerturm. Die sich um den Kamin windende, halbgewendelte Betontreppe mit Faltwerkstufen aus Eiche führt zu weiteren Räumen im Spitzboden des Gebäudes.

Neben den Möbel- und Innenausbauten führten Ralf Strotmeier und sein 20-köpfiges Team auch alle Zimmertüren aus. Die Besonderheit hier: Alle Türelemente sind an, mit den Betonwänden flächenbündig liegenden, kräftigen Blockrahmen angeschlagen – die dafür notwendigen, 10 x 10 cm großen Fälze wurden bereits vor dem Guss in der Betonschalung berücksichtigt. Die doppelt gefälzten, an verdeckten Tectusbändern angeschlagenen, glatten Türblätter in Eiche sind allesamt mit Bodentürdichtungen (Schallex) bestückt. Als Griffgarnituren kamen an den Türen und Fenstern Beschläge in matt changierender Bronze (FSB 1242 ) zum Einsatz. Der gesamte Innenausbau wurde durchgängig mit dem 3D-Zeichenprogramm Topsolid-Wood von Moldtech, die Treppen mit der Treppenbausoftware des Dortmunder Softwareunternehmens Compass Software, gezeichnet und anschließend mittels CAD/CAM auf das 5-Achs-Bearbeitungszentrum von Homag in die Werkstatt zur Fertigung übergeben.


Objektbeteiligte

Architektur

hehnpohl architektur bda

48153 Münster

www.hehnpohl.de

Innenausbau

Tischlerei Strotmeier GmbH

48336 Sassenberg-Füchtorf

www.strotmeier.de

Fenster

Michels Fenster-Türen GmbH & Co. KG

33378 Rheda-Wiedenbrück

www.michels-fensterbau.de

Parkett

Sägewerk Anton Hagedorn

48336 Sassenberg-Füchtorf

www.saegewerk-hagedorn.de

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