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Schlichter Kubus

Innenausbau eines Wohnhauses im südhessischen Bensheim
Schlichter Kubus

Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die reduzierte Formensprache und feine Detaillierung eines Gebäudes im Inneren bis zum Innenausbau schlüssig fortsetzt. Welch ein Gewinn es sein kann, wenn dies doch gelingt, zeigt das vorgestellte Projekt. Zeugt es doch von einer guten Zusammenarbeit des Vorarlberger Büros k_m architektur und der ortsansässigen Schreinerei Querholz in Bensheim.

Autor: Heinz Fink

Der schlichte Baukörper in Holz wirkt wie aus einer anderen Welt in dem beschaulichen, von Weinbergen geprägten Wohnviertel der südhessischen Gemeinde Bensheim. Von der Straße aus duckt sich der geometrische Baukörper hinter einer hohen Sichtbetonmauer, die den steilen, ehemaligen Weinberg abfängt, in den Hang hinein. Die mäandernde Kontur seiner Fassade wird erst beim Näherkommen erfassbar: Durch die Eingangstüre im Sockelgeschoss, das die Kellerräume und die Garage aufnimmt, erreicht man durch einen Innenhof über eine Treppe das eigentliche zweigeschossige Wohnhaus in Holzbauweise. Das erschließende Gartengeschoss trägt dabei einen horizontal strukturierten Baukörper, der die darunterliegenden Räume umlaufend weit überragt. Auch im Obergeschoss wurden die Räume weit eingerückt, sodass ein großzügiger, an zwei Seiten umlaufender Balkon einen herrlichen Blick ins weite Rheintal ermöglicht.

Die Bauherrschaft entschied sich für die Ausführung des vom bekannten Vorarlberger Büro k_m architektur in Bregenz geplanten Hauses, lokale Handwerksbetriebe hinzuzuziehen. Die Wahl für den Innenausbau fiel dabei auf die Bensheimer Schreinerei Querholz. Der ökologisch ausgerichtete Handwerksbetrieb unter Leitung des Schreinermeisters Andreas Brosy zeichnet sich für die Konstruktionsplanung und Ausführung des gesamten Innenausbaus, von der Möblierung bis hin zu den Zimmertüren, verantwortlich.
Offene, transparente Raumstrukturen
Im Obergeschoss erstrecken sich in offener Folge Küche, Essplatz und Wohnraum über die gesamte Länge des Gebäudes. Die Küche an der östlichen Stirnseite wird geprägt durch einen zentralen Küchenblock in Eiche. Neben seiner Funktion als Koch- und Zubereitungsinsel nimmt er Schubkästen und Auszüge in übertiefer Ausführung auf. Die grifflosen Auszüge werden mittels Blum-Servo-Drive-Technik auf Druckimpuls geöffnet und geschlossen. Hier findet sich reichlich Platz für Töpfe und Geschirr, aber auch für Lebensmittel. Neben den herstellereigenen Organisationssystemen werten diverse, speziell angefertigte Inneneinteilungen, wie ein zusammen mit dem Bauherren entworfener Messerblock in massiver Eiche, das Innere der weiß beschichteten Blum-Tandemboxen zusätzlich auf. Als robuste Arbeitsplatte dient eine 3 cm starke Steinplatte aus rotbraunem „Baltic Blue“ in Lederoptik in die das Glaskeramik-Kochfeld flächenbündig eingelassen ist.
Derselbe Stein bildet auch die Arbeitsfläche der rückwärtigen Hochschrankzeile. Die deckend weiß lackierte Möblierung umrahmt das breite Fenster passepartoutartig und bietet so einen hellen, freundlichen Arbeitsplatz. Hinter den Fronten finden sich neben den küchenrelevanten Geräten, wie Kühlschrank und Geschirrspüler, weitere beschlagtechnische Lösungen zur optimalen Stauraumnutzung: Ein Eckschrank-Schwenkauszug im Eckunterschrank, ein Apothekerauszug im Hochschrank, ein Mülltrennauszug unter der Spüle, aber auch eine Trittleiter im Sockel bieten Stauraum und Raumausnutzung bis in den letzten Winkel der Küche. Ein weiteres, vom Schreiner gut gelöstes Detail: Die Espressomaschine lässt sich, zur besseren Bedienung, auf einem Tablarauszug aus dem Aufsatzschrank über der Arbeitsplatte herausziehen und verschwindet bei Nichtgebrauch wieder im Schrank.
Kompetente Unterstützung
Einen maßgeblichen Anteil an der Beschlagberatung – nicht nur im Zusammenhang mit der notwendigen Küchenbeschlagstechnik – hatte dabei der technische Außendienstberater der Firma Häfele, Bernd Bauer. Da er und Andreas Brosy schon viele Jahre gut zusammenarbeiten, war es naheliegend, zusammen mit der Bauherrschaft den Planungsraum der Firma Häfele in der Frankfurter Verkaufsniederlassung zu besuchen. Hier konnten die Kunden unterschiedlichste Beschlaglösungen in der Anwendung erleben, bestückte Küchenkorpusse variabel arrangieren, den notwendigen Stauraumbedarf festlegen und letztlich auch ein geeignetes Regalsystem für den geplanten begehbaren Schrank auswählen.
Streng gegliederte Struktur
Von der Küche aus reicht der Blick über den Essplatz und einen zentral im Raum angeordneten Kaminofen in den großzügigen Wohnraum. Bestimmender Einbau hier ist eine etwa 6 m lange Regalwand in Weißlack, die flächenbündig in eine Wandverkleidung und die zum Schlafzimmer führende Tür übergeht. Unter den offenen Regalen für Bücher findet sich hinter Drehtüren mit Push-to-open-Funktion reichlich Stauraum. Die Türen unter dem Flachbildschirm nehmen dabei die notwendige Technik kindersicher auf.
Freie Sicht auf die Natur
Im Küchen-, Ess- und Wohnbereich bieten raumhohe Verglasungen, teils festverglast, teils mit nach außen öffnenden Dreh-Kipptüren bzw. Dreh-Schiebeelementen, viel Licht und schaffen gleichzeitig Bezug zur umgebenden Natur. So auch vom an den Wohnbereich anschließenden Elternschlafzimmer aus: Auch von hier erreicht man den umlaufenden Balkon mit grandiosem Blick ins weitläufige Rheintal.
Von der Schlafzimmertür aus setzt sich hier der raumbildende Ausbau weiter fort: Die Wandabwicklung verbirgt einen Kleiderschrank mit speziell gefertigten Griffoliven in Edelstahl, der über die Tür zum begehbaren Schrank hin sowie eine mittels Schattenfuge abgesetzte Wandverkleidung an die Außenwand anschließt. Wandverkleidungen und Blockrahmen schließen dabei, aus schalltechnischen Gründen, sauber an die Deckenverschalung in Weißtanne an. Alle Möbeleinbauten sind dagegen über eine etwa 30 mm breite Schattenfuge deutlich abgesetzt.
Stauraum kompakt organisiert
Der begehbare Schrank dient als Übergangszone zum Elternbad. Offen bzw. in der Wand laufende, raumhohe Schiebetüren schaffen hier trotz der räumlichen Enge ein „offenes“ Raumgefüge. Zum Einsatz kamen hier bodengeführte Aluminiumrahmentüren aus dem System Silent Aluflex 80, die über den TopCo-Service von Häfele werkseitig, nach Angabe des Innenausbauers, vorkonfektioniert wurden. Satinierte Glasfüllungen lassen den Vorraum auch bei geschlossenen Türen licht und transparent erscheinen.
Auch für die Ausstattung des Schrankinnenraumes fiel die Wahl auf ein System aus Nagold. Ein zwischen Decke und Boden eingespanntes System aus quadratischen Stützen nimmt Fachböden und Kleiderstangen, aber auch Möbelkorpusse auf. Auch hier erhielt das vorgegebene System einen handwerklichen Touch durch Fachböden in geölter Eiche und Schubkastenmodule mit fingergezinkten Auszügen.
Im anschließenden, mit hellen Natursteinfliesen belegten Elternbad bietet ein großzügiger, wandhängender Waschtischunterschrank in Auszügen Platz für die notwendigen Artikel und Gerätschaften im Bad. Ein großer und flächenbündig eingelassener Spiegel über dem Keramikaufsatzbecken nimmt zwei stabförmige Leuchten auf.
Durchgehende Leitfunktion
Haupterschließungsachse des Hauses ist eine zweiläufige Treppe in Eiche, deren stabförmig aufgelöste Mittelwange über zwei Stockwerke vom Untergeschoss bis in den Wohnbereich reicht. Auf der Eingangsebene gelangt man durch die nach außen öffnende (!) Haustür über den Vorraum in die Arbeits-, Kinder- und Hauswirtschaftsräume im Sockelgeschoss. Ein langgestreckter, schmaler Flur dient hier als Verteiler. Das Arbeitszimmer sowie zwei Kinderzimmer sind zum Tal hin orientiert und haben über raumhohe Verglasungen viel Licht. Durch das schützende, weit auskragende Obergeschoss können die Dreh-Kippflügel der Türen auch hier nach außen geöffnet werden und ermöglichen den Zugang zur umlaufenden Terrasse und in den anschließenden Garten. In den beiden Kinderzimmern bilden zwei Rücken an Rücken stehende Schränke und eine dazwischenlaufende Schiebetür die Raumtrennung. Hier bot der Slido Woodflex 80 mit seiner bodengeführten Laufeinrichtung, die in den Parkett eingelassen wurde, die richtige Lösung. Ein in den Eicheparkett bündig eingelassener Lichtschacht ermöglicht hier wie auch in den Wohnräumen über geregelte LED-Technik eine stimmungsvolle Beleuchtung der Räume über die gesamte Breite der Verglasung.
Ökologisch nachhaltig geplant
k_m architektur, bekannt für den hohen ökologischen Standard seiner Bauten, plante auch das Bensheimer Wohnhaus streng nach den Kriterien der Umweltverträglichkeit. Dazu gehört, neben anderen Aspekten, die Verwendung von unbehandeltem Weißtannenholz für Fassade und Fenster, aber auch die Erdwärmeheizung mit Solaranlage zur Warmwasserbereitung auf dem Dach. Über den Einsatz von nachhaltigen Materialien und umweltfreundlichen Oberflächen beim Innenausbau, wie Öle und Wasserlack, wurde diesem hohen Anspruch auch vonseiten der Schreinerei Querholz Genüge getan. I

Objektbeteiligte
Architekturbüro:
k_m architektur
6900 Bregenz, Österreich
Möbel- und Innenausbau:
Querholz
64625 Bensheim
Fensterbau:
Helmut Schäfer Fensterbau GmbH
64646 Heppenheim
Holzbau:
Holzbau Wilch GmbH
64673 Zwingenberg

Schlichter Kubus – Fotostrecke

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