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Ungeheuerlich!

Innenausbau des Struwwelpeter Museums in Frankfurt am Main
Ungeheuerlich!

Struwwelpeter, Paulinchen und Hans-guck-in-die Luft – wer kennt sie nicht, die Geschichten, die der Frankfurter Arzt, Dr. Heinrich Hoffmann, vor bald 175 Jahren erdacht hat. Sie und viele andere Figuren des Buches haben – lebhaft in Szene gesetzt durch die Schreinerei Schneider Innen.Raum.Design aus Miltenberg – im Struwwelpeter Museum in Frankfurt ein neues Zuhause gefunden.

BM-Redakteur Heinz Fink

Konrad, sprach die Frau Mama, ich geh’ aus und du bleibst da.“ Oder aber „der Friederich, der Friederich, das war ein arger Wüterich!“ – Wem sind diese mahnenden Worte aus dem Struwwelpeter-Buch nicht noch aus der eigenen Kindheit bekannt. Im Jahr 1844 vom Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann für seinen damals dreijährigen Sohn Carl geschrieben, zählt das Werk um die Figuren des Struwwelpeter, Konrad und Zappel-Philipp oder des Hans-guck-in-die-Luft, Paulinchen und Suppenkaspar mit einer Auflage von gut 35 Mio. zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbüchern und wurde in 40 Sprachen übersetzt.

Seit 2019 hat das Struwwelpeter Museum in zwei rekonstruierten Fachwerkhäusern der neu enstandenen Frankfurter Altstadt am Römer eine neue Heimat gefunden. Auf der Grundlage der Planungen des Darmstädter Büros Point.Architektur hat die Schreinerei Schneider Innen.Raum.Design aus dem unterfränkischen Miltenberg den komplexen Innenausbau für das Museum gefertigt.

Lebhaft in Szene gesetzt

Gleich im Foyer des Museums begrüßen den Besucher die überlebensgroßen Charaktere des langhaarigen Struwwelpeter, des vorwärts schreitenden Hans-guck-in-die-Luft und des zündelnden Paulinchens. Die gut 20 cm starken Silhouetten der drehbar gelagerten Figuren scheinen aus vertieften Konturen in den Wänden hervorzutreten. Deren bedruckte Fronten aus 15 mm starkem Plexiglas mit den Bildern der jeweiligen Figuren sind durch Hunderte von LED-Lichtpunkten (Hera) aus dem Inneren heraus beleuchtet. Was so sinnfällig und lebendig erscheint, war allerdings eine fertigungstechnische Herausforderung, so Jens Jelinek, zusammen mit Bernd Ziegler verantwortlich für die Konstruktion und Projektleitung des Innenausbaus. „Allein die Kontur des Struwwelpeters umfasst gut 100 000 Einzelstrecken“, verrät Jens Jelinek. Die feinen Konturen der Finger und Haare der Figur wurden mittels eines nur 7 mm starken Fräsers herausgearbeitet. Eine kräftige Stahlkonstruktion im Inneren der aus 15 Schichten MDF

aufgebauten Hohlform stabilisiert die Figuren und stellt die Verbindung zu den am Boden befestigten Drehlagern her, über die auch die Stromzuführung und Lichtsteuerung erfolgt.

Vom Foyer im Erdgeschoß des einen Hauses, das auch die Museumskasse sowie eine Garderobe mit Schließfächern beherbergt, führt eine zweiflügelige Brandschutztüre in den Museumsshop im anschließenden Fachwerkgebäude. Hier werden neben Büchern und Geschenkartikeln auch Produkte, die in Werkstätten für behinderte Menschen hergestellt werden, verkauft. Das private, von der Stadt Frankfurt unterstütze Struwwelpeter-Museum wird als gemeinnütziger Inklusionsbetrieb, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigung arbeiten, geführt.

Komplexes Raumgefüge

Wie im Foyer ziehen sich auch im Obergeschoss zahlreiche deckend lackierte Wandverkleidungen, bestückt mit Vitrinen und Funktionselementen durch die Räume. Die Wandverkleidungen wurden nach der Farblackierung entweder direkt bedruckt und anschließend farblos ablackiert oder bauseits in Folientechnik beschriftet. So finden sich im „Blauen Zimmer“ Informationen zum Leben und Werk des Arztes Heinrich Hoffmann, einem bedeutenden Reformer der Psychiatrie im 19. Jahrhundert.

Im größeren, wiederum über eine Brandschutztüre erreichbaren Raum über dem Foyer bieten Wandverkleideungen und freistehende Wandelemente Einblick in die unterschiedlichen Geschichten aus dem Struwwelpeter-Buch. In die in Tapetenoptik bedruckten Wände sind teils flächenbündige Vitrinen, Bildschirme, Schubladen und Schiebeelemente eingelassen, welche die Besucher zur Interaktion mit den Figuren des Buches anregen sollen.

Erlebte Geschichten

Im Raum verteilt finden sich verschiedene, ockerfarbig lackierte Geschichteninseln aus teils beweglichen Korpussen, an denen auf unterschiedliche Weise die Erzählungen aus Hoffmanns Buch erlebbar werden. Neben in die Flächen eingelassenen Touchscreens, zeigen sich auf seitlich ausziehbaren Tafeln aufgedruckte Szenen aus der Geschichte um den bösen Friederich.

An anderer Stelle lässt sich, angetrieben durch eine Handkurbel die Geschichte des zündelnden Paulinchens abspielen. Die Konstrukteure entwickelten hier eine spezielle, im Korpus unsichtbar montierte Zahnradmechanik, die über Walzen ein endlos umlaufendes Band aus LKW-Planenmaterial, auf das die Bildergeschichte gedruckt wurde, antreibt. Eine kleine, auf dem Korpus stehende Struwwelpeter-Miniatur ließen die Miltenberger Schreiner bei einem befreundeten Metallbetrieb aus mehreren Schichten CDF per Wasserstrahl ausschneiden und doppelten die Schichten auf etwa 57 mm Stärke auf – nach der Lackierung der Figur wurde wiederum das Bild aufgedruckt und anschließend klar ablackiert.

Gut organisierte Teamarbeit

Die Koordination der verschiedenen Gewerke über die etwa halbjährige Zeitdauer der Fertigung und Montage der Museumseinbauten war eine Herausforderung für den gut 25 Mitarbeiter umfassenden Betrieb von Martin Schneider, Geschäftsführer, Schreinermeister und Restaurator im Schreinerhandwerk. Trotz des umfangreichen Auftrages – ein Volumen im sechsstelligen Bereich – konnte der aus drei Losen bestehende Innenausbau des Struwwelpeter-Museums komplett im eigenen Haus gefertigt und von den Mitarbeitern im geplanten Zeitraum montiert werden.


Objektbeteiligte

Betreiber

Struwwelpeter Museum gGmbH

60313 Frankfurt am Main

www.struwwelpeter-museum.de

Ausstellungsarchitektur

Point.Architektur

64283 Darmstadt

www.point-architektur.de

Innenausbau

Schneider Innen.Raum.Design

63897 Miltenberg

www.schneider-raum.de

Grafikproduktion

TYPESONFOIL

61273 Wehrheim

www.typesonfoil.de

Grafikgestaltung

Formfellows Kommunikations-Design

60486 Frankfurt

www.formfellows.de

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