Startseite » Inspiration » Projekte & Wettbewerbe »

Da gibt’s für alle etwas zu lernen

Abteilung Holztechnik an der Beruflichen Schule Holz.Farbe.Textil (Gsechs) in Hamburg
Da gibt’s für alle etwas zu lernen

„Lernen am Produkt“ ist ein Ansatz, mit dem die Schüler an der Beruflichen Schule Gsechs in Hamburg mit den heutigen Anforderungen des Berufslebens vertraut gemacht werden sollen. Die Lehrer Rainer Maehl und Johannes Jürgensen haben ihr Unterrichtskonzept in den letzten 17 Jahren immer weiter verfeinert und letztendlich die Erkenntnis gewonnen: „Diese Unterrichtsform ist auch von den Lehrenden nur im praktischen Handeln zu erlernen.“

Gestaltung, konstruktive Entwicklung, Fertigung und die abschließende Präsentation sind die Eckpunkte, mit denen sich die Schüler über einen Zeitraum von zwei bis vier Lernfeldern befassen. Gearbeitet wird in Teams. Entstanden sind bisher die unterschiedlichsten Produkte: verschiedene Sessel, ultraflache Hängeboards, kleine Eckschränke, ein „Lichtschrank“ und das hier vorgestellte Laptopcase.

Dass die Produkte unterschiedlicher Klassen nicht beliebig austauschbar und in anderen Klassen einsetzbar sind, haben Maehl und Jürgensen schnell erkannt: „Jede Klasse findet ,ihr’ Produkt am besten. Die Schüler und Schülerinnen haben einen sehr sinnlichen Bezug und eine echte Wertschätzung zu ihrem Arbeitsergebnis. Obwohl die teilweise sehr komplexen Produkte Lehrenden und Lernenden viel abverlangen, haben wir in unseren Klassen ein Problem nicht: mangelnde Motivation.“ Die Schüler und Schülerinnen wissen, dass das Produkt ihr Eigentum wird und sie wollen ihre eigenen Ideen in ihm wiederfinden. Folglich weisen in der Regel alle Produkte individuelle Gestaltungsmerkmale auf. Das Produkt wird von den Schülerinnen und Schülern als Erinnerungsstück an die gemeinsam geleistete Arbeit betrachtet. Es repräsentiert den Einzelnen und gleichzeitig die gesamte Klasse, schafft damit ein „Wir-Gefühl“.
Stärkere und schwächere Schüler profitieren
Erfreut stellen Maehl und Jürgensen fest: „Die Schüler und Schülerinnen werden innerhalb ihrer Gruppen und als Klasse zunehmend echte Teams. Die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, wächst deutlich.“ Es zeige sich auch, dass die Schüler im Team leistungsfähiger sind als alleine. Sie bestimmen selbst, wie viel sie in ihre Arbeit investieren, und erkennen, dass sie hohe Ziele nur durch verstärkte Anstrengungen erreichen können. Somit lernen sie, Verantwortung zu übernehmen.
Die Klassen sollten leistungsbezogen durchmischt werden. Das zeigen die Erfahrungen der beiden Oberstudienräte: „Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler geben häufig wichtige Impulse in der theoretischen Erarbeitung. Die schwächeren Schülerinnen und Schüler können ihre Stärken oft in der praktischen Realisierung zeigen und beleben das Klassenklima. Stärkere Schüler helfen den schwächeren und erweitern so ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen. Lernschwächere Schüler äußern im Rahmen der Fertigung häufig, dass sie durch die praktische Realisierung des Produktes theoretische Zusammenhänge besser verstehen.“
Auch die Rolle des Lehrers verändert sich im prozessorientierten Lernverlauf, so das Resümee von Maehl und Jürgensen. In dem Maße, wie die Schüler und Schülerinnen Verantwortung für das Gelingen des angestrebten Zieles übernehmen, werden die Lehrer mehr und mehr Moderatoren und Begleiter in einem weitgehend eigenständigen Lernprozess.
Lehrer müssen den Schülern mehr vertrauen
Der zwar geplante, aber oftmals nicht völlig kalkulierbare Lernverlauf stellt erhöhte Anforderungen an die Spontaneität und Flexibilität der Lehrer. Dabei akzeptieren die Schüler und Schülerinnen ihre Lehrer als Lernprozessbegleiter, auch wenn diese die Fragen, die sich aus einer nicht vorhersehbaren Situation ergeben, manchmal nicht sofort beantworten können. Lehrer müssen lernen, den Ideen und den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu vertrauen und eigene Lösungsvorschläge zurückzuhalten. „Das Potenzial brauchbarer Ideen und Initiativen wird bei Schülern und Schülerinnen oft unterschätzt“, so die Erfahrung der beiden.
Handlungsorientierter Unterricht muss von Schülern und Lehrern gleichermaßen erlernt werden. Die Lehrenden sollten sich kontinuierlich über Probleme und Erfahrungen mit dieser Unterrichtsform austauschen. „Sinnvoll erscheint uns hierfür die Einrichtung von Arbeitskreisen an den Schulen“, so der Tipp aus Hamburg. Die Zusammenarbeit im Lehrerteam sei für diese Art von Unterricht nicht nur sinnvoll, sondern meist auch zwingend notwendig. So schaffe die Doppelbesetzung während der Fertigung erst den Raum, neben den organisatorischen Aufgaben – Bereitstellen von Material und Werkzeugen – auch eine intensive Betreuung der Schüler und Schülerinnen zu gewährleisten.
Wichtig sei es zudem, gleichzeitig sowohl einen Klassen- als auch einen Praxisraum zur Verfügung zu haben. Denn die praktische Ausrichtung dieses Unterrichtskonzeptes erfordert es häufig, dass die Schüler und Schülerinnen ihre Ideen und Problemlösungen gleich einem praktischen Test unterziehen.
Nicht das Produkt, der Prozess ist entscheidend
„Lernen am Produkt“ stellt hohe Anforderungen an die Schüler: Gefordert sind Arbeitseinsatz, Beständigkeit und eigenverantwortliches Handeln. Je stärker Schülerinnen und Schüler an der Formulierung von Aufgaben beteiligt werden, desto mehr können sie selbsttätig und selbstständig arbeiten.
Das Produkt ist sichtbares Ergebnis eines gemeinsamen und umfassenden Arbeits- und Lernprozesses. Es dient als „Roter Faden“, um verschiedenste Inhalte und Wissensgebiete zu verknüpfen und lässt damit die Verbindung von Theorie und Praxis sichtbar werden. Das zu fertigende Produkt soll die Schüler vor allen Dingen motivieren. Zugleich aber kann die erarbeitete Problemlösung an der betrieblichen Wirklichkeit überprüft werden. Somit ist letztlich auch nicht das Produkt entscheidend, sondern der Prozess, der zum Produkt geführt hat. Und es wird klar: Theorie ist nur sinnvoll, wenn sie hilft, praktische Probleme zu lösen.
Zudem zeigt die Erfahrung, dass es Sinn macht und notwendig ist, sich für die Gestaltung ausreichend Zeit zu nehmen. Dies zeigen nicht nur die Ergebnisse der vergangenen 17 Jahren, sondern auch die erfolgreiche Teilnahme an den beiden Wettbewerben „Holz bewegt“. ■

Aktiv sein, Verantwortung übernehmen

Mit den Veränderungen in der Praxis müssen sich auch Lehr- und Lernmethoden ändern

Die betriebliche Praxis ist durch tiefgreifende Veränderungen gekennzeichnet. Damit ändern sich auch die Anforderungen an die Qualifikation der Beschäftigten. Die berufspädagogische Diskussion um neue Lehr- und Lernmethoden hat sich folglich in den letzten Jahren intensiviert.
Zentrale Bedeutung wird dabei der Frage beigemessen, wie jungen Menschen im Rahmen ihrer Berufsausbildung die fachlichen, personalen, sozialen und im Tischlerhandwerk gestalterischen Qualifikationen vermittelt werden können, die sie zu einem aktiven und eigenverantwortlichen Handeln in einer sich rasch verändernden Berufswelt und zu einem selbstständigen und lebenslangen Lernen befähigt. Der Berufsschule komme bei der Vermittlung dieser Fähigkeiten eine Schlüsselrolle zu, so die Erkenntnis unserer Autoren.
Sie setzen auf produktorientiertes Lernen. Dies bedeutet handlungsorientiertes Lernen. Wesentlich sind dabei folgende Gesichtspunkte:
  • 1. Es soll berufliche Handlungsfähigkeit erlernt werden. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Vermittlung technologischer Aspekte durch wiederholte Soll-Ist-Vergleiche, sondern um die Vermittlung beruflich notwendiger Theorie und beruflichen Vorgehens durch komplexe, praxisnahe Unterrichtsprojekte. Dabei soll beruflich-fachliches Lernen mit allgemeiner Bildung verknüpft werden. Projektorientierter Unterricht, bei dem die Schüler und Schülerinnen in Entscheidungen, mit einbezogen werden, kommt diesem Anspruch am nächsten.
  • 2. Die Schüler sollen selbsttätig komplexe, praxisorientierte Aufgabenstellungen bearbeiten. Dadurch können sie sich eine systematische, zielgerichtete Vorgehensweise aneignen, die sie befähigt, auch weitere, ähnliche oder andersgeartete Aufgaben zu bewältigen. Durch das eigenverantwortliche Arbeiten eignen sie sich selbstständig Wissen an.
  • 3. Die Vorgehensweise beim Lernen am Produkt orientiert sich an der Problemstellung bzw. der Arbeitsaufgabe. Wenn sich also die Schüler und Schülerinnen für ein ganz bestimmtes Produkt entscheiden, haben sie auch entschieden, was sie bei der Entwicklung und Fertigung lernen werden. Aufgabe der Lehrenden ist es hier, die Schüler auf die Konsequenzen ihrer Entscheidungen hinzuweisen. Im Rahmen der Unterrichtsplanung müssen die Lehrer entscheiden, wann der Unterricht stärker durch die Schüler und wann durch den Lehrer geführt wird.
  • 4. Um keine Lernwiderstände aufkommen zu lassen, muss das Ziel von den Schülern sowohl als Resultat (hier: Fertigung eines ansprechend gestalteten Produktes) wie auch als personales und soziales Resultat (Entwicklung bestimmter Fertigkeiten und Fähigkeiten) für bedeutsam eingeschätzt werden. Dabei geht es zunehmend nicht mehr so sehr darum „Was soll getan werden“, sondern um die Frage „Hat das, was getan werden soll, für meine berufliche Praxis und für mich einen Sinn?“
  • 5. Auch das Prüfungswesen muss sich verändern, wenn sich handlungsorientierter, ganzheitlicher Unterricht nicht als Nachteil für die Schüler erweisen soll. So müssen Prüfungen auch Aufgabenteile beinhalten, die sich an überfachlichen Qualifikationen orientieren. Hier hat Hamburg mit seiner neuen Prüfungsordnung neue Wege beschritten.
Herstellerinformation
Werde BM-Titelstar 2020!
04068_bm_red_hh20_medium_rectangle_300x250.jpg
BM-Fotoaktionnnnn Foto: BM-Grafik
Herstellerinformation
Wissen testen – Preis absahnen
Herstellerinformation
Im Fokus: Holz-Handwerk 2020
HOLZ-HANDWERK_2016
Foto: NürnbergMesse / Heiko Stahl
Im Fokus: Fensterbau Frontale 2020
Messegeschehen_allgemein
Alle zwei Jahre informieren sich die Fachbesucher über die neuesten Profilsysteme, Bauelemente, Beschlag- und Sicherheitstechnik und vieles mehr. Foto: NuernbergMesse/Frank Boxler
Herstellerinformation
BM-Themenseite: Innentüren
Im Fokus: Vernetzte Werkstatt

BM bei Facebook

BM auf Instagram
Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk
Im Fokus: Gestaltung
Herstellerinformation

BM Bestellservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de