„Die Gute Form“ in NRW

Elegante Komposition

Ein gutes Design muss sich nicht unbedingt durch teure Materialien, auffällige Farbkombinationen oder eine extravagante Linienführung auszeichnen. Das machte der diesjährige Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form – Tischler gestalten ihr Gesellenstück“ deutlich, den der Fachverband des Tischlerhandwerks NRW in der Handwerkskammer zu Köln ausrichtete. Ausgezeichnet wurden harmonische und vor allem ausgewogene Möbelstücke.

Dies gilt besonders für den ersten Platz, die Anrichte von André Tüpker, der im väterlichen Betrieb seine Lehre absolvierte. Die Jury bezeichnete sein weißlackiertes Möbel mit einem Innenleben aus Nussbaum als „eine hervorragend gemachte Studie über Dimension und Proportion“. Graues Glas teilt das Möbel in der Vertikalen. Durch einen horizontalen Einschnitt scheint die Anrichte zu schweben. Die Griffleisten aus Metall sind fein dimensioniert und sorgfältig angeordnet. „So einfach und selbstverständlich dieser Griff“, urteilte die Jury, „so perfekt ist er in die Gesamtwirkung des Möbels eingebaut.“
Eine familiäre Vorbelastung gibt es bei Christian Thorand nicht. Er wollte Bauingenieur werden – doch das Studium war ihm zu theoretisch. Über ein Praktikum kam er zu seinem Ausbildungsbetrieb, der Kerz Innenausbau GmbH in Stolberg. Sein Gesellenstück, ein Hängesideboard, erreichte den zweiten Platz beim Landeswettbewerb. Das Hängesideboard überzeugte die Jury vor allem durch seinen „gelungenen Kontrast zwischen Holz- und Lackoberfläche“. Ein großzügig angelegter Rahmen, in Nussbaum furniert, fasst einen matt-schwarzen Korpus ein. Jeweils außen sind Auszüge angeordnet, in der Mitte lässt sich eine Klappe öffnen. Sie wird durch einen rechteckigen Ausschnitt in der Frontplatte bedient. Der Ausschnitt ist dabei Rahmen für ein eingelegtes Foto, das nach Belieben ausgewechselt lässt. „Ein origineller Einfall“, so die Juroren, „der dem Stück Identität und Persönlichkeit verleiht.“ Nach so viel Erfolg will Christian Thorand dem Handwerk auch treu bleiben und „vielleicht mache ich die Meisterausbildung. Ich bin für alles offen“.
Für alles offen war auch Philipp Falkenstein nach seinem Schulabschluss. In den Ferien hatte er schon bei der Brzesowski GmbH gearbeitet und der Chef bot ihm eine Lehrstelle an. Für sein Gesellenstück hatte der 21-Jährige HPL-Schichtstoffen verwendet, mit dem er beim Landeswettbewerb den dritten Platz belegte. Bei dem weißen Sideboard mit einem Innenleben aus Kirschbaum handelt es sich nach Aussage der Jury um ein Möbelstück, „das seine Qualitäten erst bei genauer Betrachtung preisgibt“. Die schwarzen Fugen des Möbels bildeten eine ruhige und ausgewogene Linienführung, „der das Auge folgt, ohne an eine Störung zu geraten“.
Wie man an seinem Gesellenstück sieht, hat Philipp Falkenstein seinen Beruf lieben gelernt. „Irgendwas lässt einen nicht mehr los, wenn man vor dem ersten selbstgebauten Schrank steht.“ Was er in Zukunft machen will, weiß der Tischlergeselle jedoch noch nicht – derzeit macht er sein Fachabitur.
Dass das Ende ihrer Lehrzeit nicht das Ende ihrer Lernzeit sei, daran erinnerte Alfred Jacobi, der Vorsitzende des Fachverbandes Tischler NRW, die Preisträger und Teilnehmer in seinem Grußwort. Tischler müssten sich heute zeitlebens immer wieder auf den neuesten Stand bringen, müssten sich qualifizieren und spezialisieren. „Aber was gibt es Spannenderes als sich mit etwas Neuem auseinanderzusetzen und an den Herausforderungen zu wachsen.“ Alfred Jacobi dankte all jenen, die sich für die Ausbildung im Tischlerhandwerk engagieren und so dafür sorgen, dass die zukünftigen Gesellen auf ein gutes Fundament zurückgreifen können. Dazu gehörten neben den Ausbildungsmeistern und Berufsschullehrern auch die Obermeister und Lehrlingswarte der Innungen.
Die drei Sieger konnten sich über Geldpreise in Höhe von 750, 600 und 500 Euro sowie über ein Weiterbildungsseminar des Fachverbandes freuen. Christian Thorand und André Tüpker dürfen ihre Gesellenstücke auch noch auf dem Bundeswettbewerb im Mai 2009 in Hannover präsentieren.

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