Yachtausbau als Projekt im Fachgebiet „Interior Design“ der Hochschule Rosenheim

Komplexer Entwurf

Eine spektakuläre Aufgabe bearbeiteten Studierende als Projekt im Masterstudiengang „Innenarchitektur“ an der Hochschule Rosenheim: Unter Betreuung ihrer Professoren entwarfen sie auf der Basis eines neuen, innovativen Bootskonzeptes den Innenausbau für eine schnittige Hochleistungs-Regatta-Segelyacht.

Autor: Prof. Kilian Stauss

Im Winter 2008 / 2009 entstand ein Kontakt zwischen dem Bootsbauer Sven Akermann mit seiner Firma YSA Yachtbau Sven Akermann GmbH in Schechen und Prof. Kilian Stauss an der Hochschule Rosenheim, Fakultät für Innenarchitektur, Fachgebiet »Interior Design«. Akermann hatte gerade einen neuen Bootstyp entwickelt, die „YSA 10“, eine flache, leichte, steife und offene Hochleistungs-Regatta-Segelyacht mit 10 m Länge. Diese war bereits sehr erfolgreich in der vorhergehenden Regatta-Saison gesegelt worden.

Als passionierter Regatta-Segler besichtigte Prof. Kilian Stauss begeistert das bei Sven Akermann in der Halle in Schechen liegende Boot und bewunderte das radikale und konsequente Design. Alles war in perfekt verarbeitetem Sicht-Karbon-Laminat gefertigt. Der komplette Faserverlauf an Rumpf und Deck war fehlerfrei ausgeführt, nichts wäre zu verstecken oder zu kaschieren gewesen.
Da sich ein weiteres Schwesterschiff gerade in der Produktion befand, ergab sich die Gelegenheit, bestimmte Bauteile isoliert zu betrachten: Ein langes und fein profiliertes Ruderblatt mit gerade einmal 12 Kilogramm Gewicht, die komplette Decksschale mit 35 Kilogramm Gewicht und einen nackten Rumpf, der sich am Bug leicht von Hand wie bei einer Jolle aus seinem Auflager heben ließ.
Aus dieser Besichtigung ergab sich ein Gespräch über einen neuen und größeren Bootstyp. Die Idee war, die erfolgreiche »YSA 10« auf 17 m Länge zu skalieren, um einen mit einer Kajüte ausgestatteten Day-Cruiser zu schaffen.
Allen war bewusst, dass der übliche Kajütausbau von Yachten die Leistungen einer Hochleistungs-Regatta-Segelyacht durch sein immenses Gewicht stark schmälert und gleichzeitig auch nicht den Luxus liefert, den man sich bei einer Yacht dieser Preisklasse wünschen würde.
Von der Werft an die Hochschule
So beschloss Sven Akermann, gemeinsam mit Prof. Kilian Stauss ein Forschungsprojekt zu beginnen, bei dem anhand der »YSA 17« untersucht wird, wie man sehr leichte und steife Innenräume mit hohem Komfort von Grund auf neu entwickeln kann. Ein Yachtprojekt mit Studierenden aus dem Bereich Innenarchitektur durchzuführen, war aus mehreren Gründen nicht einfach. Erstens hatte keiner der Studierenden Segelerfahrung oder kannte Segelyachten von innen. Zweitens sind die Planungsmethoden und Entwurfswerkzeuge in der Architektur und Innenarchitektur auf Gebäude ausgerichtet und nicht auf hochtechnische Produkte wie eine Hochleistungssegelyacht. Und drittens muss ein solches Projekt in Vormodellen und im Endmodell im Maßstab 1:1 ausgeführt werden, damit man Erkenntnisse über den Raum und die sich in diesem Raum bewegenden Menschen gewinnt. Ein Raummodell in dieser Dimension wurde an der Fakultät aber bis dahin noch nie umgesetzt.
Auf der positiven Seite standen hoch motivierte Auftraggeber, einerseits Dr. Bernd Schottdorf mit seiner Firma Carbon Großteile in Wallerstein, und andererseits Sven Akermann mit der Firma YSA Yachtbau in Wasserburg am Bodensee.
Beide wollten ein sehr zukunftsweisendes Forschungsprojekt mit der Fakultät für Innenarchitektur durchführen und stellten ein großzügiges Projektbudget auf. Zudem ergab sich die Möglichkeit, das Projekt im sogenannten »Designlabor« der Fakultät für Innenarchitektur zu platzieren, einer großen, ebenerdigen Halle mit 25 Metern Länge, 8 m Breite und über 5 m lichter Höhe im Werkstattgelände.
Was war die Ausgangslage des Projektes? Segelyachten dieser Art und dieses Anspruches sind Hochleistungs-Sportgeräte, die jede Art von Windbewegung sofort in Vortrieb umsetzen sollen. Dazu muss die Gesamtkonstruktion vor allem sehr leicht und zugleich maximal steif sein. Also werden Rigg und Rumpf aus sehr leichten und steifen Materialien gebaut, in diesem Fall ein Sandwich aus Sichtkohlefaserlaminaten und bestimmten Schaumkernen. Hätte die Yacht allein die Funktion, Regatten zu gewinnen, dann wäre kein Forschungsprojekt mit unserer Fakultät notwendig gewesen. Aber ein solches Boot hat neben seiner technisch-sportlichen Funktion auch eine gesellschaftlich-repräsentative: Es zeigt den Status des Besitzers an. Zudem möchte der Besitzer eines solchen Luxusgutes zumindest zeitweise im Hafen wie auf See auf der Yacht anwesend sein und wünscht sich dort Ästhetik und Komfort, die weit über die Maßstäbe von reinen Regatta-Yachten hinausgehen.
Tiefgehende Grundlagenforschung
Hier setzte das Forschungsprojekt an: Was bedeutet Luxus, Status und Repräsentation bei einer solchen Yacht? Welche Funktionen müssen in einen solchen Innenraum integriert werden? Welche Materialien bieten neue Möglichkeiten und kommunizieren gleichzeitig den technischen Anspruch des Bootes? Wie integriert man alle diese Funktionen in der Weise, sodass sie nicht addierte Nachteile, sondern symbolische Vorteile darstellen? Die Lösung lag darin, alle Elemente als strukturell wirksam zu begreifen und die gesamte Gestaltung darauf auszurichten.
Vom Arbeitsmodell zum Prototypen
Über zwei Semester bearbeitete eine Gruppe von anfangs fünf Studierenden das Projekt. Im ersten Semester wurden grundlegende Recherchen in den Gebieten Technik, Gesundheit, Ernährung, Schlaf, Komfort und Luxus durchgeführt und von jedem einzelnen Studierenden ein Entwurf im Maßstab 1:20 erarbeitet, der in Modelle gleichen Maßstabs überführt wurde.
Im zweiten Projektsemester wurde aufgrund der nun exakt vorliegenden Daten der neuen Rumpfgeometrie sowie der technischen Einbauten eine Raumstruktur im Maßstab 1:1 aufgebaut, in der die Entwurfsideen in realen Abläufen getestet wurden. Man muss hier bedenken, dass nur ein Teil des Schiffsinnenraumes Stehhöhe aufweist und klassische ergonomische Daten hier nicht zur Anwendung kommen konnten. Alle Studierenden erarbeiteten gemeinsam den endgültigen Entwurf, der als begehbares Designmodell im Maßstab 1:1 umgesetzt wurde. I
Beteiligte Studierende aus dem Master-studiengang Innenarchitektur: Martina Dillig, Jan-Henning Schelkes, Stephanie Welke, Michael Wiggering, Alexander Zinner
Beteiligte Professoren der Fakultät Innenarchitektur der Hochschule Rosenheim: Prof. Kilian Stauss, Prof. James Orrom, Prof. Rainer Haegele, Prof. Matthias Wambsganß
Hochschule Rosenheim
Fachbereich Innenarchitur

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