Projekt an der Schreinermeisterschule Schwäbisch Hall

Mach die Biege!

Möbel müssen nicht immer gerade und rechtwinkelig sein. Das beweist ein Projekt der Schreinermeisterschule in Schwäbisch Hall. In sechs Gruppen entwickelten die angehenden Meister und Meisterinnen interessante runde, gebogene und formverleimte Kleinmöbel.

BM-Redakteur Heinz Fink

I Verschwinden oder sich aus dem Staub machen? Das kam für 16 Meisterschüler und eine Meisterschülerin der Schreinermeisterschule Schwäbisch Hall nicht infrage. Mit Elan stellten sie sich unter dem Titel „Ich mach die Biege – das Reich des rechten Winkels verlassen“ der Aufgabe, ein Kleinmöbel zu entwerfen, das die bekannten Pfade des Korpusbaus verlässt und neue Möglichkeiten der Formensprache auslotet. In Gruppenarbeit entwarfen und fertigten sie im Zeitrahmen von zwölf Wochen sechs sehr unterschiedliche, wandhängende Kleinmöbel. Kreisrund gefräst, freigeformt, formverleimt, gegossen oder plastisch verformt, die Bandbreite der Bearbeitungsmethoden war dabei so vielfältig, wie die verwendeten Materialien: MDF und Multiplex, Massivholz und Biegesperrholz sowie Beton und Mineralwerkstoff kam zum Einsatz. Doch nicht nur auf den Entwurf und die Fertigung der Möbel kam es an. Die Schüler hatten eine Vor- und Nachkalkulation anzufertigen, sowie eine umfangreiche Projektdokumentation zu erstellen. Neben den auf CAD erstellten Konstruktionszeichnungen und den notwendigen Stücklisten, eine ideale Vorbereitung auf das Meisterstück.

Kreisrund

Unter dem Projekttitel „D 800“ entwickelten Christian Probst, Stefan Joos und Markus Schöller ein Hängemöbel für den Flurbereich zur Unterbringung von persönlichen Gegenständen. Elf Ringe aus schwarz durchgefärbtem MDF bilden – auf Abstand montiert – den Rahmen für einen in den Kreis eingefügten, deckend weiß lackierten Korpus mit Eschefront. Aus diesem lassen sich seitlich je ein auf mechanischen Vollauszügen geführter Schubkasten aus Esche herausziehen.

Organisch geformt

Ein Flurmöbel mit dem lateinischen Namen „Ulmus Arbor Fluctus“ entwarfen Sebastian Schürger, Philipp Schulz und Cord-Hinrich
Bätjer. Die stilisierte Silhouette eines Baumes wird von einer schalenförmigen Basis aus massiver Rüster getragen. Diese dient zur Ablage von Schlüsselbund, Portemonnaie oder Brille. Über einen von den Meisterschülern entwickelten Drehbeschlag lässt sich die hintere Ebene des Baumes verdrehen und gibt so kleine ausgefräste Taschen frei, in denen sich – durch Magnete gehalten – einzelne Schlüssel verstauen lassen. Der Fertigung der komplexen Freiformen der Schale und des Baumes gingen umfangreiche Vorstudien in Form von Skizzen und Modellen voraus, die anschließend mittels geeigneter Programme in CAD- und Fertigungsdaten umgesetzt wurden.

Vom Winde verweht

Einen Taschenleerer für den Flurbereich mit dem Titel „Releaf“ entwickelten Madeleine Bihr, Benedikt Lößl und Steffen Gärtner. Dessen blattartige Form soll den Bezug des Möbels zur Natur und zum Rohstoff Holz herstellen. Um dies hervorzuheben, wurde die Front aus 4 mm starkem Mineralwerkstoff hergestellt und durch ein dahinter eingebautes LED-Lichtband beleuchtet. Dieses lässt das Blatt in eingeschaltetem Zustand grün leuchten und die feinen Blattadern im von hinten ausgedünnten Mineralwerkstoff deutlich hervortreten. Der Korpus besteht aus zwei, aus siebzehn Schichten Nussbaumfurnier formverleimten Bögen. Eine fingerförmige Verzahnung im oberen Boden dient mittels zweier eingebohrter Stahlstifte als Scharnier für den Deckel. Unter dem herausnehmbaren inneren Boden ist der Trafo für die Beleuchtung untergebracht.

Flackernde Flamme

Uwe Ruppricht, Maximilian Benz und Hendrik Kölling entwickelten ein Kleinmöbel, das sich die Form einer Kerzenflamme zum Vorbild nahm. Die obere Fläche des weiß lackierten, aus Biegesperrholz gefertigten Korpus lässt sich als Klappe öffnen und trägt an der angefügten Rückwand einen gleich dem Korpus geformten Spiegel. Spezielle Scharniere lassen die Arretierung der Klappe in jeder Stellung zu. Im Inneren bieten Einteilungen aus Birnbaum Platz für die Aufbewahrung von Schlüsseln, Geldbeutel und Mobiltelefon. Die komplette Front lässt sich herausziehen und bildet das gemeinsame Vorderstück für drei kurze, mechanisch geführte Schubkästen. Die Schübe und alle Innenflächen sind aus Birnbaum gefertigt und nehmen mit ihrem warmen Farbton das Thema der Flamme wieder auf.

Solide gegossen

Als Zweierteam entwarfen Magnus Petri und Heiko Gaukel ein schlichtes Flurmöbel mit dem Titel „Liegende Acht“. Der Korpus ihres Möbels ist allerdings aus Beton und trägt eine breite Schublade aus Birke mit einem Vorderstück aus lebhaft gezeichnetem, verstocktem Nussbaum. Um eine perfekt glatte Oberfläche des Betons zu erreichen, wurde die Schalung im Inneren mit einer speziellen Folie ausgekleidet. Nach dem Ausschalen bildet diese nun einen länglich ovalen, zur Mitte hin leicht eingedrückten Ring, in den das Vorderstück exakt eingepasst wurde. Die untere Kante desselben nimmt die Kontur des Betonringes gespiegelt auf. Der auf mechanischen Vollauszügen geführte Schubkasten hat einen gewölbten, formverleimten Boden.

Elegant eingefasst

Ein komplexes mit vielen technischen Raffinessen ausgestattetes Möbel entwickelten Florian Rathgeber, Philipp Winkler und
Christoph Müller. Das wandhängende Flurmöbel wird von einer u-förmigen Schlinge umschlossen, die sich um 180° drehen lässt. Über eine durchdachte Mechanik im Inneren des Korpus wird das Formteil in beiden Endstellungen gedämpft arretiert. Diese sorgt auch dafür, dass der zur linken Seite hin ausfahrende Schubkasten beim Zurückdrehen der Schlinge automatisch eingezogen wird und so nicht mit dieser kollidiert. Die Front des Möbels wird durch eine dreidimensionale, mithilfe eines Vakuumsackes thermisch verformte Blende aus weißem Mineralwerkstoff gebildet. Hinter dieser versteckt sich noch ein durch Push-to-open-Technik ausfahrbares Geheimfach für einen Stift und Notizzettel, das auch als Magnetpinnwand dient. I

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