Ausgefallene Projektarbeit an der Berufsfachschule Karlsruhe. Praktisch für die Ewigkeit - BM online

Ausgefallene Projektarbeit an der Berufsfachschule Karlsruhe

Praktisch für die Ewigkeit

Zum Entsorgen zu schade, fristet so manches Produkt aus der Lehrzeit heute ein verstaubtes „Erinnerungs-Dasein“ in den Kellern vieler Schreiner und Tischler. Dieses Schicksal wird Peter Winklhofers „Woodbox“ wohl nie mit herkömmlichen Übungsstücken teilen – ganz im Gegenteil.

Fein säuberlich werden im ersten Lehrjahr die Werkzeuge noch schulmäßig in die Werkzeuglade oder den Werkzeugschrank einsortiert und gepflegt. Doch kaum ist das zweite Lehrjahr vorbei, schleicht sich oft ein sorgloser Umgang ein und auch an die korrekte Pflege erinnert man sich kaum noch. Bereits zur Zwischenprüfung rücken Azubis bisweilen mit alten Leimkübeln oder Baukisten an. Und während sie noch ihre Schneidwerkzeuge zwischen Schraubzwingen und Schleifpapier zusammensuchen, wundern sie sich, dass weder die Japansäge gut schneidet noch die Stechbeitel saubere Schlitze stemmen.

Das Projekt Woodbox entsteht
„Eigenartigerweise gehen die meisten Schüler mit ihren privaten Dingen nicht so nachlässig um“, erkannte Peter Winklhofer, Schreinermeister und technischer Oberlehrer an der Heinrich-Hübsch-Schule in Karlsruhe und initiierte das Projekt „Woodbox“ – eine ganz besondere Aufbewahrungslösung mit teils selbst gefertigtem Handwerkzeug.
Ziel war es aber nicht nur, schon im ersten Lehrjahr Begeisterung zur Pflege der Werkzeuge zu wecken. Das Projekt bescherte den angehenden Schreinerinnen und Schreinern auch eine spannende Abwechslung zum obligatorischen Hängeschränkchen.
Es beinhaltete dabei sowohl die handwerklich sinnvolle Planung, als auch alle Arbeiten, die im Lernfeld 3 (Werkstücke aus unterschiedlichen Materialien) abgearbeitet werden müssen. Zudem erforderte es anspruchsvolle Maschinenarbeit, wie sie in TSM1 vorgesehen ist. Auch wurde bei dem Projekt ein erster Kontakt mit dem CNC-Bearbeitungszentrum geknüpft. Weiter sollte der Systemgedanke umgesetzt werden – in diesem Fall eine Ankoppelungsmöglichkeit.
Pfiffige Idee lockt begeisterte Sponsoren
„Wir wollten unsere Werkzeugkiste kompatibel mit einem am Markt verbreiteten System machen, um einen breiten Nutzen zu gewährleisten“, erklärt Winklhofer die Entscheidung, den Systainer III mit T-Loc als Vorbild zu nehmen. „Anschließend haben wir uns bei Festool die rechtliche Rückendeckung eingeholt, damit wir die Kiste aus Holz im gleichen System und den selben Maßen nachbauen dürfen.“ Beim Inhalt hatte jeder Schüler die Möglichkeit, seine Woodbox zusätzlich zum selbst angefertigten, mit bestehendem oder neu erworbenem Werkzeug auszustatten. Und auch hier engagierte sich Winklhofer und rührte die Werbetrommel: Firmen, wie Festool und Klingspor waren von der Idee der Woodbox so begeistert, dass sie jede mit einem Werkzeuggeschenk unterstützen. „In der Folge konnten wir für die Erstausstattung weitere namhafte Firmen wie Dictum, Bessey, Dr. Keller Holztechnik und Stabila gewinnen und weitere Ausstattung zu großzügigen Konditionen ermöglichen“, freut sich der Schreinermeister. Auch bei der Fa. Baumann Holzhandel GmbH aus Mannheim bedankt sich Winklhofer – für Holz zum Spezialangebot.
Holzbearbeitung trifft Werkstoffkunde
Als Baumaterial diente Tulpenholz (auch yellow poplar oder liriodendron tulipifera), da es in Bezug auf die Arbeit und die Festigkeit der angedachten Funktion nachkommt. Der Korpus ist in zwei Holzdicken ausgeführt und offen gezinkt. Am Griff finden sich Schlitz und Zapfenverbindungen, ebenso wie bei der Bitbox auf der Oberseite der Box. Sie bietet ausreichend Platz für viele Bits in langer und kurzer Form. Ihr Plexiglasdeckel wurde selbst zugeschnitten und abgewinkelt. Das dickere Hinterstück erlaubt es, ihn flächenbündig aufzunehmen. Zugehalten wird er durch einen selbst gebauten Druckknopf, der über die Front bedient wird.
Während der obere Boden der Woodbox eingenutet wurde, ist der Unterboden eingefälzt. So kann nach dem Verleimen der Korpusteile der überschüssige Leim leicht und sauber entfernt werden, bevor der Unterboden eingeleimt wird. Grund: Erst fast zum Schluss, vor dem Einarbeiten der Deckelgelenke, trennt man die Klappe vom Korpus der Box ab.
Das Innenleben besteht aus einfachen Sperrholzladen, damit jeder Schüler die Einteilung individuell gemäß seines eigenen Werkzeugs vornehmen kann. Ein passender Holzhammer und eine Schmiege wurden selbst hergestellt.
Auch sämtliche Metallteile, wie Achse, Griff, Deckelgelenk und sogar der Cliphalter im Boden wurden von den Schülern in Handarbeit aus Alurohr, Aluwinkel- und Aluflachschienen gefertigt.
Der T-Loc-Verschluss wurde auf dem CNC-Bearbeitungszentrum gefräst. Dann wurde von der Außenseite nachgebohrt und mit der Stabfräse gefast. Zu guter Letzt wurde an der Vorderseite das auf der Festool-Website erstellte, persönliche Etikett flächenbündig hinter Plexiglas eingeschraubt. Es soll die individuelle Note und den Wiedererkennungswert jeder Kiste unterstreichen.
„Für mich war besonders schön, wie Schüler, Betriebe und Firmen, denen ich die Kiste vorgestellt habe, sich für die Idee begeistern ließen,“ zieht Winkhofer positive Bilanz. „So werden in Zukunft viele Abgänger aus Karlsruhe mit Stolz ihr Werkzeug wohlgeordnet zur Prüfung tragen und mit scharfem Schnitt löbliche Leistungen erzielen.“ (mh/Quelle: Peter Winklhofer)

Fotostrecke zum Beitrag

Eindrücke und Details aus dem Projekt an der Heinrich-Hübsch-Schule zum Durchklicken

 

 

Kontakt Berufsfachschule
Heinrich-Hübsch-Schule
Fachschule Holztechnik & Meisterschule
76133 Karlsruhe

Herstellerinformation

Herstellerinformation

BM-Titelstars: Schreiner wie wir

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

BM-Themenseite: Innentüren

Herstellerinformation

BM bei Facebook

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de