Die Macher hinter dem norddeutschen Nachwuchswettbewerb

Wer bewegt „Holz bewegt“?

Menschen, Holz, Faszination und ein Haufen Engagement. Gemeinsam gelingt es den fünf Köpfen hinter „Holz bewegt“ alle zwei Jahre, Teilnehmer zu motivieren, Sponsoren zu überzeugen und alles in einer Mit-Mach-Ausstellung gipfeln zu lassen.

Anna-Katharina Ledwa

Initiator, Gründer, Manager … Johannes Jürgensen hat vieles beim Wettbewerb „Holz bewegt“ bewegt: Er hat Kontakte geknüpft, Kontakte gepflegt, Teilnehmer gewonnen, Sponsoren überzeugt, mit Journalisten telefoniert. Mit einem Wort, er hat Menschen bewegt. Dabei war der Tischlermeister und Berufsschullehrer nie alleine unterwegs. Mit ihm gingen und gehen heute noch zahlreiche Mitstreiter: Jens Caspari, Mark Wendt, Jan-Erik Gerdt und – last, but not least – seine Tochter Lena Jürgensen, die als Fotografin drei Tage lang die 53 für den Wettbewerb ausgewählten Projekte in Szene setzt.

Exponate zum Staunen

Beim diesjährigen Fototermin in Hamburg darf ich für ein paar Stunden mit dabei sein. Unterschiedlichste Objekte aus Holz werden gebracht, aufgeregt warten Männer, Frauen und Kinder auf ihren Einsatz. „Die Teilnehmer mit ihren fantastischen Exponaten inspirieren mich immer wieder aufs Neue und lassen mich staunen.“ Lena Jürgensen ist auch heute noch jedes Mal begeistert. Auch ich bin sofort mitgerissen. Alles in Bewegung.

In einem Unterrichtsraum der Gsechs, Berufsschule für Holz, Farbe, Textil, hat Lena mit ihrem Team ein Fotostudio eingerichtet. Jetzt wuselt gerade eine komplette Schulklasse durch den Raum, die sich mit einem farbenfrohen, zum Spielmöbel umfunktionierten Tisch beworben hat. Alle tragen weiße Blusen, Hemden oder Shirts, wodurch das Objekt besonders zur Geltung kommt. Denn nicht nur die Stücke werden abgelichtet. Auch diejenigen, die dahinter stecken, die sich die Projekte ausgedacht, sie entwickelt und gebaut haben, werden fotografiert.

Es ist nicht immer leicht, bis das richtige Bild im Kasten ist. Mal ist das Holz sehr dunkel und das Licht muss gut dosiert eingesetzt werden, dann fehlt zu einem Objekt sein Schöpfer, der für das Foto gebraucht wird.

Der Katalog ist wichtig

Die Fotos werden für den Katalog benötigt, der jedes Mal wieder die große Bandbreite von Teilnehmern und Exponaten des Norddeutschen Nachwuchswettbewerbes „Holz bewegt“ widerspiegelt. Jens Caspari, der digitale Künstler des Teams, bringt Fotos, Texte und Farben in Absprache mit den anderen der Gruppe so zusammen, dass am Ende das Gesamtkonzept stimmt. „Bei meiner Arbeit am Computer fehlt es mir oft, etwas Echtes mit den eigenen Händen zu schaffen. Das bekomme ich durch mein Engagement für Holz bewegt ein Stück weit zurück,“ sagt der Grafikdesigner, der auch Tischler ist.

Mithilfe des Ausstellungskatalogs ist es dem Team gelungen, zahlreiche Sponsoren für den Wettbewerb zu gewinnen. „Mit dem Katalog hat man etwas in der Hand, was bleibt und Eindruck macht,“ sagt Jürgensen. Zum Fühlen und zum Anschauen. Das helfe ungemein, wo die Bilder aus dem Netz heute doch so schnell verblassen, resümiert Jan-Erik Gerdt. Als der Wettbewerb vor zwölf Jahren zum ersten Mal stattgefunden hat, hatte das Team noch keinen Cent für dessen Finanzierung. Und das, wo der Kostenaufwand im oberen fünfstelligen Bereich liegt. Die Kommunikation nach außen ist die Arbeit, um die sich vor allem Johannes Jürgensen kümmert: „Persönliche Kontakte sind auch heutzutage immer noch das Wichtigste,“ ist er überzeugt. Und die Statistik gibt ihm Recht: 80 % der Bewerber kennen Holz bewegt durch Hören-Sagen. Nur 20 % stoßen im Netz darauf.

In diesem Jahr ist „Sinn und Sinne“ das Thema des Wettbewerbs . Und es wird auch während des Trubels beim Fotoshooting deutlich, dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin sich auf seine oder ihre Art mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Streicheln erlaubt

So diskutiert eine Gruppe von Schülerinnen, die sich um ihren Wettbewerbsbeitrag schart, beispielsweise heftigst, wer denn jetzt wie viel an Schleifarbeit geleistet habe, was ja mit fühlen und anfassen ganz viel zu tun hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Große Insekten aus unbehandeltem Nadelholz. Streicheln erlaubt.

Auch ein junger Tischlermeister ist mit seinem Meisterstück dabei. Mit leuchtenden Augen erklärt er am Fotoset, was in seinem Möbel alles drin steckt. Beeindruckend: Alle Teile des Möbels sind aus demselben Stamm gefertigt. Sogar die Rinde wurde mit verwendet. Und der Spieletisch der 20-köpfigen Schulklasse fordert ebenfalls alle Sinne. Besonders aber werden jetzt meine Ohren strapaziert: Bei so viel jungem Elan ist es gut, dass eine der beiden Lehrerinnen ab und an zur Ruhe ruft.

Emotionen, Austausch und unterschiedlichste Sichtweisen und Konzepte treffen hier in Hamburg aufeinander. „Das ist das, was ich an Holz bewegt am meisten schätze. Rund um das Thema Holz geschieht in der Ausstellung so unglaublich viel Interessantes,“ gibt mir Jan-Erik Gerdt mit auf den Weg. Er hat selbst schon am Wettbewerb teilgenommen und ist dann mit in das fünfköpfige Orga-Team eingestiegen.

Ausstellung vom 13. März bis 13. Mai 2019

Beim diesjährigen 6. Norddeutschen Nachwuchswettbewerb haben es 53 der 78 Teilnehmer in die Ausstellung geschafft. Eingereicht werden darf alles, was sich unter den Begriffen Möbel, Design und Interieur zusammenfassen lässt. Denn nicht nur Möbel sind gefragt! Von Skulpturen über Surfboards bis hin zu Alltagsgegenständen zeigt sich eine große Vielfalt an Projekten aus Holz. Und auch die Teilnehmer sind bunt gemischt: Vom Tischlermeister über Studenten, Schüler und freie Gruppen oder einfach Holzliebhaber. Nur: Nicht älter als 35 sollte man sein.

Für den Berufsschullehrer und Produktdesigner Mark Wendt, der fünfte im Team hinter Holz bewegt, ist es die Gestaltungsvielfalt, die den Wettbewerb so anziehend macht. „Man lernt von den Teilnehmern ebenso wie sie von mir in den Fortbildungen, die ich gebe. Denn jeder hat eine individuelle Beziehung zum Holz.“

Die Ausstellung zum Wettbewerb findet in Hamburg im Museum der Arbeit vom 13. März bis zum 13. Mai 2019 statt. „Wenn alles aufgebaut ist, kurz vor der Eröffnung, dann setze ich mich erstmal hin und blicke zurück. Und ich wundere mich jedes Mal, dass wieder alles rechtzeitig fertig geworden ist,“ schmunzelt Johannes Jürgensen.

www.holzbewegt.info


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Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de

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