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Wasserlacke schneller trocknen

Praxis-Tipps für Schreiner und Tischler
Wasserlacke schneller trocknen

Moderne Wasserlacke sind bezüglich der Beanspruchung und der Beständigkeiten vergleichbar mit Lösemittellacken, teils sogar besser. Was viele Anwender von einem Umstieg abhält, sind die längeren Trocknungszeiten. Diese lassen sich jedoch mit einfachen Mitteln deutlich verkürzen.

Die Verbreitung von Wasserlacken im Bereich des Möbel- und Innenausbaus ist aktuell noch sehr bescheiden. Die Gründe dafür sind wohl im Wesentlichen in schlechten Erfahrungen der Vergangenheit sowie insbesondere auch in der gegenüber Lösemittellacken deutlich langsameren Trocknung zu suchen.

Hört man am Markt die Aussage, der Anteil verkaufter Wasserlacke läge bei vielleicht 5 %, verweist Zweihorn in diesem Zusammenhang darauf, dass der Wasserlackanteil im eigenen Hause um ein Vielfaches höher läge. Zudem, so der Öberflächenspezialist aus Hilden, seien moderne Hightech-Wasserlacke bezüglich der Beanspruchung und der Beständigkeiten vergleichbar mit denen der Lösemittellacke, teilweise sogar besser.
Bezüglich des Trocknungsverhaltens lässt sich laut Zweihorn bei der Lackformulierung nicht viel optimieren, da Wasser einfach langsamer aus der lackierten Fläche entweicht als Lösungsmittel. Durch entsprechende technische Hilfsmittel bzw. eine Veränderung der klimatischen Bedingungen im Trocknungsraum kann aber das Trocknungsverhalten der Wasserlacke bereits mit einfachen Mitteln wesentlich verkürzt werden.
Dies nahm Zweihorn zum Anlass, eine entsprechende Untersuchung im Rahmen einer Technikerarbeit in Auftrag zu geben. Sie soll eine echte Hilfestellung und Entscheidungshilfe für alle Schreiner/Tischler darstellen, die auf Wasserlacke umsteigen wollen. In der Technikerarbeit wurde untersucht, mit welchen Hilfsmitteln die Trocknung und Durchhärtung von Zweihorn-Wasserlacken (transparent und pigmentiert) beschleunigt werden kann.
Serientests für sichere Ergebnisse
Die beiden Technikerschüler der Holzfachschule Holztechnik Melle, Christoph Hemmelgarn und Markus Stutmann, beschichteten zahlreiche Platten mit den Wasserlacken. Diese wurden zuallererst im Klimaschrank bei 20 °C und 65 % Luftfeuchtigkeit getrocknet, um eine Ausgangsbasis, die sogenannte Nullprobe, zu haben.
Um zu verdeutlichen, welche Unterschiede ein Plus oder ein Minus von 5 °C ausmachen, wurden Vergleichsmessungen im Klimaschrank gemacht. Da sich eine höhere Luftfeuchtigkeit ebenfalls negativ auf die Wasserlacktrocknung auswirkt, wurde auch beleuchtet, wann ein Luftentfeuchter Sinn macht. Die Infrarottrocknung (oft auch als Halogentrocknung bezeichnet) wurde ebenfalls in zahlreichen Reihenversuchen getestet. Erstaunlicherweise bringe Konvektion, d. h. die Luftbewegung im Raum, eine wesentliche Trocknungsbeschleunigung, fanden die beiden angehenden Techniker heraus.
Jedoch müssen sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit in einem bestimmten Fenster bewegen und ein Luftaustausch stattfinden, was aber mit einem Luftentfeuchter hervorragend funktioniere, so die beiden Schüler.
Vernünftige Temperaturen sind der Schlüssel
Sorgt man im Lacktrockenraum für vernünftige Temperaturen von ca. 20 °C, kann man mit relativ kostengünstigen Möglichkeiten eine schnelle Trocknung, die vergleichbar mit Lösemittellacken ist, erzielen. So bringt eine Erhöhung der Temperatur auf 25 °C eine Verkürzung der Trockenzeit um eine Stunde auf ca. drei Stunden, wenn man die Luftfeuchtigkeit z. B. mit einem Luftentfeuchter niedrig hält. Will man Wasserlacke bei einer Temperatur von nur 15 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70 % trocknen, brauchen die Lacke im Durchschnitt ca. eine Stunde länger als bei 20 °C. So dauert die Trocknung von einem 1K-Wasserlack dann schnell mal sechs Stunden.
Konvektionstrocknung: Luft in Bewegung
Ein Fachbegriff, der nicht sofort jedem etwas sagt: Konvektion wird durch eine Strömung hervorgerufen, die Teilchen befördert, erklären die Technikerschüler, die sich selbst bei Wikipedia schlau gemacht haben. Grundsätzlich geht es also darum, dass die durch das verdunstende Wasser aus der Lackoberfläche gesättigte Luft abtransportiert wird und somit neue trockene, aufnahmefähige Luft zur Fläche gebracht wird.
Klingt einfach –und das Beste: ist es auch! Stimmt die Temperatur im Trockenraum und ist für einen ausreichenden Luftaustausch (beispielsweise durch einen Luftentfeuchter) gesorgt, bringt die Konvektion einen Zeitvorteil von rund 2 Stunden. Dies entspricht 50 % der Trocknungszeit. Ein Standventilator, der die Luft entsprechend in Bewegung hält, kostet lediglich ca. 30 Euro, darf allerdings nicht in Ex-Schutzzonen eingesetzt werden.
Infrarot: Schnelle Welle, kurze Trocknung
Infrarottrocknung ist die wohl effektivste Art, Wasserlacke zu trocknen. Sie ist jedoch nicht für jeden Betrieb sinnvoll. Ist die Lackierabteilung der Schreinerei/Tischlerei gut ausgelastet, macht sich die erforderliche Investition von 18000 bis 21000 Euro recht schnell bezahlt. Man verkürzt schließlich die Trockenzeit von vier auf nur noch eine Stunde, was den Durchsatz ganz wesentlich erhöht.
Die Belichtung eines kompletten Hordenwagens dauere nur rund zehn Minuten, was sich positiv bei den Stromkosten von nur ca. 0,54 Euro pro Bestrahlung bemerkbar mache, so die Technikerschüler. Die Infrarotstrahler haben eine Lebensdauer von ca. 8000 – 10000 Betriebsstunden – man kann leicht selbst rechnen, was das bei nur 10 Minuten Belichtungsdauer heißt. Leider gibt es diese Geräte nicht in Ex-Schutzausführung, was den Einsatz in Ex-Schutzzonen verbietet.
Luftentfeuchtung als zentrales Thema
Alle beschriebenen Trocknungsvarianten machen laut Aussagen der Technikerschüler nur Sinn, wenn im Trocknungsraum für einen ausreichenden Luftaustausch gesorgt wird. Das kann man durch eine Zuluftanlage, die sinnvollerweise beheizbar sein sollte, erreichen oder durch einen Luftentfeuchter, wie ihn die Technikerschüler getestet haben.
Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Bautrockner, der aus der gesättigten Luft wieder trockene Luft macht. Ein vernünftiges Profigerät kostet ca. 1400 Euro, macht aber Sinn, da solche Geräte werkstatttauglich sind und sich auch auf eine Luftfeuchtigkeit einstellen lassen – ist die Luftfeuchtigkeit erreicht, schaltet sich das Gerät selbst ab und bei Bedarf wieder an. Wichtig: Was vielen Verarbeitern nicht bekannt ist; die Luftfeuchtigkeit sollte 40 % nicht unterschreiten, da sich sonst Oberflächenstörungen einstellen. ■
Sonderdruck: Alle Informationen zu der Technikerarbeit hat Zweihorn in einem Sonderdruck „Wasserlacke schneller trocknen“ zusammengefasst. Diese 16-seitige Broschüre finden Sie auf den Internetseiten des Oberflächenspezialisten oder Sie können sie direkt bei Zweihorn anfordern.
Akzo Nobel Wood Coatings GmbH
Geschäftsbereich Zweihorn
40721 Hilden
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