Zu Gast beim Kollegen: Wie bewährt sich Brauns Handwerkerholztrockner in der Praxis?

Des Schreiners Kammer

Holz in der eigenen Werkstatt schonend selbst zu trocknen, kann einfach und günstig sein. Meister Hassler nutzte dazu jahrelang Brauns Handwerkerholztrockner. Wir haben den Schreinerkollegen besucht und einige Tipps erfahren.

BM-Redakteur Marc Hildebrand

Wir schreiben das Jahr 1988. Schreinermeister Roland Hassler ist in Zugzwang.

In seinem Zehn-Mann-Betrieb produziert er vorwiegend individuelle Küchen mit massiven Fronten. Doch das angelieferte Holz hat meist nicht die richtige Holzfeuchte, um Kunden einwandfreie Ware zu liefern. „Es kam selten wie bestellt“, erinnert sich Hassler heute und schüttelt den Kopf. „Zwölf Prozent – das konnte ich so schlicht nicht einbauen.“

Sein Problem kennen bis heute viele Schreiner und Tischler – und auch seine damalige Entscheidung stellt bis heute eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die eigene Trocknung dar.

Wir haben den Schreiner nahe Nürnberg besucht, um zu erfahren, wie sich der Handwerkerholztrockner von der Firma Braun über die Jahre bewährt hat und um aus der Praxis Tipps in Sachen Holztrocknung aufzugreifen.

Entscheidung für die eigene Kammer

„Was war Ihnen wichtig, als Sie sich damals nach einer Lösung umsahen, um die Trocknung selbst in die Hand zu nehmen“ möchte ich von dem Schreinerkollegen wissen. „Niedrige Kosten, geringer Aufwand und dass ich alle Holzarten trocknen kann“, so die Antwort.

Auf seiner Odyssee durch das Angebot an Holztrocknern stieß er über einen Händler auf den sogenannten Handwerkerholztrockner, der zu diesem Zeitpunkt erst seit wenigen Jahren auf Markt war. „Diese Lösung hat für mich ganz einfach geklungen. Und das war es dann auch“, zieht Hassler ein erstes Resumee, grinst etwas verlegen und nippt an seiner Teetasse. „Ohne dafür Reklame machen zu wollen – eine absolut günstige Trocknung, keine Vorkenntnisse nötig.“

Was sich im Laufe der Zeit ebenfalls auszahlte, war der Bau der Trockenkammer in Eigenregie – ganz nach individuellen Bedürfnissen. Doch dazu später mehr.

Prinzip des Braun-Handwerkertrockners

Um Holz zu trocknen, braucht man im Grunde nur zwei Dinge: Wärme und Luftzirkulation. Als Kondensationstrockner greift Brauns Konzept ausschließlich auf diese beiden Faktoren zurück. Innerhalb der Trockenkammer zirkuliert ständig dieselbe Luft und entzieht dem Holz sukzessive Feuchtigkeit.

Die nun mit Feuchtigkeit gesättigte Luft durchläuft einen Trockner und strömt seitlich wieder in die Kammer, um dem Holz weitere Feuchtigkeit zu entziehen. Das bereits entzogene Wasser läuft über einen Schlauch ab.

Nach dem Prinzip einer Wärmepumpe – wie man es umgekehrt vom Kühlschrank kennt – entsteht bei diesem Vorgang Wärme, die wiederum für die Trocknung genutzt wird.

Es handelt sich also um eine geschlossene Luftzirkulation ohne Energieverluste (beispielsweise durch Luftaustausch) und somit geringen Stromkosten. Bei Temperaturen zwischen ca. 35 und 45 °C erfolgt die Trocknung zudem sehr schonend und gleichmäßig, was wiederum den bekannten Trocknungsschäden verlässlich vorbeugt – ohne spezielle Bedienerkenntnisse vorauszusetzen.

Einfach ablesen, einstellen und planen

Die geringen Temperaturen sind natürlich von Nachteil, will man schnell trocknen oder muss einen hohen Durchsatz im täglichen Betrieb erzielen. In Hasslers Betrieb war die Trockenkammer zu meist voll ausgelastet, konnte aber dennoch Just-in-Time erstklassig getrocknetes Holz liefern.

„Es lässt sich recht einfach ausrechnen und gezielt planen, wann das Holz bereit liegen soll“, erklärt der Meister. „Von wenigen Tagen bis hin zu drei Wochen muss man in der Praxis planen. Je nachdem wie feucht das Holz zu Beginn ist,“ fährt er fort und lächelt.

„Das ist ganz einfach an einer Tabelle abzulesen, wie auch die Einstellung der Trocknungsintensität“, erklärt er an folgendem Beispiel: „Ich habe 1 m3 Weichholz, bestehend aus 25 mm starken Bohlen und messe 17 % Holzfeuchte. Nun verrät mir die Tabelle zum einen, dass ich den Regler auf 80 % Intensität drehen muss. Zum anderen, kann ich ablesen, dass pro Tag 1,5 % Wasser entzogen wird (siehe Bild 7). Will ich nun das Holz von 17 auf 8 % trocknen, ist die Rechnung simpel: Ich teile die Differenz aus 17 und 8 (also 9) durch die abgelesene Zahl 1,5. Im Ergebnis muss das Holz sechs Tage in der Kammer bleiben, bis die gewünschte Endfeuchte erricht ist. Der Rest ist schlicht Organisation drumherum.“

Welche Kosten schlagen dabei zu Buche?

Es gibt übrigens nur zwei Regler an der Trocknersteuerung, entdecke ich, nachdem wir in die Werkstatt hinübergegangen sind, um Schreiner Hasslers selbst gebaute Trockenkammer endlich live anzusehen. Der eine, wie zuvor erwähnt, regelt die Intensität und ist in der Standardausführung verbaut. Der zweite steuert die Zusatzheizung, die optional ergänzt werden kann, um die Aufheizphase zu beschleunigen. Diese Version (Modell T1 Super) kostet in der Anschaffung rund 4000 Euro. Doch welche Betriebskosten fallen beim Trocknen an?

Das verrät uns ein Rechenbeispiel in der ausführlichen Anleitung des Herstellers. An einer normalen 230-V-Steckdose angeschlossen, ist die Leistung mit 300 W angegeben.

Bei 24 Stunden Betrieb ergibt das 7200 W bzw. 7,2 kWh pro Tag. Der wirkliche Stromverbrauch fällt allerdings niedriger aus, denn der Regler steht selten auf 100 %. Bleiben wir nun bei der Zeitrechnung von vorher.

Hier waren es 80 % – und demnach nur noch 5,76 kWh pro Tag. Bei den zuvor errechneten sechs Tagen summiert sich das auf 34,56 kWh. Abhängig vom eigenen Stromtarif, nehmen wir 27 Cent/kWh an, kostet uns die Trocknung 9,33 Euro zuzüglich der Aufheizphase von etwa einem Tag, also ca. 2 Euro. Die Anleitung steht übrigens im BM-Onlinebeitrag zum Download.

Auswahl des passenden Trocknermodells

Diese Betriebskosten überzeugten einst auch Roland Hassler – ebenso wie die Möglichkeit, die Trockenkammer selbst und nach eigenen Bedürfnissen bauen zu können. Er entschied sich damals für die Variante T1, denn die maximale Trocknungskapazität von bis zu 2,5 m3 war für seine Zwecke völlig ausreichend. Alternativ wird das Modell T2 mit bis 7 m3 Trocknungskapazität angeboten.

Bis zu 12 l Wasser pro 24 Stunden fließen aus dem T1-Trockner in den Eimer neben der Trockenkammer. Der fränkische Kollege grinst: „Scho schee, wenn man sieht, wie viel Wasser jeden Tag im Eimer ist.“

Auf Wunsch kann auch eine Schädlingsbekämpfung nach DIN 68800 Teil 4 und nach IPPC-Norm ergänzt werden. Doch Hassler beließ es bei der Zusatzheizung. Diese läuft jedoch nur beim Aufheizen der Kammer, schaltet sich im laufenden Betrieb ab und beeinflusst daher die vorherige Kostenrechnung nicht, da sich die Aufheizphase verkürzt.

Die Kammer einfach selber schreinern

Wie die Bedienung ist auch der Aufbau der Kammer in der Herstelleranleitung gut nachvollziehbar beschrieben. „Ich denke, da tut man sich allgemein als Schreiner nicht wirklich schwer,“ so Meister Hassler und kommt auf einen weiteren Aspekt zu sprechen: Es ist jedem selbst überlassen, wo und wie groß er die Kammer baut. Und Hassler weiß, wovon er spricht – schließlich ist er mit Brauns Handwerkerholztrockner schon einmal umgezogen.

„Beim ersten Mal war schlicht kein Platz in der Werkstatt, also haben wir die Kammer kurzerhand außen an der Werkstatt angedockt. Im Grunde stand dort einfach eine lange Kiste aus KVH-Rahmen, mit Dämmwolle isoliert und außen wetterfest beplankt.“

Auch der Umzug in eine neue Werkstatt gestaltete sich einfach. Heute steht der Trockner im Holzlager und ist auf die aktuellen Bedürfnisse ausgelegt.

Bei jeder Konstruktion gleich: Am Kopfende steht das kleine Herzstück, der Kondensator (Maße 700 x 350 x 400 mm), welcher der Luft das Wasser entzieht und sie mittels Ventilator zirkulieren lässt. Dabei strömt die Luft durch eine Lochplatte seitlich durch den Holzstapel. Vorteil im Vergleich zu herkömmlichen Trocknern: weniger Ventilatorleistung, als wenn die Luft längs durch den Stapel strömt. Zudem können ganz normale Stapelleisten verwendet werden. Das minimiert z. B. Druckstellen.

Tipps und weitere Erfahrungen vom Kollegen

Neben der vom Einkauf unabhängigen Trocknung in Eigenregie konnte im Schreineralltag vor allem die einfache Bedienung punkten – auch bei den Mitarbeitern. „Alles was zu beachten ist, passt auf ein DIN-A4-Blatt,“ erklärt der Kollege und deutet auf seinen selbst zusammengestellten Spickzettel, der in Klarsichtfolie verpackt, neben der Steuerung hängt (s. Fotos oben). „Das ist echt idiotensicher.“ Der Schreiner lacht und beschreibt, wie er damals seine Mitarbeiter problemlos in die Welt des Trocknens einwies. Dann wird sein Blick wieder ernst.

„Wichtig ist die Betreuung des Prozesses. Und damit meine ich nicht nur, regelmäßig den Eimer auszuleeren. Da das Holz kontinuierlich heruntertrocknet, muss es zum errechneten Zeitpunkt aus der Kammer geholt werden.“ Hygrometer oder integrierte Holzfeuchtemessgeräte sieht die temperaturgesteuerte Kammer nicht vor. Braucht sie auch nicht.

„Wir haben immer ein Probestück mitgetrocknet, das wir – repräsentativ für den gesamten Inhalt – zum errechneten Zeitpunkt gemessen haben. Darauf war Verlass. So habe ich mit allen Holzarten gute Ergebnisse erzielt – von Buche über Eiche bis zu patschnasser Olive. Meist haben wir angeliefertes Holz für ein bis zwei Küchen getrocknet – so um die 0,5 m3“, berichtet er und gibt weitere Tipps: Um Energiekosten zu sparen, empfiehlt es sich, das Holz in der Werkstatt zu akklimatisieren statt es kalt in die Kammer zu legen. Außerdem sei es sinnvoll, z. B. Rahmenteile vorher grob aufzuschneiden. Das sorgt für gleiche Querschnitte, beschleunigt die Trocknung und man bemerkt etwaige Holzfehler oder ungeahnte Spannungen beim Auftrennen bereits vor der Trocknung. Hassler verwendete einfache Spanplattenstreifen als Stapelleisten. Getrocknet hat er meist mit 40 bis 45 °C und die Werkstücke einfach auf bestehenden Werkstattwagen über eine reversible Rampe in die Kammer gerollt. Die Kammer ist so dimensioniert, dass vier Wagen mit etwas Abstand zueinander hineinpassen – verschlossen durch zwei Türen mit einem Doppelfalz samt Dichtung, wie man es von einer Haustür kennt.

Generationentrockner – Sohn übernimmt?

Heute hat sich Roland Hasslers Leben verändert und er sattelte auf Montagearbeiten um – doch sein Sohn Markus hat jüngst erfolgreich den Meisterbrief erworben und wird vielleicht bald selbst einen Betrieb eröffnen. Die Werkstattpläne liegen bereits seit der Meisterausbildung in Ebern in der Schublade. Und weil sich auch die Zeiten ändern, könnte dort, wo jetzt der Trockner steht, zukünftig ein Bearbeitungszentrum seinen Dienst verrichten. Brauns Handwerkerholztrockner würde dann ein weiteres Mal in einer neuen Hülle an einen anderen Platz umziehen – individuell nach Bedarf.

www.braun-maschinen.de


Marc Hildebrand, BM-Redakteur und Schreiner
Foto: Marco Leibetseder

Handwerkergerechtes Konzept

Typisch maßgeschreinert

Sind wir nicht alle etwas speziell und meist verliebt ins passend Maßgefertigte – wir Schreiner und Tischler dieser Welt? Dabei wollen wir nicht in den Tiefen der Technik tricksen, sondern uns pudelwohl im Kerngeschäft fühlen.

Wie Hasslers Erfahrungen zeigen, trägt Brauns Handwerkertrockner seinen Namen zurecht. Indem sich das Konzept rein aufs Wesentliche konzentriert, verbindet es unsere Stärken und technischen Grundkenntnisse mit ganz einfachen Abläufen und einem erschwinglichem Invest, um auch exklusiven Kunden hohe Qualität zu liefern. Vielleicht sind Sie ja aktuell auf der Suche nach einem Azubiprojekt. Wie wäre es mit dem Bau einer Holztrockenkammer?


Hasslers Spickzettel zum Download

Klick aufs Bild: Spickzettel als PDF anschauen und herunterladen.


Holztrocknerinfos zum Download

Klick aufs Bild: Kammerbau, Trockenablauf und Zusatznutzen – PDF anschauen und herunterladen


Die eigene Kammer – das sollten Sie außerdem wissen

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