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Die Bewahrer

Kai und Urs Fischer bringen Vergangenheit und Zukunft unter einen Hut
Die Bewahrer

„Heimat“ heißt der erste Punkt auf der Internetseite der Schreinerei Fischer aus dem baden-württembergischen Fellbach. Kai und Urs Fischer setzen auf „Qualität in vierter Generation“ und haben dabei die Vorteile moderner Zukaufprodukte im Blick. BM-Redakteurin Regina Adamczak

I „Wenn der Kunde zu uns in die Werkstatt kommt, hat er sofort ein Grundvertrauen. Er spürt: Dies ist ein gewachsener Betrieb, ohne dass ich einen einzigen Satz gesagt habe.“ Kai Fischer weiß, wovon er spricht. Früher hatte die Schreinerei Fischer eine große Türenausstellung, die um einiges größer war als die Ausstellung heute. „Eigentlich hatten wir damals eine prima Lage, einen perfekten Auftritt an einer großen Straße, direkt neben einem Möbelhaus. Wir hatten damals viel Laufkundschaft. Aber wenn man eher anonym als Handelsunternehmen auftritt, ist der Preisdruck auch viel höher. Wir mussten viel mehr um den Preis kämpfen als heute.“

Durch Partnerschaft noch leistungsfähiger
Heute haben sich die beiden Brüder weitere Segmente erschlossen: Besonders im Bereich Küche ist der Umsatz stark gewachsen. Das kommt nicht von ungefähr. Erstens hat Kai Fischer ein Faible fürs Kochen. „Das hat mir schon immer Spaß gemacht und die Kunden, spüren, wenn man weiß, wovon man spricht“, sagt er. Zweitens legt er viel Wert auf Beratung und Kundenbetreuung. „Wir bieten eine überdurchschnittliche Beratungsqualität.“ Und drittens hat die Schreinerei als Topateam-Partner Zugriff auf ein großes Sortiment an Zukaufprodukten. „So können wir bei großen Küchenherstellern günstig einkaufen und sind damit preislich leistungsfähig.“
Wir wollen glaubhaft sein
Als Urs und Kai Fischer die Schreinerei von ihrem Vater übernahmen, überlegten sie kurz: „Sollen wir Grundstück und Gebäude verkaufen und mit dem Betrieb auf die grüne Wiese ziehen?“ Einiges hätte dafür gesprochen. Das Unternehmen befindet sich mitten in einem Wohngebiet, an Expansion ist überhaupt nicht zu denken. Doch sie entschieden sich dagegen. „Ein Gebäude im Industriegebiet passt nicht zu uns. Wir sind traditionsverbunden und wollen, dass der Kunde das wahrnimmt. Wir wollen glaubhaft sein.“
Dass es galt, diese Seele des Unternehmens authentisch darzustellen, erkannte auch der Gestalter der Homepage. „Er war mehrere Tage bei uns in der Werkstatt und entschied sich dann, die Werkstattatmosphäre in stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Fotos einzufangen.“ Auch war es seine Idee, den Begriff „Heimat“ als ersten Menüpunkt zu nehmen.
Ansonsten ist Marketing kein großes Thema für den alteingesessenen Betrieb. Nur Facebook nutzen die beiden jungen Unternehmer noch, um aktuelle Projekte vorzustellen. In der Ausstellungsküche findet vier- bis fünfmal im Jahr ein gemeinsames Kochen mit Kunden statt. Dabei gehe es aber weniger um den „Event“ als um Spaß, das gemeinsame Erleben und guten Kontakt. „Wir setzen fast ausschließlich auf Weiterempfehlung. Hier im Großraum Stuttgart gibt es genügend Auftragsvolumen.“ Die Auslastung beträgt 100 Prozent.
Checkliste, um genauen Bedarf zu erfassen
Doch dafür, weiterempfohlen zu werden, tut Kai Fischer einiges. Er ist für den Vertrieb und die Beratung im Bereich Küchen und Türen zuständig. „Ich hatte immer schon eine kaufmännische Neigung und habe deshalb Holzbetriebswirtschaft an der BA Mosbach studiert.“ Sein Bruder Urs kümmert sich als gelernter Schreiner um den Vertriebsbereich Möbel, sowie um Technik und Konstruktion.
Für die Kundenberatung nimmt sich Kai Fischer viel Zeit: „Die Erstberatung findet idealerweise beim Kunden statt und dauert gerne drei Stunden.“ Das sei deutlich mehr als ein normales Küchenstudio dafür aufwendet. Aber ihm ist es auch wichtig, den Bedarf des Kunden genau zu erfassen. Dafür hat er mittlerweile sogar einen umfangreichen Fragebogen entwickelt, damit nichts vergessen wird. „Ich stelle beispielsweise Fragen wie: Wie oft gehen Sie einkaufen? Wie oft wird gekocht? Daraus lässt sich dann der konkrete Bedarf ermitteln.“ Besondere Zielgruppen haben die Fischers nicht im Visier: „Wir planen für junge Paare genauso wie für gut situierte Kunden. Gerade beim Thema Küchen bewegen wir uns damit in Preisspannen von 5000 bis 100 000 Euro.“ Die beiden haben die Erfahrung gemacht, dass sich auch die gute Beratung junger Paare auszahlt, weil diese später wiederkommen. „Somit rentiert sich auch eine eher knappe Kalkulation.“
Im nächsten Schritt erfolgt die Planung und im dritten Schritt wird der Kunde dann oft in den Betrieb eingeladen. Vor etwa zehn Jahren wurde der Dachstuhl zur Ausstellungsfläche umgebaut. „Früher war hier das Holzlager“, erzählt Urs Fischer. Da dieses nicht mehr in diesem Umfang gebraucht wurde, gibt es jetzt eine kleine Türenausstellung, Musterküchen, Möbel und viele, viele Muster. „So können wir unseren Kunden zusätzlich zu den Visualisierungen dann etwas ganz Konkretes zeigen, damit sie sich eine bessere Vorstellung machen können.“
Der Vater unterstützt mit Rat und Tat
Früher lagen die Schwerpunkte der Schreinerei Fischer auf Türen. Heute trägt das zur Grundauslastung bei. Das Türenaufmaß und die Montage liegt immer noch in der Verantwortung des Vaters, Hans Martin Fischer, der nun als Angestellter eingebunden ist. „Überall, wo es knifflig wird, sind wir froh, dass wir auf seine Erfahrung zurückgreifen können,“ freuen sich Kai und Urs Fischer. Der Vater lässt den beiden freie Hand, steht ihnen aber mit Rat und Tat immer zur Seite.
Schon der Vater hatte sich im Jahr 2008 dem Franchisegeber Topateam angeschlossen, doch erst mit dem Einstieg von Kai Fischer 2009 wurde das Potenzial mehr und mehr genutzt. „Wir greifen zwar mittlerweile auch auf andere Zulieferer zurück, aber von der Partnerschaft mit Topateam haben wir noch auf eine weitere Art profitiert.“ Und er erzählt von Schulungen, in denen er den letzten Schliff zum Thema Verkaufen bekam, und von Erfa-Gruppen, bei denen im moderierten Austausch mit anderen Schreinern vielfältige Lösungen für den betrieblichen Alltag erarbeitet wurden. Auch das Thema Bettsysteme habe man sich neu erschlossen.
In der Werkstatt werden mittlerweile nur noch ganz individuelle Lösungen und ergänzende Teile gefertigt, die auf dem Zuliefermarkt nicht zu bekommen sind. Der Maschinenpark ist deshalb auch ganz traditionell und leuchtet dem Besucher im gewohnten Grün entgegen. Für die allerneuesten technischen Errungenschaften gibt es gar keinen Bedarf.
Das Wochenende soll frei bleiben
In der Schreinerei sind – außer den drei Fischers – sechs Mitarbeiter beschäftigt, manche davon sind mehr in der Werkstatt, manche eher auf Montage tätig. „Da hat jeder seine Vorlieben und wir versuchen auch, dem gerecht zu werden.“ Eine gute Beziehung zu den Mitarbeitern ist den beiden Chefs wichtig. „Wir haben ein tolles Team. Es macht noch mehr Spaß, wenn sich die Mitarbeiter gut verstehen.“
Auf ein weiteres Unternehmenswachstum sind Kai und Urs Fischer nicht aus. Sie freuen sich, wenn Einsatz und Ertrag stimmen, und behalten auch die viel beschworene Work-Life-Balance im Blick. „Das Wochenende halten wir uns gerne frei, damit der Spaß an der Arbeit nicht verloren geht.“ Das sei auch eine Frage des Grenzen-Steckens und der Selbstdisziplin. „Energie haben und begeistert sein kommt nicht von allein“, ist das Fazit der neuen Unternehmergeneration. I
Fischer Wohngestaltung GmbH
70734 Fellbach

Die Schreinerei Fischer setzt auf „Qualität in vierter Generation“: Um das Unternehmen authentisch darzustellen, entschied sich der Gestalter der Homepage, die Werkstattatmosphäre mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Fotos einzufangen.
Foto: zehnnullneun

Hä? Wow!

Das hat mich begeistert

Hä? Dachte ich zuerst, als ich auf der Homepage der Schreinerei Fischer den Begriff „Heimat“ las. Jetzt denke ich: Wow! Da hat es jemand geschafft, das, was vielen anderen Schreinern eigentlich auch eigen ist, ganz bewusst zu gestalten und der Sehnsucht, die viele Menschen haben, Raum zu geben.
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