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Eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte

Jahn GmbH: Vom 1-Mann-Betrieb zum Generalunternehmen
Eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte

In Thüringen wird eine turbulente und zugleich erfolgreiche Tischlergeschichte geschrieben. Mit viel Mut und Geschick konnte sich die Jahn GmbH in Bad Blankenburg nach der Wende zum Generalunternehmen entwickeln. Die Investition in eine weitere Produktionshalle ist der nächste markante Meilenstein. Dort dominiert moderne Fertigungstechnologie, innovative Schleiftechnik inklusive.

Manfred Maier

Tischlermeister Georg Jahn lacht viel und ganz herzlich. Dabei berichtet er über eine Phase seines Lebens, die ernster und bewegender kaum sein könnte. Das DDR-Regime und die Stasi haben es ihm wahrlich nicht leicht gemacht: Als bekennendem Christen hat man ihm die Oberschule und später, trotz nachgeholtem Abitur, ein Studium verwehrt. In den Jahren vor der Wende hat er für die Freiheit gekämpft und in seiner Heimatstadt Bad Blankenburg/Thüringen Friedensgebete und Montagsdemos organisiert. Stasi-Bespitzelung der ganzen Familie und eingeworfene Fensterscheiben am Wohnhaus waren die Folge. „Ich sollte verschwinden“, so hat es Georg Jahn einmal dem Magazin GO ganz drastisch geschildert.

Georg Jahn hat aber nie aufgegeben, erst recht nicht nach der Wende: Unter den Bedingungen der Marktwirtschaft übernahm er – inzwischen Tischlermeister – die traditionsreiche elterliche Tischlerei in dritter Generation. Als 1-Mann-Betrieb startete Jahn mit Möbel- und Innenausbau für Privatkunden. Schritt für Schritt ging es in der Wirtschaftswelt nach vorn. Ab 1995 in einer neuen Halle, mit fünf Beschäftigten, immer mehr Trockenbau und später auch als Subunternehmen in größeren Projekten. Die Thüringer Tischlerei wuchs auf 40 Beschäftigte. Jahre später dann der absolute Tiefpunkt. Vier Jahre lang kämpfte der Betrieb ums Überleben. „Wir waren so gut wie insolvent“, kommentiert Jahn.

„… ganz neu erfunden“

Der Turnaround ist mit der geschickten Akquise eines 6,5-Mio.-Großauftrags für die Integration von Sanifair-Anlagen in Raststätten verbunden: „2006 haben wir uns vom Subunternehmen zum Generalunternehmen praktisch ganz neu erfunden“, so Georg Jahn rückblickend. Kein einfacher Strategiewechsel mit einer intensiven Lernphase. Während sein Sohn Tobias, frisch von der Uni, die betriebswirtschaftliche Leitung übernahm, tourte Georg Jahn unermüdlich in verkäuferischer Mission durch die Lande. Mit zuverlässigen Leistungen und verlässlichen Partnern aus anderen Gewerken kam die Jahn GmbH als „GU“ immer besser ins Spiel.

Rasant gewachsen

Der Rest ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte mit einer steilen Wachstumskurve. Heute beschäftigt die Jahn GmbH rund 100 Mitarbeiter. Die Betriebsfläche hat sich in zehn Jahren verdreifacht, der Umsatz konnte auf stramme 25 Mio. Euro in 2019 gesteigert werden. Zu den Kunden zählen Sanifair, Tank & Rast, Total, Starbucks und viele andere namhafte Unternehmen und Ketten. Neben kompletten Einrichtungen für die Systemgastronomie gehören auch Hotel- und Büroeinrichtungen sowie Brandschutz, Trockenbau und die Montage von Innenausbauelementen zum vielseitigen Portfolio.

Als Generalunternehmen leistet die Jahn GmbH die komplette Realisierung und Koordination von Neu- und Umbauten inklusive aller technischen Gewerke. Dazu agiert der Innenausbaubetrieb gemeinsam mit leistungsstarken Unternehmen aus der Region auf der Basis langjähriger und bewährter Partnerschaften.

Mit termingerechter Auftragsabwicklung konnte sich das Thüringer Unternehmen einen sehr guten Ruf erarbeiten. Bei allen Geschäftsfeldern gehe es um Qualität und Zuverlässigkeit: „Wir haben noch nie einen Termin überzogen“, freut sich Georg Jahn. Schnelligkeit und hohe Flexibilität seien weitere entscheidende Erfolgsfaktoren: „Wenn der Auftrag am Mittwoch kommt, können wir schon am Montag anfangen“, lautet das Motto in Bad Blankenburg.

Die Firmenphilosophie ist auf langfristige Geschäftsbeziehungen und Partnerschaften angelegt. Nicht nur zur Kundschaft und zu den anderen Gewerken, sondern gerade auch zu den Mitarbeitern. Basierend auf einer christlichen Wertebasis gehöre dazu hohe Wertschätzung, gegenseitiges Vertrauen und ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Dabei wolle man die Mitarbeiter nicht in ein starres Korsett zwingen, so Tobias Jahn.

Produktion optimiert

Permanentes Wachstum forderte immer mehr Raum: „Wir haben die ganzen Jahre praktisch ständig vergrößert, investiert und gebaut“, sagt Georg Jahn rückblickend. 2019 war es wieder soweit: Rund 3 Mio. Euro investierte das Thüringer Unternehmen in den Neubau einer zusätzlichen 1800 m² großen Produktionshalle.

Mit dem Projekt verbindet sich die komplette Optimierung, Automatisierung und Digitalisierung des Produktionsablaufs. Kräftig investiert wurde u. a. in ein automatisiertes Flächenlager und in eine neue Plattenaufteilsäge von Homag. Für die Realisierung bester Finishqualität wurde zudem der Bereich Oberflächenbearbeitung mit einer neuen Spritz- und Trockenkabine, einem neuen Breitbandschleifautomaten sowie einer neuen Heizplattenpresse ausgestattet.

Perfektes Finish

Mit dem umfassenden Update der Oberflächenbearbeitung geriet auch das Thema Schleifen auf den Prüfstand. „Die bisher genutzte Breitbandschleifmaschine konnte die immer höheren Anforderungen an die Oberflächenqualität und an die immense Werkstoffvielfalt vom Massivholz über den Lackschliff bis hin zu Mineralwerkstoffen nicht mehr erfüllen“, erklärt Georg Jahn. Die Marktrecherche fand schließlich auf der Ligna 2019 ihren Abschluss: Dort präsentierte der Schweizer Schleifspezialist Kündig mit seiner Thüringer Niederlassung in Gotha die neu konzipierte Breitbandschleifautomaten-Modellreihe „Perfect“. Jahn hatte nicht nur zur automatisierten Technik, sondern auch zu den Verantwortlichen in Gotha, wie er sagt, „sofort Vertrauen gefunden.“

Besonders überzeugen konnte die Perfect neben der bewährten Diagonalschleiftechnologie mit einer Vielzahl schleiftechnischer Innovationen: Vielfältige, erweiterte Funktionen, einfache Bedienbarkeit und hohe Konnektivität sind dazu die Stichworte.

Technische Highlights der Neuentwicklung sind z. B. die vollautomatische Schleifdruckregelung und Kornjustierung, die Möglichkeit der Werkstück- bzw. Schleifbandreinigung ohne kostenintensiven Druckluftverbrauch oder die Highspeed-Technologie für perfekte Oberflächen und Werkstückränder, auch bei sehr hohen Vorschubgeschwindigkeiten.

Eine der wesentlichen Neuerungen ist die Steuerungseinheit, die eine intuitive und schnelle Bedienung für deutlich mehr Schleifprogramme und Parameter per Touch ermöglicht. Die einfache Bedienbarkeit wird in Bad Blankenburg ausdrücklich bestätigt: „Kündig hat die Maschine hingestellt und wir konnten ohne Probleme starten.“

In puncto Digitalisierung ist die Perfect keine Insel. Sie lässt sich in alle digitalisierten Produktionsprozesse z. B. per Barcode integrieren. Über die Cloud kann die Maschine per Smartphone oder Tablet zur Ferndiagnose und zum Support erreicht werden. Produktionsdatenerfassung oder die Fehlererkennung sind weitere wichtige Möglichkeiten.

Hingewiesen wird bei Jahn auf die hohe Oberflächengüte und die universelle Einsetzbarkeit. Dazu trage besonders der Diagonalschliff mit dem schwenkbaren Aggregat bei: „Gleich welcher Werkstoff, die Oberflächen sind ohne Oszillationsspuren sehr fein, homogen und ruhig.“

Noch besser aufgestellt

Mit den Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung konnte die Jahn GmbH ihre Fertigungspower noch mal deutlich steigern. „Wir sind jetzt noch effizienter aufgestellt, solide finanziert und können auf vielen Marktfeldern noch besser agieren“, betonen Georg und Tobias Jahn.

Gleichwohl habe die Corona-Pandemie zu einer sehr ungewissen Situation mit einer Auftragsdelle geführt. Für das unermüdliche Team der Jahn GmbH ein Anlass, die Fühler in zusätzliche Geschäftsfelder auszustrecken. Der pfiffigen Führungscrew war der Wandel der Arbeitswelten nicht entgangen: Mit der kompletten Erstellung von Büroflächen sowie der Ausstattung von Coworking-Spaces konnte Georg Jahn ganz spontan erfolgversprechende Aufträge bei einem international führenden Anbieter an Land ziehen. Ein Arbeitsfeld, auf dem die hohe Kompetenz des Generalunternehmens einmal mehr zum Tragen kommt. Tobias Jahn ist optimistisch: „Die Systemgastronomie z. B. bleibt sicher weiterhin ein guter Markt. Wir erwarten, dass die Neu- und Renovierungsinvestitionen wieder anziehen.“

www.jahn-bb.de

www.kundig.de

www.homag.com


Der Autor

Dipl.-Ing. (FH) Manfred Maier war viele Jahre BM-Chefredakteur und arbeitet heute als freier Fachjournalist.

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