Warum Schreinerei Fetz² ihre Fertigung konsequent auf Lamello-Verbinder umstellte. Erfolg mit System - BM online

Warum Schreinerei Fetz² ihre Fertigung konsequent auf Lamello-Verbinder umstellte

Erfolg mit System

Wenn die Serie beim Schreiner einzieht, sind Entscheidungen gefragt. Nur allzu schnell droht der industrielle Stempel die Individualität zu verdrängen – doch liegen nicht exakt hier die Stärken des Handwerks? Kollege Fetz hat sich entschieden. Flexibel punktet er mit Lamellos P-System auf dem schmalen Grat zwischen Preisdruck und Kundenwunsch.

BM-Redakteur Marc Hildebrand

Im ländlichen Miehlen, zwischen Frankfurt am Main und Koblenz, verfügt die Schreinerei Fetz² über viel Platz, um sich seit 35 Jahren kräftig zu vergrößern. Hier zählt eher der Mangel an Fachkräften zu den Wachstumshürden. So beschäftigen Schreinermeister Harald Fetz und sein Sohn Benjamin (Holztechniker) elf Mitarbeiter in einer 1700 m² großen Werkstatthalle, die sich etwa 75 m lang von Büros mit Empfang über Bank- und Maschinenraum bis zum Lager- und Zuschnittbereich erstreckt. Das Fetz-Team konstruiert und fertigt zu 90 % Einrichtungen als Zulieferer für Ladenbauer, Planungsbüros oder Schreinerkollegen – individuell, fast europaweit und optional mit Just-in-time-Lieferung und Montage.

„Wir können uns die Kunden nicht aussuchen. Daher gilt es Qualität zu liefern. Dass vor Ort etwas nicht passt, können wir uns ebenso wenig erlauben wie Verzögerungen“, beschreibt Harald Fetz die Situation. Firmenmotto: „Möbel in Perfektion“. Die Kunst: Dieses Versprechen samt reibungslosem Ablauf unter Fachleuten zu halten und gleichzeitig hohen Output sicherzustellen bzw. das Volumen noch zu steigern. Ein Meilenstein auf dem Weg war der konsequente Umstieg auf Lamellos P-System.

Einstieg per Handmaschine – Vorteile des P-Systems erkannt

Vier Jahre ist es inzwischen her, erinnert sich heute der Schreinermeister: „Auf Empfehlung eines Kollegen liehen wir uns dessen Handmaschine, die Lamello-Fräse Zeta P2, für eine Deckenkonstruktion mit dem P-System.“ Da das Prinzip u. a. dank gewohnter Handhabung der Fräse überzeugte, wurden bald in erste Korpusse statt den vielen Dübellöchern und Bohrungen für Exzenterbeschläge einige der Lamello-Clamex-P14-Verbinder (siehe Bilder Beitragsende) eingebracht.

„Unschlagbar schnell, wenn man weiß wie der Hase läuft – vor allem bei Dachschrägen“, weiß Meister Marco Storm, der bei Fetz² mit der Möbelkonstruktion im Büro betraut ist, aber auch als Schnittstelle zur Fertigung direkt in der Werkstatt mitarbeitet.

Weitere zeitsparende Vorteile ergaben sich durch hohen Vorfertigungsgrad. Auch mit vormontierten Verbindern lassen sich die einzelnen Möbelteile einfach und beschädigungsfrei stapeln und dann als Flat-Pack liefern. Die Montage kann zügig meist von einer Person erledigt werden. Das kommt auch dem Produktionsablauf zugute. „Wir bauen jeden neu konstruierten Schrank zuerst in der Werkstatt auf, um sicherzustellen, dass auch wirklich alles passt,“ da lässt Fetz in bewährter Schreinertradition bis heute nichts anbrennen – denn Pannen vor Ort würden zuerst Zeit, dann Geld und schließlich den guten Ruf verbrennen.

Konsequent umgesetzt – Einbindung in die maschinelle Fertigung

Der Entschluss, das P-System in die Fertigung einzubinden war schnell gefasst. So wurde eines der beiden Biesse-Bearbeitungszentren, eine fünfachsige Rover A, in Eigenregie entsprechend ausgestattet. Als versierter CNC-Anwender übernahm es Storm, das BAZ mit dem P-System-Werkzeug auf der Maschinenspindel einzurüsten. Abgesehen von ein paar Stolpersteinen lief das gut. „Auch wenn das Werkzeug scheibenförmig ist und eine Nut schneidet, darf man es nicht als Sägeblatt definieren, sondern als Fräser. Denn nach dem Eintauchen ins Material muss es eine Querbewegung für die Halterippe ausführen. So was muss man wissen. Biesse hat uns an einigen Stelle telefonisch professionell unterstützt bis schlussendlich alles funktionierte.“

Die Makros für den Verbinder liefert Hops (CNC-Direkt) und Lamello einen Online-Konfigurator, der aufzeigt, wo der Verbinder stirnseitig in Schrägen platziert werden muss. Bei der Konstruktion in AutoCad schwört Storm auf eigene Lösungen (s. dazu Bildergallerie oberhalb, Foto 8): Man ziehe um den stumpfen Winkel der Seite (weiß) einen Kreis R14 (rot) und zeichne eine Tangente rechtwinklig zur Schräge (türkis). Hier sitzt die Verbinderachse. Wenn man so konsequent im P-System denkt, ergeben sich mit der Zeit neue Lösungen und damit ein Baukasten an Konstruktionsideen, die vielfältig übertragbar sind. Das spart auf die Dauer Entwicklungszeit. „Wir können günstiger anbieten – sowohl in Stückzahl 1 als auch in Serie – und fragen uns heute oft: Wie hätten wir das wohl ohne Clamex gemacht?“ Harald und Benjamin Fetz nicken.

Eine Fräsung viele Funktionen – Clamex´ flexible Geschwister

Im Laufe der Zeit kamen weitere P-System-Verbinder zum Einsatz, wie die Verleimhilfe Tenso P-14 oder der Bisco P, eine 7 mm starke Kunststofflamelle. „Bei 45°-Gehrungen setze ich heute P-System-Verbinder und ziehe sie zusammen– nix mehr Klebeband oder Zwinge“, grinst Meister Storm. „Und wenn höhere Tragfähigkeit gefordert ist, wie bei seitlich angebrachten Stützen, setzen wir quer zur Belastungsrichtung einen Bisco. Das Praktische daran: Alle drei Verbinder passen in die gleiche Fräsung. So können wir auch im Nachhinein entscheiden, welchen wir wählen und Arbeitsabläufe noch optimieren“, erklärt Harald Fetz und sein Sohn ergänzt: „Schön wäre ein zusätzlicher Clamex ohne Arretierungsstifte, denn bei speziellen Anwendungen müssen wir die beiden Teile noch weiter verschieben, als es die Schiebetoleranz zulässt.“

Aggregat sorgt für Durchgängigkeit – höherer Output in der Fertigung

Der durchgängigen Fertigung mit dem P-System setzte aber bald die Spindelneigung Grenzen. Sie liegt erfahrungsgemäß bei 60°. Dann setzt die Spindel auf. Auch Fräsungen in der Fläche (90°) brachte man zunächst noch händisch mit der Zeta P2 ein. Bis man sich entschloss die Rover A mit einem Benz-Flächenaggregat nachzurüsten. „Mit dem Aggregat bin ich über die C-Achse in der Anwendung frei und kann die Möbel nun durchgängig im System konstruieren und fertigen“, so Storm. Heute ist auch das BAZ aus früheren Zeiten, eine Biesse Rover 35, mit einem Benz-Aggregat bestückt – und meist auch voll ausgelastet.

Die erste Aufrüstung der CNC-Maschine hatte sich trotz vergleichsweise höheren Kosten der Verbrauchsmaterialien beim ersten Auftrag (rund 150 Präsentationstheken, je ca. 40 Verbinder) über Arbeitszeit, Handling und Logistik amortisiert. Durch die konsequente Umstellung konnte der Betrieb seinen Output an Werkstücken im Schnitt um 10 bis 15 % steigern. „Das wir im Jahr 2017 rund 2500 Spanplatten verarbeitet haben und es 2018 wohl mehr als 4000 Spanplatten sein werden, ist wohl eher der Auftragslage zuzuschreiben – dass wir diesen Durchsatz überhaupt schaffen, verdanken wir sicher auch dem konsequenten Umstieg aufs P-System – und natürlich unseren qualifizierten Mitarbeitern, denn trotz zeitweiliger Serienfertigung leisten sie keine stupide Fließbandarbeit. Eigenverantwortung und Mitdenken unserer Fachkräfte ist weiterhin gefragt – sonst kommen wir mit den Produktionszeiten nicht hin.“

Blick in die Zukunft – Cabineo und vernetzte Fertigung im Fokus

Das nächste Aggregat, das Harald und Benjamin Fetz erwerben wollen, ist für den Lamello-Verbinder Cabineo (s. Kasten S. 16): das neue Multi V3 von Benz. Es bringt die drei nötigen 15-mm-Bohrungen in einem Arbeitsgang ein. Der Cabineo kommt bereits zum Einsatz – etwa bei Katalogschränken, wo höhere Festigkeit beim günstigeren Preis gefragt ist.

Außerdem werden sich die Kollegen Fetz weiter vergrößern: „Ende des Jahres bekommen wir von Homag eine Plattenaufteilsäge HPP 300 mit Flächenlager und bauen eine 450 m² große Halle für Roh- und Fertigteile“, freut sich Fetz und lacht. „Dabei haben wir gedacht, der Platz reicht für immer“. Gefragt nach vernetzter Fertigung erklärt mir Storm: „Für Barcode-Scanner oder ähnliches ist unsere Fertigung einfach zu klein, aber bei der Datenübergabe zur Maschine sind erste Schritte in Richtung Handwerk 4.0 geplant – wir bleiben dran.“

Schreinerkollege: www.fetz-quadrat.de

Hersteller Verbinder: www.lamello.de

Hersteller Aggregat: www.benz-tools.de


Zulieferer vom und für das Handwerk:

Wie der Schreiner kann´s …

Die Schreinergeschichte der Firma Fetz erzählt nicht nur rosige Zeiten. Schon einmal zog sich ein großer Kunde zurück, um anderswo günstiger produzieren zu lassen. Damals konnte Harald Fetz das Blatt noch wenden, macht aber bis heute trotzdem nicht auf billig. Erfolgsrezept der Kollegen: Eine Kombination aus industriellem Ansatz mit Werte- und Verantwortungsbewusstsein sowie dem Herzblut eines Schreiners oder Tischlers. Individuelle Konstruktionen, Qualitätsempfinden samt -kontrolle plus terminliche Flexibilität sind Trümpfe, für die das Fetz-Team oftmals Kopfstände macht, aber auch klar formuliert: „Tut mir leid – so günstig können wir nicht produzieren.“

Marc Hildebrand, BM-Redakteur

 


So sehen die Lamello-Verbinder aus

Für lösbare Verbindungen: Clamex P-14 (Foto: Lamello.de)
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Schnappt ein: die Verleimhilfe Tenso P-14 (Foto: lamello.de)

 

Für reine Flächenbearbeitung: Cabineo (Foto: Lamello)



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