Die „Feine Möbel GmbH“ setzt auf Sympathie und Vertrauen

Feine Möbel, feiner Mensch

Richard Försch sitzt mir gegenüber. Sehr aufmerksam. Zugewandt. Hellwach. Ein Lächeln in den Augen. Feine Möbel? Feiner Mensch! Denke ich. Und genau das will er auch seinen Kunden vermitteln. Denn: „Ohne Sympathie und Vertrauen wird aus einem Auftrag nichts“, sagt der Tischlermeister und steckt viel Zeit in die Kundenbetreuung.

Wir befinden uns im Ausstellungsraum des Unternehmens „Feine Möbel GmbH“. Hier gibt es nicht viel, was das Auge des Besuchers gefangen hält. Ein Hängeboard in schlichtem Kirschbaumfurnier, ein Tisch, die Wände aus Beton, eine Ellipse als Gestaltungselement im Boden, ein großes Fenster. Alles sehr schick und ganz neu. „Am liebsten wäre mir ein weißer, leerer Raum“, sagt Försch, relativiert die Aussage jedoch gleich wieder: „Das ist natürlich Quatsch. Aber ich bin einfach der Meinung, dass für einen Ausstellungsraum das Motto ‚Weniger ist Mehr’ gelten sollte.“ Früher war dieser Raum voll beispielhafter Möbel. „Die Kunden kamen herein und sagten: ‚Ja, genau so etwas will ich.’ Und dann haben wir es gebaut.“ Aber genau das will Försch nicht. Er will keine Möbel von der Stange produzieren. Er will Unikate bauen. Etwas, das genau zum Kunden passt.

Ein gutes Möbel darf seine Zeit brauchen
Doch einfach ist das nicht, sagt er. „Viele Kunden sind unentschlossen. Sie wissen im Grunde nicht, was sie wirklich möchten, und lassen sich folglich leicht von Freunden und Bekannten beeinflussen.“ Also gelte es, Vertrauen aufzubauen. Im persönlichen Gespräch und indem man sich viel Zeit lässt. „Ein gutes Möbelstück darf ruhig ein Vierteljahr brauchen – vom Erstgespräch bis zur Fertigstellung“, davon ist Richard Försch überzeugt.
Die Kundenbetreuung nimmt viel Zeit in Anspruch. Eigentlich müsste Försch mehr Zeit produktiv in der Fertigung tätig sein. Würde er auch gerne. Aber das schafft er nicht ganz. So ist er auf die selbstständige Arbeit seiner Mitarbeiter angewiesen. Er beschäftigt einen Tischlermeister und einen Holztechniker. Die sind schon seit langem bei ihm. Dazu einen Lehrling. Gerade liebäugelt er damit, noch einen weiteren Mitarbeiter einzustellen. „Aber das hängt von der Auftragslage ab. Mir würde es mehr Zeit für die Kundenbetreuung lassen.“
Försch kennt seine Stärken, aber er weiß auch um seine Fehler: „Meine Arbeitsvorbereitung lässt zu wünschen übrig. Dafür müsste ich eigentlich mehr Zeit aufwenden. Außerdem nehme ich vieles zu genau. ,Das sieht doch keiner‘, sagen meine Mitarbeiter oft.,Aber ich weiß es‘, sage ich.“ Und zu schnell sei er oft: Beim Sprechen erst bei A und beim Denken schon bei Z. Aber das sind seine Mitarbeiter gewohnt.
Fruchtbare Zusammenarbeit mit einem Designer
Wenn es darum geht, einen größeren Auftrag zeichnerisch umzusetzen, arbeitet Försch auch gelegentlich mit einem Designer und Innenarchitekten zusammen. „Das ist sehr fruchtbar. Jeder bringt seine Vorstellungen ein“, beurteilt Försch die Zusammenarbeit. „Wir Schreiner haben oft die fertigungstechnischen Schwierigkeiten im Hinterkopf. Der Innenarchitekt dagegen geht ganz unvoreingenommen an die Dinge heran.“ Der Designer hat auch den Ausstellungsraum und den Eingangsbereich der Feine Möbel GmbH gestaltet. Ein farbenfroher, comicartiger Bilderstreifen führt am Ausstellungsraum vorbei in den Werkstattbereich.
Durchgehende Linie im Unternehmensauftritt
Richard Försch weiß, dass Kompetenz auch an Äußerlichkeiten fest gemacht wird. Deshalb legt er Wert auf eine durchgehende Linie im Unternehmensauftritt: Beschilderung, Fahrzeugbeschriftung, Visitenkarten, Flyer, Einladungen – alles ist optisch aufeinander abgestimmt. Sweatshirts mit Firmenlogo für sich und die Mitarbeiter gibt es etwas schicker in Schwarz und für die Fertigung etwas bodenständiger in einem Beigeton.
Dem Kunden die Berührungsangst nehmen
Auf Mundpropaganda setzt Försch überwiegend. Gelegentlich schaltet er Anzeigen in „Der Mainzer“, einer kostenfreien Monatszeitung, die im Raum Mainz sehr populär ist. Auch auf einer Regionalmesse ist er zusammen mit einem Malermeister einmal im Jahr präsent.
Seit 2003 führt Försch Veranstaltungsreihen in seiner Werkstatt zu bestimmten Themen durch – zur Kundenbindung und Kundengewinnung. Das nächste Programm heißt: „Feine Möbel trifft die vier Jahreszeiten“. Den Anfang macht „Hartes Holz trifft zarte Schokolade“ in Zusammenarbeit mit einem exklusiven Konditor. Im Sommer ist ein Barbecue angedacht und Richtung Winter ein Fischessen. „Viele Menschen haben Berührungsangst mit dem Handwerker und diese möchte ich ihnen mit solchen Veranstaltungen nehmen.“ Mehr als 50 Besucher sollten es aber nicht werden. Dann sei es zu voll und zu laut. Und ein kleiner Kostenbeitrag sei auch zu entrichten. „Was nichts kostet, das ist nichts.“
Im vergangenen Jahr hieß es „holz(span) trifft wein(stein)“ – das war das Motto einer Weinprobe mit rheinhessischem Mundartgesang. Gerne nimmt Försch Mundart-Liedermacher dazu. Heimatverbundenheit ist ihm wichtig. „Ich bekenne mich zu meinem Handwerk und zu Rheinhessen, dem Landesteil, in dem ich zu Hause bin. Er bewundert die Bayern, die in Sachen landsmännisches Selbstbewusstsein, seiner Meinung nach, in Deutschland die Nase vorn haben.
Auf „holz(span) trifft wein(stein)“ folgte „holz(kern) trifft obst(kern)“. Hier gab es Spezialitäten rund um den Apfel – von Apfelpfannekuchen bis Apfelschnaps. Diesmal war ein Mundartdichter mit dabei.
„Feine Möbel GmbH trifft Kunst“, hieß es schon einmal und auch anlässlich des Jubiläums im Juni 2006 ist eine Veranstaltung mit bildenden Künstlern aus der Region angekündigt. Die Feine Möbel GmbH feiert in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen.
Richard Försch hat das Unternehmen in Guntersblum, südlich von Mainz, gegründet. Zuerst war noch ein Partner dabei, später übernahm Försch die Verantwortung komplett.
Försch koordiniert mitunter auch Aufträge, an denen mehrere Gewerke beteiligt sind. Er kann auf ein kleines Netzwerk an Handwerker-Kollegen vor Ort zurückgreifen. Wobei er Wert darauf legt, dass Handwerker und Kunde zusammen passen. Und dass der Qualitätsstandard stimmt. Deshalb hat er beispielsweise verschiedene Maler oder auch Elektriker an der Hand: für Standardarbeiten, die nicht so teuer sein dürfen, oder für besondere Effekte.
Försch macht sich auch für die Branche stark
Das Telefon klingelt immer wieder. Kein Wunder: Heute Abend soll der Preis „Edel + Holz“ der Tischler-Innung Rheinhessen an einen bekannten Politiker der Region verliehen werden und als Oberinnungsmeister steht Försch da natürlich an vorderster Front. Försch ist auch in der Innung sehr engagiert. Die Domtische rund um den Mainzer Dom sorgten im vergangenen Sommer für Furore. Dass die Branche vorwärts kommt, ist ihm ein großes Anliegen. Und dass dafür alle in ein Boot müssen, weiß er schon lange. Richard Försch würde sich in diesem Zusammenhang über mehr Unterstützung von Fachpresse und Bundesverband freuen. „Marketing-Unterstützung für die Betriebe gibt es viel zu wenig. Und viele Dinge scheinen mir sehr zäh voran zu kommen, als ob wir alle Zeit der Welt hätten.“
Försch ärgert sich auch über manch andere Dinge, beispielsweise dass die Termine bis zur Fertigstellung vom Auftraggeber immer knapper bemessen werden. Oder dass die Lehrlinge oft nicht ausbildungsreif sind. Aber der fünffache Familienvater liebt seinen Beruf auch sehr: „Ich habe gerne mit Menschen zu tun und könnte mir heute keinen Beruf mehr vorstellen, in dem das nicht der Fall ist.“ ■
von BM-Redakteurin Regina Adamczak

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