Schreinerei Toni Werner wird Aktiengesellschaft. „Freier und finanziell unabhängiger“ - BM online

Schreinerei Toni Werner wird Aktiengesellschaft

„Freier und finanziell unabhängiger“

Die Beweggründe des dynamischen Schreinermeisters Toni Werner, seinen Betrieb in Laufach/Unterfranken in eine Aktiengesellschaft (AG) umzuwandeln, sind vielfältig. In erster Linie prägen sie jedoch das Bemühen zur Schaffung eines agilen und handlungsfähigen Unternehmens, in dem Kundenorientierung oberste Priorität hat. Hinzu kommt eine Reihe weiterer, bemerkenswerter Aspekte, wie wir in einem Gespräch mit dem frischgebackenen Vorstandsvorsitzenden der Schreinerei Werner AG erfahren haben.

BM: Herr Werner, warum haben Sie für Ihre Schreinerei mit 16 Mitarbeitern eine völlig andere Gesellschaftsform, nämlich die Aktiengesellschaft, gewählt?

Toni Werner: Für mich ist die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen eine Grundsatzfrage für die Zukunft. Verkrustete Strukturen werden nicht mehr funktionieren. Mündige Mitarbeiter suchen einen neuen Sinn im Beruf, sie gehen nicht nur des Geldes wegen zur Arbeit. Verantwortung, am Geschehen beteiligt zu sein, und vor allem die vollständige Integration sind zukünftige Motivationsmerkmale. Dafür lohnt es sich, Energie zum Wohle der Firma aufzubringen. Die Mitarbeiter müssen besser in die langfristige Zukunftssicherung eingebunden sein.
BM: Was versprechen Sie sich durch diese Aktiengesellschaft?
Werner: Wir sind ja eine kleine Aktiengesellschaft. Ich persönlich bin finanziell unabhängiger geworden. Das heißt, einer allein hat nicht mehr den kompletten Schuldenberg zu tragen. Durch die Aktieneinlagen sind wir freier und finanziell unabhängiger von Fremdfinanzierung durch Banken geworden. Das bedeutet mehr Sicherheit. Hatten wir vorher einen Eigenkapitalanteil von rund 20 %, so sind es heute 65. Andererseits bringt diese Situation einen erheblichen Imagegewinn bei Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern, also eindeutige Wettbewerbsvorteile. Wir alle sind aber auch im Kopf freier geworden für weitergehende Unternehmungen. Die Mitarbeiter fühlen sich sicherer, was den Arbeitsplatz und ihre Beschäftigungslage angeht, und ich kann mich mehr den Aufgaben widmen, die mir liegen und uns insgesamt vorwärts bringen.
BM: Haben Sie mit der Umwandlung nicht zugleich das Sagen aus der Hand gegeben?
Werner: Als Unternehmer muß man davon wegkommen, daß einem alles gehört. Ich habe meinen Betrieb vor zwölfJahren gegründet und kann mich deshalb vielleicht etwas leichter vom althergebrachten Hierarchiedenken trennen. Deshalb besitze ich keine Aktienmehrheit, obwohl ich als Vorstandsvorsitzender weiterhin die Unternehmensleitung verkörpere. Wichtig ist, daß Entscheidungs- und Funktionsfähigkeit der Firma erhalten bleiben oder noch gefördert werden. Das stellen wir mit einer aufgabenorientierten, partnerschaftlichen Organisationsstruktur sicher. Darum bin ich ebenso für klar definierte Geschäftsbereiche verantwortlich, wie dies auch meine beiden ehemaligen Führungskräfte Harald Roben und Mathias Werner als Vorstandskollegen sind.
BM: Wie sieht nun in Ihrem Modell die Mitarbeiterbeteiligung an der AG aus, wer kann Aktionär werden?
Werner: Wir sind acht Gründungsaktionäre: fünf Schreinergesellen bzw. -meister aus Werkstatt und AV sowie die beiden zuvor erwähnten Mitarbeiter und ich. Das repräsentiert, ohne unsere drei Auszubildenden, mehr als 50 % der Belegschaft. Vom Aktienstammkapital in Höhe von 600 000 DM halten wir 75 %, die Restsumme teilen sich ausgesuchte Geschäftspartner. Die Gründungsgesellschafter haben dafür zu sorgen, daß die Existenz der AG erhalten bleibt und die gesteckten Ziele erreicht werden. Hat einer dieser Acht Veräußerungsabsichten, muß er seine Aktienanteile zuerst den anderen sieben Gesellschaftern zum Erwerb anbieten. Wichtig ist, daß nahezu alle beteiligten Mitarbeiter zur Finanzierung ihres Aktienpaketes Geld aufnehmen mußten. Das zeugt von hoher Verantwortungsbereitschaft und dem starken Willen, mitmachen zu wollen – die vielleicht entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Fortbestand des Unternehmens.
BM: Was wird mit dem Einlagekapital der AG gemacht?
Werner: Dank größerer Unabhängigkeit können wir schneller auf Markterfordernisse reagieren, die Investitionstätigkeit wird gefördert. Wir verstehen uns nicht mehr als reine Handwerker, sondern auch als Dienstleister, Produktentwickler, Manager und Problemlöser. Totale Kundenorientierung heißt das Motto der Zukunft.
Der Status AG ist allerdings auch ein Marketingthema, weil in Deutschland für Kleinunternehmen eine solche Konstellation bisher kaum genutzt wird. In Zeiten steigender Insolvenzen signalisiert diese Unternehmensform Kunden sowie Lieferanten mehr Sicherheit und Kompetenz. Demzufolge wollten wir auch anderen Interessenten, denen am Fortkommen unserer Firma gelegen ist, die Möglichkeit zum Aktienkauf bieten. Damit soll gleichzeitig demonstriert werden, daß wir auch auf Impulse Wert legen. Dennoch haben wir, auch zu unserer eigenen Sicherheit, als Kontrollinstanz der Aktiengesellschaft einen dreiköpfigen Aufsichtsrat installiert, der in den Bereichen Finanzen, Betriebswirtschaft, Management sowie Marketing besonders qualifiziert ist.
BM: Herr Werner, vielen Dank das Gespräch und viel Erfolg mit Ihrer AG! n

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