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Leidenschaft als Beruf

Die Bayrische Busmanufaktur verbindet den Duft von Holz mit Freiheit
Leidenschaft als Beruf

Die Bayrische Busmanufaktur fertigt Ausbauten von VW Bussen in bester handwerklicher Qualität. Aus Vollholz mit hochwertiger Oberfläche entstehen durchdachte und praktische Möbel, die den Urlaub mit dem Camper perfekt machen. Was dabei nicht auffällt: Die Babum-Gründer Sebastian Weber und Felix Wilhelm kommen ursprünglich gar nicht aus dem Handwerk.

Anna-Katharina Ledwa

Hier hört das Großstadtfeeling auf. Der Busfahrer lässt mich kostenlos mitfahren. Das Land beginnt. Im Dunstkreis von München liegt Schöngeising mit seiner zwiebelförmigen Kirchturmspitze. Eingebettet in ein Wohngebiet, treffe ich auf die historische Werkstatt, in der die Bayrische Busmanufaktur zu Hause ist. Kurz Babum. Die Gründer und Inhaber Weber und Wilhelm, beide 35 Jahre, begrüßen mich traditionell mit Lederhosen. Beide sind hier aufgewachsen und hier geblieben. „Gewächse aus der Ecke“, wie sie sich selbst bezeichnen. Doch mit den eigenen Bussen, VW T4, ging es immer schon hinaus in die große weite Welt.

Aus der Automobil- und Flugzeugbranche

Nach dem Ingenieurstudium hat Felix Wilhelm im Akustiksektor der Automobilbranche gearbeitet und Sebastian Weber als Maschinenbauer in der Entwicklung von Flugzeugtriebwerken. Überschüssige Energien haben sie in ausgedehnte Feierabend-Skitouren und den Innenausbau ihrer Busse gesteckt. „Obwohl das Geld da war, haben wir nichts Passendes auf dem Markt gefunden“, erinnert sich Weber. Ein Wochenende zu zweit in den Bergen hat dann den Grundstein gelegt für das, was die zwei heute machen. Ein junges Unternehmen, das in höchster Qualität und mit viel Liebe zu Technik, Handwerk und den Kunden Ausbaumodule für Busse fertigt. Genauer: VW-T5- und T6-Busse.

Aus dem Schreinerhandwerk kommt keiner der beiden. Doch ein Hindernis auf dem Weg zu hochwertigen, präzise gearbeiteten Möbelstücken war das zu keinem Zeitpunkt. Passenderweise konnten sie sich in eine sehr alte, leer stehende Schreinerei in der Nachbarschaft einmieten. „Wir haben diese Werkstatt gefunden, gepachtet und renoviert“, erzählt Wilhelm. Und das 1,5 Jahre lang. Nach der Arbeit und jedes Wochenende. Holzdielen abschleifen, die Elektrik von Grund auf erneuern, einen Wassertank installieren, ein WC einplanen, die alte Treppe gegen eine neue, freitragende, ersetzen, und auch ein 50 cm starkes Betonfundament für die geplante CNC vorbereiten und gießen.

Eine CNC namens Franz

Im Dezember 2017 ist dann Franz eingezogen. So heißt die 3-Achs-Fräse der Jungs. „Die Maschine haben wir nach unseren Anforderungen planen und bauen lassen“, fängt Weber an, „bei dem Sondermaschinenbauer SKCNC haben wir unseren Anforderungskatalog eingereicht und die Maschine bestellt.“ Natürlich haben die beiden den zur Verfügung stehenden Platz bis aufs Maximum ausgereizt. „Die Anlieferung war spektakulär und auch eine Zitterpartie für uns“, ergänzt Wilhelm schmunzelnd. In Breite und Höhe waren am Ende 2 cm Luft. Puh!

2018 war dann das Jahr, in dem entwickelt wurde. „Wir haben Ideen gesammelt, experimentiert und am Ende umgesetzt“, erinnert sich Weber. Verbindungen, Oberflächen und Beschläge mussten die beiden finden. Und dann fiel die Entscheidung: Wir fahren zur Messe. Nur sechs Wochen vor deren Beginn im Februar, haben sie sich für Bayerns größte Reise- und Freizeitmesse, die Free in München, angemeldet. Die erste öffentliche Plattform, auf der sie sichtbar sein würden. Es war ein voller Erfolg. Viel Zuspruch, viel Lob, viele Fragen. „Wir haben vier Tage lang pausenlos geredet“, erinnert sich Felix Wilhelm. So sind auch die ersten Anfragen zustande gekommen.

In drei Jahren zur Marktreife

2020 war dann das erste Jahr, in dem Babum sich selbst finanzieren konnte. „Davor war viel Luft und Liebe“, schmunzelt Weber. Heute statten die Bayern zwischen 60 und 70 Fahrzeuge im Jahr aus. Von einem Einzelmodul bis hin zum Komplettausbau inklusive Beschaffung des Fahrzeugs.

Babum bietet vier äußerst durchdachte, praktische und hochwertige Einzelmodule an: das Kastl, ein Schrank für Kühlbox mit Schubkasten, den Speicher, ein Aufsatz fürs Kastl für Vorräte. Außerdem die Küchn, ein Modul mit Zweiflamm-Gaskocher und Wasservorrat. Der Kocher kann sogar entnommen werden, um komplett im Freien zu kochen. Dann ist da noch das Lager. „Unser klappbares Bettgestell mit einer Liegefläche von 197 x 137 cm“, betont Weber. Bei langem Radstand ist eine Liegefläche bis 235 cm Länge möglich. Also auch für große Personen komfortabel. Das Parkett, auch in der Produktpalette der Manufaktur enthalten, bringt alle Module auf den Boden. Es ist ein Multiplex mit 1,5 mm starkem Eichenfurnier. So bekommt der Fahrgastraum eine wohnliche Atmosphäre. „Und wenn die Sonne den Bus aufwärmt, dann kommt der Duft des Holzes richtig raus“, schwärmt Weber. Spätestens da wissen die Kunden dann, was sie an dem tollen Ausbau von BabuM haben.

Perfektes Material, optimierte Bearbeitung

Für die Montage der Module muss keine zusätzliche Bohrung in der Karosse der Busse vorgenommen werden. Die Einbauten sind mit dem vorhandenen Schienensystem kompatibel. Als Material für die Möbel von Babum werden 12 oder 14 mm starke Multiplexplatten verwendet, die mit dem hochwertigen Material Fenix von Arpa Industriale belegt sind. Robust und unempfindlich. Optisch und haptisch ein tolles Erlebnis. Das gewählte Plattenformat 3 x 1,3 m passt natürlich genau auf die CNC. „Wir bekommen die Platten fertig mit Fenix beschichtet angeliefert. Und wenn sie am Ende von der Maschine kommen, dann sind die Teile bereit für den Zusammenbau“, erzählt Sebastian Weber. Die Optimierung der Arbeitsschritte und der Arbeitszeit ist ein hoher Anspruch, den die zwei an sich und ihre Firma haben. Kaum Verschnitt, sauberste Bearbeitung der Platten durch optimierte Werkzeuge und ein eigenes Lagersystem, das Ordnung hält.

Vom Zweigespann zum Team

Mittlerweile haben die Inhaber drei Mitarbeiter in Konstruktion und Fertigung, die mit ihnen an den Ausbauten arbeiten. Und eine Mitarbeiterin in der Buchhaltung. Doch die beiden haben sich deshalb nicht zurückgezogen. Sebastian Weber ist immer noch der Best Buddy von 3-Achser Franz und die meiste Zeit am Programmieren. Felix Wilhelm kümmert sich um Kundenkontakte, Akquise und Marketing. Aus ganz Deutschland kommen die Freunde der VW T5 und T6, die sich ihre Busse ausstatten lassen. Die freuen sich natürlich ganz besonders, die Chefs persönlich antreffen zu können, was die zwei Ingenieure sich auch nicht nehmen lassen. Doch ohne die anderen Jungs wäre es mittlerweile schwierig, den Aufträgen nachzukommen.

Florian Saur, 41 und Schreinermeister, ist das Schreinerherz der Firma. Qualitätskontrolle und Sonderanfertigungen sind sein Spezialgebiet. Domenico Simonetto, studierter Informatiker, ist begeisterter Handwerker und froh, nicht am PC sitzen zu müssen. Obwohl: Ums Programmieren des ein oder anderen kleinen Add-ons zur Prozessoptimierung der Werkstatt kommt er nicht ganz herum. Und dann ist da noch Haris Rakovic, 27, der für alles, was das Konstruieren angeht, zuständig ist. Er ist im CAD-Programm Alibre Design zu Hause. Die 3D-Modellierung aller Module und der Stubn ist sein Fachgebiet.

Modellierung und Programmierung

„Die Software hat eine niedrige Einstiegshürde. Ich war nach drei, vier Tagen damit vertraut“, erzählt Rakovic. Schon bei der Modellierung sieht er, was funktioniert und was nicht. Die 3D-Daten der VW-Karosse helfen dabei, Kollisionen schnell zu erkennen. Das genaue Ausmessen im Innenraum des Fahrzeugs ist fast unmöglich. Es gibt eigentlich keine rechten Winkel. „Und wir haben den Anspruch, ohne Fugen zu arbeiten und uns so weit wie eben möglich an das Blech des Fahrzeugs anzunähern“, erklärt Rakovic. Wenn Haris Rakovic die Konstruktion und Modellierung abgeschlossen hat, macht er im Add-on der Alibre CAD auch eine Schnittoptimierung. Er schachtelt die Bauteile in die Platte und versucht, das Maximum auszureizen. „Wir machen das meistens von Hand, weil wir die Platten dann besser ausnutzen können“, erklärt Rakovic. Diese Datei wird dann in das Format .iges exportiert. Ab hier geht es für Sebastian Weber unten in der Werkstatt am PC neben Franz weiter. „Ich öffne die Dateien in Conda Cam, um die Programme zu generieren“, fährt er fort. Mit Conda Cam startet er einen Suchlauf, je nach Bearbeitungsart. Zuerst alle Bohrungen mit dem gleichen Durchmesser, anschließend die benötigten Ausschnitte und Kantenbearbeitungen. Für alles ausgewählte wird dann die erforderliche Bearbeitung eingestellt: Werkzeug, Drehzahl, Vorschub, Tiefe. „Alle Platten werden in den meisten Fällen nur einmal auf die Maschine gelegt und einmal umgedreht. Damit haben wir die Bearbeitungen abgedeckt“, erklärt Weber.

Anerkennung von den Profis

Die Fans und Freunde der Freiheit und des Campens danken es den beiden Gründern und ihren Mitarbeitern. Der eigene Stil von Babum und die hohe Qualität sind etwas Besonderes. Sogar Schreinermeister zählen zu den begeisterten Kunden der Manufaktur. „Es ist das höchste Lob für uns als Branchenfremde, Anerkennung und Wertschätzung von Profis aus dem Holzhandwerk zu bekommen“, betont Felix Wilhelm.

Am Ende des Tages sind beide auch noch junge Eltern. Und verheiratet! „Uns ist die Freizeit sehr wichtig. Zum Abendessen versuchen wir daheim zu sein“, betont Basti. Und Urlaub ist auch drin. Allerdings ist der eher knapp. Das wollen die zwei dieses Jahr besser machen.

Bayerische Bus Manufaktur

82296 Schöngeising

www.babum.eu

Instagram: @bayerischebusmanufaktur

www.skcnc.de

www.condacam.eu

www.alibre.info


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de

Das ist mir aufgefallen

Bereicherung fürs Handwerk

Leidenschaft, Tradition und Perfektion: Schreinern kann nicht jeder. Doch wenn ich als Schreinerin über die Qualität der Möbel staune und selbst Kollegen aus dem Handwerk ihre Anerkennung äußern, dann hat man es geschafft. Sebastian Weber und Felix Wilhelm haben ihre Leidenschaft perfektioniert und bereichern jetzt als Kollegen das Handwerk.

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