Tischlermeister Stephan Ankert hat sich auf Nachrüstung spezialisiert

Lieber Tischler als Schlüsseldienst

Einbruchsicherheit ist für viele Menschen ein sensibles Thema. Verständlich, denn es geht um Vertrauen. Groß ist oft die Angst, auf unseriöse Schlüsseldienste hereinzufallen. Deshalb vertrauen viele Kunden lieber dem Handwerker, wie Tischler Stephan Ankert. Wie man mit Sicherheitstechnik Geld verdienen kann, erläutert der Nachrüstspezialist.

Matthias fischer

Regelmäßig wird in den Medien über die Machenschaften der schwarzen Schafe berichtet. „Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich hauptsächlich mit meiner Handwerkerkompetenz und dem Meistertitel punkten kann. Zudem bekomme ich von vielen Kunden einen enormen Vertrauensvorschuss, denn Handwerker genießen zumindest hier nach wie vor einen guten Ruf“, freut sich Tischler Stephan Ankert. Das Einzugsgebiet seiner Firma „Einfach Nachrüsten“ erstreckt sich rund 30 km rund um seinen Standort in der Nähe von Vechta. Das Besondere an diesem ländlich geprägten Teil Niedersachsens ist die hohe Eigentumsquote von rund 70 %. Der Tischlermeister hat sich von Beginn an auf die Absicherung von Ein- und Zweifamilienhäusern spezialisiert. Größere Objekte mit umfangreichen Schließanlagen gehören nicht zu seinem Metier.

Ankert ist als selbstständiger Tischler in zwei Bereichen aktiv. Auf der einen Seite bietet er Parkettarbeiten mit Verlegung, Versiegelung, Reparatur und Verkauf an. Auf der anderen Seite handelt es sich um eine Firma für Sicherheitstechnik, die auch in der Errichterliste des LKA Niedersachsen geführt wird. Hier hat er sich auf die Montage von einbruchhemmenden Fenster- und Türsicherungen, den Austausch verdeckt liegender Beschläge an Fenstern und Türen sowie auf den Bereich der Notöffnungen spezialisiert. Zudem ist er seit drei Jahren als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Tischlerhandwerk tätig.

Wann und wie wird nachgerüstet?

In den meisten Fällen wird Ankert gerufen, bevor es zu einem Einbruch kommt. Er beziffert dies mit etwa 70 %. Meist wurde irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen. Für viele ist dies dann ausschlaggebend, sich mit Einbruchschutz zu befassen. Gerade ältere Häuser haben oft ähnliche Schwachstellen: Mal ist es die Nebeneingangs- oder Kellertür, mal das ungesicherte Fenster bzw. die Terrassentür oder der Lichtschacht. In vielen Eigenheimen wurde die Garage direkt ans Haus gebaut – natürlich mit Zugang zur Wohnung. Vor allem diese Türen sind in vielen Häusern nur unzureichend gesichert und bieten Einbrechern leichtes Spiel. Bei älteren Mehrfamilienhäusern wurden vielfach nur einfachste Wohnungseingangstüren ohne nennenswerte Sicherheitseigenschaften verbaut.

Als Fachmann für mechanische Sicherheitstechnik empfiehlt er seinen Kunden aufschraubbare Sicherungen für Fenster oder auch schon mal den Panzerriegel mit Schließzylinder für die Tür. Gerade die sichtbare Mechanik wirkt nach seiner Erfahrung auf viele abschreckend. „Wenn der Einbrecher merkt, dass sich eine Tür oder ein Fenster nur mit enormer Kraftanstrengung und mit viel Lärm und Zeit aufhebeln lassen, belässt er es meist beim Versuch.“

Bei manchem jüngeren Standard-Fensterbeschlag lohnt sich eine Umrüstung auf Pilzkopfzapfen, entsprechende Schließbleche und neue Umlenkungen. Sofern ein Kunde zusätzlich elektronische Komponenten wünscht, verweist Ankert an entsprechende Spezialisten. Auch dies ist für ihn eine vertrauensbildende Maßnahme. Manchmal empfiehlt er Kunden aber auch, sich zusätzlich Rat bei der Kripoberatungsstelle einzuholen. Wenn Stephan Ankert zu einem präventiven Beratungsgespräch gerufen wird, ergeben sich bei etwa 50 % konkrete Aufträge – auch wenn sich Kunden noch ein oder zwei weitere Angebote einholen. „In der Regel müssen Kunden etwa zwischen 3000 und 5000 Euro investieren, um ihr Haus vor Einbrechern zu schützen.“

Hat Einbruchsicherheit ein Image-Problem?

Die Produkte für Einbruchsicherheit sind eher dezent gehalten und die Wirkung geschieht im Verborgenen. Anders als die schicke Armatur im Bad, die sofort ins Auge sticht. Umso wichtiger ist es, in den Beratungsgesprächen immer wieder auch den Komfortaspekt hervorzuheben. Wenn im Haus mehrere Fenster mit abschließbaren Zusatzsicherungen versehen werden, können sich diese natürlich alle mit einem einzigen Schlüssel verriegeln und wieder öffnen lassen. Sonst würde sie kaum einer dauerhaft benutzen. Gerade auf solche Kleinigkeiten kommt es immer wieder an.

Marketing und Durchhaltevermögen

Theoretisch kann sich jeder Tischler und Schreiner zu einem Sicherheitsfachmann weiterqualifizieren. Doch es gibt auch gewisse Einschränkungen. In der Stadt ist die Situation eine andere wie auf dem Land. Auch gibt es unterschiedliche Wettbewerbssituationen. Wenn ein Ort bereits gut abgedeckt wird, macht es vermutlich Sinn, sich eher eine andere Nische zu suchen. Wichtig ist zudem gutes Marketing. Als Verkäufer muss der Tischler aktiv, seriös und kompetent auf Kunden zugehen können. Keinesfalls sollte er sie sprichwörtlich „an die Wand reden“.
Ebenfalls wichtig ist der Aufbau eines Netzwerks. Hierzu zählen die Zusammenarbeit mit der örtlichen Kripo, die Aufnahme in die Errichterliste und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem regionalen Fachhandel oder Sicherheitsfachgeschäft – wer empfohlen wird, hat bereits wichtige Hürden genommen. Zudem ist Werbung wichtig. Da gerade Ältere noch Tageszeitungen lesen, sollte man dort regelmäßig Präsenz zeigen. Auch das Engagement in den sozialen Medien sowie der Aufbau einer Website sind unerlässlich. Trotzdem wird sich der Erfolg nicht von heute auf morgen einstellen. Wie überall, benötigt man Durchhaltevermögen. „Genau dies sind die Punkte, die ich auch als Dozent bei Lehrgängen immer wieder anspreche“, so Ankert abschließend.

Ankert Parkett GmbH & Co. KG

49439 Steinfeld-Mühlen

www.einfach-nachruesten.de


Der Autor

Matthias Fischer ist seit 2009 freier Fachjournalist und Fachbuchautor. Er verfügt über 25 Jahre Branchenerfahrung und hat viele Jahre als stellvertretender Chefredakteur eines Baufachmagazins gearbeitet.