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Machen statt Träumen

Schreinermeister Andreas Kirschner fertigt ausschließlich mit Standardmaschinen
Machen statt Träumen

Die AK-Schreinerei & Design aus Dietersburg ist eine One-Man-Show, die komplett auf Standardmaschinen setzt. Bei Andreas Kirschner, dem erst 24 Jahre alten Schreinermeister, stehen vor allem individuelle Massivholzanfertigungen aus regionalem und Altholz im Fokus. Doch auch Großprojekte werden hier gefertigt. Zumindest zum Teil, was ein raffiniertes Coworking mit Kollegen aus der Region ermöglicht.

BM-Redakteur Lukas Petersen

Schreinermeister Andreas Kirschner aus Dietersburg in Bayern wusste schon sehr früh, dass er mit Holz arbeiten will. Das verdankt er seinem Opa, der ihn ab und zu mit an seinen Arbeitsplatz im Sägewerk genommen hat. Deswegen entschied sich Andreas bereits mit 15 Jahren, eine Ausbildung zum Schreiner bei der Schreinerei Sagmeister in Peterskirchen zu beginnen, anstatt weiter die Schulbank zu drücken. Dort arbeitete er noch zwei Jahre als Geselle, bevor es auf die Meisterschule nach Passau ging.

Nach erfolgreichem Meisterabschluss fing er direkt als Teamchef und Ausbilder beim namenhaften Innenausbauer Baierl & Demmelhuber in Töging an, nur wenige Kilometer von seinem Elternhaus entfernt. Und neben dem Elternhaus steht ein altes Gasthaus, das nebenbei von seinem Opa betrieben und vor wenigen Jahren geschlossen wurde. Es diente als Dorfwirtschaft, Veranstaltungsort für Hochzeiten, Geburtstagstage sowie Faschingsbälle und auch zeitweise als Vereinsheim für den nahegelegenen Fußballclub.

Andreas spielte schon zu diesem Zeitpunkt mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, so kam ihm das alte Gebäude, welches im Moment überhaupt nicht genutzt wurde, gerade recht. Ergo: Andreas entschied sich kurzum, dass genau hier, genau aus diesem, in der Umgebung sehr gut bekannten Gebäude seine Schreinerei werden solle.

Doch um aus dem Gasthaus seinen eigenen Betrieb zu erschaffen, musste er nicht nur an dem Gasthaus einiges verändern. So kündigte er seine Festanstellung, fing auf 30-Stunden-Basis bei der Schreinerei Zauner in Kammern an, baute nebenher die Gaststätte zu seiner Schreinerei um und startete als Teilzeitselbstständiger.

Von null zur ausgestatteten Werkstatt

Doch um kundenorientiert arbeiten zu können, braucht es einen Maschinenpark. Und genau das ist als junger Firmengründer mit überschaubaren Budget eine Challenge.

Da Andreas schon bei seinen vorherigen Arbeitgebern hauptsächlich mit Felder-Maschinen gearbeitet hat und damit sehr zufrieden war, entschied er sich, die Felder-Frühjahrsmesse am Standort Geratskirchen zu besuchen – das ist nur 30 km von seiner neuen Schreinerei entfernt. Für Andreas war klar: „Ich brauche Standardmaschinen, damit kann ich den Großteil meiner zukünftigen Aufträge abdecken.“

Und dann ging alles ziemlich schnell: Auf der Messe erwarb der Jungunternehmer direkt vier auslieferfertige Ausstellungsmaschinen. Doch bevor die Abrichte Plan 51 L, der Dickenhobel Exakt 63, die Tischfräse 54 M und die Tischkreissäge Kappa 590 einziehen konnten, musste er ja noch seine Werkstatt fertig ausbauen. Also die komplette Decke anbringen sowie den Boden verlegen – natürlich neben seinem 30-Stunden-Job. 14 Tage, und wenig Schlaf später, kamen dann die ersten Maschinen und der Grundstein für die eigene Schreinerei war gelegt – Andreas konnte ab jetzt auch große Kundenaufträge annehmen. Und die kamen gleich so zahlreich, dass er sich ab dem 15. August 2020 vollzeitselbstständig machte. Im Januar 2021 entschied er sich dann weitere Maschinen zu kaufen. Eine Breitbandschleifmaschine Finish 1352 Modular und die Kantenanleimmaschine Tempora 600 inkl. Glueboxsystem. Da die Tempora jedoch erst im August geliefert werden kann, stellt Felder ihm mit der Perfect 710 eine kostenfreie Übergangsmaschine zur Verfügung.

Von Altholzmöbeln bis zum Epoxidharztisch

Mit seinem reichlich ausgestatteten Standardmaschinenpark fertigt der Schreinermeister heute u. a. Unikate wie Küchen und Möbel für den Innenausbau sowie Terrassen, Möbel und Überdachungen für den Außenbereich. Sein Steckenpferd ist Altholz. Und auch hier spielt das alte Gasthaus seines Opas eine große Rolle. Denn durch den Umbau des alten Gebäudes und den Abriss einer dazugehörigen Scheune sammelten sich ordentliche Mengen an Altholz. Das verarbeitet Andreas heute mit viel Liebe zum Detail zu Einzelstücken. Meistens werden daraus rustikal wirkende Tische, Bänke, Betten, Wandverkleidungen sowie Terrassenüberdachungen – doch ab und an fertigt er auch mal ein Epoxidharzmöbel. Für letzteres kommen die meisten Anfragen über seinen Social-Media-Auftritt auf Instagram (@ak_schreinerei). Das Epoxid-Know-how dafür hat er sich selber angeeignet.

Seine Altholzverbundenheit hat sich mittlerweile in der Umgebung herumgesprochen. So wird er häufig kontaktiert, wenn wieder mal eine alte Scheune oder ein Bauernhaus abgerissen oder ein Gebäude umgebaut wird – für Nachschub ist also gesorgt.

Massivholz direkt aus dem Sägewerk

Den Großteil seiner Kundenaufträge fertigt Andreas aus Massivholz, ca. 75 %. Nur für Schränke und Küchen verarbeitet er Plattenmaterialien. Abgesehen vom Altholz, bestellt er nur auftragsbezogen – auch und vor allem bei Vollholz. Und zwar nicht beim Holzhändler, sondern beim nahegelegenen Sägewerk. Das frisch geschnittene Material bringt er zu einem Freund der Familie, der mit der Abwärme seiner Biogasanlage eine Trockenkammer betreibt. „Das ist für mich der sinnvollste Weg, nachhaltig einzukaufen und zu produzieren. Ich und auch meine Kunden können die gesamte Wertschöpfungskette nachvollziehen“, erzählt mir der junge Betriebsinhaber.

Organisation vermeidet lange Wege

Um an jeder Maschine sämtliche Ersatzteile, Putz- sowie Gleitmittel, Fräser, Messer, Sägeblätter und Co. parat zu haben und sicher verstauen zu können, setzt Andreas auf das Abo-Programm Würth Red. „So bekomme ich für jede Maschine ein Metall-Sortierregal aus dem Orsy-Regalsystem. Und das kann ich in individuellen Farben gestalten lassen.“ Jetzt steht an jeder Maschine ein Container mit dem zur Maschinen passenden Zubehör. „Im Abo-Programm enthalten sind außerdem noch Schulungen und Seminare im Wert von ca. 2000 Euro (jährlich), kostenfreie Lieferung und 10 Mal im Jahr die kostenfreie Lieferung innerhalb von 24 Stunden.“ Das Ganze kostet den Jungunternehmer im ersten Jahr 149 Euro, und 199 Euro in den Folgejahren.

Coworking statt Vollausstattung

Doch auch die One-Man-Show Andreas, der fast alle Aufträge alleine und ausschließlich mit Standardmaschinen fertigt, weiß, dass es nicht immer alleine geht und dass die Technologien, die beispielsweise CNC-Maschinen bieten, oft von Vorteil sein können. Deswegen arbeitet er mit zwei Betrieben aus der Region zusammen. Zum einen mit der Montagefirma Bauelemente & Innenausbau Riepl und zum anderen mit den CNC-Spezialisten der Schreinerei Santner.

Die drei helfen sich nicht nur gegenseitig, wenn einer das Know-how des anderen oder einfach Man- bzw. Maschinenpower benötigt, sie stemmen auch Großprojekte zusammen. Ausschreibungen zum Beispiel werden sehr oft gemeinsam gemacht. Wichtig ist dabei, dass man schon zur Planung zusammenkommt. Hier werden neben der Kalkulation auch die einzelnen Aufgaben verteilt sowie mögliche Zeitpläne geschrieben. Das eingespielte Team ist eine echte Schreinergemeinschaft, die via Coworking schon das eine oder andere Großprojekt gestemmt hat. Beispielsweise die Kompletteinrichtung mehrerer Hotelzimmer.

Schreinerei Kirschner

84378 Dietersburg

www.kirschner-schreinerei.de

www.felder-group.com

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