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Möbel mit Musik

Musik liegt in der Luft: Technik in Möbeln (fast) unsichtbar gemacht
Möbel mit Musik

Musikmöbel erfreuen sich einer ungebremst starken Nachfrage. Auf Fachmessen präsentieren Hi-Fi-Spezialisten auf Möbel abgestimmte Lösungen, aber auch Möbelbauer integrieren immer häufiger Musikkomponenten in ihre Entwürfe.

So manch junger Mensch soll ja über das Bauen von Lautsprechergehäusen seinen Weg zum Schreinerhandwerk gefunden haben. Die allermeisten von ihnen haben dann lernen müssen, dass Musikanlagen und Schreinerhandwerk in der Regel nichts miteinander zu tun haben. Glaubt man den aktuellen Trends, könnte sich das zumindest in Teilbereichen bald ändern. Denn immer mehr Kunden, die ihr Heim einrichten, wollen die Integration von Technik, TV und Musik nicht nur für den Wohnbereich, sondern zunehmend auch für Küche, Bad, Eingang oder im Übergang zum Garten. Das zeigt sich auf den einschlägigen Messen, wo vermehrt Hersteller von Möbeln mit integriertem Klangerlebnis nach der ersten Geige in den Wohnzimmern der Kunden greifen; und auch bei den wirtschaftlichen Kennziffern solcher Anbieter. Unternehmen, die sich auf die Verbindung von Hörgenuss und Möbeldesign spezialisiert haben, konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz jährlich um 30 % steigern. Kaum eine andere Sparte verzeichnet solche Zuwächse.

Verschiedene Zielgruppen mit fließenden Übergängen
Die Musikmöbelbauer erreichen mit den integrierten Lösungen nicht den Höranspruch von Puristen. Diese werden auch künftig nicht auf die klassische Stereoanlage zu Hause verzichten. „Auf hohem qualitativem Niveau Musik zu hören, heißt immer Physik und Akustik an Bord zu haben. Diese Parameter lassen sich nicht ausschalten. Bis auf Weiteres wird die separate Aufstellung von Lautsprechern, befeuert von entsprechenden Gerätschaften, nicht ersetzbar sein“, sagt Luis Fernandez, Geschäftsführer von Finite Elemente. Das Unternehmen tummelt sich auch in dem kleinen Kundensegment des High-End-Bereiches. Aber auch hier sind Musikmöbel mit gestalterisch angepassten, extra stehenden Lautsprecherboxen möglich. Das Resultat: Keine kreuz und quer herumliegenden Kabel und Aufnahme aller nicht unbedingt zugänglichen Geräte ins Möbel, das sich von denen klassischer Hersteller in Qualität und Design nicht nachsteht. Finite Elemente verwendet in seinen Möbeln hochwertige Beschläge wie gedämpfte Klappen mit Seilzugbeschlag oder abgesoftete Auszüge.
Während die Integration des Flachbildschirms in das Sideboard längst Standard bei den Möbelherstellern ist, tun sich die Möbelbauer mit dem Audiobereich schwerer. Denn dazu braucht man einiges an Expertenwissen. Daraus schlagen die zum Teil jungen Hi-Fi-Möbel-Unternehmen Kapital und besetzen die Nische erfolgreich. Denn noch gibt es Audiokomponenten und Lautsprechersysteme kaum als Beschlag, der einfach aus dem Katalog in den Möbelentwurf mit einfließen kann.
Ein Musik-Systemmöbel ist weit mehr als die Berücksichtigung von ausreichender Wärmeabfuhr, geschickter Kabelführung und Rastermaß. Vom High-End-Bereich für Klangenthusiasten unter den Kunden ganz zu schweigen.
In dem fließenden Übergang zum mittleren Preissegment ist der Spezialist Spectral Audio Möbel tätig. Das Unternehmen mit 160 Mitarbeitern und 20 Mio. Euro Umsatz exportiert klingende Wohnzimmereinrichtungen mittlerweile in über 40 Länder. Dabei kooperiert Spec-tral mit dem Lautsprecherhersteller Canton. Die Boxen werden in das Möbel passgenau eingefügt und sind nur durch eine textile Frontblende von den Auszügen und Klappen im Möbel zu unterscheiden. Neuestes Kind aus dem Hause Spectral ist das Kastenmöbel „Brick“. Das Glasmöbel hat ein puristisches Design, hinter der Sockelblende jedoch verbirgt sich ein Surround Soundsystem ohne herumliegende Kabel, herumstehende Lautsprecher und Subwoofer.
Seit gut einem Jahr hat auch der dänische Möbelproduzent Montana erstmals Klang in Möbel integriert. Das Unternehmen arbeitete mit einem namhaften Lautsprecherentwickler für das Möbelprogramm zusammen.
Die Qualität solcher integrierter Anlagen überzeugen durchaus, zumal auch klassische Stereoanlagen oft genug grottig klingen, weiß Fernandez. Denn High-End-Qualität liegt im Interesse einer kleinen Minderheit. Für viele Menschen ist ein gut klingendes Sounddock schon eine Offenbarung. Dies ist keinesfalls ironisch gemeint, denn es kommt immer auf den eigenen Anspruch und Wissensstand an, erklärt Fernandez.
Musik überall
Der größte Teil möglicher Kunden liegt im Lifestyle-Bereich. „Die Integration von Sound in preiswürdige Möbel und Einrichtungsgegenstände trifft den Nerv der Zeit. Die Verquickung von mobilem Leben mit iPhone, iPod und Musikwiedergabe in einfacher Form überall im Haus ist für viele Kunden die Lösung. Weg von Gerätschaften, die Platz im Wohnraum brauchen, weniger Komplexität, das ist der Weg, den viele Menschen beschreiten wollen“, erklärt Fernandez. Für diese Kunden hat das Unternehmen das Regalboard „Horizontal 51“ entwickelt. Das Kleinmöbel ermöglicht Musikgenuss mit Zusatznutzen eines einfachen Wandregals überall dort, wo es bislang aufwändig war, Musik hinzubringen, auch im Bad oder im Eingangsbereich. Natürlich gibt es die Regalboards auch ohne Musikkomponenten. Jüngste Entwicklung ist ein Spiegel mit integriertem Soundsystem.
Ebenfalls eine Docking-Station für den iPod bietet der iTable vom Schweizer Unternehmen Tisch & Stuhl Willisau AG. Die Aufnahme-Station für einen MP3-Player ist in der Tischplatte eingelassen. Steckt man den Player ein, wird er automatisch erkannt und die Musik beginnt zu spielen. Das Stereo-Soundsystem samt Bassreflexbox aus dem Hause Bose ist auf der Unterseite der Tischplatte angebracht. Es soll einiges an Tüftelarbeit nötig gewesen sein, bis der Richtung Fußboden abstrahlende Klang gut an den Ohren angekommen ist. Während der Wiedergabe wird der iPod aufgeladen, der Netzanschluss erfolgt über ein Tischbein.
… und es geht weiter
Eine viel versprechende Entwicklung stammt ebenfalls aus der Schweiz. Die Technologie der Flachlautsprecher von der Sonic Emotion AG funktioniert völlig unabhängig von der Raumarchitektur. Die Lautsprecher haben keine Membran, sondern einen Schwingungserreger, der direkt auf eine Platte aufgebracht wird, meist eine Papierwabenstruktur. Damit ließen sich überall in Möbeln beliebig Klangerzeuger installieren, ohne dass dafür ein spezielles Wissen erforderlich wäre. Die Qualität des Klanges ist allerdings noch nicht mit herkömmlichen Anlagen vergleichbar. Aber: „Auch hier nimmt die Qualität deutlich zu, und das ist eine gute Entwicklung“, so Fernandez. Gut möglich, dass manch älter gewordener Schreiner in naher Zukunft wieder Lautsprechergehäuse bauen kann. Natürlich im Möbel integriert. ■
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