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Solide Rüstzeitsparer

Mit aktuellen Standardmaschinen die Produktion beschleunigen
Solide Rüstzeitsparer

Hier ein Schnitt und dort ein Falz? Dibra-Chef Dinkel und seine Schreiner erleben täglich, dass aktuelle Standardmaschinen weit mehr bieten. Sinnvoll integriert, beschleunigen sie dank moderner Funktionen viele Produktionsabläufe. BM-Redakteur Marc Hildebrand

Als unersetzbare Einzelkämpfer unter den Holzbearbeitungsmaschinen verdienten sie quasi das Geld im Betriebsalltag: Kreissäge und Tischfräse – einst die Könige der Werkstatt. Zusammen mit Abrichte und Dickenhobel durften sie sich getrost Standbeine solider Schreiner- und Tischlerarbeit nennen.

Sind diese Zeiten wirklich Geschichte? Nein! Im Wandel der Zeit müssen sich Standardmaschinen ihren Ruhm zwar heute mit multifunktionellen CNC-Boliden teilen, lassen sich von ihren Hightech-Kollegen jedoch nicht jedes Werkstück vom Schlitten nehmen. Denn der schnelle Schnitt zwischendurch ist bei Weitem nicht alles, was sie zu bieten haben. Dank ihrer weiterentwickelten Funktionen können Kreissäge und Fräse den Fertigungsablauf wirtschaftlich sinnvoll unterstützen – wenn man sich vorab gut informiert, plant und rechnet.
So wie Schreiner Stefan Dinkel, Chef der Firma Dibra-Brandschutzelemente, der mit seinen 20 Mitarbeitern sowie langjähriger Expertise technische Objekttüren für Kollegen in ganz Deutschland fertigt. Eigentlich brauchte ernur eine neue Formatkreissäge, hat dann im Doppelpack zugeschlagen und spart nun täglich wertvolle Arbeitszeit.
„Da kommt das BAZ nicht ran“
„Sie war einfach in die Jahre gekommen,“ erinnert sich Dinkel. „Lange haben wir mit den kleinen Alterserscheinungen unserer Formatkreissäge gelebt – nervig, aber nicht essenziell. Es gab immer wichtigere Investitionen.“ 2016 war es dann so weit – Zeit für eine Neue. Eine Funktion war ihm dabei besonders wichtig: Um die Längsgehrungen an den Verkleidungen seiner Umfassungszargen zu schneiden, will er ein beidseitig schwenkbares Sägeblatt. „Von dieser Funktion erfuhr ich aus der Fachpresse. So kann die Sichtfläche beim Parallelschnitt oben laufen und verkratzt nicht.“
Doch warum überhaupt die Gehrung auf der Formatkreissäge (FKS) fertigen und trotz zwei vorhandenen Bearbeitungszentren (BAZ) in diese Schwenkfunktion investieren?
„Meter machen“, erklärt Dinkel. „Bei diesem Bearbeitungsschritt zählt das Zusammenspiel aus Präzision, Wiederholgenauigkeit und Geschwindigkeit. Mit einem Vorschub am Parallelanschlag ist das gewährleistet. Da kommt das BAZ erfahrungsgemäß nicht ran.“
Wirtschaftlich denken: Was kann, was muss?
„Im Laufe der Zeit haben wir die Türenproduktion natürlich optimiert und so übernimmt das BAZ heute in der Tat diverse Arbeiten, die früher noch der Kreissäge zufielen,“ weiß Dinkel und überlegt sich im Vorfeld Aufgabenbereiche für sein FKS-Pflichtenheft.
„Sobald mehrere Arbeitsschritte mit einer Aufspannung gefertigt werden können, arbeitet das BAZ oft wirtschaftlicher.“ Gutes Beispiel bei Dibra: Füllungsleisten einpassen und Befestigungspunkte direkt dort bohren, wo sie laut technischen Vorgaben des Einsatzbereichs erforderlich sind. Für die neue FKS waren dem Schreiner grundsätzlich eine solide Bauart, elektrisch angetriebene Verfahrwege und eine einfache Bedienung wichtig.
Gut bestückt für viele Anwendungen
Mit diversen Vorüberlegungen im Gepäck entschied er sich nach umfassender Beratung durch Maschinenhändler Grupp für eine Formatkreissäge T75 Prex von Martin.
Ihr 7,5-KW-Motor bringt die nötige Leistung, um viele Schrägschnitte in Längsrichtung während eines Arbeitsgangs hintereinander durchführen zu können. Die stufenlose Drehzahlregelung reicht von 2000 bis 6000 min-1. An Bord ist die gewünschte elektromotorische Positionierung des Parallelanschlags sowie des Werkzeugs. Bedient wird die Maschine über ein farbiges 10,4-Zoll-Touchdisplay.
Bewusst verzichtet hat Dinkel auf ein Vorritzaggregat. Dafür spendierte er seiner neuen FKS einen digitalen Längenanschlag mit durchgehender statt Zweipunkt-Anlage. Zur gewählten Ausstattung gehört auch ein sogenannter Parallelogrammquertisch. Für schräge Schnitte wird hier nicht der Längenanschlag umgesteckt, sondern, wie der Name verrät, der gesamte Tisch zu einem Parallelogramm im Bereich von ± 46° verschoben.
Das Winkelschnittsystem RadioCompens überträgt die Einstellung per Funk ans Bedienpult. Hier werden nicht nur Längenmaße bei Winkelschnitten korrigiert. Durch Eingabe der Fertigmaße eines Werkstücks fährt die Steuerung das Werkzeug auf Position.
Bei Bedarf können so Zuschnittmaße ganzer Sitzbänke berechnet werden, wo wiederum die beidseitige Schwenkfunktion (± 46°) eine zeitsparende Rolle spielt.
„Überzeugt hat mich als technikaffinen Schreiner die solide Bauweise der Maschine – insbesondere die unempfindliche und trotzdem hochpräzise Konstruktion des Schwenkantriebs“, betont Dinkel.
Aus eins mach zwei
Im Beratungsgespräch erfuhr Stefan Dinkel außerdem von einer weiteren Möglichkeit, die die Martin bietet – nämlich Einstellungen zu speichern und kunden- bzw. modellbezogen in der Steuerung zu hinterlegen.
Damit könnte er spürbar Zeit sparen. Allerdings noch viel mehr bei einer anderen Maschine: der Tischfräse – mit der er beispielsweise die Einzelteile der Holzumfassungszargen fertigt.
„Manche der Modelle gehören bei uns zum Standardprogramm, aber auch Spezialkonstruktionen wiederholen sich ein paar Mal, da wir für unsere Kunden die Türen nach Bauabschnitt just in time produzieren. In beiden Fällen müssen die Fertigungsmaße immer exakt gleich sein. Das ist natürlich jedes Mal ein gewisser Einstellaufwand, denn auch unsere Tischfräse hatte im Grunde die besten Jahre hinter sich, wenn Sie verstehen“, erklärt mir der Schreiner und lacht. Kurzum: Dinkel sah sich die Tischfräse T27 Fix im Werk der Firma Martin in Ottobeuren an und entschied sich für das Doppelpack.
Wie von Zauberhand
Fast 90 000 Euro investierte der Dibra-Chef mit dieser Anschaffung in seine Firma. Beide Maschinen wurden im Frühsommer dieses Jahres geliefert und bei unserem Treffen Ende September konnte Dinkel schon ein positives Resümee ziehen.
„Der Umstieg hat reibungslos geklappt, die Maschinen sind weitgehend in die Fertigung integriert. Aber mit Details kann mein Mitarbeiter sicher besser weiterhelfen“, schmunzelt der Chef und übergibt an Schreinermeister Sascha Edinger.
Als Verantwortlicher in Sachen Maschinenprogrammierung hat dieser schon sichtlich Freundschaft mit den beiden neuen Martins geschlossen: „Man kennt sich relativ schnell aus, wo was verstellt wird“, murmelt Edinger, während er mich mit flinken Fingern auf eine Besichtigungstour durch die Bildschirmmenüs mitnimmt.
Auch ich finde mich schnell zurecht und kann bereits nach wenigen Minuten zumindest ungefähr einordnen, wo sich welche Funktion versteckt. „Nur wenn ein Kollege sehr selten an der Maschine arbeitet, kommt er mit Fragen zu mir“, erklärt der Schreinermeister und zeigt auf die Tischfräse.
„Sehr praktisch ist das HSK-Schnellwechselsystem und die elektromotorische Verstellautomatik“, weiß Edinger und legt direkt los: Ein paar Eingaben am Touchscreen, der Tisch öffnet sich wie von Zauberhand und die HSK-Schnittstelle gibt den Fräser frei. Klick, Klack macht die die pneumatische Verriegelung und der neue Fräsdorn sitzt fest auf der Spindel. Tipp, tipp – der Falzkopf fährt in Position. Exzentrische Ringe schließen in kreisförmiger Bewegung automatisch den Spalt zwischen Tisch und Werkzeug auf ein Minimum.
Innerhalb von nicht mal zwei Minuten hat Edinger die Fräse mit einem neuen Werkzeug bestückt – inklusive Einstellung. „Maßkontrolle überflüssig“, grinst er. „Kann direkt losgehen. Das spart schon viel Zeit!“ Wer sehen will wie´s funktioniert, scrollt etwas runter, dort zeigt es Meister Edinger nochmal im Video.
Clever kombiniert, schneller amortisiert
An dieser Stelle könnte man tief in die vielseitigen, technischen Raffinessen abschweifen, die Maschinenhersteller wie Martin heute bei Standardmaschinen bieten – vom Doppelgehrungsanschlag und dem motorisch angetriebenen Besäumtisch an der Formatkreissäge bis zur Tischfräse, die sogar den Vorschub automatisch positioniert. Auch die Sicherheitsvorkehrungen wurden in den vergangenen Jahren auf ein neues Niveau gehoben.
Zusammenfassend zeigt unser Beispiel bei Dibra jedoch, dass die Neuanschaffung einer Standardmaschine kein notwendiges Übel ist. Im Gegenteil: Wer überlegt fertigt, kann durch beliebig kombinierte Raffinessen zukünftig profitieren – bei der Serienproduktion oder in Losgröße-Eins-Fertigung.

Fräserwechsel mit Meister Edinger

(BM-Video: Marc Hildebrand)

Praxistipp Finanzierung

So machts der Kollege

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Stefan Dinkel führt sein Unternehmen seit 25 Jahren erfolgreich in der Branche.
„Was du langfristig nutzt, musst du langfristig finanzieren“, so Stefan Dinkels Grundsatz. Er hat die aktuelle Investition über seine Hausbank mit einer 10-Jahres-Finanzierung gestemmt. Wichtig sind ihm auch bei Finanzgeschäften gute persönliche Beziehungen. „Es ist im Grunde wie beim Materialeinkauf. Ich sehe Banken als Lieferanten für Geld. Man muss sich auf einander verlassen können – vor allem auch in schweren Zeiten.“
Weiter legt er bei Bankgesprächen größten Wert auf direkten Kontakt mit dem obersten Entscheidungsträger: „Ich vertraue meinem Sachbearbeiter, aber er trägt mein Anliegen auch nur weiter. Ich stehe mit meiner Person für mein Vorhaben und habe gute Erfahrungen damit, es auch persönlich vorzutragen.“
Trotz erfolgreicher Zusammenarbeit mit seiner Hausbank rät Dinkel, Darlehen zu verteilen: „Sollte dir ein Institut tatsächlich den Geldhahn zudrehen, hast du immer einen weiteren erprobten Geschäftspartner. Das können übrigens auch Landesbanken oder Stiftungen mit staatlichen Förderungen sein.“ So finanzierte er sein Homag-BAZ vor fünf Jahren über die Steinbeiß-Stiftung, gefördert als energetische Verbesserung. „Bei einer solchen Lösung lohnt es sich, den Hersteller mit ins Boot zu nehmen. Homag unterstützte mich damals mit allen Unterlagen, um die energetische Verbesserung nachzuweisen“, erinnert sich Dinkel.
In Sachen Leasing, also quasi Mieten von Produkten, ist er wegen schlechter Erfahrung vorsichtig: „Vor allem bei wertstabilen Gegenständen rechnet sich der Ablösepreis am Ende oft nicht. Wer aus buchhalterischen Gründen diesen Weg dennoch wählt, dem empfehle ich, die Ablöse anfangs direkt zu verhandeln und zwingend schriftlich festzuhalten.“

Das ist mir aufgefallen: Vom Puls der Zeit profitieren
Mitarbeiter Redaktion BM
Marc Hildebrand,  BM-Redakteur

Wegen ständig neuer Brandschutzauflagen muss Stefan Dinkel den Puls der Zeit fühlen. Doch normenbedingte Konstruktionen sind nicht das einzige, was sich bei Dibra seit der Firmengründung im Jahr 1991 gewandelt hat. Dinkel arbeitet wirtschaftlich effektiv, indem er sich über neue Produktionsmöglichkeiten informiert, seine eigenen reflektiert und fortlaufend überlegt investiert. Dabei bleibt er bodenständig und achtet auch, wie u. a. Hebevorrichtungen an vielen Maschinen beweisen, auf sein höchstes Gut: die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Bitte nachmachen!

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