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Das Tischlerinnen-Treffen - Voller Tatendrang

Was Frauen im Handwerk bewegen, Teil 5: Das Tischlerinnentreffen
Voller Tatendrang

Sie tun es. In jedem Jahr wieder. Freude und Spaß, Austausch und Unterstützung, Selbstentwicklung, Selbstbehauptung. Vernetzung, Erfahrungsaustausch … es gibt viele Gründe, weshalb Frauen das Tischlerinnentreffen besuchen. Drei Frauen erzählen, warum sie persönlich so gerne hinfahren.

Autorin: Regina Adamczak
„Man sollte sich nicht mit den Gegebenheiten zufrieden geben, sondern neue Möglichkeiten suchen und neue Bereiche entdecken.“ Silke Wagner lebt im allerhöchsten Norden. Die Tischlermeisterin und Gestalterin im Handwerk hat gemeinsam mit anderen Holzhandwerkern eine Werkstattgemeinschaft direkt am Flensburger Hafen gegründet (www.hafenwerk.net) und sich damit einen beruflichen Traum verwirklicht.

Auf dem Tischlerinnentreffen war sie schon, als sie selbst noch nicht einmal mit der Ausbildung begonnen hatte. Sie mag den Austausch unter Frauen, die gegenseitige Unterstützung, die Kreativität. „Manchmal ist man so im Eigenen gefangen …“ sagt sie als eine, die selbst viel über den Tellerrand geschaut hat: Immerhin war sie 2,5 Jahre auf Wanderschaft. Heute als Mutter einer fünfjährigen Tochter ist es ihr wichtig, die Balance zwischen Arbeits- und Privatleben zu halten. Sie freut sich, wenn nach einem Tag Fußbodenlegen die Kasse wieder richtig klingelt, möchte aber auch keinesfalls die kreativen Aspekte ihrer Arbeit missen. Sie baut und vertreibt Möbel, in die sie alte Türen und Schubkästen integriert.
Wenn Silke Wagner einmal nicht zum Tischlerinnentreffen fährt, dann nur, weil ihr der Weg zu weit ist. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste immer noch besser sein.“ Und nicht nur für solche Gefühle sei das Treffen ein sicherer Hafen.
Kraftakt für die Organisatorinnen
Auch Lisa Pillat, Tischlergesellin aus Rostock, hatte schon vor ihrer Ausbildung vom Tischlerinnentreffen gehört. Und da sie schon beim ersten Treffen von der Offenheit unter Frauen stark profitierte, gehörte sie im Jahr darauf schon zum Organisationsteam. Sie schätzt das Zusammentreffen von den unterschiedlichsten Frauen in verschiedenen Altersstufen mit verschiedenen Werdegängen und Erfahrungen. Dass die finanzielle Unterstützung des Bundesfamilienministeriums, das sich immerhin auch die Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben hat, eingestellt wurde, ärgert nicht nur sie. Im vergangenen Jahr war die Förderung kurzfristig entfallen – ein Kraftakt für die ehrenamtlichen Organisatorinnen. „Wer Frauen im Arbeitsleben unterstützen und in diesem Rahmen auch Alleinerziehende und Selbstständige fördern will, der täte gut daran, entsprechende Projekte mit zu tragen,“ fasst Silke Wagner den Unmut der Frauen zusammen. Dass trotz fehlender Förderung jedes Jahr wieder ein Treffen mit großem Engagement organisiert wird, hält sie für eine „Wahnsinnsleistung“. Und Lisa Pillat setzt hinzu: „Für die Organisatorinnen entsteht so ein gewisses finanzielles Risiko und gerade für Auszubildende wird die Teilnahme durch die höheren Gebühren leider sehr erschwert.“
Ihr ist es wichtig, dass Frauen im Arbeitsalltag genauso stark eingebunden werden wie Männer und dass sie sich selbst etwas zutrauen. Das Arbeiten in einem männerdominierten Beruf fand sie anfangs gewöhnungsbedürftig, aber bald war ihr der etwas rauere Umgangston vertraut und sie gab die frechen Sprüche einfach zurück. Sie mag das Arbeiten mit den Händen und freut sich, wenn sie den Kunden mit langlebigen Produkten eine Freude machen kann. Wobei ihr allerdings auch schon aufgefallen ist, dass manche Kunden das Individuelle des Handwerklichen gar nicht zu schätzen wissen.
Die begehrteste Party
Etwas Beständigeres würde auch Judith Teiner gerne wieder einmal bauen, ist ihre filigrane Arbeit im Hamburger Miniaturwunderland doch mit ständigem Wandel verbunden. „Eigentlich bauen wir fast nur Prototypen. Das braucht natürlich Köpfchen, viele Kenntnisse in der Maschinentechnik und die Umsetzung macht dann einen guten Tischler aus.“ Die Abwechslung möchte sie zwar nicht missen. „Aber manchmal verfluche ich sie auch.“ Das Arbeiten im laufenden Betrieb, also innerhalb der Öffnungszeiten, ist heikel, braucht viel Geduld und eine kräftige Stimme. Ob es Bereiche gibt, in denen Frauen besser sind? „Vielleicht sind Frauen geduldiger mit der Feinarbeit, vielleicht arbeiten sie besser im Team,“ festlegen möchte sich die Tischlerin da nicht, aber dass auch Männer sich bei großen Platten besser Hilfe holen sollten, davon ist sie überzeugt.
Ihrem Tischlerherzen ist Judith Teiner nun schon seit über zehn Jahren treu geblieben und damit auch dem Tischlerinnentreffen. Sie schätzt die gute Atmosphäre, den regen Austausch, dass Rücksicht auf die Wünsche der Teilnehmerinnen genommen wird. Und dann setzt sie lächelnd hinzu: „Außerdem steigt am letzten Abend die begehrteste Party …“

Einladung zum 24. Tischlerinnentreffen Das Netzwerk für Frauen der Holzbranche
Vom 26. bis 29. September 2013 wird das 24. bundesweite Tischlerinnentreffen auf Burg Lohra in Thüringen stattfinden. Das bedeutet: drei Tage Weiterbildung, Diskussionsrunden, neue Perspektiven, neue Arbeitsweisen und Vernetzung. Eingeladen sind alle Holzhandwerkerinnen. Seit mehr als 20 Jahren treffen sich jährlich Auszubildende, Gesellinnen, Technikerinnen, Restauratorinnen, Meisterinnen und Interessierte der Holzbranche.
Angeboten werden vielfältige Seminare zu Handwerkstechniken und persönlicher Weiterentwicklung: Möbelgriffe biegen, Glasbearbeitung, Weidenflechten, Kfz-Basics, japanische Holzverbindungen, Erste Hilfe für ramponierte Polstermöbel, Töpfern, Modellbau, Metallbearbeitung, Knotentechnik, Kommunikation und Körpersprache, Zimmereiverbindungen u.a.
Der Teilnahmebetrag beläuft sich auf 130 bis 150 Euro – je nach persönlicher Finanzlage. Da die Kosten für drei volle Tage – Übernachtung, Verpflegung und Workshops – wesentlich höher sind, ist auch die tatkräftige Unterstützung von Sponsoren gefragt. Wer mit einer Spende zum Fortbestehen dieser Plattform für Frauen im Handwerk beitragen möchte, wendet sich an sponsoring@tischlerinnen.de. Zudem sind Unternehmer aufgerufen, ihren Mitarbeiterinnen durch Kostenübernahme die Teilnahme zu ermöglichen und dadurch stärker zu binden.
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