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Was zählt, ist das Team

Tischlerteam Düsseldorf: ein Unternehmen mit Zukunft
Was zählt, ist das Team

Das Tischlerteam Düsseldorf ist im Herzen der Großstadt zu Hause und so für die Kunden direkt um die Ecke. Dennis Prause und Tobias Hück sind eins mit ihrem Team und legen Wert auf flache Hierarchien. Auffallen, in Erinnerung bleiben und in die Zukunft denken steht auf ihrer täglichen Agenda – mit cooler CI, digitalen Prozessen, Kundenbindung und motivierendem Arbeitsumfeld.

Anna-Katharina Ledwa

An der Rheinpromenade entlang, mitten durch das Zentrum Düsseldorfs fahre ich zu meinem Treffen mit Tobias Hück vom Tischlerteam Düsseldorf. 15 Minuten später biege ich auf den Hof des Betriebsgeländes ein. Auch hier Großstadtfeeling pur: direkt an den Bahngleisen, die S-Bahn in Laufweite. Während ich aus dem Auto steige, frage ich mich, wer oder was mich hier erwartet. Eine Tischlerei mit 70 Fünf-Sterne-Rezensionen im Netz! Das ist ein Vielfaches mehr als bei allen Mitbewerbern. Was machen die Jungs und Mädels hier richtig? Was machen sie anders als die anderen und was wollen sie erreichen? Gespannt auf die kommenden Stunden betrete ich das Werkstattgebäude.

Nach der Lehre zur eigenen Firma

„Herzlich Willkommen“ werde ich sofort begrüßt. Von einem der Inhaber persönlich. Tobias Hück holt mich am Eingang ab und wir gehen nach oben in die Büro- und Besprechungsräume. Einladend hell ist es hier, mit Blick auf die Bahnlinie.

Warum eigentlich Tischlerteam? „Dennis und ich haben uns in der Ausbildung kennengelernt. Gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen entstand nach Abschluss der Lehre die Idee der eigenen Firma. Zusammen haben wir uns dann als Tischlerteam neu gegründet“, erklärt Tischlermeister Tobias Hück. Zwar waren Dennis Prause und er von Beginn an die alleinigen Inhaber der Tischlerei, doch die Hierarchien seien sehr flach, betont Hück nachdrücklich. Es geht und ging immer um das Team.

Im Frühjahr 2012 fing alles mit vier Gesellen, einem Lehrling und einer Ausnahmegenehmigung an. 400 m Luftlinie vom jetzigen Standort auf überschaubaren 112 m2 Werkstattfläche. Ausnahmegenehmigung erst einmal, weil Tobias Hück seinen Meister noch nicht abgeschlossen hatte. Doch wenige Monate später hatte er den Brief dann auch in der Tasche.

Glücklich mit zwölf Mitarbeitenden

Nah am Kunden, direkt in der City, mit Handzeichnungen und Oldschool-Werkstattausstattung startete das Team im klassischen Möbelbau. Nur vier Jahre später dann der Umzug in die heutigen Hallen. „Auf jetzt knapp 600 m2 sind wir immer noch in der Innenstadt. Uns ist es wichtig, für unseren Kundenstamm greifbar zu sein“, sagt der Inhaber. Klar, der Name Tischlerteam Düsseldorf mit Skyline im Logo wäre dann auch nicht mehr angebracht.

Auch mit heute 14 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Team hat sich an der Philosophie der Düsseldorfer nichts geändert: Schon die Auszubildenden, von denen in jedem Lehrjahr zwei im Team sind, haben kleine Projekte, die sie eigenverantwortlich bearbeiten dürfen. Dazu gehört auch die Bedienung der Maschinen inklusive der 5-Achs-CNC.

Obwohl das Team nicht gerade klein ist, sind Dennis Prause und Tobias Hück mittendrin und nicht nur dabei. „Dennis und ich wollen gerne im Geschehen sein und auch bleiben. Ab einer bestimmten Größe würden wir nur noch im Büro sitzen und die Aufgaben delegieren. Mit zwölf Mitarbeitenden sind wir glücklich“, erklärt Hück. Bei fast jeder Montage ist einer der beiden Inhaber mit am Start. Bei den Kunden kommt das prima an, weil sie von Anfang bis Ende sichtbar aus einer Hand betreut werden. „Wir sind schließlich Tischler, wir brauchen ab und zu was in den Händen“, lacht der Tischlermeister. Deshalb will Tobi ab jetzt auch wieder jeden Freitag in der Werkstatt stehen, und nicht immer nur kalkulieren, akquirieren und beraten.

CNC ist so gut wie ausgelastet

Als wir dann die Werkstatt betreten, kann ich gut verstehen, dass er hier gerne arbeitet. Hohe Räume, Tageslichtleuchten unter der Decke, hell lackierter Betonboden, klar definierte und aufgeräumte Lager- und Abstellflächen. „Ich bin sehr pingelig, was Ordnung und Sauberkeit angeht“, schmunzelt Hück. Dass hier das Paulus-Lager gelebt wird, steht außer Frage. Bei 6000-Kelvin-Tageslichtleuchten kann ich das Herzstück der Maschinenhalle, die Homag Venture 115 M, natürlich nicht übersehen. Ende 2016 angeschafft hat sich das Bearbeitungszentrum schnell bezahlt gemacht. „Wir haben uns vor fünf Jahren ein Herz gefasst und entschieden, mit der Zeit zu gehen und zu investieren. Heute haben wir eine Auslastung der Maschine von etwa 80 %. Das ist für unsere Betriebsgröße enorm viel“, sagt Hück zufrieden.

Effiziente Planung mit SmartWop

Für die Konstruktion und Arbeitsvorbereitung sind Michael Mischel und Holger Hölzing zuständig . Dabei greifen sie die Skizzen und Entwürfe der Geschäftsführer auf. Die Software SmartWop der Firma Tibek ermöglicht es den beiden, einfach, intuitiv und schnell fertige Korpusse zu generieren. Das Tischlerteam ist mittlerweile Referenzkunde bei Tibek und seit der Version 1.0 mit dabei. Anpassungswünsche und Verbesserungsvorschläge des Teams wurden und werden von der Kundenbetreuung des Softwareherstellers stets aufgenommen und umgesetzt.

Nicht nur Standardkonstruktionen sind in SmartWop möglich. Auch Schrägen und andere Formen können frei geplant und angepasst werden. Wenn ein Projekt in die AV kommt, wird zuerst eine schnelle Sketch-Up-Zeichnung erstellt und anschließend die Konstruktion noch einmal besprochen. Wenn alles klar ist, geht es weiter in SmartWop. „Im ersten Schritt bauen wir einen Volumenkörper auf, den wir dann mit Bauteilen in definierter Stärke und Materialität belegen“, erläutert Michael Mischel den Konstruktionsprozess. An vielen Stellen sparen sich die beiden Gesellen Arbeitsschritte durch Grundeinstellungen, die sie in SmartWop nur einmal zu Beginn festgelegt haben. So wird zum Beispiel eine Fläche, die als Rückwand definiert ist, automatisch eingenutet, oder der Sockel eingerückt von der Vorderkante platziert. Weiter geht es dann mit Beschlägen und Bearbeitungen. „SmartWop bringt eine breit gefächerte Bibliothek an Beschlägen bereits mit. Auch der Clamex, unser Lieblings-Korpusverbinder, ist mit dabei“, freut sich der Geselle.

Bearbeitungsschritte sind angelegt

Wenn die Konstruktion steht, kann die Datei mit wenigen Klicks zur CNC exportiert werden. Und in diesem Schritt sind dann auch die fertigen Wood-Wop-Dateien mit den nötigen Bearbeitungsschritten angelegt. „Hier müssen wir nichts mehr machen“, betont Holger Hölzing. Die Maschinenbediener, gerne auch die Lehrlinge, können nun an der CNC einfach die Programme abfahren.

Auch ein Programm für die Schnittoptimierung ist angebunden. „Hier müssen wir auch lediglich in SwiftOpt exportieren und die optimale Aufteilung der Platte wird uns angezeigt. Inklusive einer Stückliste,“ erklärt Hölzing. Seit der aktuellen Version hat auch SmartWop eine Schnittoptimierung und Stückliste an Bord. Doch die beiden AV’ler bleiben zur Zeit noch bei der lang erprobten Variante mit SwiftOpt. „Was uns in der Fertigung noch fehlt, ist eine neue Plattensäge, an die wir die Zuschnittliste schicken können“, sagt Michael Mischel. Zur Zeit geht das noch manuell mit Zettel an der geliebten schlichten stehenden Plattensäge von Striebig.

Das meiste läuft digital

Jung, dynamisch, digital und modern. Es gibt viele Stellen in dieser Firma, bei denen man merken kann, dass Dennis Prause und Tobias Hück mit ihrem Team up to date sind. Papierloses Aufmaß zum Beispiel mithilfe der App „Good Notes 5“, die es für nur zehn Euro gibt. Die Freigabe von Möbeln durch die Kunden erfolgt mit einem Screenshot aus SmartWop. Schritte auf dem Weg zum papierlosen Unternehmen.

Staunen konnte ich noch, was die Organisation betriebsinterner Prozesse angeht: „Das Planboard aus Lego ist für uns viel einfacher als das Ganze digital abzubilden“, präsentiert Tobias Hück mir den Eyecatcher im Eingangsbereich der Firma – abgeschaut von einer Marketingagentur.

Auch die Pläne für die nahe Zukunft hören sich sinnvoll und kreativ an: „Wir würden gerne ein kleines Café zum Verweilen an die Werkstatt anschließen – mit Blick in die gläserne Produktion.“ Denn dem Tischlerteam liegt viel daran, das Handwerk zugänglich zu machen: „Die Leute wissen oft einfach nicht, wie so ein Möbel entsteht. Diesen Prozess versuchen wir auch aktuell schon transparenter zu gestalten, indem wir Kunden und Kundinnen in den Ablauf miteinbinden“, erklärt der junge Meister. Zum Beispiel darf der Kunde bei seinem Massivholztisch den Stamm mit aussuchen und dann während der Fertigung die Anordnung der Riegel für die Platte mitbestimmen. Gerne schauen Kunden auch mal vorbei, wenn gerade furniert wird oder die Kanten angefahren werden. „So können wir den Leuten klarmachen, dass die Korpusteile und Tischplatten nicht aus dem Lagerregal kommen, sondern bei uns von Hand gefertigt werden,“ betont Tobias Hück.

Kundenzufriedenheit transparent

Dass die Kunden zufrieden sind, kann ich gut nachvollziehen und jeder potenzielle Neukunde bekommt schon bei einem Klick ins Web ein gutes Gefühl, wenn er die vielen positiven Berichte glücklicher Kunden liest, die oft mit einem kleinen Text und hin und wieder auch mit ein, zwei Bildern bestückt sind. Übrigens: länger als 12 bis 14 Wochen muss eigentlich niemand auf sein Möbel warten. Die Lagerflächen sind klein, fast alles wird auf Kommission bestellt und durchläuft dann direkt im Anschluss die Fertigung. Just in time. Mit diesem Konzept fährt das Tischlerteam gut.

Und im Bereich Werbung liegen die Düsseldorfer ebenfalls im Trend: Posts auf Instagram, die auch als Galerie auf die Webseite gespiegelt werden, sind ein guter Türöffner fürs Kundengespräch. Das knackige CI zieht sich durch das Branding der Firmenwagen, Visitenkarten, Banner in den Produktionshallen und natürlich die einheitliche Kleidung im gesamten Team. „Unsere Fahrzeuge sind im Stadtgebiet bekannt“, schmunzelt Dennis Prause, „da müssen wir gar nicht mehr viel in der Werbetrommel rühren.“ Und als Krönung des Ganzen ist die persönliche Weiterempfehlung durch zufriedene Kunden natürlich immer noch die schönste Werbung. Auch für das Tischlerteam.

www.tischlerteam-duesseldorf.de

www.smartwop.de

Lotte Hurz

Lukas Nett

Jonas Brabeck (auf der Maschine)

Michael Mischel (lehnt an Maschine), Holger Hölzing (kniend)

Tobias Hück


Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der Konstruktion und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte. www.annaledwa.de

Das ist mir aufgefallen

Alles mit Weitsicht

Big City Life: Das Tischlerteam ist beim Kunden um die Ecke und bietet volle Transparenz. Ein kleines Café an der gläsernen Werkstatt soll in Zukunft vielleicht noch mehr Einblick und Nähe zum Handwerk erlauben. In alle Prozesse wird das gesamte Team eingebunden. Auch die Lehrlinge sind ein ganz wichtiger Bestandteil. Toll!“


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