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Andreas und Magnus Resch arbeiten Seite an Seite auf die Übergabe zu

Wenn der Sohn mit dem Vater …

Vor 25 Jahren hat Andreas Resch seinen Betrieb gegründet. Bei Null hat er angefangen. Heute ist daraus ein florierendes Unternehmen geworden, spezialisiert auf Innenausbau im Highend-Bereich. Seit zwei Jahren ist sein Sohn Magnus dabei. „Endlich kann ich auch mal Verantwortung abgeben“, freut sich der Vater.

BM-Redakteurin Regina Adamczak

„Die ganze Rennerei hat sich gelohnt“, sagt Andreas Resch ganz flappsig und lächelt dabei seinen Sohn an. Und wenn er so etwas sagt, könnte man fast meinen, seine Arbeit sei ihm eine Last. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Andreas Resch liebt seine Arbeit. Von Anfang an war der Tischlermeister mit Leib und Seele dabei. Mit einem Montage-Fahrzeug hat er sich damals selbstständig gemacht, hat alle Förderungen eingefahren, die er bekommen konnte, hat ein Jahr später den ersten Mitarbeiter eingestellt, nach zwei Jahren den zweiten. Heute wuseln zehn Gesellinnen und Gesellen durch die Werkstatt, dazu kommen sechs Azubis, über alle Lehrjahre verteilt.

Mehr Zeit für die Kundenberatung

Gerade ist es eng in der Werkstatt. Alle Wägen sind belegt. An einen großen Auftrag wird letzte Hand angelegt. Eine Küche, eine Bibliothek und zahlreiche Schränke warten auf die Auslieferung. Ganz edel: in wilder Eiche und weißem Mattlack.

Der Innenausbaubetrieb im hessischen Babenhausen hat einen erstklassigen Ruf. Von der Stange gibt es kaum etwas, dafür werden Wünsche erfüllt, von denen der Kunde vor dem ersten Beratungsgespräch vielleicht noch gar nichts wusste. „Mir fällt es leicht, Lösungen zu entwickeln. Ich bin gerne beim Kunden. Und ich nehme mir für die Beratung viel Zeit.“ Dass Andreas Resch sich jetzt die Zeit nehmen kann, die der Kunde braucht, hat nicht zuletzt mit dem Einstieg seines Sohnes Magnus in das Unternehmen zu tun. „Seit Magnus die Verantwortung in der Werkstatt übernommen hat, bin ich viel entspannter beim Kunden.“ Früher hatte der Vater viel mehr zu stemmen: Neben dem Verkauf lagen auch Planung, Kalkulation und die Werkstattleitung auf seinen Schultern.

Magnus Resch war schon immer ein Macher

Magnus Resch ist, genauso wie seine drei Geschwister, mit der Schreinerei aufgewachsen: „Mit zehn Jahren saß ich auf dem Stapler, gebaut wurde immer: Zu Hause, in der Werkstatt, am Wochenende.“ Doch für ihn war nicht von Anfang an klar, wohin es beruflich gehen sollte: Zimmerer? Schlosser? Koch? „Mein Sohn war immer ein Macher“, bringt es Andreas Resch auf den Punkt. „Aber ich habe meinen Kindern die Freiheit gelassen, sich für das zu entscheiden, was sie lieben.“

Nach einigen Praktika entschied sich Magnus dann doch für eine Schreinerlehre. Nicht beim Papa, sondern in einem Lehrbetrieb, der seinen Fertigungsschwerpunkt eher im Bauwesen hatte. Da wurden Fenster und Türen gesetzt, aber auch an Spezialanfertigungen getüftelt. Nach der Gesellenprüfung blieb er noch ein halbes Jahr, anschließend tauchte er für ein Jahr in den Werkstattalltag im Betrieb seines Vaters ein. Danach ging es auf die Meisterschule nach Garmisch. „Ich wollte mal Abstand haben, was anderes sehen, mich richtig konzentrieren“, erinnert sich der heute 25-Jährige. Das ist gelungen: „Ich habe dort viel gelernt.“ Und als er zurückkam, war für ihn klar: „Ich will übernehmen.“

Drei Wochen nach Island

Für seinen Vater war das eine echte Erleichterung: „Auch wenn ich immer ein tolles Team hatte, war es mir in der Vergangenheit nicht möglich, mehr als eine Woche Urlaub zu machen.“ Im letzten Jahr war es dann soweit: Drei Wochen Island, ohne Laptop, ohne Handy. Und als Andreas Resch zurückkam, sagte ein Architekt lachend: „Sie können wieder fahren, alles läuft.“ Das freut ihn: „Magnus ist ein offener Mensch, der gut auf Leute zugehen kann. Er tut sich leicht im Kontakt mit Kunden und Architekten.“

Und auch bei der fachlichen Kompetenz gibt es keine Abstriche. Magnus kümmert sich um die Visualisierungen mit Imos 3D und hat mit Flexijet ein neues, komplexes Aufmaßsystem eingeführt. „Damit habe ich mich schwer getan“, muss der Senior zugeben. Dafür erkennt der Junior an: „Bei der Kalkulation ist mein Vater viel schneller und sicherer als ich, da merkt man einfach die Erfahrung.“ Magnus Resch ist auch mit der Werkstattleitung betraut. Im Laufe der Jahre ist im Team eine Struktur gewachsen, die den Informationsfluss sicherstellt. Auftragsübergabe, die Tagesberichte der Monteure, Dokumentationen und einige Grundregeln: Die Mitarbeiter wissen, was zu tun ist. Nichtsdestotrotz müssen immer wieder Absprachen getroffen werden und einer muss da sein, der entscheiden kann.

Hochwertiger Katalog und Social Media

Auch im Marketing setzt Magnus Resch Akzente. Früher waren Empfehlungsmarketing und der Schreinerkatalog, den Andreas Resch zusammen mit Toni Werner entwickelt hatte, die einzigen Instrumente für die Kundengewinnung. Für mehr war einfach keine Zeit. Doch dass das nicht ganz zeitgemäß war, war schon länger klar, und nun gibt es nicht nur einen hochwertigen Image-Katalog mit 176 Seiten, sondern auch ein überarbeitetes Logo, einen neuen Internetauftritt und auch auf Instagram ist die Schreinerei aktiv. Das alles war und ist aufwändig und arbeitsintensiv, auch wenn sich Vater und Sohn einig sind: „Aufwand und Ertrag müssen stimmen. Und das Tagesgeschäft darf nicht leiden.“ Fünf Tage war Andreas Resch mit dem Fotografen unterwegs, um Fotomaterial für den Katalog zu generieren. Die Texte mussten geschrieben werden. Daraus entwickelte eine Grafikerin dann ein Kompendium, in dem das Unternehmen, seine Philosophie und viele Projekte erscheinen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Es ist wichtig, dem Kunden etwas in die Hand geben und ihm Referenzen zeigen zu können“, ist Andreas Resch überzeugt.

Den Internetauftritt hat Magnus Resch mit WordPress selbst erstellt. „Wir müssen dafür sowieso die Inhalte liefern und wir wollten die Seiten auch selber pflegen können. Das spart Zeit und Geld.“ Und auch für die Beiträge auf Instagram ist der Junior verantwortlich. „Hier können wir kurzfristig Kundenaufträge zeigen oder Projekte unserer Mitarbeiter posten.“ Das sei sowohl für die Kundenaquise als auch für die Gewinnung neuer Mitarbeiter interessant: „Viele junge Leute, aber auch unsere Kunden und Zulieferer sind auf Instagram aktiv.“

Rechtsform muss noch geklärt werden

Was die technische und organisatorische Entwicklung angeht, hat Magnus Resch auch schon Ideen: Er will die Werkstatt erweitern, in der es bei größeren Aufträgen immer wieder eng wird und ein automatisiertes Lager schwebt ihm auch vor. Das Grundstück dafür ist da, Pläne gibt es schon. Aber vorher müssen noch einige rechtliche Fragen geklärt werden.

Hier befindet sich vieles noch im Fluss: Zur Zeit ist Magnus noch bei seinem Vater angestellt. Andreas Resch firmiert als Einzelunternehmen, was viele Vorteile hat, wie er erklärt: „Wenn es um Anzahlungen geht, sind meine Kunden auf der sicheren Seite, da sie ja wissen, dass ich mit meinem ganzen Vermögen hafte.“ Das mache vieles einfacher und sei auch ein Verkaufsargument. Für Magnus ist die Übernahme allerdings nicht so einfach, schließlich gibt es es ja noch drei Geschwister. Deshalb wird aktuell gemeinsam mit der Handwerkskammer nach einer praktikablen Lösung gesucht. Welche Rechtsform könnte die Richtige sein? Vielleicht eine Stiftung? Für Magnus ist auf jeden Fall klar: „Ich will eine saubere, aber auch machbare Lösung, die für mich und meine Geschwister passt.“

Eine offene Kommunikation ist das A und O

Und was sind die Geheimnisse einer harmonischen Zusammenarbeit? Andreas Resch lacht: „Harmonisch ist es bei uns natürlich auch nicht immer, dazu gibt es im Alltag viel zu viele Faktoren, die Druck erzeugen können.“ Aber Magnus Resch macht deutlich: „Man muss miteinander reden.“ Eine offene Kommunikation sei für ihn das A und O. „Es gibt für alles eine Lösung“, ist er überzeugt und schließt lächelnd an: „Oft weiß ich ja schon vorher, was mein Vater sagen wird. Dazu kennen wir uns einfach viel zu gut.“

Ein paar Eckpfeiler gibt es aber doch: Abends und am Wochenende wird nicht mehr über den Betrieb gesprochen. Das läge nahe, denn die Familie macht viel gemeinsam und auch die Mutter, Sabine Resch, ist Tischlerin und seit Langem im Betrieb aktiv. Sie betreut die Oberfläche und ist auch im Büro tätig.

Auf lange Sicht will sich Andreas Resch noch weiter auf seine Position als Kundenberater und Verkäufer konzentrieren. Ganz aufhören will er nicht. „Ich brauche das“, sagt er und fügt hinzu: „Außerdem wäre das doch eine Know-how-Verschwendung ohnegleichen.“

Aber auf das Mehr an Freiraum freut er sich schon und träumt von Rallyes durch die Wüste. Seinem Sohn will er die notwendige Unterstützung geben: „Magnus soll Spaß an der ganzen Sache haben. Ich habe das Unternehmen gegründet und aufgebaut, aber jetzt soll es auch seins werden.“

Resch Innenausbau
64832 Babenhausen

www.reschinnenausbau.de


Regina Adamczak, BM-Redaktion

Da bin ich fast hinten rüber gekippt

„Aufhören? Ich?“

Ganz zum Schluss habe ich Andreas Resch noch gefragt: „Und? Wann planen Sie dann aufzuhören?“ Ich hatte da wohl irgend so ein Klischee vom „wohlverdienten Ruhestand“ im Kopf. Als ich die Antwort hörte, bin ich aus allen Wolken gefallen. „Aufhören? Ich? Warum soll ich denn aufhören? Verkaufen und beraten – das ist meine Welt. Das kann ich. Das macht mir Spaß. Das liebe ich!“ kam es wie aus der Pistole geschossen. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber wenn ich so drüber nachdenke: Wenn man für etwas wirklich brennt. Toll!

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