Schwäbische Schreinerei und Bauelementeanbieter Gräßle GmbH

Wir können alles – außer jammern!

Nimmt man den Flyer der Schreinerei Gräßle zur Hand, könnte man fast meinen, dass die ein bisschen dick aufgetragen haben: Möbel, Innenausbau, Glas & Design, Küche & Bad, Fenster & Türen sowie Böden & Decken – eigentlich alles. Warum mutet sich ein Betrieb mit fünf Mitarbeitern so viel zu? Sind das Allrounder, die sich für nichts zu schade sind, oder können sie eigene Stärken nutzen und durch geschicktes Zukaufen Schwächen ausgleichen?

Es gibt sie noch: Die Allrounder, die Firmen, die bei keiner Kundenanfrage nein sagen. Die Brüder Helmut und Roland Gräßle sind Schreiner vor Ort und im Ort. Nordwestlich von Stuttgart in der 4000 Einwohner-Gemeinde Enzweihingen. Der Kunde kennt die Brüder vom Kirchgang oder vom Einkaufen und man weiß, mit wem man spricht. Auch wegen des Bestattungsunternehmens, das unabhängig und in Kooperation mit einem Schreinerkollegen im Ort geführt wird.

Der Qualitätsgedanke steht immer an erster Stelle und Fehler werden selten gemacht und immer behoben. Anderes Handeln kann man sich nicht erlauben, denn im Dorf wird ja alles rumerzählt. Den zwei Brüdern, die das Unternehmen leiten, ist klar, dass die Leute vor Ort aktiv Mundpropaganda betreiben. Und so handelt man auch: „Wir schicken die Oma mit dem kaputten Stuhl nicht weg und man freut sich natürlich genauso über Aufträge jenseits der 200 000 Euro-Marke.“ Damit der Kunde zufrieden ist und die Firma weiterempfiehlt, wird auch auf das äußere Erscheinungsbild viel Wert gelegt. Die Werkstatt kann man ganz spontan besuchen und es wirkt immer ordentlich, die Ausstellung ist mit Liebe fürs Detail gestaltet und der moderne Fuhrpark wird in Schuss gehalten. Wichtig ist ihnen auch die ordentliche und einheitliche Firmenkleidung.
Für Helmut Gräßle ganz wesentlich: Bei jedem Kunden ist einer von den Chefs bei der Montage mit dabei, denn „sonst würden die sich minderwertig behandelt fühlen“.
Traditionsbewusst – Qualitätsbewusst
Traditionalisten stehen für Langlebigkeit auch in dem, was sie tun. So ist es auch bei den Gräßles. Und die Schreinerei hat eine lange Tradition: Sie besteht seit 1836. Der Großvater hatte 1922 das Unternehmen übernommen. Auch der Vater trat in diese Fußstapfen und führte seit 1967 die Betriebsgeschicke weiter. Und 1993 übernahmen die zwei Brüder das Ruder. Seit den achtziger Jahren arbeitet man zusammen aber auch der 74-jährige Vater kommt immer noch fast täglich in sein Büro und in die Werkstatt.
Aufgrund der Enge und der verwinkelten alten Werkstatt mitten im Ort, hielt man schon länger Ausschau nach einem adäquaten Bauplatz für ein modernes Betriebsgebäude. Ende der Neunziger Jahre war es so weit: Nun bot sich ein Grundstück am Ortsrand zum Kauf an. Die wichtigste Voraussetzung – nämlich im Ort bleiben zu können – konnte erfüllt werden. 2001 gab es den ersten Spatenstich und im Jahre 2003 zog man in das neue Betriebsgebäude um. Selbstverständlich hat man das meiste selbst in die Hand genommen und auch immer nur dann am Gebäude gearbeitet, wenn es die Auftragslage zuließ. Die Auftragsbücher sind voll (10 – 12 Wochen Auftragsbestand) und das bei einem Aktionsradius von selten mehr als 30 km. Eigentlich ist soviel Arbeit vorhanden, dass man einen zusätzlichen Schreiner einstellen könne. Nur leider hat man noch keinen gefunden.
Zukaufen, wo es sinnvoll ist
Aber auch oder gerade bei diesen „Alleskönnern“, gibt es Bereiche, die man besonders gerne selbst macht und Bereiche, die man lieber zukauft. Schließlich ist das kleine Team gar nicht in der Lage, alles mit einem hundertprozentigen Fertigungsgrad anzubieten. Mitarbeiterzahl momentan: Die zwei Chefs und deren Frauen, die im Büro mitarbeiten, einen Meister, 2 Lehrlinge und einen Monteur, der schon seit 16 Jahren unabhängig und als Subunternehmer die Bauelemente montiert. Also gilt es, Teile zuzukaufen, die andere besser und zu günstigeren Konditionen machen können.
Die Gräßles haben dabei ihren Weg gefunden: Die Umsatzanteile von dem Bauschreinerbereich und dem Innenausbau sind zwar ausgeglichen, dennoch ist der Möbel- und Innenausbau das besondere Steckenpferd der Brüder. Bei individuellen Einrichtungslösungen und Solitärmöbel kann ihnen so schnell keiner etwas vormachen.
Viel sinnvoller ist da die Arbeitsteilung im Bauelementebereich: Die beiden nutzen hier ganz gezielt die Angebote spezieller Hersteller. Und eines ist für Gräßles klar: Der Qualitätsgedanke ist auch beim Zukaufsprodukt das entscheidende Kriterium. Was entspricht meinem Niveau, welcher Anbieter passt zu mir und zu meinem Produktportfolio? Und: Kann der Zulieferer auf meine ganz speziellen Wünsche entsprechend reagieren?
Bei den Kunststofffenster und -türen hat man Tryba-Reckendrees ausgewählt. Nach Gräßles Meinung sind deren Produkte nicht die billigsten, aber dafür „immer ihren Preis wert“. Der Bestellvorgang ist eingespielt. Auch die Liefertreue passt: Bei der Anfrage erhält man schon einen Liefertermin, der (fast) immer eingehalten werden kann. Für die Kunststofffenster werden durchschnittlich 14 Arbeitstage veranschlagt. „Wenn das nicht klappt, rufen die rechtzeitig vorher an.“
Bei den Holzfenstern verlässt man sich auf Kneer-Südfenster. Auch da bestehen die Kontakte schon sehr lange und Produktmäßig gab es selten Enttäuschungen. Aber der Wunsch nach einem Holzfenster ist bei Gräßles Kunden sehr eingeschränkt: „98 Prozent wählen Kunststofffenster, 2 Prozent Holz-Alu und der Rest möchte ein Holzfenster“, witzelt Helmut Gräßle. Er versucht aber nicht seine Kundschaft für ein Material umzustimmen. „Auch ein Kunststofffenster hat seine guten Eigenschaften, die ich als Holzverarbeiter nicht wegdiskutieren möchte.“ Also liefert der Westerheimer Fensterhersteller vor allem hochwertige Holz-Alu-Fenster nach Enzweihingen.
Das gleiche gilt eingeschränkt auch für das Handelsprodukt Haustür: Aluminium-Haustüren liefert Tryba, viele Holz-Haustüren macht man selbst in handwerklicher Qualität.
Und bei den Innentüren gibt es genauso zwei Marken, denen man treu bleibt: Köhnlein und Comtür.
Beschläge? Bei Häfele nutzt man den Bestellvorgang über das Internet. „Die bringen dann die Produkte wenn nötig zweimal die Woche zu uns. Das klappt immer richtig toll.“
Katastrophal sieht Helmut Gräßle die Lieferqualität der Holzwerkstoffhersteller. „Diese Produkte werden immer schlechter, eine Platte kommt immer seltener ohne Fehler in die Werkstatt.“ Und leider gelte das für alle. Die Möglichkeit, mehr Qualität für mehr Geld zu bekommen ist also in seinen Augen gar nicht erst möglich.
Nach wie vor ist der Außendienstler gefragt, der aber mit dem richtigen Gefühl für die Besucherfrequenz ausgestattet sein sollte: Man wäre genervt, wenn der Firmenrepräsentant ständig auf der Matte steht. „Die kommen auf Anforderung und einmal im Jahr zur allgemeinen Kontaktpflege. Mehr wäre nur lästig. Aber wenn man sie braucht, müssen die auch ganz schnell da sein und Lösungen liefern.“
Offenes Geheimnis Handelsmarke
Jedes Unternehmen muss selbst die Entscheidung treffen, ob es die Handelsmarken offen ihren Kunden mitteilt und diese für ihr eigenes Marketing eventuell sogar nutzt. Manche möchten diese Namen jedoch gar nicht erst in Erscheinung treten lassen. Die Schreinerei Gräßle beschreitet hier einen Mittelweg: Handelsprodukte werden nicht offensiv beworben, aber dennoch nutzt man den guten Namen eines Qualitätsproduktes.
Aber: Eine mögliche Marketingunterstützung durch die Zulieferer wird nicht angenommen. Eine Fahne oder das Plakat vor dem Gebäude sollte nur für das Unternehmen selber sprechen und nicht für den Zulieferer, so Gräßles Meinung.
Überhaupt geht man mit Werbung eher sparsam um. „Schließlich können die Kunden durchs Weitersagen viel mehr für das Unternehmen tun.“
Dennoch: Man veranstaltet jährlich einen Tag der offenen Tür und einmal im Monat einen Schausonntag. Orientiert hat man sich da an dem gegenüberliegenden „Holzland“-Baumarkt. „Wenn dort Interessenten Sonntags durchbummeln, schauen die auch anschließend gerne bei uns herein. Dadurch entstanden schon viele Kontakte.“ Zusätzlich ist die Ausstellung dreimal in der Woche (2 x nachmittags und Samstag vormittags) geöffnet. In dem großen, hellen Raum werden vor allem Bauelemente präsentiert, aber auch selbst gefertigte Möbel und Inneneinrichtungen. Die Ausstellung an sich ist schon ein Hingucker: Die sichtbare Dachkonstruktion verleiht zusätzlichen Charakter, viel Tageslicht erhellt den Raum. Ein Regal mit antiken Holzbearbeitungswerkzeugen vermittelt das gute Gefühl eines bodenständigen Schreiners, der sich seiner Tradition bewusst ist. ■
von BM-Redakteur Daniel Mund
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