Perfektes Team: die Tischlerei Detjen und Schröder Lackiertechnik

Wir sind Tischler, keine Maler

In der Bau- und Möbeltischlerei Detjen werden Tausende von Holzfenstern und Hunderte von Haustüren auf hochmodernen Anlagen produziert. Lackiert aber werden sie dort nicht. Das hat Schröder Lackiertechnik schon vor mehr als 30 Jahren übernommen und davon profitieren beide Unternehmen.

von Rainer Kemner

Holzfenster herstellen – ohne sie selber zu lackieren!? Für Heino Detjen, der den alteingesessenen Betrieb 1980 von seinem Vater übernommen hatte, war schon immer klar: „Ich will Tischler sein, kein Maler.“ Und so entschied er sich bereits in den 80er-Jahren für das „Outsourcing“ der Fensterlackierung. Sohn Marco, der schon früh in den Betrieb im niedersächsischen Ahlerstedt mit einstieg und ihn 2009 komplett übernahm, setzte diese Tradition fort. Und so ist es heute für alle Mitarbeiter im Unternehmen selbstverständlich, dass Holzfenster und Haustüren regelmäßig im rohen Zustand abgeholt werden und eine Woche später perfekt lackiert wieder in der Werkstatt stehen.

Roh abgeholt und perfekt lackiert zurück

„Wir arbeiten mit der Schröder Lackiertechnik nun seit über 30 Jahren zusammen und haben die besten Erfahrungen gemacht“, berichtet Tischlermeister Marco Detjen. „Es gibt für uns keinen einzigen Grund, daran etwas zu ändern.“ Malermeister Jürgen Schröder hatte bereits 1980 begonnen, neben dem klassischen Malergeschäft für benachbarte Tischlereien Holzfenster zu lackieren. Die Vorteile lagen schon damals auf der Hand: Tauch- und Spritzverfahren, von einem Profi durchgeführt, sichern eine gleichbleibende Qualität und ersparen dem kleineren Handwerksbetrieb die Investitionen für die Anlagentechnik. Das Unternehmen aus Brockel entwickelte sich ständig weiter: Im Jahr 2011 wurde der erste 6-Achs-Spritzroboter installiert, 2015 kam ein zweiter hinzu.

Umweltfreundliche Lackierverfahren

Schon Mitte der 90er-Jahre stellte die Schröder Lackiertechnik bei der Fensterlackierung auf wasserverdünnbare Lacke um. Und schon bald wurde auch eine der ersten Cool-Lackrückgewinnungsanlagen für die Spritzlackierung installiert. Björn Schröder, Maler- und Lackierermeister, der seit 2004 gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen leitet, ist stolz: „Bei uns erhält der Kunde nicht nur eine perfekte Oberflächenqualität, auch für unsere umweltfreundlichen Lackierverfahren sind wir schon ausgezeichnet worden.“

Anlagentechnik für optimalen Arbeitsablauf

Für den Vierfach-Auftrag stehen zwei Flutanlagen, zwei Spritzroboter und ein Trockenkanal zur Verfügung. Die automatischen Lackieranlagen sind mit einer Coolac-Lackrückgewinnung ausgestattet, die 60 bis 80 Liter Material pro Schicht zurückgewinnen. Für Sonderfälle steht auch eine konventionelle Spritzwand zur Verfügung.

Um eine konstante Qualität, gleichbleibende Schichtdicken und ausreichenden Holzschutz zu gewährleisten, setzt man in Brockel auf einen tausendfach bewährten Arbeitsablauf:

  • 1 x automatisch fluten mit Grundierung als Haftvermittler (bei Nadelholz auch mit Holzschutz)
  • 1 x automatisch fluten mit Zwischenlasur oder Lack
  • 1 x Zwischenschliff – zu 70 % automatisch und zu 30 % manuell
  • 1 x automatisch spritzen mit Scanner und Roboter (Zwischenlack, ggf. mit Sperrgrund)
  • 1 x automatisch spritzen mit Scanner und Roboter (Decklack)

Die Glashalteleisten, die mittlerweile häufig als Rahmen gebaut werden, durchlaufen gemeinsam mit dem Flügel das gleiche System. Vor dem Lackieren werden sie in die Flügel eingesetzt, wobei das besondere Lacksystem ein Verkleben verhindert. Zum Verglasen kann der Rahmen einfach wieder herausgenommen werden; es sind keine aufwendigen Klammervorrichtungen zu entfernen.

Gesicherte Qualität zum vereinbarten Preis

Zur Dienstleistung von Schröder gehören sowohl die Abholung als auch der Rücktransport durch eigene Lkw, sodass innerhalb einer Woche die Fenster und Türen fix und fertig lackiert wieder in der Werkstatt des Tischlers stehen. Vorteil: Die Lackierung erfolgt zum vereinbarten Preis in gesicherter Qualität – es gibt für den Fensterbauer keine Überraschungen bei der Nachkalkulation, weil beispielsweise bei der Oberfläche die Zeiten davongelaufen sind. Kostenvorteile durch günstige Einkaufspreise, Lackrückgewinnung und Automatisierung werden an die Kundschaft weitergegeben, sodass sich eine Win-win-Situation für beide Seiten einstellt und viele Fensterbauer schon seit Jahrzehnten in Brockel lackieren lassen.

Die gute Zusammenarbeit mit dem Tischlerhandwerk unterstrich Schröder Lackiertechnik, indem man im vergangenen Jahr „Tischlerpartner“ durch die Fördermitgliedschaft im iBAT, dem Institut für Betriebs- und Arbeitstechnik beim Verband Tischler Nord, wurde.

Mehr CNC macht’s möglich

Dass auch in der Bau- und Möbeltischlerei Detjen die Zeit nicht stehen geblieben ist, zeigen die Investitionen: Im Jahr 2016 wurde eine neue Halle mit 800 m2 angebaut, um u. a. Platz für ein zweites CNC-Bearbeitungszentrum zu schaffen. 2017 konnten dann ein Homag BMB 811 für die Fensterfertigung und eine Homag BOF 211 für die Fertigung von Haustüren, Rundbögen und Treppen in Betrieb genommen werden. Das BMB 811 bietet auf dem Werkzeugwechsler Platz für 72 Werkzeuge von Zuani, die alle automatisch eingewechselt werden können. Besonders vorteilhaft: Die Werkzeuge können bei Bedarf auf dem zweiten Homag-BOF-Bearbeitungszentrum verwendet werden und sind auch dort softwaretechnisch eingepflegt.

In Zukunft auch für Kollegen

Die neuen Fertigungskapazitäten ermöglichen nicht nur eine Einzelteilfertigung in höchster Qualität, sondern auch eine noch höhere Stückzahl, sodass in Zukunft auch Fenster an Kollegen zugeliefert werden können. Das Spektrum reicht von IV-68-Fenstersystemen über 78-mm-Konstruktionen bis hin zu hochdämmenden IV-90-Systemen oder auch Holz-Alu-Konstruktionen.

Zehn Tischlergesellen, ein Auszubildender und ein Helfer sorgen in der Werkstatt und auf der Baustelle für die Wertschöpfung, während die Arbeiten im Büro und in der Arbeitsvorbereitung von Marco und Ehefrau Heike Detjen sowie zwei Meistern erledigt wird.

Von Ahlerstedt nach Brockel und zurück

Trotz der Investitionen und einer wesentlich vergrößerten Werkstattfläche hat man sich bei der Bau- und Möbeltischlerei Detjen dafür entschieden, die eigene teure Lackieranlage zu sparen und die Fenster- und Haustürenlackierung weiterhin an die Schröder Lackiertechnik außer Haus zu vergeben. Nur für Sonderfälle, Treppen oder natürlich Möbel gibt es noch einen Spritzraum, die Holzfenster und Haustüren aber werden konsequent von Ahlerstedt nach Brockel geschickt.

Detjen Bau- und Möbeltischlerei GmbH

21702 Ahlerstedt

www.tischlerei-detjen.de

Jürgen Schröder GmbH

27386 Brockel

www.lackiertechnik-schroeder.de


Der Autor

Dipl.-Ing. (FH) Rainer Kemner ist mit seinem Ingenieurbüro als Berater und Referent im Bereich der Holzverarbeitung aktiv.