Wilhelm Freund entwickelt als Handwerker 4.0 seine Tischlerei der Zukunft. Zu Besuch bei einem besonderen Freund - BM online

Wilhelm Freund entwickelt als Handwerker 4.0 seine Tischlerei der Zukunft

Zu Besuch bei einem besonderen Freund

„Ich sag’s gleich: Ich bin nicht Meister Eder. Ich bin eine Diva!“ Mit diesen Worten überreicht Wilhelm Freund seine Visitenkarte. Und tatsächlich: Unter seinem Namen steht nicht etwa Tischlermeister oder Träger des Niedersächsischen Wirtschaftspreises 2017 Mittelstand & Handwerk, sondern schlicht: Diva.

Christian Gülde

Es gibt Typen, die polarisieren. Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn ist so einer, Schauspieler Ben Becker oder auch Visionär Elon Musk, der deutsche Autobauer mit seinen Teslas unter Strom setzt. Was auffällt: Typen, die polarisieren, faszinieren auch – und in der Regel haben sie richtig was auf dem Kasten. Ein solcher Typ ist Wilhelm Freund, 911er-Fahrer und seit zwanzig Jahren Tischlermeister.

Fast genauso lang führt er gemeinsam mit seiner Frau Anke die Tischlerei Dein Freund in der Wedemark bei Hannover, die heute so manchen Promi zu ihren Kunden zählt und Ende des vergangenen Jahres mit dem Niedersächsischen Wirtschaftspreis 2017 Mittelstand & Handwerk ausgezeichnet wurde. Die Jury würdigte damit vor allem, dass Freund und sein Team die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich angenommen haben.

Ein Freund klarer Worte

Wie der Meister-Eder-Spruch gleich zu Beginn zeigt, kommt Freund schnell zur Sache. Auch auf seiner topmodernen Website, mit der Digital-Pionier Freund bereits Anfang des neuen Jahrtausends online ging. Dort steht neben einem Porträt der selbsternannten Diva: „Außergewöhnliche Qualität darf selbstbewusst auftreten.“

Wer ein wenig Zeit mit Freund verbringt, merkt schnell, dass er auf dem schmalen Grat zwischen falscher Bescheidenheit und Arroganz trittsicher unterwegs ist und sich schon bald als der Freund zu erkennen gibt, mit dem man gerne auch mal ein Bier zusammen trinkt. Dann erzählt er begeistert von seinen Kunden, die er gerne Patienten nennt, und vor allem von seinem coolen Maschinenpark mit nagelneuer Kantenanleimmaschine von Holz-Her und der 5-Achs-CNC von Morbidelli mit Netzwerkanbindung. Besonders stolz ist Freund auf seine wohl einmalige Sonderedition der Altendorf-Formatkreissäge F45 Edition 500, die eine Signatur von Tom Altendorf trägt.

Zwei Jahrzehnte Innovationskraft

„Als wir mit unserer Firma begannen, gingen wir zunächst klassischen Tischlerarbeiten nach“, erinnert sich Freund. „Doch da die Nachfrage nach hochwertigen Möbeln sehr schnell stieg, entschieden wir uns, in eine größere Werkstatt zu wechseln und neue präzise Maschinen anzuschaffen.“

Mit dem Umzug an den heutigen Firmensitz im 800-Einwohner-Dorf Negenborn im Jahr 2000 standen fortan rund 1000 m² Fertigungsfläche zur Verfügung – ein vortrefflicher Gestaltungsraum für den kreativen Freund und seine Frau Anke, die ihm als Betriebsmanagerin stets den Rücken freihält. „Der ganze Platz musste nun ausgefüllt werden – mit Werkzeugen, Maschinen, Mitarbeitern und natürlich auch Aufträgen. Das war für mich als gerade einmal 25-jährigen Jungunternehmer eine richtig große Herausforderung“, so Freund rückblickend. „Angenommen haben wir diese Herausforderung auch dadurch, dass wir von Anfang an in moderne Technik zur Bewältigung der anstehenden Aufträge investierten. PC und Laptop, Kommunikation mit E-Mails, ein schicker Webauftritt und der Einsatz diverser Software-Tools waren vom Start weg mit dabei!“

Was Freund aus den Anfangstagen seines Unternehmens berichtet, klingt heute zwar wenig spektakulär, doch es zeigt, dass er bereits digital unterwegs war, als viele seiner Kollegen bei Bits nur an auswechselbare Schraubendreherklingen dachten.

Starke Korpusse und digitale Seelen

Aber auch Freund hatte den Weg der Digitalisierung nicht unbedingt generalstabsmäßig geplant. „Man könnte auch sagen“, so Freund, „dass sich die Digitalisierung mit der Firmengründung bei uns zum Teil auch einfach eingeschlichen hat, sie wurde schließlich mit den modernen Geräten mitgeliefert. Als wir zur Jahrtausendwende die ersten Maschinen mit speicherprogrammierbarer Steuerung bekamen, war uns klar, dass wir alle Mitarbeiter auf den Weg der Digitalisierung mitnehmen wollen und sorgten dafür, dass sie entsprechend geschult werden.“

Freund und sein Team stellten bald fest, dass die Wiederholungsgenauigkeit für die Korpus-Bearbeitung und präzise Maße für die Verarbeitung von modernen Möbelbeschlägen die Voraussetzungen für eine rationellere Fertigung sind. Sie investierten deshalb in ihr erstes CAD-Programm. „Das war eine Anschaffung, die sicherlich richtungsweisend war – man könnte sie aus heutiger Sicht vielleicht als ‚digitale Seele‘ des Betriebes bezeichnen“, sagt Freund.

Zielstrebigkeit zahlt sich aus

Natürlich gab es auf dem Weg zur Digitalisierung auch einige holprige Nebenstrecken und Hindernisse, die überwunden werden mussten. „Neben den enormen Kosten für die Anschaffung und Ersatzteile der Holzbearbeitungsmaschinen, waren dies vor allem Rückschläge bei der Software- und Hardware-Anpassung und Probleme bei der Datensicherung“, erinnert sich Freund, hebt aber im gleichen Atemzug zahlreiche positive Aspekte hervor: „Wir erhielten wirklich große Unterstützung durch unsere Hausbank im Existenzgründungs- und auch Erweiterungsbereich. Und dank optimaler Kontakte zu unseren Maschinenlieferanten sowie der sehr guten Beratungs- und Fortbildungsmöglichkeiten durch die Handwerkskammer Hannover wurde uns der Weg zum heutigen Handwerk 4.0. geebnet.“

Team und Technik wie aus einem Guss

Freund ist ein überzeugter und sehr aktiver Netzwerker, technisch gesehen wegen seines kommunikativen Maschinenparks, aber auch zwischenmenschlich. Denn er versteht es gemeinsam mit seiner Frau Anke, verlässliche Kooperationen aufzubauen und auf seinem Weg alle Beteiligten mitzunehmen. Vor allem sein Team, das für ihn das Wichtigste ist.

Freund ist ein Typ, der klare Kante zeigt. Auch hier gibt es mit der brandneuen, rund 90 000 Euro teuren Kantenanleimmaschine einen technischen Aspekt. Die mit ihr ermöglichte optische Nullfuge, die Korpusse, Fronten und mehr wie aus einem Guss erscheinen lässt, gibt auch im übertragenen Sinne für die Tischlerei Dein Freund die Richtung vor: Die Übergänge zwischen Digitalisierung und klassischem Handwerk werden zunehmend unsichtbar, Wilhelm Freund, seine Frau Anke und das Team mit seinen modernen Maschinen wirken wie eine Tischlerei des 21. Jahrhunderts aus einem Guss.

www.deinfreund.de

Hier gibt es bewegte Einblicke in die Tischlerei Dein Freund:

 


Der Autor

Christian Gülde ist Sprachwissenschaftler, arbeitete unter anderem beim NDR und bei Manufactum und leitet heute eine Kommunikationsagentur in Hannover.

www.wunderkind-communication.com

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