Zwischen Kaufzurückhaltung, Nachrüstung und Umstiegsprämie

Diesel und kein Ende

Auf den Selbstzünder kommen im Handwerk weiterhin die meisten Transportaufgaben zu. Als Kaufentscheider sollte man allerdings in seiner langfristigen Planung über Details Bescheid wissen.

Thomas Dietrich

Diesel ist nicht Diesel: „Euro 6“ wäre eine Antwort, die bei der Frage nach der Emissionsklasse allein nicht zufriedenstellen darf. Denn der Trend ist klar: In gut zwei Jahren, wenn Schadstoffgrenzen für Ballungsgebiete und die Zulassungsbestimmungen für Neufahrzeuge nochmals deutlich verschärft sind, wird sich der Marktwert eines Selbstzünders (und auch eines Benziners) an der exakten Bezeichnung seiner Zulassungsart orientieren.

Was genau ist momentan regelkonform?

Dazu nur ein paar Details: Um relevante Abgaswerte für eine Typzulassung eines neuen Automodells zugrunde zu legen, hatte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) bis August 2018 auf das praxisfremde NEFZ-Verfahren (Neuer Europäischer Fahrzyklus) gesetzt. Jetzt müssen die Hersteller für die Typzulassung eines Fahrzeugs den Energieverbrauch und die Emissionen im längeren und aufwendigeren WLTP-Verfahren bei unterschiedlichen Betriebszuständen ermitteln lassen (WLTP = Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Und dies gilt für die unterschiedlichsten Kombinationen von Karosserie, Motor, Getriebe und Reifendimension. Werden dabei definierte Grenzwerte eingehalten, gibt es die Freigabe gemäß Euro 6c.

Für Zulassungen gelten Übergangsfristen

Leichte Nutzfahrzeuge wie Lieferwagen und Transporter müssen die gleiche Hürde nehmen wie Pkws. Doch derzeit stehen hier nur wenige neue Modelle vor der Markteinführung und damit vor der Typzulassung. Bei den Transportern (zulässiges Gesamtgewicht 2,8 t oder höher) haben die Hersteller den 1. September 2019 als Frist gesetzt bekommen, um nötige Modifizierungen einer Typzulassung vorzubereiten. Binnen eines Jahres müssen sie dann die Serienproduktion komplett auf die geltende Emissionsklasse umstellen.

Euro 6d Temp hat Status eines Gütezeichens

Für die Zulassung von Lieferwagen messen einige Marken der Zulassungsart Euro 6c keine entscheidende Bedeutung bei, sondern streben gleich die wertigere Zulassung gemäß Euro 6d Temp an. Hierbei kommt zum WLTP-Verfahren noch ein zertifizierter Testzyklus hinzu, der die Realemissionen des Fahrzeugs in einem eingehenden RDE-Prüfverfahren im Straßenverkehr ermittelt (RDE = Real Driving Emissions). Dabei dürfen Benziner den NOx-Grenzwert (Stickoxid) von 126 mg pro km nicht überschreiten. Für Diesel gelten 168 mg. Diese Zulassungsart gesteht den Verbrennern auch noch eine etwas großzügigere Toleranzbreite bei den Emissionen zu. Befristet hat das KBA dies bis Ende 2019.

Ab 2021 extreme Schadstoffreduzierung

Seit dem 1. Januar 2020 gilt Euro 6d (Final) mit nur noch geringen Toleranzen der bekannten vorgegebenen Grenzwerte. Das bezieht sich wiederum zunächst auf die Typzulassung einer Fahrzeugreihe. Alle daraufhin in Serie gebauten Fahrzeuge müssen diese Bedingungen spätestens zum 1. Januar 2021 erfüllen.

In größeren und teureren Fahrzeugen (sowohl Pkw als auch Transporter) wird man den nötigen Aufwand in der Abgasreinigung mit einem zweistufigen Katalysator samt ausgefeiltem Thermomanagement realisieren können. Davon zeigten sich Motorexperten bereits im Frühjahr 2018 überzeugt.

Mit Komponenten, die für Dieselaggregate in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind, haben Testfahrzeuge und Motorentwickler von Bosch im realen Fahrbetrieb Messergebnisse mit durchschnittlich 13 mg Stickoxid geliefert – wie zuvor erwähnt: Euro 6d definiert die Emissionsgrenze für den Diesel im Fahrbetrieb bei 168 mg.

Premieren – Strategien – Markteinführungen

Deshalb konzentrieren sich Hersteller von leichten Nutzfahrzeugen darauf, dass sie spätestens zum September 2019 ihre Typzulassungen für Euro 6d Temp erreichen. Mustergültiges gibt es schon jetzt: Citroën Berlingo, Peugeot Partner und Opel Combo kommen mit einer Euro-6d-Temp-Zulassung zum Marktstart Ende 2018 zu den Händlern. Auch die Lieferwagen Courier und Connect von Ford erfüllen inzwischen diese Emissionsstufe.

Bei den Transportern vermarktet Iveco bereits seit etlichen Monaten die Serie Daily Blue Power. Dazu gehören ein Elektro- und ein Erdgas-Transporter und der erste in Europa zugelassene Transporter mit Dieselmotor, dessen Realemissionen nach zertifizierten RDE-Kriterien geprüft wurden. Darüber hinaus sind in puncto Euro 6d Temp in der Transporterklasse noch keine weiteren Fakten geschaffen worden.

Neuanschaffung oder lieber abwarten?

Mit diesen Rahmenbedingungen sieht sich der Entscheider im Handwerksbetrieb konfrontiert, wenn er über kurz oder lang ein (weiteres) Fahrzeug anschaffen muss. Die Ausgangslage lässt die Qual der Wahl.

Stichwort Umstiegsprämie: Anreize sollen jetzt entstehen, weil Hersteller – zur Vermeidung von Fahrverboten – im Umfeld etlicher Städte für Besitzer älterer Diesel vergünstigte Neufahrzeuge anbieten. Doch äußerten sich Branchenkenner verhalten bis kritisch, weil sie in einer Neuzulassung gemäß Euro 6c lediglich eine Absatzförderung der jetzt laufenden Produktion sehen, nicht aber eine entscheidende Wende pro Umwelt.

Die Nachrüstung bei einem wenige Jahre alten Euro-5-Diesel durch ein hocheffizientes Abgassystem würde nachweislich zwar der Umwelt etwas bringen, doch das führte in einen Paragrafen-Dschungel: Es erfordert nämlich das Procedere einer Musterzulassung, die für die Kombination von neuem SCR-Kat und dem jeweiligen Fahrzeugmodell fällig wird – erfahrungsgemäß würde dies viele Monate dauern. Hinzu kommt, dass die Automobilhersteller eine Haftung für mögliche Folgeschäden ablehnen und die Verantwortung für den Umbau den Nachrüstern zuschieben.

Stichwort Leasing: Für einen Transporter oder Lieferwagen, der noch kein Euro 6d Temp hat, könnte man ein Leasing bis 2021 vereinbaren. Damit ließe sich das Risiko eines möglichen Preisverfalls dem Händler übertragen. Doch das ist riskant. In der finalen Beurteilung von Gebrauchsspuren am Handwerkerauto oder durch andere Raffinessen wird ein Händler Möglichkeiten finden, mit denen sich ein etwaiger Wertverfall am Nutzungsende kompensieren lässt.

Stichwort Elektromobilität: Hier spielt Leasing eine noch größere Rolle, um die hohen Kosten der teuren und nicht alterungsbeständigen Fahrzeugakkus zu kompensieren. Die Marken Citroën, Peugeot, Renault, Nissan, Mercedes-Benz Vans, Iveco, VW Nutzfahrzeuge und weitere Hersteller besetzen dieses Geschäftsfeld mit sehr hohen Investitionen und schnüren Pakete, die Akzeptanz und Absatz im Bereich der E-Mobilität fördern sollen.

Fazit: Aktuell noch kein Handlungsbedarf

Aufgrund einer möglichen Ausnahmegenehmigung für einen älteren Diesel entsteht für einen Handwerksbetrieb auf absehbare Zeit kein Handlungsdruck. So ließe sich ein Fahrverbot für den Innenstadtbereich eine geraume Zeit überbrücken. In zwei Jahren, wenn verschärfte Zulassungsbestimmungen für Transporter Wirkung zeigen, wird man in eine Dieseltechnologie gemäß Euro 6d investieren können, die in die Zeit passt.


Der Autor

Thomas Dietrich, Fachjournalist aus
Solingen, berichtet im BM jeden Monat
über Neuheiten aus der Fuhrparkwelt.

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