BM-Fuhrpark: Elektro-Mobilität, Ladesäulen und Reichweite. Kabelgebunden - BM online

BM-Fuhrpark: Elektro-Mobilität, Ladesäulen und Reichweite

Kabelgebunden

Wer mit dem E-Mobil mehr als die Kurzstrecke bewältigen will, der wird sich mit Reichweite und Ladestandards auseinandersetzen müssen. Das schult für die Zukunft, denn der gehört ja das E-Auto – im Straßenbild ist davon noch nicht viel zu sehen.

Von Thomas Dietrich

Wer wissen will, wie praktikabel Elektromobilität sein kann, wie die Infrastruktur darauf ausgerichtet ist und wie man Bürger geschickt einbindet, der kann sich am besten in Norwegens Hauptstadt informieren. Ob Fahrzeughersteller, Städteplaner, Energieexperte oder Entwickler: Für sie ist bei E-Mobilität der Großraum Oslo der Markt Nr. 1 in Europa.

Langsame Bewegung im deutschen Markt

Deutschland dagegen wirkt wie abgeschlagen. Angesichts der ursprünglich angestrebten eine Million E-Fahrzeuge bis 2020, kam der Stand der Zulassungen bis Anfang des Jahres 2017 einem Flop gleich.

Eine Prämie von 4000 Euro für ein reines Elektrofahrzeug und 3000 Euro für ein Hybrid-Vehikel hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt nur für wenige Interessenten als wirklichen Kaufanreiz erwiesen.

Doch inzwischen kommt das staatliche Förderprogramm in Fahrt – denn drohende Fahrverbote in Innenstädten beeinflussen nun offenbar so manchen Entscheider.

Transporter in der Entwicklung

Welches Nutzfahrzeug könnte man überhaupt mit E-Antrieb erwerben? Auf dem deutschen Transportermarkt ist momentan lediglich der Iveco Daily Elektric im Angebot, für den ein Listenpreis von etwa 70 000 Euro zzgl. MwSt. genannt wird. Andere Marken sind aktuell noch gar nicht lieferfähig.

Daimler ist mit einem Feldversuch beschäftigt, der den Logistiker Hermes einbezieht, um Vito und Sprinter mit E-Antrieb alltagstauglich zu machen. Mitte 2018 soll zunächst der E-Vito beim Händler stehen, bestellen lässt er sich bereits. Auch Ford ist mit seinem großen Transit elektrisch unterwegs, entwickelt aber zunächst mit der DHL-Tochter Streetscouter einen großvolumigen Paketwagen.

Für den Handwerker wird in den nächsten Monaten allerdings keine Version in Sicht kommen, die „emissionsfrei“ in der Stadt unterwegs sein kann.

Volkswagen Nutzfahrzeuge will schneller sein und den E-Crafter bereits ab dem Frühsommer anbieten. Momentan gibt es Feldversuche gleich mit mehreren Logistikern.

Für 2022 hat VW den futuristisch wirkenden I. D. Buzz angekündigt, einen Elektro-Bulli, der auch als Cargo-Variante für das Handwerk entwickelt wird.

Einige Lieferwagen bereits im Angebot

Bei den Lieferwagen ist das zur Zeit verfügbare Modellangebot an Elektrofahrzeugen deutlich umfangreicher und sieht wie folgt aus:

  • Citroën hat den Berlingo Electric im Programm
  • Nahezu identisch dazu zeigt sich der Peugeot Partner Electric
  • Nissan bietet den E-NV200 e-NV200 jetzt auch mit verlängerter Reichweite
  • Renault hat den Kangoo Z. E. (Zero Emission) jetzt mit einem modifizierten Antrieb und verlängerter Reichweite im Angebot
  • und VW-Nutzfahrzeuge listet den E-Load Up als kleines Serviceauto.

Weit umfangreicher ist die Auswahl bei den Pkw mit E-Antrieb oder als Hybridvariante.

Kurzstrecke? Kein Problem!

Handwerksbetriebe, die mit einem Lieferwagen nur Entfernungen bis zu etwa 80 km zurücklegen, werden sich bei einem E-Mobil weder mit einer begrenzten Reichweite noch mit dem bestehenden Wirrwarr um diverse Ladesysteme und unterschiedliche Stecker auseinandersetzen müssen. Sie können jeweils nach der Arbeit auf dem Betriebshof an einer herkömmlichen Steckdose oder einer etwas leistungsstärkeren Wallbox aufladen. Nach acht Stunden Ladezeit wird genügend Energievorrat an Bord sein. Wer allerdings über eine größere Distanz elektrisch mobil sein will, muss sich noch vor dem Kauf mit den Lade-Standards vertraut machen.

Ein Beispiel: Wenn in den technischen Daten zum E-Mobil eine Reichweite von 270 km nach Neuem Europäischem Fahrzyklus angegeben ist, lassen sich erfahrungsgemäß davon 100 km streichen, um auf eine realistisch erreichbare Entfernung zu kommen – bei Frost und Dunkelheit geht nochmals um einiges weniger. Doch es ist keineswegs allein die zur Verfügung stehende Reichweite, die auf der Langstrecke ins Gewicht fällt.

Schnellladung erwünscht?

Wer unterwegs eine Ladezeit einplanen muss, wird nicht lange pausieren wollen – das bedeutet: Eine Schnelllademöglichkeit muss her. Bei neuen Fahrzeugen sind diverse Systeme gebräuchlich. Folgende Infos sollten also daher vor der Kaufentscheidung Beachtung finden:

  • Der CCS-Ladestandard ist die derzeit modernste Entwicklungsstufe und wird sich nach Einschätzung der Branche in Amerika und Europa durchsetzen. Lediglich 20 Minuten muss man hier an einer Gleichstrom-Ladesäule pausieren. Allerdings sind diese Hochleistungssäulen noch nicht oft zu finden.
  • Die amerikanische Pkw-Marke Tesla hat ebenfalls ein hochleistungsfähiges Ladesystem – das jedoch nicht von anderen Fahrzeugen genutzt werden kann.
  • Bei den Marken Renault-Nissan, Toyota, Honda, Mitsubishi, Peugeot/Citroen und auch Opel hat sich der Chademo-Standard etabliert, der mit maximal 400-V-Gleichstrom ebenfalls zügig lädt und dafür sorgt, dass in etwa einer halben Stunde bis zu 80 % an Ladekapazität zu Verfügung stehen kann. Doch auch dieses Netz an Schnellladesäulen ist leider noch nicht überall anzutreffen.
  • Als weitere Option bieten E-Fahrzeuge die Langzeitladung an einer gewöhnlichen 230- Volt-Steckdose. Hier kann die Pause jedoch durchaus 15 Stunden dauern, bis der Akku in voller Kapazität geladen ist.
  • Als 230-V-Hausanschluss gibt es zudem die leistungsstärkere Wallbox, die per Ladestecker Typ 2 (Wechselstrom) etwa doppelt so schnell lädt. Der Ladestecker-Standard Typ 2 ist auch an öffentlichen Ladesäulen weit verbreitet. Je nach Ausführung einer Typ-2-Säule steht eine hohe Leistung (beispielsweise 22 kW) zur Verfügung, sodass sich die volle Ladezeit auf wenige Stunden verkürzt.
  • An Bundesautobahnen sollen in naher Zukunft insgesamt 400 Schnellladesäulen entstehen, die als sogenannte Triple-Charger alle drei beschriebenen Lade-Standards bedienen können.

Bezahlen mit Karte oder App – oder gratis

Die meisten Ladesäulen lassen sich per App ausfindig machen und auch die Abrechnung gelingt übers Smartphone. Andere Säulen wiederum verstehen nur die Kartensprache. Und dann können es viele verschiedene Chipkarten sein, die man je nach Region und Energieversorger braucht – nicht ganz frei von Problemen.

Wie unkompliziert es zugehen kann, beweist Aldi Süd mit ersten Filialen, die (allerdings nur zur Ladenöffnungszeit) Zufahrt zum Triple-Charger gewähren.

Ohne jegliches Bezahlsystem dockt man an das passende Ladekabel an und geht einkaufen. Während dessen lädt regenerative Energie das Auto – ganz einfach und sogar zum zum Nulltarif.


Der Autor

Thomas Dietrich, Fachjournalist aus Solingen, berichtet im BM jeden Monat über Neuheiten aus der Fuhrparkwelt.

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