Bei Florian Langenbeck gibt es historische Originale, aber auch Replikate. Gesucht, gefunden - BM online

Bei Florian Langenbeck gibt es historische Originale, aber auch Replikate

Gesucht, gefunden

Als Florian Langenbeck erstmals eine Jugendstilhaustür aus dem Dreck zog, haben ihn manche belächelt. Heute handelt er erfolgreich mit historischen Türen, Baustoffen und reproduzierten Baudetails – eine wahre Fundgrube für alle, die formschöne Lösungen für Sanierung und Neubau suchen.

von Christine Speckner

Es gibt Kunden, die sagen frei raus: „Wir sind Langenbeck-verseucht.“ Und das im positiven Sinne. Was damit gemeint ist, versteht, wer die Ausstellung im Freiburger Westen besucht. Auf 4000 m² findet sich alles, was ein Sammlerherz höherschlagen und einen zweiten oder dritten Besuch sehr wahrscheinlich werden lässt: Neben historischen Türen aus verschiedenen Stilepochen reihen sich Eisenzäune, alte Fenster, gusseiserne Heizkörper, Haustürklinken, Möbelbeschläge und seltene Einzelstücke wie ein Arztmöbel aus dem 19. Jahrhundert. An meterlangen Wänden hängen alte Türklinken, Beschläge aus vergangenen Zeiten, wie Fitschenbänder – und ja, auch Fliesen in den verschiedensten Größen, Farben und Dekoren.

Die Aufzählung ist noch nicht zu Ende – da wird man unterbrochen, vom Firmenchef persönlich. Florian Langenbeck, 56, steht da und fragt: „Wollen Sie noch mehr sehen?“ Sein Blick ist vielsagend. Also steigt man neugierig in einen Lastenaufzug – logisch, ein Muss in diesem Laden – und fährt mit ihm eine und zwei Etagen tiefer. Dort befindet sich ein einmaliges Refugium an historischen Baustoffen, das in den vergangenen 30 Jahren Meter für Meter gewachsen ist. So lange sammelt Langenbeck alles, was bei einem Hausabriss anfällt. „Müll“ nannten es abfällig manche Zeitgenossen. Für ihn jedoch war es paradiesisch, auf Bauschuttdeponien alte Schätze frei zu schaufeln – auch wenn deren Wert niemand erkannte. Dass sich aus der Sammelleidenschaft und dem Handel mit historischen Türen drei florierende Firmen entwickeln würden, ahnte damals niemand.

Hochwertige Replikate als Ergänzung

„Ich hab ja nur Abitur gemacht“, antwortet Langenbeck kokettierend auf die Frage nach seiner Ausbildung. In einer Schreinerei hat er gearbeitet, alte Möbel restauriert. Mitte der Achtzigerjahre begann er zu sammeln, rettete Fachwerk, Türen, historische Fenster und rostige Beschläge vor dem Zerfall. 1988 gründete er die Firma Florian Langenbeck, Historische Türen, Schlösser und Beschläge. Seitdem handelt er damit und mit anderen historischen Bauelementen aus den letzten drei Jahrhunderten. Mit der Zeit wurde seine Firma immer mehr mit Anfragen nach Materialien konfrontiert, die überhaupt nicht oder nicht in den gewünschten Mengen oder aber nur zu astronomischen Preisen als historisches Original zu beschaffen waren. „Zum Beispiel mussten wir passende Rosetten und Schilder für Türdrücker oder Gläser für Haustüren beschaffen.“

Also begann Langenbeck, Kontakte zu metallverarbeitenden Betrieben und noch mit alter Handwerkskunst vertrauten Handwerkern aufzubauen. Er gab Replikate in Auftrag, welche die historischen Originale seiner eigenen Sammlung ergänzten. Doch stellte sich heraus, dass es für die Firma Florian Langenbeck immer schwieriger wurde, Originale und Replikate parallel zu führen. Denn nach wie vor dominierte in der Firma das Kerngeschäft, der Handel mit historischen Originalen. Die Produktion und Lieferung hochwertiger Replikate als notwendiges Ergänzungsgeschäft banden jedoch Kapazitäten. Zu groß war die Gefahr, dass durch die gleichzeitige Präsentation die Authentizität der historischen Originale infrage gestellt würde. So gründete er im Jahr 2000 mit seiner Frau Verena Kohlbrenner zusammen die GbR Replicata. „Unternehmerisch der richtige Schachzug“ urteilt Langenbeck heute. Beide Firmen haben ein klares, unverwechselbares Profil.

Drei Firmen unter einem Dach

Replicata bietet formschöne Reproduktionen rund ums Bauen und Wohnen und einen Onlineshop. Die Firma bietet zum Beispiel Tür- und Fensterbeschläge, Glas für Türen und Fenster, Schaltersysteme für Unterputz- und Aufputzmontage, Beleuchtung, Wand- und Bodenfliesen, Holz- und Steinböden sowie gestaltende Bauelemente, etwa Wendeltreppen oder Vordachkonsolen. „Wir haben europaweit 150 verschiedene Lieferanten, die Reproduktionen herstellen“, erklärt Langenbeck. Neben deutschen Zulieferern zählt auch eine Gießerei aus Portugal dazu, eine Schmiede in Tschechien und ein Messing verarbeitender Betrieb aus Italien.

Aller guten Dinge sind drei. Und weil Langenbeck inzwischen Erfahrung im Firmen-Gründen gesammelt hatte, gründete er vor zwei Jahren die dritte Firma: Florian Langenbeck – Historische Kleinteile. Er, der Spezialist für das Sperrige, hat durchaus ein Faible für aufregende Kleinteile. Diese können Kunden ausschließlich über einen Onlineshop beziehen. Seien es historische Türbeschläge, alte geschmiedete Türbänder, Fenster- und Möbelbeschläge oder technische Kleinteile wie alte Schlossschrauben und Eisennägel. „Man glaubt ja nicht, wie viele Schrauben die Leute bestellen.“

Fast das gesamte Sortiment online

Gerade ist eine Bestellung über den Onlineshop eingegangen. Bestellt wurden alte Rundkopfschrauben. Das Besondere: Sie sind eisenblank. „Weil diese Schrauben heute kaum noch hergestellt werden, bieten wir Liebhabern dieser Stücke ein wahres Schlaraffenland“, sagt Langenbeck. Ein großer Teil der Ware stammt aus Lagerauflösungen unter denen sich auch Schreinereien befinden.

Doch wer gibt Geld für alte, zum Teil verrostete Schrauben und alte Türen aus? In Zeiten von Smart Home, der Haussteuerung per Smartphone? „Sie glauben es vielleicht nicht, aber 60 % der Türen verkaufe ich für Neubauten“, sagt Langenbeck. Seit Jahren habe sich ein Markt dafür entwickelt. Viele Bauherren seien auf der Suche nach einzelnen, schönen Baudetails. Oft haben sie keine Zeit, selbst zu suchen. Bei ihm sollen sie fündig werden. „Wenn wir einen Artikel nicht in alt haben, können wir die Reproduktion anbieten.“ Heute springen die Kunden hin und her. Kaufen alt und neu. Der Kunde kann wählen, ob er die alte Fliese mit Patina will oder – falls ihm die zu „schmutzig“ ist – lieber die reproduzierte Fliese in alter Form.

Kooperation mit Schreinern

„Wir sind ein Handelsbetrieb und arbeiten mit Schreinern zusammen.“ Eine Kooperation mit zwei Schreinern aus der Region gibt es seit über 25 Jahren. Langenbeck stellt Kontakte zu seinen Kunden, meist Privatleuten, her. Hat ein Kunde zum Beispiel eine historische Tür ausgesucht, macht der Schreiner ein Angebot fürs Aufdoppeln. Meist werden die Türen mit Isolierglas und Mehrpunktverriegelung versehen. Eingebaut und mit modernen Standards aufgerüstet, kann sie das Dreifache wie im unrenovierten Zustand kosten. „Die Hauptwertschöpfung“, betont Langenbeck, „liegt klar im Handwerk.“ Deshalb lohne sich die Kooperation für Schreiner. „Hat sich ein Kunde für eine Tür entschieden, besorgen wir die Beschläge.“ Aber auch Schreiner selbst sind Teil des Kundenstamms. Sie erhalten Rabatt auf historische Türen und Kleinteile wie zum Beispiel Beschläge.

Großer Teil des Türensortiments zu verkaufen

Ein Einzelgänger war Langenbeck nie. Vor 25 Jahren hat er den bundesweiten Branchenverband „Historische Baustoffe“ mitgegründet. Die Mitgliedsbetriebe tauschen sich regelmäßig über Lagerung, Bergung, Aufarbeitung und Vermarktung von historischen Baustoffen und antiken Bauelementen aus. So mühsam wie am Anfang ist seine Arbeit freilich nicht mehr. Heute muss er nicht mehr knietief im Schmutz stehen und auf Mülldeponien staubige Holzdielen bergen. Mittlerweile fahren die Händler bei ihm vor und bieten Ware an. Zwei bis dreimal im Jahr „gönnt“ er sich eine Einkaufstour nach England, Tschechien oder Belgien. Dann fährt er an sehr spezielle Orte, wo selbst einem Experten noch die Augen aufgehen, weil er fantastische Raritäten angeboten bekommt.

Das größere Abenteuer steht ihm allerdings noch bevor: Ein Umzug. In knapp zwei Jahren wird er sich von seiner großen Ausstellungsfläche verabschieden müssen. Dann endet der Mietvertrag. Das Unternehmen bleibt in Freiburg, wird sich jedoch flächenmäßig verkleinern. Geplant ist, das Türensortiment größtenteils zu veräußern. „Vielleicht findet sich ein Existenzgründer, der es übernimmt. Das könnte auch ein Schreiner sein.“

www.replicata.de

www.historische-tueren.de

www.historische-kleinteile.de


Die Autorin

Christine Speckner ist freie Journalistin und lebt bei Freiburg.

www.christine-speckner.de

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