Pfleiderer setzt auf Vielfalt

Spanplatte ist nicht gleich Spanplatte

P2 ist der Standard. Darum herum aber ist in der Welt der Spanplatten die Vielfalt größer geworden, viel größer. Nach Querzugfestigkeiten und Inhaltsstoffen wird gefragt, nach Emissionen sowieso. Der Holzwerkstoffhersteller Pfleiderer hat sich mit seinem Produktspektrum darauf eingestellt und bietet 15 000 Artikel an. BM-Redakteurin Regina Adamczak

I Das größte Spanplattenwerk Europas ist seit Monaten voll ausgelastet. 30 Millionen Euro investierte Pleiderer in sein Werk 4 am Stammsitz im oberpfälzischen Neumarkt. Im Fokus stand die Umstellung auf eine hochmoderne kontinuierliche Spanplattenpresse. Mindestens 200 Lkws mit dem Rohmaterial Holz kommen hier jeden Tag an. Holz, das sich nicht als Schnitt- oder Bauholz nutzen lässt – zu dünn, zu rissig, zu astig. Auch Altholz ist dabei, um durch die Mehrfachverwertung des Rohstoffes die Umwelt zu unterstützen. Um sicherzustellen, dass nur solches Recyclingholz in die Produktion gelangt, das den strengen gesetzlichen Vorgaben entspricht, geht Pfleiderer weit über das hinaus, was die gängigen ISO-Normen DIN EN ISO 9001 und 14001 verlangen. Auch indem das Unternehmen in erster Linie PEFC- und FSC-zertifiziertes Holz verwendet, fördert es eine nachhaltige, ressourcenschonende Forstwirtschaft.

Noch effizienter produzieren
Zerkleinert und auf eine Holzfeuchte von 2 % heruntergetrocknet gelangen die Holzspäne auf die kontinuierliche Presse, die gemeinsam mit dem Maschinenbauer Dieffenbacher als Referenzanlage konzipiert worden ist. „Die Anlage ist sehr schnell in den Regelbetrieb gekommen“, weiß Claus Seemann, der als Produktmanager immer auch einen Blick auf die Fertigung hat. „Damit sind wir jetzt in der Lage, noch effizienter zu produzieren.“ Die Anlage arbeitet rund um die Uhr und so gut wie jeden Tag des Jahres. Nur zu Revisionszwecken wird sie in seltenen Fällen gestoppt. 900 000 m3 Spanplatten laufen jedes Jahr vom Band. 120 voll beladene Lkws verlassen jeden Tag das Werksgelände.
Emissionsarm als Standard
Doch Spanplatte ist nicht gleich Spanplatte. Renate Mittermeier weiß, wovon sie spricht. Seit mehr als 25 Jahren ist sie in der Qualitätssicherung tätig und hat mittlerweile die Leitung übernommen. Biegefestigkeit, Querzugfestigkeit, das Quellverhalten … die Anforderungen der Kunden können ganz unterschiedlich sein. „Varianten und Typenvielfalt haben im Laufe der Jahre stark zugenommen,“ sagt Mittermeier. Auch der Prüfaufwand ist größer, die Prüfhäufigkeit mehr geworden.
Ein wichtiges Merkmal sind dabei auch die Emissionen. In Europa ist Pfleiderer der erste Holzwerkstoffhersteller, der die strenge japanische Emissionsklasse F**** (F Four Star), deren Grenzwert weit unter dem der Emissionsklasse E1 liegt, nicht nur für seine Spanplatten erlangt hat, egal ob roh oder beschichtet, sondern auch für mitteldichte Faserplatten (MDF) – und somit für das komplette Rohträgerprogramm aus eigener Fertigung. Von emissionsarmen Produkten hat der Holzwerkstoffhersteller eine besonders breite Palette im Programm: Angefangen bei Produkten, die den „Blauen Engel“ tragen oder nach CARB2/EPF-S zertifiziert sind, über das skandinavische Label „Nordic Swan“ bis hin zu LivingBoard, dem aus harzarmen Hölzern und ohne Recyclingmaterial hergestellten, formaldehydfrei verleimten Klassiker, der als Green-Building-Produkt anerkannt ist. Auch hier prüft Renate Mittermeier zusammen mit ihren Mitarbeitern und den allerneuesten Prüfgeräten unter den wachsamen Augen von externen Überwachungsinstituten.
15 000 aktive Artikel im Angebot
„Viele der genannten Träger bieten wir natürlich im Verbund an“, erklärt Claus Seemann. „Das heißt, wir führen sie sowohl roh im Programm als auch melaminbeschichtet oder als Verbundelement im Bereich HPL.“ Dabei stehen rund 200 Dekore und zehn Strukturen zur Wahl, die sich mit verschiedenen Trägern frei kombinieren lassen. „Wir haben zur Zeit 15000 aktive Artikel im Angebot. Damit bieten wir für jede Anforderung die richtige Platte“, fasst Seemann zusammen. Der studierte Forstwirt hat als Produktmanager einen umfassenden Überblick über die große Vielfalt des breit aufgestellten Holzwerkstoffherstellers. Er ist auch für die Sortimentsgestaltung zuständig und begleitet Zertifikate. Zudem fallen Spezialanforderungen und die Entwicklung in sein Aufgabengebiet.
Fertigungskapazität soll weiter steigen
Die Pfleiderer-Gruppe verfügt über neun Produktionsstandorte in Deutschland und Polen. Unter der Dachmarke Pfleiderer werden die Produktsortimente von Duropal, Thermopal und Wodego gebündelt. „Der Standort Neumarkt ist für die Gruppe eine tragende Säule“, sagt der Vorstandsvorsitzende Michael Wolff. Auch deshalb werden nun noch einmal rund neun Millionen Euro in das Werk investiert. Auf den Prüfstand kommen die Schleifanlage, das Leimlager und die Logistik. Ziel: Die Fertigungskapazität soll damit noch einmal um zehn Prozent gesteigert werden. I
Pfleiderer Holzwerkstoffe GmbH
92318 Neumarkt