Wolfgang Berghold lackiert Möbeloberflächen auf höchstem Niveau

Wir leben Oberfläche

Wolfgang Berghold ist Fahrzeuglackierer-Meister. Eigentlich. Seit mehr als zehn Jahren widmet er sich so gut wie ausschließlich Möbeloberflächen in der allerhöchsten Qualität. Ob Hochglanz oder Matt – ihm und seinem Team macht so schnell keiner was vor. „Wir leben Oberfläche“, bringt Berghold es auf den Punkt. BM-Redakteurin Regina Adamczak

I Zum Möbellackieren ist Wolfgang Berghold eher durch Zufall gekommen: Ein großer Möbelhersteller wollte sich den Flächenpolierautomaten des Unternehmens mal in der Praxis anschauen und das war der Moment, in dem der rührige Handwerker das Potential für Hochglanz-Oberflächen im Möbelbau erkannte. „Anfangs wurden wir von Aufträgen fast erschlagen“, erinnert Berghold sich. Gerade in der Möbelindustrie herrschte ein nahezu unstillbarer Bedarf.

Möbellackierer mit allen Sinnen
Möbel zu lackieren, sei eine eigene Liga. „Auch ich habe mir in Sachen Schleifen und Lackieren anfangs noch vieles aneignen können.“ Mittlerweile profitiert er von seiner jahrelangen Erfahrung. Wolfgang Berghold arbeitet zu 100 Prozent in der Fertigung mit. Sein Gebiet ist der Hochglanz, insbesondere das Schwabbeln und Polieren.
„Den Möbellackierer als Ausbildungsberuf gibt es nicht und in der Schreinerausbildung ist das Thema nur eines unter vielen.“ Seine sieben Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Berufssparten. Schreiner sind auch dabei, aber die Einarbeitung dauert dennoch viele Monate, in manchen Bereichen sogar Jahre. „Was wir machen, das ist Handwerk auf höchstem Niveau. Ein Möbellackierer muss mit all seinen Sinnen dabei sein. Die Arbeit darf nie zur Routine werden.“ Denn: Fehler kosten Geld. Viel Geld. Einfach mal schnell überlackieren – das gibt es nicht. „Bis zu zwanzig Arbeitsschritte braucht es bis zur fertigen Hochglanz-Oberfläche und in keinem dieser Schritte darf ein Fehler passieren.“ Mittlerweile hat er es geschafft, die Fehlerquote auf unter ein Prozent zu senken.
Perfekte Oberfläche zum festen Preis
Auf diese Qualität können sich die Kunden verlassen. Mittlerweile arbeitet er zu fast 100 Prozent für das Schreiner- und Tischlerhandwerk. Seine Kunden kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei ist der Ein-Mann-Betrieb genauso wie der Hundert-Mann-Betrieb.
„Wir sind ein echter Dienstleister und lackieren, schleifen und polieren jedes Möbelteil oder Möbelstück bis hin zu 500 mm Durchlasshöhe und 2600 mm Arbeitsbreite.“ Ob Möbelfront oder Innentür, ob ganz einfach zweidimensional oder mit komplexen Geometrien, ob Laden- oder Innenausbau, Objekt- oder Privatbereich, die perfekt lackierten Teile finden dort ihre Abnehmer, wo Schreiner diesen Mehrwert verkaufen können und Kunden dieses zu schätzen wissen.
Wer einmal kommt, kommt immer wieder
„Natürlich kosten unsere Oberflächen Geld“, da redet Wolfgang Berghold nicht um den heißen Brei herum. „Aber wenn ein Schreiner diese Oberflächenqualität selber herstellen will, kostet das im Normalfall noch viel mehr.“ Außerdem habe der Kunde so die Sicherheit, zu einem festen Preis eine perfekte Oberfläche zu erhalten.
Der Fahrzeuglackiermeister liebt es, mit Handwerkern zusammenzuarbeiten. Das sei ein viel angenehmerer Kundenkontakt als damals die Autoindustrie. „Wir sind froh, dass es die Schreiner gibt, und die Schreiner sind froh, dass es uns gibt“, lächelt er. „Wir sind ganz auf Augenhöhe.“ Und deshalb ist für ihn die persönliche Empfehlung auch das beste Marketinginstrument. „Wer einmal kommt, kommt immer wieder.“
Lackiert wird ganz nach Kundenwunsch, früher war es so gut wie nur Hochglanz, mittlerweile werden zu fast einem Drittel matte Oberflächen verlangt. Wenn es Hochglanz sein soll, werden meist PUR-Oberflächen hergestellt, geschwabbelt und poliert, aber auch Polyester ist möglich. Gefüllert wird fast ausschließlich mit Polyester. „Dies hat die Vorteile, dass wir eine höhere Schichtstärke erreichen und der Lackstand besser ist.“ Die Arbeit mit Polyesterlacken ist ein Spezialgebiet: „So ein Spritzgerät kostet immerhin 15 000 Euro, und dann muss man immer noch höllisch aufpassen wegen der Brandgefahr.“ Auch andere Oberflächen sind machbar, ob Metallic- oder Klavierlackoberflächen, Effektlackierungen und selbstverständlich alle RAL- oder NCS-Farbtöne.
Handarbeit, Wissen und Erfahrung
Wolfgang Berghold verwendet ein Produktspektrum, mit dem er im Laufe der Jahre gute Erfahrungen gemacht hat. Wenn es aber sein muss, d. h. wenn der Kunde schon mit einem bestimmten Lack angefangen hat, kann auch auf das verwendete Produkt umgeschwenkt werden, damit es keine Farbunterschiede gibt.
Lackiert werden können verschiedenste Materialien. Der Normalfall sind natürlich MDF oder furnierte Flächen, aber auch Metall, Glas oder Kunststoff sind kein Problem. Der zugehörige Maschinenpark kann sich sehen lassen: Angefangen bei Spritzständen und Reinraumkabinen über Flächenschleifmaschinen (bis 2,60 m Breite) bis hin zur Kantenpoliermaschine mit fünf Aggregaten, dem Schwabbelautomaten und den Polierböcken. Doch Wolfgang Berghold will keine falschen Vorstellungen wecken: „Ein optimierter Maschinenpark ist das eine, aber zum Beispiel beim Polieren wird die Arbeit nur zur Hälfte von der Maschine gemacht, die andere Hälfte sind Handarbeit, Wissen und Erfahrung.“
Beratung und Bemusterung sind Service
Damit die lackierten Teile auch gut wieder zum Schreiner zurückkommen, werden sie erst sorgfältig verpackt und dann mit der Spedition verschickt. „Manche Kunden holen ihre Aufträge auch selber ab, aber eigentlich rate ich zum Versand mit Spedition. Die Spediteure wissen, was sie machen, und zudem ist die Ware versichert, schließlich handelt es sich um einen enormen Wert.“
Zum Service gehört natürlich auch die Beratung und Bemusterung. „Sonderwünsche sind unser Alltag. Egal, ob es um außergewöhnliche Vorbehandlungen geht, um spezielle Reinigungsmethoden oder individuelle Finishverfahren – wir bieten angemessene und ökonomisch sinnvolle Lösungen“, verspricht Berghold. Die Lieferzeit beträgt durchschnittlich 10 bis 15 Werktage. „Wenn einer unserer Kunden einen Engpass hat, geht es auch mal schneller.“
Drei Generationen
Wolfgang Berghold hat das Lackiererhandwerk von seinem Vater gelernt. Dieser hat den Betrieb in Dollnstein im idyllischen Naturpark Altmühltal vor mehr als 30 Jahren gegründet. Erich Berghold hatte sich auf das Lackieren von Fahrzeugen konzentriert, sein Sohn schwenkte um. Der Senior ist bis heute zufrieden mit der Entscheidung seines Sohnes: „Zulieferer der Autoindustrie zu sein, ist kein Spaß.“ Mittlerweile hat auch die dritte Generation im Betrieb Fuß gefasst: Wolfgang Bergholds Tochter Lisa studiert nach einer kaufmännischen Ausbildung Betriebswirtschaft und unterstützt die beiden im Büro.
Davon kann die Industrie nur träumen
Berghold hat den Schritt zum Möbellackierer noch keinen Tag bereut und ist heute mehr denn je von der Leistung seines Unternehmens überzeugt: „Viele meinen, dass in industrieller Massenfertigung die besten Oberflächen entstehen. Das ist falsch. Wir sind durch umfassendes Wissen, perfekte Produktabstimmung und jahrelange Erfahrung in der Lage, Oberflächen herzustellen, von denen die Industrie nur träumen kann. Das ist echte Handwerkskunst.“ I
Oberflächentechnik Berghold GmbH
91795 Dollnstein