BM-Lesertest: Mafell Akku-Tauchsäge MT 55 18 M BL

Erfolgskonzept

Mafell hat seine MT 55 vom Kabel gelassen. Testergebnisse: wieder überraschend – erneut positiv. Erfahren Sie, was 20 Ihrer Kollegen aus der Praxis berichten.

BM-Redakteur Marc Hildebrand

Pate bei der Entwicklung der neuen Mafell- Akku-Tauchsäge MT 55 18 M BL stand die MT 55 CC, die sich bereits beim BM-Lesertest im Jahre 2009 „an die Spitze gesägt“ hatte (BM-Direktlink: info.bm-online.de/mt55cc).

Nichts läge also näher, als deren geschätzte Funktionen zu übernehmen.

Mafell tat gut daran und die Belohnung durch 20 BM-Lesertester folgte nun auf der Schiene: Der einstige Spitzenwert aller damaligen Lesertests mit der Gesamtnote von 1,6 konnte getoppt werden – heutiger Notenschnitt in der Gesamtzufriedenheit ist 1,4.

Durchdacht gebaut, flexibel einsetzbar

Ein Volltreffer, wie ihn BM-Chefredakteur Christian Närdemann damals bezeichnete, ist weiterhin der einfache Sägeblattwechsel: Schulnote 1,1 erneut bestätigt. Gefragt nach den meistgeschätzten Features wurde die Vorritzfunktion auf Platz zwei genannt – dicht gefolgt von der Akkulaufzeit und daraus resultierender Flexibilität. Die Vorteile der Maschine trüben insgesamt wenige Kritikpunkte.

Bestnoten teilten sich die allgemeine Präzision (1,2) sowie die Eintauch- und die Neigungsfunktion plus weitere Merkmale mit der Note 1,3 (s. Tabelle). Schlusslicht bildeten der nur befriedigende Kaufpreis (2,8), eine knapp gute Bewertung für die Durchzugskraft bei Längsholzschnitten in Vollholz (2,4) und das staubarme Arbeiten mit dem Spänefangsack (2,2). Details und Praxistipps der Tester finden Sie in dieser Auswertung des BM-Lesertests.

Allgemeines im Schnitt sehr gut empfunden

Massiv, wertig, robust – viel mehr gibt es in Sachen Qualität der Maschine nicht zu berichten (Note 1,1). Das Handling verbesserte sich auf die Note 1,5 (Vergleich MT 55 CC: Note 2,1), was möglicherweise auf die Kabelfreiheit zurückzuführen sein kann. Das Gewicht blieb nämlich mit 4,5 kg exakt gleich – wie auch die Notenbewertung dazu (2,1). Auch mit Akku wird die Maschine als gut ausbalanciert empfunden.

Die Präzision trifft mit einer 1,2 ins Schwarze bei fast allen Kollegen. „Kein Wabbeln, Blatt läuft sauber“, beschreibt Volker Scherer den vibrationsarmen, spurhaltigen Lauf der Säge. Die Schnittqualität erhielt die Gesamtnote 1,5.

Zur Vielseitigkeit schreibt uns Möbeltischler Gerald Schröter: „Vom groben Zuschnitt bis zum exakten Schneiden ist alles drin“ – „ außer Schattenfugen“, ergänzt Schreinermeister Michael Schmid. Wobei Matthias Meyer, Fachpraxislehrer an der BBS Walsrode, und seine Schützlinge die Stärken der MT 55 18 M BL „eher im Plattenbau und bei dünneren Brettern bzw. Querschnitten sehen“.

Kollegen bestätigen das und fügen Gipskarton- bzw. Gipsfaserplatten hinzu. Massive Eichenbohlen mit der maximalen Schnitttiefe von 57 mm (ohne Schiene) zu trennen, ist jedoch ebenso möglich. Was uns nun direkt zum Kriterium der Durchzugskraft bringt.

Leistungsstark mit dem richtigen Sägeblatt

Herzstück des neuen Maschinenkonzepts ist ein bürstenloser Motor, der in unserem Test durch einen 18-V-LiHD-Akku mit 99 Wh gespeist wird. Das Besondere an diesem Akku ist seine hochstromfähige Bauweise. Er ist in der Lage, besonders leistungshungrige Maschinen kraftvoller zu betreiben, als es herkömmliche Akkus vermögen. Die resultierende Durchzugskraft ist gut (Note 1,8). Doch hier lohnt es, genauer hinzusehen. Aus den Fragebögen zeigt sich zusammengefasst, dass die Akku-Maschine bei Plattenwerkstoffen in gängigen Stärken einen Vergleich mit der Netzmaschine nicht zu scheuen braucht (Durchzugsnote 1,6).

Bei Vollholz hingegen muss im Ergebnis klar zwischen Quer- (Note 1,8) und Längsschnitten unterschieden (2,4) werden. Zudem spielte hier natürlich die Materialdicke eine sehr wichtige Rolle. Die Praxis-Anmerkungen dazu kann man an folgenden Beispielen zusammenfassen: Mit dem beim Test beigelegten HM-Blatt der Zahnung Z48 sägt es sich bei Querschnitten in 33 mm dickem Eiche-Massivholz oder auch Holzwerkstoffplatten weitgehend anstandslos. Darüber muss auf jeden Fall etwas langsamer gefahren werden – auch der Schnittgüte zuliebe. Denn das nur 1,2/1,8 mm starke Blatt ist nicht so geduldig, wie man es von den dickeren Blättern der Netzmaschinen kennt, und kann sichtbare Spuren an der Kante hinterlassen.

Längsschnitte in 40er-Eiche hingegen bekamen nur von jenen Kollegen die Note „gut“, die eigenmächtig auf ein Z24-Blatt wechselten. Mafell empfiehlt sogar Z16. Und, ja – man schafft es, das Sägeblatt mit Fleiß zum Stehen zu bringen. Tester-Tipp: Der Blattwechsel zwischen den Anwendungen lohnt. Das geht bei der MT 55 wie erwähnt genial einfach. Auf Knopfdruck rastet das Blatt in Parkstellung und per Hebel klappt die komplette Abdeckung herab. Kein Fummeln, kein Beschädigen der Sägezähne beim Entnehmen des Blattes.

Akkulaufzeit: Mehr geht immer, reicht im Alltag

Positiv überrascht waren einige Kollegen von der Laufzeit, die der LiHD-Akku mit 5,5 Ah Kapazität bereithält (Note 1,7). Eine Akkuladung reicht bei der Montage einer größeren Küche locker einen Tag (Michael Schmid). Mit zwei Akkus kann man den ganzen Tag 19-mm-OSB-Ständerwerkplatten zuschneiden und montieren (Thorsten Schulz). Wer den zweiten Akku zugleich lädt, kann auch bei leistungszehrenden Tätigkeiten wie z. B. beim Türenkürzen kontinuierlich durcharbeiten. Je nach Material sind hier ohne Nachladen rund zehn Türen machbar. Beim Bodenlegen punktet die Kabelfreiheit wegen schneller Ortswechsel. Tester-Tipp: Queranschlag zulegen (F-WA). Außerdem einigen Testern positiv aufgefallen (die Beschriftung „LiHD-ready“ verrät´s bereits): Die Maschine ist mit 18-V-(LiHD)-Akkus von Metabo kompatibel.

Besondere Spezialitäten und Zubehör-Set

Hoch geschätzt und wohl noch immer einzigartig: die Vorritzfunktion und der Positionsanzeiger (MT-PA) für Tauchschnitte. „Sehr gut bei älteren echtholzfurnierten Türen und beschichteten Platten“, verriet uns z. B. Kollege Scherer. Um von der guten Seite beidseitig ausrissfrei zu schneiden, wird mit einem Handgriff die Tiefe auf 2,5 mm begrenzt und zugleich das Blatt minimal zur Schnittlinie versetzt, damit beim folgenden Trennschnitt die Sägezähne die Plattenoberfläche nicht mehr berühren. Trennschnitttiefe ist dann Materialstärke plus 2 bis 5 mm. Die Schnitttiefe lässt sich per Skala millimetergenau einstellen und im Zehntelbereich nachjustieren. Praktisch: Durch Drehen des Anzeigers wird die Schienenstärke gleich abgezogen. Tester-Tipp: beim Vorritzen rückwärts fahren.

Ein- und Austauchpunkte des Blattes zeigt der Positionsanzeiger. Er wird seitlich angeklipst. Funktionsweise: rote Schieber entsprechend der aufgelaserten Schnitttiefenkennzeichnung einstellen, eintauchen und Vorschub am Riss stoppen (s. Bild). „Einfaches Handling, kein Rückschlag“, so Stefan Juglreiter, Kollege aus dem Innenausbau, zur Eintauchfunktion. Fachlehrer Meyer notiert: „Sehr gut aufgrund des fehlenden Spaltkeils.“

Per Schiene oder parallel geführt

Auf der Führungsschiene F160 (L=1600 mm) gleitet die Tauchsäge MT 55 18 M BL spielfrei und leichtgängig – „ auch bei -10 und danach +20° Temperatur“, so die Erfahrung von Domenic Merz. Sie haftet gut auf dem Untergrund. Teils genannte Ausnahme: HPL. Die Länge von 1600 mm wurde von zwölf Testern praktisch, vom Rest als zu sperrig empfunden.

Tester-Tipp: Je nach Einsatzbereich 800er- (für Arbeitsplatten) oder 1100er-Führungsschiene (für Türen) samt Verbinder F-VS zulegen. Als hilfreich empfunden (Note 1,5), aber wenig genutzt, wurde der Parallelanschlag. Die max. Schnittbreite beträgt r. 140 mm/ l. 295 mm.

Schwenken und Freihandschneiden

Möglich sind Schnitttiefen bis zu 57 mm (ohne Schiene) und bis 40,5 mm, geschwenkt auf 45°. Bei Freihandschnitten weist ein Risszeiger den Weg. Er verfährt beim Schwenken direkt mit und ist weiterhin verlässlich. Tester-Tipp: Freihandschnitte mit Gefühl, weil Hebelwirkung das Sägeblatt beschädigen kann.

Die Neigungseinstellung (-1 bis 48°) wird mit nur einem Hebel fixiert und läuft „dank Synchronverstellung schnell und genau“, weiß Martin Klaus (Gesamtnote 1,3). Dass präzises Fügen auf Gehrung möglich ist, bewiesen Fachlehrer Meyers Auszubildende in einem Schulprojekt (s. auch Fotostrecke auf BM-Online).

Staubarm mit Fangsack, perfekt mit Sauger

Dank in sich geschlossenem Gehäuse schluckt der beigelegte Spänefangsack je nach Anwendung etwa 85 % des anfallenden Materials. Kritik: Es fällt Staub aus der Maschine, wenn man sie nach dem Schneiden nach vorne neigt. Nicht wohnzimmertauglich für einige Kollegen, die diesen Wert mit Staubsauger auf über 95 % erhöhten. Problem bekannt: kein Kabel, kein Auto-Start. An Lösungen arbeiten Hersteller bereits. Tester-Tipp: Die stramme Deckelarretierung bevorzugt bei der Entleerung eine sanfte Behandlung, sonst kann sie abbrechen. Abschließend angemerkt: 90 % der BM-Tester würden die MT 55 18 M BL einem Kollegen empfehlen. Weitere Eindrücke im Onlinebeitrag.

www.mafell.de


Das ist mir aufgefallen

Testergebnis beweist Weitblick

Das Vorbild der MT 55 18 M BL kenne ich noch aus meiner aktiven Schreinerzeit, in der Mafell bereits erfolgreich seine Zimmererwurzeln um das „feine Holzhandwerk“ ergänzte. Teilgenommen an diesem BM-Lesertest hat sogar ein Kollege, der einst für BM die MT 55 CC mit testete.

Dass sich die positiven Testergebnisse fast zehn Jahre später teils exakt bestätigten, beweist Weitblick des Herstellers. Ebenso die Reaktion eines befreundeten „Holzwurms“ zur Testmaschine, die bei mir im Einsatz war: „Die ist gut – habe ich schon ewig!“ „Wetten, nicht diese“, grinste ich – und schon wurde angeregt gefachsimpelt.

 

 

 

 

 

Marc Hildebrand, BM-Redakteur


 

 


Fotostrecke: Weitere Eindrücke und Erfahrungen der BM-Tester