BM-Lesertest zur Tisch-, Kapp- und Gehrungssäge D27113 von Dewalt

Winkelschnitt mit Zusatznutzen

Einfach transportieren, doppelt punkten? – Klingt praktisch. Wo die Dewalt-Kombisäge D27113 ihre Trümpfe ausspielt haben über 20 Tischler und Schreiner für uns getestet und auch wir haben der Maschine gründlich auf den (Säge-)Zahn gefühlt.

Autor: Marc Hildebrand
I „Endlich nur eine Maschine tragen, mit der ich kappen und auch mal eine Leiste auftrennen kann“, freute sich Tischler Jürgen Heid, einer unserer 20 Tester, nach dem sechswöchigen Einsatz der Kombinationssäge Dewalt D27113 und ergänzte: „Wie es aber bei einem Kombigerät ist, muss man auch Kompromisse eingehen. Dies hat Dewalt jedoch sehr gut gelöst.“

Sein Statement fasst den Großteil der Bewertungen der BM-Tester charmant zusammen – denn während Kapp- und Gehrungsfunktion bzw. Kriterien wie Leistung, exakte Winkelschnitte oder der schnelle Umbau kräftig punkten konnten, zeigte die D27113 hauptsächlich in der Funktion als Tischkreissäge Schwachstellen, die sich letztlich auch auf das Gesamtergebnis (Note 2,6) auswirkten.
Gut gekappt ist halb gewonnen
Mit 19,5 kg Gewicht und kompakten Abmessungen von 485 x 500 x 600 mm (H x L x T) kann die robuste Kombisäge von einer Person zum Einsatzort getragen werden und findet sogar im Kofferraum Platz. Vorbildlich, so Tischler Dirk Siebert: Das Montagewerkzeug ist voll in der Maschine integriert und somit allzeit bereit. Auch der Schiebestock ist, wenn auch etwas unzugänglich, direkt an Bord untergebracht.
Die Sägeperformance wurde mit einer glatten 2,0 für gut befunden. Der 1600-W-Motor (933 W Ausgangsleistung) meistert selbst große Querschnitte, ohne „in die Knie“ zu gehen. So viel Leistung hätte allerdings einen Sanftanlauf verdient, da das Gerät sonst bisweilen zum „Sicherungskiller“ mutiert.
Vor Ort spielt die Multifunktionsmaschine ihre Vorteile klar bei der Kapp- und Gehrungsfunktion aus. Ein plan gefräster Säge- und Drehtisch aus Alu-Druckguss mit Rasterung, inklusive gut ablesbarer Skala und exakt justierbarer Anzeigemarke, sorgt für genaue Winkelschnitte nach rechts und links. Selbst anspruchsvolle Schifterschnitte lassen sich problemlos durchführen, weiß Lothar Bolte, Abt. Berufliche Bildung von der Kreishandwerkerschaft Essen.
Bei einem Sägeblattdurchmesser von 305 mm verfügt die Säge in der Kappfunktion über einen Schnittbereich von 160 x 85 mm. Bei einem Neigungswinkel von 48° sind es noch beachtliche 110 x 85 mm – für gängige Kanthölzer in der Praxis also völlig ausreichend. „Fertigparkettdielen mit 205 mm Breite schafft die Kappfunktion aber leider nicht“, merkten unsere Tester bei der Schreinerei Brugger an. Pluspunkte sammelten dafür präzise Doppelgehrungsschnitte. „… gut mitgedacht, weil man den linken Anschlag zurückziehen kann und somit nicht in selbigen hineinschneidet“, lobte die Tischlerei Jürgen Heid. Allgemein schnitt die Winkelgenauigkeit mit am Besten ab (Note 1,9).
Beim Kappen fordert das Kombigerät aber auch etwas Kompromissbereitschaft – oder, wie Jürgen Heid beweist, Flexibilität: „Durch den großen Kreissägetisch ist sie, wenn man sie auf den Boden stellt, zum Kappen dort etwas ungünstig platziert, weil der Tisch die Sicht aufs Werkstück beeinträchtigt“, bemerkte er im Test und stellte die Maschine zum Kappen kurzerhand auf Böcke. Dieser Tipp löst nicht nur das „Sichtproblem“ einiger Tester, er sorgt zudem für eine angenehme Körperhaltung während der Arbeit.
Als praktisch für exaktes Ablängen nach Anriss wurde auf der Baustelle die sogenannte XPS-Linienanzeige empfunden. Diese LED-unterstützte Vorrichtung ist im oberen Bereich der Schutzhaube montiert. Beim Sägen projiziert sie den Schlagschatten des Blattes als Schnittlinie (Mittelpunkt der Blattdicke) auf das Werkstück. Außerdem leuchtet sie den Schnittbereich gut aus. Viele Schreiner würden dieser Technik gegenüber einer Laserlinie den Vorzug geben – außer natürlich man schneidet in der prallen Mittagssonne. Auch wenn die verbauten LEDs 90 % heller leuchten als bisherige XPS-Anzeigen, sind sie in direktem Sonnenlicht kaum sichtbar.
Praktischer Zusatznutzen an Bord
Profitiert haben die BM-Tester von der Möglichkeit, die „vollwertige Kappsäge“ auch als „praktische Tischkreissäge“ (Zitate Dewalt) zu nutzen – in der Schnitttiefe bis 51 mm verstellbar und ausgestattet mit einem Parallelanschlag. Dieser angekündigte „praktische“ Zusatznutzen wurde hoch geschätzt, weckte allerdings auch Erwartungen, die im Gegensatz zur Kappfunktion nicht bei allen erfüllt werden konnten. So waren einige Tischler und Schreiner unzufrieden mit der Oberflächenbeschaffenheit des Tisches. Als ausreichend (Note 3,7) wurde der Parallelanschlag bewertet und die Schnitttiefenverstellung ergab im Schnitt die Note 3,2. Je nach Einsatzbereich bzw. Aufgabe reichten die allgemeinen Benotungen der Funktion „Tischkreissäge“ von eins bis sechs und ergaben somit im Schnitt eine zufriedenstellende 3,2.
Problem bei der Oberfläche des soliden Sägetisches waren raue Kanten und scharfkantige „Krümel“ in der Beschichtung. „Empfindliche Werkstücke hätten rückseitig Kratzer bekommen“, kommentiert Tim Wedemeyer (Fenster-, Türen- & Innenausbau).
Diskussionsbedarf besteht auch beim Parallelanschlag. Parallele Schnitte sind (wir haben es selbst ausprobiert) mit einer Breitentoleranz von nur knapp 1 mm auf 2000 mm Länge möglich (25 mm Stäbchenplatte). Wer diese Präzision erreichen will, sollte aber die Parallelität zum Blatt per Meterstab prüfen, ggf. durch Umspannen des Anschlags korrigieren und das Werkstück beim Durchschieben nicht allzu fest gegen selbigen drücken.
Die Schnitttiefe wird mit zwei Feststellschrauben fixiert und ist zwar einfach zu verstellen, jedoch sind „… verdeckte Schnitte in Kombination mit geringem Verstellwert z. B. vom 19 auf 20 mm nicht genau einstellbar“, merkte Möbelschreiner Guido Schmidt an.
Im Kreissägebetrieb als durchaus positiv hervorzuheben ist die hohe Durchzugskraft, welche schnelle Schnitte mit einem guten Schnittbild ermöglicht.
Für viele Fälle gut gerüstet
„…eine durchdachte, handliche und qualitativ hochwertige Baustellensäge mit kleinen Schwächen, aber einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, zieht Frank Schäfer sein Fazit und bei den Innenausbauten der Schreinerei Brugger war die Säge „immer dabei und durch ihre Kompaktheit und ihr Gewicht perfekt für jede Montage.“ Ob die Dewalt D27113 für einen selbst geeignet ist, hängt in der Tat ganz davon ab, wie oft man in den eigenen Einsatzbereichen mit den „kleinen Schwächen“ konfrontiert wird oder aber den praktischen Doppelnutzen im Vordergrund sieht. Sicher ist, 75 % der Schreiner und Tischler, die die Dewalt-Säge für uns im Praxisalltag getestet haben, würden das Gerät einem Kollegen empfehlen. Ebenso viele haben es nach dem Test auch selbst übernommen.
Was den Testern darüber hinaus aufgefallen ist, können Sie in der Fotostrecke unterhalb dieses Beitrags lesen. Danke an alle Tester für das ausführliche Feedback.
Holz-Handwerk: Halle 12/ Stand 316

Tisch-, Kapp- und Gehrungssäge D27113 von Dewalt im BM-Lesertest

Fotostrecke zum Beitrag „Winkelschnitt mit Zusatznutzen“

Fotostrecke zum Beitrag „Winkelschnitt mit Zusatznutzen“

Die Kapp-, Gehrungs-, und Tischkreissäge Dewalt D27113 testeten über 20 Schreiner und Tischler für uns. Diese Fotostrecke ergänzt den Hauptbeitrag (BM 02/14 ab Seite 46) in dem wir über die Erfahrungen der BM-Tester berichten, und soll Ihnen dabei helfen, sich ein ausführliches Bild zu machen.