BM-Produktvergleich Laserdistanzmesser: Trends und Tipps für die Baustelle. Smarter messen - BM online

BM-Produktvergleich Laserdistanzmesser: Trends und Tipps für die Baustelle

Smarter messen

Laser-Distanzmessgeräte machen das Aufmaß präziser und schneller. Dieser Produktvergleich zeigt beispielhaft anhand unterschiedlicher Geräte, was der Markt bietet, informiert Sie über Trends und gibt Ihnen wertvolle Praxistipps für die Baustelle. Marian Behaneck

Längen-, Flächen- und Höhenmaße oder Maßtoleranzen misst und überprüft man allgemein schneller und präziser mit Laser-Distanzmessern. Im Gegensatz zum Maßband kann man meist auf eine Hilfsperson verzichten. Auch Parallaxen- oder Additionsfehler, das Durchhängen des Maßbands oder die temperaturabhängige Längenausdehnung des Bandmaterials spielen keine Rolle mehr. Mit Bluetooth-Geräten lassen sich digitale Messwerte zusätzlich direkt vor Ort zu Aufmaßskizzen oder -protokollen verarbeiten. 3D-fähige Modelle ermöglichen sogar ein dreidimensionales Aufmaß. Eine tabellarische Übersicht mit Eigenschaften verschiedener Geräte finden Sie am Beitragsende zum Download.

Vorteile des digitalen Messens
Maße auf der Baustelle werden zunehmend per Laser-Distanzmesser erfasst: Gerätehinterkante, -vorderkante oder Stativschraube am Startpunkt ausrichten, Zielpunkt mit dem Laserstrahl anvisieren, Messtaste drücken – fertig! Ob nah oder fern – der Messwert bis zum Ziel wird bis auf den Millimeter genau auf dem LC-Display angezeigt.
Kann man das Gerät oder die Hand auflegen, lassen sich Entfernungen bis etwa 50 m relativ punktgenau messen. Für größere Distanzen ist ein Stativ (ca. 100 Euro), bei sehr kleinen Messzielen zusätzlich eine aufsteckbare oder integrierte Zieloptik, empfehlenswert.
Per integriertem Timer oder „Selbstauslöser“ kann man die Messung verwacklungsfrei starten. Mit dieser Ausstattung sowie einer Zieltafel für eine optimale Reflexion des Laserstrahls können Messdistanzen bis maximal 300 m erfasst werden. Die erzielbaren Genauigkeiten liegen zwischen ± 1,0 und ± 2,0 mm. Neben Längen lassen sich per Rechenfunktion auch Flächen oder Volumina ermitteln, nicht direkt anvisierbare Höhen per Pythagoras-Funktion indirekt messen und anderes mehr. Hier eine Übersicht möglicher Funktionen (bitte als Vollbild ansehen):
Praktisch ist die Minimum- und Maximum- oder Dauermessung, die den kleinsten oder größten Messwert anzeigt und beispielsweise die Messung von Raumdiagonalen vereinfacht. Für präzise Messungen aus einer Ecke oder Fuge heraus verfügen einige Geräte über ein ausklappbares Endstück oder einen ausfahrbaren Mess-Stift.
Zwar können einige mobile Aufmaßsysteme eingeschränkt auch dreidimensionale Daten erfassen, indem der Höhenwert für jeden Messpunkt oder raumweise mitgeführt wird.
Für ein „echtes“ 3D-Aufmaß sind jedoch spezielle Lösungen sinnvoller, wie etwa der nach dem tachymetrischen Prinzip arbeitende Leica Disto S910, der in CAD-Programme importierbare 3D-Raumkoordinaten erzeugt (siehe BM 04/2015 „3D-Aufmaß mit System“ Hier gehts direkt zu diesem BM-Beitrag).
Bluetooth erweitert die Möglichkeiten
Zusätzlich steigern lässt sich der Rationalisierungseffekt beim digitalen Messen durch Modelle mit Datenschnittstelle.
Deshalb bieten immer mehr Hersteller entsprechende Geräte an. Damit können Messdaten per Bluetooth- oder WLAN-Funk über kurze Distanzen an ein Smartphone, Tablet oder Notebook zur direkten Weiterbearbeitung mit einer Aufmaßsoftware übertragen werden. So vermeidet man Tippfehler bei der Eingabe und beschleunigt den Verarbeitungsprozess.
Eine teils im Lieferumfang enthaltene Datenübertragungs-Software bereitet die Messwerte so auf, dass sie direkt in Formulare beliebiger Standardprogramme, wie Excel-Tabellen, eingetragen werden können. Einige Hersteller (z. B. Bosch, Leica, Stabila oder Würth) bieten kostenlose Raum- oder Fotoaufmaß-Apps zur sofortigen Übernahme der Messdaten per Smartphone oder Tablet an. Durch die direkte Verarbeitung der Daten in Raumaufmaß-, Angebots- oder Abrechnungsprogrammen von Drittanbietern lassen sich Arbeitsabläufe zusätzlich beschleunigen und Fehler vermeiden.
Laser-Distanzmesser werden deshalb häufig auch als „Paket“ in Kombination mit Software angeboten oder sie sind Bestandteil eines Aufmaßsystems (z. B. von fensteraufmass.de, maxmess.com, palettecad.com, sander-doll.com oder auch winworker.de). Eingabemasken, Assistenten und die grafische Ergebnisanzeige dieser sowie weiterer Lösungen stellen sicher, dass kein Wert vergessen wird und fehlende oder falsche Werte noch vor Ort korrekt erfasst werden können.
Darauf sollte man bei der Auswahl achten
Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen zählen der Messbereich und die Genauigkeit: Der erste Wert gibt an, von welcher minimalen bis zu welcher maximalen Distanz in Metern das Gerät messen kann (z. B. 0,05 bis 80 m). Der zweite Wert gibt die Messgenauigkeit an (meist zwischen ± 1,0 und ± 2,0 mm). Folgende Vor-Ort-Faktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf diese Gerätedaten: die Lichtverhältnisse, die Oberflächenstruktur, die Farbe des Messobjektes sowie die Temperatur, bei der gemessen wird.
ISO-Norm schafft vergleichbare Praxiswerte
Da Herstellerangaben zur Geräteleistung meist unter optimalen Laborbedingungen stattfinden, die mit der herrschenden Realität auf Baustellen wenig zu tun haben, wurde mit der ISO 16331–1[1] eine Norm geschaffen, die technische Angaben zu Laserdistanzmessgeräten verschiedener Hersteller vergleichbar machen soll. Wer auf Nummer sicher gehen will, dass die Herstellerangaben mit der Praxis übereinstimmen, sollte auf diese ISO-Norm achten.
Von Absteckmaß bis Stromverbrauch
Zu den Standardfunktionen, die fast alle Geräte beherrschen, zählen Rechenfunktionen (z. B. Fläche, Volumen, Addition, Subtraktion, Pythagoras, Absteckmaß, Dreieck, Trapez etc.). Zusatzfunktion kann beispielsweise eine digitale Neigungsmessung sein. Für eine gute Ablesbarkeit der Messwerte insbesondere im Außenbereich ist neben der Displaygröße und -auflösung auch eine helle Hintergrundbeleuchtung entscheidend.
Bluetooth- oder WLAN-Datenschnittstellen erlauben die Übertragung von Messwerten und Berechnungsergebnissen an Aufmaßprogramme.
Die Stromversorgung erfolgt meist über mitgelieferte AA- oder AAA-Batterien oder Lithium-Ionen-Akkus. Mit 3000 bis 25 000 Messungen pro Batterie-/Akkusatz ist der Stromverbrauch sehr unterschiedlich, weshalb man auch darauf achten sollte.
Beim Gehäuse ist Baustellentauglichkeit und die Schutzart wichtig (IP 54 oder IP 65, siehe auch: de.wikipedia.org/wiki/schutzart). Weitere Auswahlkriterien sind die Abmessungen und das Gewicht, die Einfachheit der Bedienung, eine intuitive Menüführung, die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit sowie Automatismen wie das automatische Erkennen von ausgefahrenen Mess-Stiften oder das Abschalten nach längeren Bedienpausen.
Zwei Trends für zwei Einsatzbereiche
Aktuell sind zwei Trends zu beobachten: Der eine geht zum einfachen, kompakten „digitalen Zollstock“ mit Einknopfbedienung und wenigen Funktionen. Der andere zum multifunktionalen „Alleskönner“, der unter anderem auch Messen im Digitalfoto erlaubt.
Beide Trends haben ihre Berechtigung, denn: Ist der „digitale Zollstock“ Bestandteil des Werkzeugkastens, der täglich zum Einsatz kommt, steht nicht die Funktionsvielfalt, sondern eine einfache Bedienung, Robustheit und Zuverlässigkeit im Vordergrund.
Wirklich interessant wird die Lasertechnik allerdings erst, wenn über Datenschnittstellen digitale Messwerte noch an Ort und Stelle verarbeitet werden, weil dann Rationalisierungseffekte besser greifen und durch Medienbrüche bedingte Fehler vermieden werden.
Tabellarischer Vergleich gibt Einblicke
Der tabellarische Produktvergleich stellt deshalb eine Auswahl aktueller Geräte aus beiden Leistungskategorien beispielhaft vor, erhebt aber nicht den Anspruch einer Marktübersicht, da die Anzahl der Hersteller und Modelle inzwischen unüberschaubar geworden ist (siehe auch Liste weiterer Anbieter). I

Praxistipps zu Auswahl und Handling

Qual der Wahl: Das sollten Sie bedenken
  • Wo wird gemessen? Ob nur innen oder auch im Außenbereich gemessen wird, davon hängen der Messbereich, die Displayhelligkeit und die Notwendigkeit eines Zielsuchers bzw. Stativgewindes ab.
  • Was wird benötigt? Genügen Standards wie Länge und Fläche oder brauchen Sie auch Dauermessung oder Bluetooth?
  • Wer bedient das Gerät? Simple Ein-Knopf-Bedienung ist im Alltag für Kollegen mit unterschiedlicher Technik-Affinität oft praktischer als komplexe Geräte.
  • Wie robust muss es sein? Staub- und spritzwassergeschützt nach IP 54 sind fast alle Geräte. Robustere sind nach IP 65 staubdicht und strahlwassergeschützt. Gummierte Gehäuse sind griffiger.
Maßhaltig: Einfach richtig messen
  • Korrekt ausrichten: Gerät mit der Hinterkante, Vorderkante oder Stativschraube am Startpunkt ausrichten und diesen Messmodus vorher im Bedienfeld korrekt einstellen – sonst entstehen Messfehler!
  • Präzise anvisieren: Zielpunkt i. d. R. waagrecht anvisieren (Wasserwaage, integrierte Libelle oder Dauermessung nutzen). Startknopf ohne zu verwackeln drücken.
  • Messfehler vermeiden: Zum Anvisieren ggf. digitalen Zielsucher und Stativ nutzen. Evtl. Fehlermeldungen im Display beachten. Im Zweifel Kontrollmessung starten.
  • Oberflächen beachten: An Außenecken, spiegelnden Gläsern, glänzenden Metallen oder porösen (Dämm-) Stoffen sollte man eine Reflektor- oder Zieltafel verwenden.
  • Sicher messen: Geräte mit Lasern der Klasse 2 bilden keine Gefahr für das menschliche Auge, dennoch gilt: nicht auf andere Personen zielen und Sicherheitsbestimmungen beachten.
Weitere Regelwerke und Web-Links
[1] ISO 16331–1: Optik und optische Instrumente – Laborverfahren zur Überprüfung vermessungstechnischer Instrumente – Teil 1: Leistungsbeschreibung von Handheld-Laserdistanzmessgeräten; Beuth/Berlin, Mai 2012
Laser-Distanzmesser-Vergleich
Testberichte, Blogs, Tipps
Allg. Suchworte: Aufmaß, Bauaufmaß etc.

 


Der Autor
Dipl.-Ing. Marian Behaneck ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Software, Hardware und IT im Baubereich.

Download tabellarische Produktübersicht

 

 

Daten zu den Geräten finden Sie in der tabellarischen Übersicht.

Hier können Sie sich den Beitrag samt Produktübersicht als PDF herunterladen

 

 


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* ohne Anspruch auf Vollständigkeit


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